Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes von Georges Simenon

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1931 unter dem Titel La tête d´un homme, deutsche Ausgabe erstmals 1935 bei Schlesische Verlagsanstalt.
Ort & Zeit der Handlung: Paris, 1930 - 1949.
Folge 5 der Maigret-Serie.

  • Paris: Fayard, 1931 unter dem Titel La tête d´un homme. 254 Seiten.
  • Berlin: Schlesische Verlagsanstalt, 1935 Alpdruck. 230 Seiten.
  • Wien: Hammer, 1948 Um eines Mannes Kopf. Übersetzt von M. Konrad. 175 Seiten.
  • Köln; Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 1958 Maigret riskiert seine Stellung. Übersetzt von Isolde Kolbenhoff. 190 Seiten.
  • München: Heyne, 1966 Maigret riskiert seine Stellung. Übersetzt von Isolde Kolbenhoff. 139 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1979. Übersetzt von Roswitha Plancherel. ISBN: 3-257-20714-X. 189 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2008. Übersetzt von Roswitha Plancherel. Sämtliche Maigret-Romane in 75 Bänden, Bd. 5. ISBN: 978-3-257-23805-1. 182 Seiten.
  • [Hörbuch] Zürich: Diogenes, 2006. Gesprochen von Friedhelm Ptok. ISBN: 978-3-257-80041-8. 4 CDs.

'Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Eine Todeszelle im Santé-Gefängnis in Paris. Zwei Uhr morgens. Joseph Heurtin steht auf, geht zur Tür hinaus, die Gänge entlang, in den Gefängnishof hinab. Er klettert über die Mauer, verschwindet. Sein Fluchthelfer: Maigret höchstpersönlich …

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine leichte Brise Raskolnikow weht durch die Seiten« 75°

Krimi-Rezension von Wolfgang Reuter

Paris, Santé-Gefängnis: Im Hochsicherheitstrakt befindet sich der zum Tode verurteilte Joseph Heurtin. Drei Tage zuvor hat er am Boden seines Essnapfs einen Zettel mit einem detaillierten Ausbruchsplan gefunden.

Es ist zwei Uhr morgens, Heurtin öffnet die jetzt unverschlossene Zellentür, überquert den unbewachten Gang und gelangt über den Gefängnishof ins Freie, unbemerkt vom Wachpersonal, jedoch genau beobachtet von drei Herren: Kommissar Maigret von der Pariser Kriminalpolizei, Untersuchungsrichter Coméliau und dem Gefängnisdirektor Monsieur Gassier.Der Gefangene taucht unter, beschattet von einem Polizisten.

Maigret begibt sich in sein Büro am Quai des Orfévres und studiert die Akte Heurtin:
Madame Henderson, eine reiche Amerikanerin, und ihre Zofe wurden in ihrer Villa in Saint-Cloud brutal durch mehrere Messerstiche getötet. Am Tatort fand die Polizei eindeutige Fingerabdrücke und Fußspuren von Heurtin, bei ihm selbst ein blutverschmiertes Taschentuch, das Blut konnte als das der Madame Henderson identifiziert werden. Auf Grund dieser von Maigret gesammelten Indizien wurde Joseph Heurtin zum Tode verurteilt.

Maigret hatte aber ein schlechtes Gefühl bei der Sache, da er kein wirkliches Motiv erkennen konnte und einzelne andere Umstände nicht zusammenpassten. So überredete er den Untersuchungsrichter, die Befreiungsaktion zu genehmigen, um dadurch vielleicht auf den wirklichen Täter zu stoßen.
Der Verurteilte kann sich in einer Bar der Verfolgung entziehen, nachdem er einen Inspektor mit einer Flasche am Kopf verletzt hat.

Kurz vorher erscheint in einer Zeitung ein Artikel über den Hergang der geheimen Befreiungsaktion, von der aber eigentlich niemand etwas wissen dürfte. Nachforschungen ergeben, dass ein anonymer Brief in der Redaktion eingelangt war, und dieser Brief in einem Lokal Namens »Coupole« geschrieben wurde.

Dort stößt Maigret auf einen mysteriösen Mann, dem Tschechen Radek. Dieser provoziert den Kommissar mit verdächtig genauen Kenntnissen des Mordfalles, der Person des Verurteilten sowie mit dem Besitz einer größeren Summe Geldes, welches er offensichtlich vom Neffen der ermordeten Madame Henderson, William Crosby, erhalten hat. Maigret heftet sich an seine Fersen …

Dieses Buch ist ein früher Maigret (1931), Simenon setzt hier vermehrt auf Tempo, rasche Handlungsabläufe und Dialoge. Der Roman beginnt mit einer filmreifen Szene: Der verurteilte Heurtin befindet sich in seiner Zelle, in der Nachbarzelle schreit ein Sträfling vor Verzweiflung, eine Turmuhr schlägt – Schnitt – er findet die Zellentür planmäßig unverschlossen, den Gang unbewacht, er gelangt auf den Gefängnishof, die Dunkelheit der Nacht durchschneidet der Suchscheinwerfer – Schnitt – drei nervöse Herren, die viel zu verlieren haben, beobachten inkognito vor der Gefängnismauer die Ereignisse. Die Spannung steigt, da der Häftling den Weg nicht findet, weil er Teile des Planes in seiner Aufregung vergessen hat. Alles droht aufzufliegen, doch schließlich findet Heurtin den Weg.

Beeindruckt hat mich wieder die Meisterschaft Simenons, bereits im ersten Absatz, quasi aus dem Handgelenk, die Grundstimmung, sozusagen das Bühnenbild, herzustellen: Als irgendwo eine Glocke zweimal schlug, saß der Gefangene auf seiner Pritsche, und zwei große, knotige Hände umklammerten seine Knie.

Maigret zeigt diesmal mehr menschliche Züge, er ist zu Beginn missmutig, schlecht gelaunt, denn er weiß, dass er das für ihn offensichtliche Fehlurteil mitzuverantworten hat. Der Ruf und die Stellung des Kommissars zeigen sich aber schon allein in der Tatsache, dass er den Untersuchungsrichter und den Gefängnisdirektor zu der illegalen Befreiungsaktion überreden kann.

Warum kann man Simenon heute noch lesen? Eine Frage, vergleichbar mit der, warum man heute noch Mozart hören oder Shakespeare lesen kann, bei denen sind es die allgemeingültigen, zeitlosen Elemente wie »Schönheit« oder »Wahrhaftigkeit« in der Darstellung der Menschen, ihrer Charakteren oder Schicksale.

Was ist es bei Simenon? Abgesehen davon, dass es sich meiner Meinung nach ganz einfach um gut geschriebene, spannende Kriminalromane handelt, ist es sicher auch die Art, wie glaubhaft er Menschen beschreibt, wie er ihrer Herkunft und ihrem Schicksal nachspürt. Besonders deutlich wird das in diesem Buch, wo er sich eingehend mit der psychologischen Analyse des Täters, seiner Herkunft und damit den Ursachen seiner Handlungen auseinandersetzt.

Ich kann mir vorstellen, dass gerade die Persönlichkeit des Täters Anlass für das Buch war. Eine leichte Brise Raskolnikow weht durch die Seiten, ob Simenon zu dieser Zeit vielleicht Dostojewski gelesen hat?

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SukRam zu »Georges Simenon: Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes« 02.09.2011
Ein schöner Kriminalroman, mit einem etwas ungewöhnlichen Aufbau. Erst nach der sensationellen Flucht des Joseph Heurtin zeichnet sich das wahre Bild des Täters ab. Ungewöhnlich ist, dass Maigret von einer actionreichen Szene zur nächsten hetzt.
Auch wenn die Motive des Täters ein wenig hochtrabend und melodramatisch gefasst werden, geht es am Ende doch einmal mehr um die klassischen Dinge: Geld, Macht, Neid und Angst.

Meine Wertung: 80°
Torsten Janssen zu »Georges Simenon: Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes« 13.06.2005
Zuviel Action ? Natürlich ungwöhnlich für einen Maigret, allerdings die Szene wo der Inspektor mit einem gewaltigen Hechtsprung den Täter dingfest macht, und wer Maigret kennt weiß was das für ihn heißt, ist genail. Grüße
Torsten Janssen zu »Georges Simenon: Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes« 07.10.2003
Recht spannend, allerdings auch am Ende etwas unglaubwürdig. Übrigens wohl einer der wenigen Action - Maigret Romane.
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