In freiem Fall von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2003
unter dem Titel Ad occhi chiusi,
deutsche Ausgabe erstmals 2007
bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Bari, 1990 - 2009.
Folge 2 der Guido-Guerrieri-Serie.
- Palermo: Sellerio, 2003 unter dem Titel Ad occhi chiusi. 224 Seiten.
-
München: Goldmann, 2007.
Übersetzt von Claudia Schmitt.
ISBN:
978-3-442-31133-0. 224 Seiten. -
München: Goldmann, 2008.
Übersetzt von Claudia Schmitt.
ISBN:
978-3-442-46708-2. 224 Seiten.
'In freiem Fall' ist erschienen als
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In Kürze:
Verzweifelt sucht Martina Fumai nach einem Anwalt. Doch niemand will sie vor Gericht vertreten. Denn der Mann, der Martina heimlich verfolgt und misshandelt, ist der Sohn eines gefürchteten Richters. Niemand in Bari würde es wagen, sich gegen ihn zu stellen. Niemand – bis auf einen. Avvocato Guido Guerrieri ist sofort bereit, Martina zu helfen. Nicht zuletzt deshalb, weil er von der jungen Frau fasziniert ist, die ihn in Martinas Namen um Hilfe bittet: Gekleidet in Jeans und schwarze Lederjacke stellt sie sich ihm als »Schwester Claudia« vor. Von nun an begleitet die jedem Klischee widersprechende Nonne den Anwalt bei seinen Ermittlungen. Und Guido Guerrieri findet nach und nach nicht nur heraus, wie er gegen Martinas psychopathischen Exfreund vorgehen muss, sondern auch, welches Geheimnis die rätselhafte Claudia umgibt …
Die Mafia ist nicht mehr, was sie einmal war. Wahrscheinlich ist sie heutzutage nicht einmal viel mehr als ein aufgescheuchter Hühnerhaufen von Möchtegern-Halbweltlern, die hier und da mal ein wenig erpressen, Waffen schieben, Drogen dealen und bei günstiger Gelegenheit auch schon mal den ein oder andern Mord begehen. Aber das alles scheint nicht mehr so stramm organisiert und tief verwurzelt in der süditalienischen Gesellschaft zu sein, wie es noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall war.
Oder wie sonst könnte ein »Anti-Mafia-Staatsanwalt« oder »Mafiajäger« die Zeit und vor allem die Ruhe finden, Kriminalromane zu schreiben? Und auch noch ausgerechnet so gute Romane, wie es ein Gianrico Carofiglio zustande bringt. In freiem Fall ist der zweite auf Deutsch erscheinende Krimi des Italieners, der in punkto Qualität deutliche Akzente setzt.
Ein Stalker aus gutem Hause
Guido Guerrieri, der Rechtsanwalt und Protagonist in Carofiglios Romanen, bekommt Besuch von Schwester Claudia, einer ungewöhnlichen und geheimnisvollen Ordensfrau, die ein Frauenhaus außerhalb Baris leitet. Eine der Frauen aus ihrem Heim, Martina Fumai, wird von ihrem ehemaligen Lebensgefährten verfolgt, bedroht und körperlich angegriffen. Sie tut sich allerdings schwer einen Rechtsbeistand zu finden, denn ihr Stalker ist ausgerechnet der Sohn eines ranghohen und einflussreichen Richters. Keiner von Baris Anwälten hat es bislang gewagt, seine Karriere durch eine Klage aufs Spiel zu setzen. Doch Guerrieri scheint von Schwester Claudia verzaubert und nimmt den Auftrag als Anwalt der Nebenklägerin an.
Doch schon bald kommen ihm Zweifel. Martina Fumai war vor Jahren in psychotherapeutischer Behandlung. Der Verteidiger droht offen damit, diese Karte zu spielen. Ein psychologisches Gutachten der Nebenklägerin soll ihr eine verminderte Zurechnungsfähigkeit attestieren, womit der Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen angezweifelt werden soll.
Exzellente Einflechtung des süditalienischen Alltags
Der Kampf David gegen Goliath vor Gericht ist nichts Neues. Korrupte Anwälte und Richter erwartet man dank der Ausgangslage geradezu. Auch die Auswüchse häuslicher Gewalt und Belästigung durch einen Stalker hat nicht erst Carofiglio erfunden. Die Frage, inwiefern eine Behandlung bei einem Psychotherapeuten automatisch die Glaubwürdigkeit eines Menschen vor Gericht in Zweifel ziehen darf, ist das Motiv mit Alleinstellungscharakter in diesem Roman. Der Autor zieht diesen Trumpf sehr subtil und unprätentiös aus dem Ärmel. Die Aufarbeitung dieses Themas in aller Kürze und Klarheit lässt keine Fragen offen.
Worin Carofiglio jedoch wahre Meisterschaft erlangt, ist die Beschreibung des Alltags eines geschiedenen Anwalts in Bari. Viele der kurzen Kapitel haben keinerlei Relevanz für die Entwicklung des Gerichtsprozesses. Guido Guerrieri menschelt. Seine Wanderungen in der Mittagpause, die Aufregung vor einem wichtigen Termin, der Umgang mit Margherita, seiner Nachbarin und Lebensgefährtin, nächtliche Spaziergänge. Alles ist so unspektakulär, aber auf geradezu wunderbare Weise unterhaltsam. Das tägliche Leben wird bei Carofiglio zum glitzernden Schmuck eines mitreißenden Gerichtsromans.
Man sagt, Juristen lernten vor allem eines: Zum Punkt zu kommen. Carofiglio beweist diese These. Kurze knappe Kapitel, eine eingängliche Sprache und eine schnurgerade Handlung. Nicht viele Autoren beweisen mit ihrem zweiten Roman die Klasse, die der erste erhoffen ließ. Carofiglio ist so eine Ausnahme. Vom Anwalt aus Bari möchte man gerne mehr lesen.
Thomas Kürten, März 2007
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| tedesca zu »Gianrico Carofiglio: In freiem Fall« | 24.08.2010 |
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| mylo zu »Gianrico Carofiglio: In freiem Fall« | 18.11.2009 |
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| Volker zu »Gianrico Carofiglio: In freiem Fall« | 05.06.2007 |
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