Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien von Georges Simenon

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1931 unter dem Titel Le pendu de Saint-Pholien, deutsche Ausgabe erstmals 1934 bei Schlesische Verlagsanstalt.
Folge 3 der Maigret-Serie.

  • Paris: Fayard, 1931 unter dem Titel Le pendu de Saint-Pholien. 253 Seiten.
  • Berlin; Hamburg: Schlesische Verlagsanstalt, 1934 Der Schatten. Übersetzt von Harold Effberg. 231 Seiten.
  • München: Heyne, 1966 Maigret unter den Anarchisten. Übersetzt von Joachim Nehring. 140 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1981. Übersetzt von Sibylle Powell. 179 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2008. Übersetzt von Sibylle Powell. Sämtliche Maigret-Romane in 75 Bänden, Bd. 3. ISBN: 978-3-257-23803-7. 173 Seiten.

'Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Aus einer Eingebung heraus heftet sich Maigret während einer kurzen Dienstreise nach Brüssel an die Fersen eines schäbig gekleideten Mannes, den er in einem kleinen Cafe Tausendfrancsscheine hat zählen sehen. Für den Kommissar wird daraus zunächst eine lange Reise und dann ein quälendes Schuldgefühl …

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christian naton zu »Georges Simenon: Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien« 15.01.2016
Ein toller Maigret, er gehört in meine Top 10 der Simenon-Bücher.
Man ist sofort in den Fall hineingezogen und nimmt Anteil. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, und es macht einfach Spaß, diesem kauzigen Kommissar bei der Arbeit über die Schulter zu sehen. Die total verworrene Ausgangssituation wird originell aufgelöst, aber wichtiger als die Frage nach den Tatmotiven ist immer wieder die Atmosphäre und der psychologische Hintergrund. Man merkt diesem Roman sein Alter eigentlich nicht an.
Alois Becker zu »Georges Simenon: Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien« 07.01.2015
Zwei Menschen werden aus Selbstüberschätzung und Alkoholismus zu Selbstmördern, ein dritter stirbt als ihr Opfer.Hier von „Anarchisten“ zu reden ist verfehlt, die Bezeichnung „Bohème“ trifft eher auf diese Gruppe von „dummen Jungen“ (so Maigret am Schluss) zu.
Auch sollte „der Gehängte“ im Titel besser durch „der Erhängte“ ersetzt werden, denn er hat es ja selbst getan.Simenon baut zahlreiche Spannungsmomente ein, was in späteren Romanen nicht immer der Fall ist.Dass Maigret am Ende die Nachkommenschaft der Männer vor weiteren Folgen der Tragödie bewahren möchte, ist ein menschlich verständlicher Entschluss und entspricht Simenons Auffassung von der Unzulänglichkeit „irdischer Gerechtigkeit“, wie sie in späteren Romanen noch öfters thematisiert wird.
Stefan83 zu »Georges Simenon: Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien« 09.12.2012
Nachdem Georges Simenon im Winter 1929/1930 seinen Kriminalkommissar Jules Maigret aus der Taufe gehoben und den ersten Roman „Maigret und Pietr der Lette“ geschrieben hatte, entstanden die folgenden drei Romane aus der Serie in rascher Folge im Sommer 1930. Darunter war auch „Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien“, den er im Februar 1931 veröffentlichte. Gepaart mit einer ganzen Reihe werbewirksamer Maßnahmen (u.a. ein Maskenball mit an die 1.000 Personen) sorgte dieser Roman für den Durchbruch Simenons, der sowohl bezüglich der Schauplätze als auch der Handlung sehr viel Autobiographisches in die Handlung mit einfließen ließ.

Ihren Anfang nimmt diese an einem Bahnhof an der holländisch-deutschen Grenze, wo Maigret, der von einer Dienstreise aus Lüttich zurückkehrt, ein ärmlich gekleideter Mann auffällt, der gedankenverloren durch einen großen Stapel von 1000-Francs-Scheinen blättert. Der Kommissar verfolgt den Fremden kurzerhand zur Post und beobachtet aus sicherer Entfernung, wie dieser die Geldscheine in einen Briefumschlag gen Paris verschickt. Als der Mann schließlich einen Koffer kauft, tut es ihm Maigret, der argwöhnt es mit einem Schmugglerring zu tun zu haben, gleich. Gemeinsam besteigt man den Zug nach Bremen, wo im günstigen Moment die Koffer vertauscht werden. Erst in einem heruntergekommenen Hotel realisiert der Fremde, dass er den Inhalt des Koffers verloren hat. Bevor Maigret, der ihn durch ein Schlüsselloch beobachtet, eingreifen kann, zieht der Mann einen Revolver und schießt sich in den Kopf. Von Schuldgefühlen getrieben macht sich der Kommissar daran, dass Geheimnis um diesen seltsamen Selbstmord zu lüften. Und schon bald ist er nicht mehr der einzige, der reges Interesse am Ableben des Fremden zeigt …

Wohin führen die Verwicklungen im Fall des merkwürdigen Fremden? Worin besteht das Verbrechen? Und hat es überhaupt eins gegeben? Es ist ein ziemlich dichter und dunkler Nebel, durch den Leser diesmal dem Kommissar folgen muss, versehen mit allerlei Hinweisen, auf mögliche Hintergründe, die sich im nächsten Moment wieder als hinfällig erweisen. Dabei bleibt die Frage nach dem Wieso sehr lange offen, weil sich die Verdächtigen als findige, trickreiche Gegenspieler erweisen. In Maigret finden sie aber natürlich dann doch ihren Meister. Seine hartnäckige Beschattung und die schiere entnervende Anwesenheit wirken so zermürbend, dass die Fassaden letztlich bröckeln und dahinter die Wahrheit zutage kommt. Diese ist – für Ermittler und Leser gleichermaßen – ernüchternd. Simenon greift an dieser Stelle in hohen Maße auf eigene Erfahrungen zurück, schildert die möglichen Folgen nihilistischen Gedankenguts – eine Begleiterscheinung ihrer Zeit, welche, geprägt von Arbeits- und Perspektivlosigkeit, einen fruchtbaren Boden für jegliche Art von Gewalt geboten hat. Und welche hier für den düsteren Grundtenor der Geschichte sorgt.

Am Ende der Jagd stellt sich dennoch keinerlei Hochgefühl ein. Im Gegenteil: Die Gejagten erweisen sich als allzu menschlich. Das Mitgefühl triumphiert über das Loblied auf die Gerechtigkeit. Es ist diese traurige und zugleich schöne Schilderung des Unglücks, die uns verstehen und nicht verurteilen lässt. Und damit den Roman zu mehr als nur einem Krimi macht.

Meiner Ansicht nach hat sich Georges Simenon mit seinem dritten Maigret-Roman nochmals steigern können. Ein berührendes, in den Bann ziehendes kleines Literaturjuwel, das etwas beherzigt, was dem Spannungs-Genre heutzutage zumeist gänzlich abhanden gekommen ist: Glaubwürdigkeit.

Knapp, dicht, eindringlich. Unbedingte Leseempfehlung!
Hector Lector zu »Georges Simenon: Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien« 29.09.2011
Dieser Maigret-Band hebt mit einer ganz großartigen Szene an, deren Folgen den Kommissar in düsterem, fast schuldigen Licht hinterlässt.
Hier wird gestohlen, gelogen und geschossen... Dies ist also kein Schreibtischkrimi!
Auch wenn manche Porträts recht klischeehaft sind (junger, armer Künstler), so lohnt sich die Lektüre sehr und ist dem Maigretfreund zu empfehlen.
SukRam zu »Georges Simenon: Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien« 31.08.2009
Simenon will weder zu Agatha Christies Rätselkrimis noch zu den Hard-Boiled-Helden zur gleichen Zeit passen, sodass man ihn auch nicht in Klischees einordnen kann.

Wie im ,,Verstorbenen Monsieur Gallet" stochert Maigret in der Vergangenheit herum und stößt auf verschiedene Identitäten. Die einfachen und geisterhaften Zeichnungen der Personen überwältigen den Leser und die traurige Wahrheit berührt sicher viele.
Und Mörder gibt es bei Simenon irgendwie sowieso nicht: alle sind nur Menschen voller Dummheiten, egal ob 1930 oder heute.

Meine Wertung: 86°
John67 zu »Georges Simenon: Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien« 30.07.2009
Maigret ist mal wieder ein EInzelkämpfer unterwegs, ohne die Hilfe seiner
Mitarbeiter. Er wird zwar ständig von einem ihm immer unsympatischer werdenden Schatten genervt, den er auch auf seine mürrische Art auflaufen läßt, dennoch verliert er nie den Faden oder läuft in die Irre.
Schnell bemerkt er, daß es hier übergeordente Zusammenhänge aus der Vergangenheit gibt, die es gilt, wie ein Puzzle zusamenzusetzen.
Am Ende des Krimis kommt eine bei Simenon höchst selten auftretende Spannung auf und dadurch unterscheidet sich dieser Krimi wohl auch von den vielen anderen Maigret Fällen.
Lesenswert und spannend!!
Lea Alexandra Muntwyler zu »Georges Simenon: Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien« 17.09.2005
Dieser Maigret gehört zu einer meiner Lieblinge! Neben Maigret bei den Flamen und Hier irrt Maigret ist dieser wirklich grandios! Er ist psychologisch aufgebaut mit vielen guten Szenen versehen und interessant bis auf das letzte Wort! Ein köstliches Werk einer der besten literarischen Autoren, die ich kenne. Lest ihn Leute, denn er ist spannend und wird Euch hoffentlich genau so gefallen! Grüsse
Kai Sieben zu »Georges Simenon: Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien« 05.08.2005
Diesmal ist Maigret so richtig psychologisch und sogar das kann er. Dieser Roman ist zwar kein Highlight der Branche, aber immerhin konnte ich mich an den Titel erinnern. Dabei ist es 20 Jahre her, seitdem ich diesen Roman gelesen habe.
Eine spannende Lektüre, für den Urlaub gerade richtig. Es hat was von den zehn kleinen Negerlein.
Torsten Janssen zu »Georges Simenon: Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien« 19.07.2005
Diese Meinung muß ich reviedieren. Denn das war mein 1. Maigret. Mittlerweile habe ich etwa 15 gelesen. Und mit jedem wächst er mir mehr ans Herz. Das Geheimnis der Maigrets ist, das um so mehr man von ihm ließt, die Bücher immer besser werden. Wenn man Pech hat, kann man einen Maigret erwischen der uninteressant ist, und man liest ihn nicht wieder. Doch wenn man sich die Mühe macht und darn bleibt, stößt man irgendwann auf einen guten wie "Maigret bei den Flamen", "Maigret contre Pipcus" oder "Hier irrt Maigret". Also dran bleiben. Grüße
Torsten Janssen zu »Georges Simenon: Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien« 07.10.2003
Ick kann mir einfach nicht helfen, aber mit Maigret ( Obwohl er zufällig meine E-Mail Adresse ist) kann ich mich noch nicht zu 100 % anfreunden. Das Tempo ist sehr langsam, die Geschichten merkwürdig unspektakuär und die Auflösungen oft wenig überraschend. Sicherlich muss es viele Fans geben, sonst wäre es ja nicht eine so lange Serie, und eine so liebevolle Internet Seite geworden. Um Maigret zu lieben, muss man wohl mehr von ihm lesen.

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