Sayonara für eine Leiche von Gert Anhalt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Japan / Tokio, 1990 - 2009.
Folge 3 der Hamada-Serie.

  • München: Knaur, 2007. ISBN: 978-3-426-63297-0. 329 Seiten.

'Sayonara für eine Leiche' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Hamada Kens Selbstfindung im Zen-Kloster endet jäh, als er sich beim morgendlichen Putzen einen Nerv einklemmt und vorübergehend die Fähigkeit zum aufrechten Gang einbüßt. Während er sich zur Behandlung einem teuflischen Shiatsu-Meister ausliefert, wird sein Freund und Klosterbruder Sabu von der japanischen Mafia entführt. Sabu, steinreicher Sohn eines korrupten Baulöwen, hatte offenbar einige sehr heiße Eisen im Feuer. Noch etwas steif im Rücken beginnt Hamada zu ermitteln …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Reiz des Neuen ist verflogen« 72°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Sayonara für eine Leiche knüpft dort nahtlos an, wo Für eine Hand voll Yen aufgehört hat. Die Sängerkarriere unseres Helden Hamada Ken ist beendet, nun befindet er sich auf Selbstfindungstrip in einem Kloster. Doch schnell erkennt er, dass dies nicht der richtige Weg für ihn ist. Als ihn beim Putzen das Schicksal in Form eines Hexenschusses ereilt, ist seine Zeit im Kloster beendet.

Nach der ersten Schmerzlinderung durch einen sensei und vor seiner Abreise aus dem Kloster will er sich noch von seinem Freund Sabu, der die Strapazen des Zenklosters gemeinsam mit ihm aufgenommen hat, verabschieden, doch der wurde bereits von einem großen amerikanischen Wagen mit abgedunkelten Scheiben abgeholt. Für Hamada ist sofort klar, dass Sabu der yakuza – quasi die Mafia Japans – in die Hände gefallen ist.

Mit dem nun herrenlosen Ferrari Sabus macht sich unser Detektiv auf, der Spur seines Freund zu folgen und beginnt mit der Suche nach Hinweisen in dessen Wohnung. Dabei lernt er dessen Nachbarin Uedo Yoshiko – Bestsellerautorin und Sexbombe – kennen. Dieser scheint Hamada nicht unsympathisch zu sein, doch aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit kann sich Hamada keine körperlichen Hochleistungen erlauben. Von Yoshiko erfährt Hamada, daß bereits Sabus Bruder – von dessen Existenz ihm bislang nichts bekannt war – in der Wohnung gewesen ist.

Aus den Nachrichten dringt dann schon bald die Meldung, daß Sabu tot aufgefunden wurde. Doch von dessen angeblichem Selbstmord will Hamada nichts wissen. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, den Mord an seinem Freund selber aufzuklären. Seine Ermittlungen führen ihn zu Sabus reicher Familie, von der außer Sabus Bruder Hitoshi noch die beiden Witwen seines Vaters, die beiden Mütter dessen Söhne übrig sind: Misako und Masako. Hamada verdingt sich nun als Fahrer und Mädchen für alles bei den beiden Witwen, um Sabus Mörder zu finden, doch ahnt er nicht, was er sich damit aufgebürdet hat.

Das Geheimnis der Penisse – noch immer ungeklärt

Gert Anhalt nimmt wieder in Gestalt seines Privatdetektivs Hamada, der als Erzähler der Stories fungiert, Japan und seine Bevölkerung aufs Korn. Leider ist die Episode im Zen-Kloster etwas knapp ausgefallen. Das hätte noch ein wenig Potential gehabt. Wie auch in den beiden Vorgänger-Bänden steht der Plot im Hintergrund, doch dieses Mal ist die Story schon etwas dürftig ausgefallen.

Hamada selbst überzeugt wie immer. Sein Rückenleiden hält ihn zwar von sexuellen Kontakten mit schönen Frauen ab, nicht aber von seiner Arbeit, die diesmal zur Privatsache wird. Und natürlich löst er den Fall mit gewohnter Ahnungslosigkeit und beeindruckt sogar seinen Lehrling immer wieder.

Das Geheimnis der Penisse – der Running-Gag der Hamada-Romane stand kurz vor seiner Auflösung, doch im letzten Moment kam wieder etwas dazwischen. Dafür aber werden wir mit der Beschreibung einer anderen japanischen Köstlichkeit entschädigt:

»Natto sind gegorene Sojabohnen, die kurz davorstehen, lebendig zu werden, lange, klebrige Fäden ziehen und wie Schweißfüße schmecken, die zu lange in einer Salzlauge gesteckt haben. Mit etwas scharfem Senf und Sojasoße schmecken sie lecker, wie salzige Schweißfüße mit etwas Senf und Sojasoße. Wir Japaner lieben natto, weil es – anders als etwa sushi – das einzige Gericht ist, das wir ganz für uns alleine haben und das kein Ausländer uns jemals streitig machen wird, weil jedem Ausländer davon schlecht wird.«

Insgesamt gesehen bietet Gert Anhalt mit dem dritten Roman seiner Hamada-Reihe wieder viel Spaß und Unterhaltung. Der Reiz des Neuen allerdings ist mittlerweile verflogen. Deshalb sollte sich der Autor für die weiteren Folgen lieber etwas mehr auf die Story konzentrieren.

Peter Kümmel, Mai 2007

Ihre Meinung zu »Gert Anhalt: Sayonara für eine Leiche«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

mrtux zu »Gert Anhalt: Sayonara für eine Leiche« 14.04.2015
Auch der dritte Teil der Hamada-Kenji Serie enttäuscht nicht und führt die Story mit den gewohnten Hamada-Kenji Klischees fort.

Natürlich spielen auch diesmal wieder Yakuza mit... wie immer

Natürlich irrt Hamada ahnungslos bis kurz vor den Schluss durch den Fall... wie immer

Natürlich landet Hamada bei der Frau nicht... wie immer.

Die einzige große Änderung ist wohl, daß Hamada nicht mehr so ganz trottelig auftritt wie in den ersten Bänden. Er wird wohl älter...

Und auch wenn gewisse Storyelemente den ersten beiden Bücher ähneln, so treten sie doch nicht als langweilige Repitition auf, sondern binden Geschickt Elemente der ersten Bücher mit ein. Kennern dieser Werke entschlüpft dann beim Lesen zwangsläufig ein gewisses Grinsen. Auch lassen sich wieder verarbeitete Elemente aus Gert Anhalts Reportagen erkennen, wie z.B. der Klosteraufenthalt.

Trotzdem ist da wieder dieser typische Gert-Anhalt-Spannungsbogen wie in den ersten Bänden, das Tempo erhöht sich ab dem ersten Drittel stetig .. so daß man das Buch kaum noch aus der Hand legen und in ich wie schon bei den anderen beiden Büchern die Geschichte an zwei Abenden gierig verschlang.

Kurzum: Wer die ersten beiden Bücher schon kennt: Ein Muss.

Ansonsten: Für alle Krimifans, die auch viel Slapstickhumor und einen Japantouch mögen: Unbedingt mal reinschauen!
Kirsten Klein zu »Gert Anhalt: Sayonara für eine Leiche« 28.05.2013
Die vergebenen 72° von Krimi Couch kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe alle drei Romane von Kenji Hamada gelesen und ich will unbedingt mehr. Ich finde alle drei Bücher klasse und unbedingt lesenswert! Der Protagonist ist sehr humorvoll beschrieben und meiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Bitte mehr davon Herr Anhalt :-).
Pascal zu »Gert Anhalt: Sayonara für eine Leiche« 12.02.2007
Auch hier stolpert der Protagonist wieder in einem Kriminalfall herum. Die Vorgänger haben mir besser gefallen, aber die Auflösung hat mich dann doch überzeugt und milder gestimmt.

Fast hätte der Autor sogar das Geheimnis der "Penisse" aufgelöst - aber eben nur fast. Die Diskussionsrunde in der "Little Box" habe ich sehr vermisst.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Sayonara für eine Leiche

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: