Tote mögen kein Sushi von Gert Anhalt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 bei Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Frankfurt/Main & Japan, 1990 - 2009.
Folge 1 der Hamada-Serie.

  • München: Knaur, 2002. 294 Seiten.
  • München: Knaur, 2004. ISBN: 3-426-62739-6. 294 Seiten.

'Tote mögen kein Sushi' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Hamada Ken ist Privatdetektiv in Tokio. Cool wie Humphrey Bogart will er sein, aber es reicht nicht ganz für die große Nummer. Doch da steht eines Tages der schwer reiche Unternehmer Takahana in Hamadas Bürocontainer und bietet ihm ein fürstliches Honorar für einen läppischen Job: Er soll als Geldbote nach »Frankufuroto« fliegen. Hamada wittert die Chance seines Lebens und greift zu. Leider nehmen die Dinge eine unerwartete Wendung. In Frankfurt mischt man ihm ein Betäubungsmittel ins Essen, und am nächsten Morgen erwacht er in einem Park neben einem enthaupteten Manager. Das blutige Samuraischwert hält Hamada noch in der Hand. Nun ist guter Rat teuer …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein erquicklicher Kulturcrash, ein Krimikleinod« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Es gibt Detektive, denen sieht man ihren Beruf überhaupt nicht an. Da wäre zum Beispiel Kenji Hamada, der kleine Japaner, der abgetrocknet gerade mal siebzig Kilo inklusive Plattfüsse auf die Waage bringt und sich selbst Ken nennt, weil er dem männlichen Pendant zu Barbie gerne ähnlich wäre. Ist er aber so ganz und gar nicht und darum hockt er in einem vergessenen Blechcontainer vis-a-vis der neuen Einkaufszentrums, in dem früher die Bauleitung untergebracht war. Arbeit gibt es für den Knilch eigentlich nicht, den Japaner haben kein Privatleben und so braucht es wohl auch keinen Privatdetektiv. Ergo bleibt dem Möchtegernermittler nur, seine geliebten Megaman-Mangas zu lesen, aus denen er seine tiefschürfenden Berufsgeheimnisse erlernt.

Doch eines Tages trampelt jemand die Blechstiegen des Containers hoch und tritt in das Behelfsbüro ein. Einer von den ganz reichen, japanischen Industriebossen, namens Takahana stellt zwei Köfferchen auf den Tisch, in denen sich schlappe zehn Millionen Dollar befinden, die Hamada schleunigst nach Deutschland bringen soll, denn der dortige Repräsentant des Unternehmens benötigt dringend Lösegeld für seinen entführten Sohn.

Hamada, der das typische Deutsch spricht, das gelehrte Japaner so von sich geben, rühmt sich auch einer Affäre mit einer deutschen Frau ,und so macht er sich mit Feuereifer ans Werk, um endlich deren Heimat zu sehen und seine Sprachkenntnisse auszuprobieren. In Furankufuruto, wie Japaner Frankfurt bezeichnen, wird Ken erstmal von den bedauernswerten Eltern des entführten Jungen in ein japanisches Restaurant zum Essen ausgeführt. Allerdings scheint deutsches Bier nicht unbedingt für einen japanischen Magen geeignet zu sein und den ansonsten trinkfesten Detektiv haut es gehörig aus den Pantoffeln.

Als er wieder zu sich kommt, liegt er auf einer Wiese und sein Klient liegt neben ihm. Kopflos! Eines dieser japanischen Schwerter, die man Katana nennt und die auch der Firma des Opfers den Namen gegeben haben, hat das Haupt fein säuberlich vom Rumpf getrennt. Und Kenji steht nun da und alles sieht danach aus, als wäre er der Ninja-Killer mit dem Nipponsäbel. Abhauen heißt die Devise und genau das macht unser Superheld. Er forscht die Wohnung seiner Exfreundin Susanne aus und flieht zu ihr, unwissend, dass die frühere Flamme heute als Regional Assistant Manager bei Katana tätig ist.

Irgendjemand hat den leicht naiven Kenji kräftig geleimt und versucht ihn als Sündenbock hinzustellen. In den Zeitungen als wüster Killer dargestellt und von den Behörden gesucht, plagt sich unser kleiner Japaner ab sofort mit seiner Bekannten, um herauszufinden, wer hinter diesem ganzem Schlamassel in Deutschland und Japan steckt. Und dabei stolpert er von einem Verrat zum nächsten, bis es ihm endlich gelingt …

Schon auf den ersten Seiten musste ich laut auflachen. Vor über zwanzig Jahren besuchte mich das erste Mal mein japanischer Freund Kimihiko in Wien. Er hatte am Goetheinstitut in Tokio Deutsch studiert und war schriftlich ein grammatisches As. Als er jedoch seine erste deutsche Konversation im Kreise meiner Familie über sich (und uns) ergehen ließ, griffen wir umgehend auf die Gebärdensprache zurück. Mittlerweile kann er seine Sprachübungen, aber wir lachen noch immer darüber, wie er meine Mutter bat, ihm sein Lieblingsessen zu kochen, nämlich »Watasipatati«. Wer von euch käme darauf, dass es sich dabei um Petersilienkartoffel handelt?

Anhalts Detektiv Hamada kann man nicht einmal als Karikatur bezeichnen. Wer sich mit Japanern hierzulande und auch in deren Heimat beschäftigt hat, entdeckt in jeder Darstellung die rührende Faszination dieses Volkes, dessen Verhängnis wohl der plötzliche Übergang vom japanischen Altertum zur Moderne ist. Aus jedem Wort des Autors spricht seine Kenntnis von den uns unverständlichen Sitten und Gebräuchen und dem Zwiespalt in denen die Burschen (und natürlich Mädchen) gelangen, wenn sie plötzlich in unseren Kulturkreis gestoßen werden.

Daraus allein ergibt sich schon genügend Witz, aber Gert Anhalt hat auch in die Story genügend Überraschungen verpackt und daraus ein spannendes und humorvolles Krimikleinod entwickelt, dass von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.

Das meinen andere:

»Sie sollten dieses Buch lesen, weil es mit Abstand zu den witzigsten Krimis gehört, die ich kenne.« (Westdeutscher Rundfunk)

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Dieter Martens zu »Gert Anhalt: Tote mögen kein Sushi« 28.02.2013
Ich war 2012 das erste Mal in Tokio und meine Frau und ich haben uns die Stadt per Metro erobert. Kürzlich fand ich das Buch "Tote mögen keine Sushi" in einer Buchhandlung zuhause. Es ist ein schönes Gefühl, mit Begrifflichkeiten wie "Yoyogipark" oder "Shibuya" etwas verbinden zu können. Ich habe das Buch genossen und was mir bei Krimis selten passiert: aufgrund des tiefgründigen und intelligenten Humors, der unerwarteten situativen Interpretationen, der erstaunlichen Ableitungen, die den CULTURECLASH betreffen, die der Autor aus der Sicht eines Japaners vornimmt, konnte ich nicht umhin, beim Lesen manchmal richtiggehend abzugackern.
Ich werde mit die anderen Bücher auf jeden Fal besorgen und freue mich darauf!
mylo zu »Gert Anhalt: Tote mögen kein Sushi« 18.09.2011
Mich hatte gereizt, hier mit Hilfe eines Krimis gleich auch etwas über Japan zu erfahren. Diese Erwartung wurde mehr als erfüllt, obwohl ein Großteil der Handlung in Deutschland stattfindet.
Spannung ist im ausreichenden Maße ebenso vorhanden so fast satirischer Humor mit dem etwas schrulligen Privatdetektiv Hamada Kenji der schon fast parodistische Züge aufweist.
Kurzweile auf hohem Niveau und einer ordentlichen Portion Humor.
85 Punkte
emil zu »Gert Anhalt: Tote mögen kein Sushi« 17.02.2008
ich habe alle drei teile öfters gelesen, man kann immer wieder über gert anhalts pointen lachen. außerdem ermöglichen die bücher einen einblick in japans seele, bei dme man selber entscheiden kann ob man die gesellschaft symphatisch oder eher lästig finden soll. empfehlenswert auf jeden fall.
Jessica zu »Gert Anhalt: Tote mögen kein Sushi« 20.06.2007
Ich hab das Buch zufällig im Laden gefunden. Ich bin ein großer Japan und Krimmi- Fan, also die perfekte Mischung. Hamada ist mal ein was anderer Ermittler. Keiner bei dem alles klappt und der super in Form ist;gefällt mir gut. Freue mich auf weitere Bücher.
morus64 zu »Gert Anhalt: Tote mögen kein Sushi« 02.11.2005
Wieder ein überaus witziger Anhalt, m.E. noch besser als die Handvoll Yen! Sicherlich werden wir mit japanischen Klischees bedient, aber hier sprecht kein Blinder von der Farbe! Da braucht man schon langjährige Außendiensterfahrung im Reich der Mitte, über mit so spitzer Zunge sarkastisch und dennoch liebevoll über Japans Land und Leute zu schreiben. Natürlich ist dieser Witz nicht über 320 Seiten konstant zu halten oder gar zu steigern, aber eigentlich handelt es sich ja auch um einen Krimi und nicht um einen Schelmenroman.

FAZIT: 85 GRAD, genau richtig, wenn man etwas mitgenommen ist nach allzu vielen Serienmördern, Täterprofilen und amerikanischem Großstadt-Feeling.
Georges Winter zu »Gert Anhalt: Tote mögen kein Sushi« 30.10.2005
Dieses Buch ist nicht nur etwas für Japan_Kenner. Nein, im Gegenteil, wer es liest wird danach sehr viel mehr über das Land der aufgehenden Sonne und der immerwährenden Höflichkeit wissen. Das Buch ist sehr rasant, manchml etwas wirr, und unglaublich spannend. An einen Lesestopp ist nach dem Reinlesen nicht mehr zu denken. Einmal angefangen sitzen Normalsterbliche wie ich mindestens zei Stunden gebannt davor. Der größte Faktor im Buch ist wohl der herrlich verrückte Humor. Eigentlich ist das Buch eine spritzige Parodie auf alle Actionfilme und vorallem auf Japan. Ein kleines Makel ist jedoch zu finden: Ich war selber vor kurzem länger in Japan und bin mir sicher, dass kein Japaner so denken und reden würde wie Anhalts Held Hamada Kenji.
Fazit: Ich würde alles tun, damit sie dieses Buch lesen!!!
Pascal zu »Gert Anhalt: Tote mögen kein Sushi« 19.10.2005
Das deutsch Pendant zu Lehane´s Kenzie und Gennaro Reihe.
Statt einem Iren und einer Italienerin ein japanisch-deutsches Paar, das mit Witz und Streitigkeiten durch einen Fall stolpert. Statt Bubba gibt es Kiko.

Toll. Ich freue mich schon den nächsten Teil zu lesen.
Uwe Wäldchen zu »Gert Anhalt: Tote mögen kein Sushi« 03.09.2004
Ich schliesse mich der Meinung von Peter an. Der Humor ist der ausschlaggebende Teil in diesem Buch, der Krimianteil eher mittelprächtig.
Man merkt dem Autr die profunde Kenntnis Japans und vorallem der Japaner an und genau das macht bei diesem Buch Spass. Der kleine Ausflug in die nicht gerade ruhmreiche Kriegsvergangenheit ist zwar für die Handlung klug gewählt, aber hat mir persönlich nicht so gut gefallen.

Aber dieses Buch (wie auch sein Nachfolger) hat mich gut unterhalten und das ist genau das, was ich von einem Buch erwarte. Nicht mehr und nicht weniger.
Désirée zu »Gert Anhalt: Tote mögen kein Sushi« 25.08.2004
Ich habe das Buch soeben beendet und bin zufrieden. Es reicht nicht aus, mich in Ekstase zu versetzen, denn das Lesen ist zeitweise etwas schwerfällig gemacht und auch nicht alle komisch gedachten Stellen sind es, aber die Geschichte hat mich soweit gebracht, dass ich mir auch den 2. Teil kaufen werde...
Peter zu »Gert Anhalt: Tote mögen kein Sushi« 30.12.2002
Ich kann der obigen Rezension in großen Teilen zustimmen, jedoch nicht dem letzten Nebensatz. Fesseln konnte der Roman leider nur abschnittsweise. Für seinen Humor hätte das Buch auf jeden Fall eine Höchstwertung verdient, als Gesamturteil halte ich jedoch 75 Grad für angemessen.
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