Der Totengarten von George P. Pelecanos

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel The night gardener, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Washington D.C., 1990 - 2009.

  • New York: Little, Brown, 2006 unter dem Titel The night gardener. 377 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008. Übersetzt von Anja Schünemann. ISBN: 978-3-499-24786-6. 457 Seiten.

'Der Totengarten' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

1985: In Washington D.C. geht ein Serienkiller um, Eve Drake ist bereits die dritte Tote. Der Palindrom-Mörder wählt sich Opfer, deren Namen von vorn und hinten gelesen gleich sind. Er lässt die Leichen mit Glasperlen im geflochtenen Haar im Park liegen.2005: Als man den 15jährigen Asa Johnson tot in einem Park auffindet, erinnert sich Sergeant T.C. Cook an die Mordserie, die nie gelöst wurde. Er setzt alles daran, zu verhindern, dass sie sich fortsetzt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein sprödes Stück Erbauungsliteratur« 44°

Krimi-Rezension von Jochen König

1985 werden in Washington D.C. drei schwarze Teenager ermordet, die neben ihrer Hautfarbe noch ein gemeinsames Merkmal haben: Ihre Vornamen lesen sich rückwärts wie vorwärts gleich. Prompt hat der Serienkiller seinen Spitznamen weg; er ist der »Palindrom-Mörder«. Die Mordserie endet so abrupt wie sie begonnen hat und wird nie aufgeklärt. Als 20 Jahre später der 15-jährige Asa Johnson erschossen aufgefunden wird, regt sich der Verdacht, dass der Mörder von einst sein blutiges Werk weiterführt. Der pensionierte Sergeant Cook, sein aus dem Dienst geschiedener jüngerer Kollege Dan »Doc« Holiday und der akribische Polizist Gus Ramone tun sich zusammen, um den Fall aufzuklären, der sie seit zwanzig Jahren verfolgt.

So weit der Hauptstrang des Romans, dem Pelecanos allerdings so wenig vertraut, dass er phasenweise weit in den Hintergrund tritt. Stattdessen wird das Treiben, bzw. Taumeln ins Desaster, des Gauner-Duos Romeo Brock und seines besonnenen Cousins Conrad Gaskin verfolgt; die Schulprobleme von Gus Ramones Sohn Diego werden ausführlich erörtert, wie überhaupt Ramones Familienleben breiten Raum einnimmt.

Die Konzeption des Totengartens erinnert an die Bücher Joseph Wambaughs, in denen Polizeiarbeit, und die Psychogramme einer Gruppe von Polizisten mindestens genau so relevant sind, wie die Fälle in denen ermittelt wird. Doch Pelecanos´ Roman scheint eher ein Gegenentwurf zu Wambaughs Büchern zu sein, in denen von Cops am Rand des Wahnsinns oft eine größere Bedrohung ausgeht, als von den Verbrechern, gegen die sie ermitteln.

Der Totengarten liefert den Beleg, dass das Schlimme an Wünschen ist, dass sie in Erfüllung gehen könnten. Wie oft haben wir über Ermittler geflucht, die mitunter mehrfach traumatisiert durch Romane wanken, kaum in der Lage ihre Fälle ordentlich zu bearbeiten, da sie permanent damit beschäftigt sind, an den Beschädigungen ihrer Seelen zu flicken. Jetzt kommt George Pelecanos daher, präsentiert uns ein ganzes Figurenarsenal biederer und politisch völlig korrekter Polizisten, die sich, wie Guiseppe »Gus« Ramone, verheiratet mit einer dunkelhäutigen Frau, des latenten Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft ebenso bewusst sind, wie sie beim Verdacht der kleinsten Verfehlungen lieber freiwillig aus dem Polizeidienst ausscheiden – die interessanteste Figur des Totengartens, der leicht windige und versoffene Dan »Doc« Holiday. Dessen Vergehen aber nicht mal in einem Fernsehkrimi der 60er Aufsehen erregt hätte. Die restliche Belegschaft des Polizeireviers besteht nahezu komplett aus verständigen, sympathischen Zeitgenossen, wahren Freunden und Helfern, die alte Omas mit Sicherheit gerne im Dunkeln an die Hand nehmen und über die Straße führen – ob die wollen oder nicht.

Selbst die Kleingangster Romeo Brock und Conrad Gaskins haben Gewissenbisse, im Falle Gaskins sogar Einsicht ins eigene verwerfliche Tun, das ihm letztendlich den rechten Weg zur Rettung weisen wird. Das ist alles ehrenwert, herzerwärmend und – stinklangweilig. Zudem plätschert der eigentliche Aufhänger des Buches, die Serienmorde des Palindrom-Killers, ziemlich beiläufig und völlig spannungslos vor sich hin. Ab und zu wird die Thematik mit großem Brimborium aufgegriffen, aber schnell wieder fallen gelassen, nachdem sich keine rechte Lösung zeigt. An der Pelecanos aber auch wenig interessiert scheint. Stattdessen gibt es eine weitere Betroffenheits-Lehrstunde mit dem Titel »Der schwarze Großstadtjugendliche und die Schwierigkeit zu seiner Homosexualität zu stehen«. Dass die einsamen Höhepunkte des Buches eine herzliche Aussprache Ramones mit einer pseudo-liberalen Schuldirektorin, sowie ein kurzer Kampf unter Gangstern sind, lässt uns ratlos und kopfschüttelnd zurück.

George Pelecanos, der mit seinen bisherigen Büchern (u.a. auf Deutsch der Detektv-Serie um Derek Strange und Terry Quinn, sowie der Washington-Noir-Reihe) meist hervorragende Kriminalromane – nur manchmal mit dem Hang zum oberlehrerhaften Dozieren – ablieferte, hat mit dem Totengarten einen gut gemeinten Roman geschrieben, der von seiner belehrenden Attitüde der frommen Denkungsart geradezu erstickt wird. Einige kurze, biographische Skizzen, die wohlwollend betrachtete Tendenz, ein rational-liberales Gegenstück zum Wahnsinn auf Amerikas Straßen zu schaffen, rechnen wir Pelecanos wohl an. Das er uns ein sprödes Stück Erbauungsliteratur als spannenden Serienmord-Thriller unterjubeln will, fällt schon schwerer zu verzeihen. Da wir um seine besseren Werke wissen, hoffen wir inständig auf Genesung. Nichtsdestotrotz bleibt Der Totengarten die literarische Enttäuschung des bisherigen Jahres.

Jochen König, Oktober 2008

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KLM zu »George P. Pelecanos: Der Totengarten« 29.01.2009
Ich kann mich meinen "Vorrednern" nur anschließen, der Totengarten ist seit langem der ÖDESTE u. langartmigste Krimi den ich in der letzten Zeit gelesen habe!! Der Einband versprach viel (zu viel!), das Buch verliert sich in uninteressanten Details die kein Mensch wissen muss/will. Vergeudung von Papier u. Zeit. Dann schon lieber: Der "Todesschrei" von Karen Rose - aber dazu an anderer Stelle mehr. ;o)
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tassieteufel zu »George P. Pelecanos: Der Totengarten« 16.11.2008
In Washington geht ein Sereinkiller um, der Palindrom Mörder wählt sich Opfer deren Namen von vorne und hinten gelesen gleich sind……
"Der Totengarten" hinein geht man noch lebend….. Diese Info auf dem Klappentext versprach einen spannenden Krimi, aber wie so oft im Leben wird man von einer an-
sprechenden Verpackung enttäuscht!
Der Roman beginnt 1985 nachdem das 3. Opfer des Palindrom Mörders gefunden wurde und schwenkt dann nach 19 Seiten auf das Jahr 2005. Die Morde wurden nie
aufgeklärt und der Leser erwartet eigentlich, daß der Krimifall nun auf irgendeine Art weitergeführt wird, statt dessen wird man auf den nächsten 100 Seiten ziemlich aus-
führlich in die Familenverhältnisse von Detektive Ramone eingeführt. Auch die ganze Schreibweise des Autors fand ich irritierend, so wie eine neue Person im Buch auftaucht
wird stakkatoartig eine Beschreibung zu ihm abgegeben, er ist untersetzt aber kräftig, wuchs am Ort X auf und wohnt im Haus Y, auch scheint der Autor eine Vorliebe für
Schleichwerbung zu haben, denn es werden Unmengen von Markennamen verwendet. Bei dem Sohn von Ramone werden sogar die Marken seines Unterhemdes und der
Shorts genannt, sowas muß ich nun wirklich nicht wissen, wenn es nicht für die Ermittlungen relavat ist!! Da trägt niemand einfach nur einen Desingner Anzug, da muß
gleich die genaue Marke her, die Freunde von Ramones Sohn tragen nicht einfach nur Nike Turnschuhe, nein da wird lang und breit der spezielle Typ, Farbe und Muster erörtert und eine Person kann nicht einfach in einen blauen Ford einsteigen, da werden noch Baujahr Typ und Model genannt und das bei Personen, die für den Krimifall
überhaupt nicht von Belang sind, das Ganze kam mir eher wie ein Drehbuch vor als wie ein Roman und war für den Lesefluß ziemlich ermüdend.
Bekrittelt man in anderen Krimis, das die Ermittler nur noch gestört, traumatisiert und durch eine schlechte Kindheit vorbelastet sind und ihre Dienstvorschriften ziemlich
dehnbar auslegen, so sind hier alle Cops überkorrekt und genau in ihrem Job und absolut vorschriftsmäßig, was den Umgang mit Verdächtigen betrifft. Die einzige Person
die mir in diesem Buch interessant erschien war der leicht windige und versoffene Excop Danny "Doc" Holiday, wobei ich auch nicht so recht nachvollziehen konnte, warum der
eigentlich den Dienst quittiert hatte.
Den zähen Fortgang des Krimis lockerte der Erzählstrang um den Möchtegern Ganoven Romeo Brock auf, wobei sich mir auch nach Ende des Buches nicht erschloß, was diese
Geschichte mit dem eigentlichen Krimifall zu tun haben sollte, dessen Auflösung am Ende auch sehr unbefriedigend war und keinerlei Verbindung mit dem Fall von 1985 offenbarte.
Fazit: Eigentlich überhaupt kein Krimi, eher ein Roman über das Leben einiger Cops wobei ganz nebenbei eben mal ein Mord geschieht. Spannung kommt in diesem Buch gar nicht auf und ich habe eigentlich nur weiter gelesen, weil ich der Meinung war es müßte doch nun endlich mal was passieren. Lt. Klappentext soll der Autor der Beste lebende Krimiautor Amerikas sein (was für eine grausige Vorstellung), meiner Meinung nach wäre er besser in der Werbebranche aufgehoben, das Buch war für mich ein Flop auf Ganzer Linie lediglich der etwas anrüchige Holiday hat hier noch etwas rausgerissein.
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Pennywise zu »George P. Pelecanos: Der Totengarten« 28.10.2008
Ich bin niemand, der schnell das Handtuch wirft und Bücher, welche am Anfang ein wenig langweilig sind zur Seite legt. ABER! Bei diesem Buch wäre es FAST passiert. Ich habe noch niemals ein so nichtssagendes Buch gelesen. Am Leben haben mich die zwischenmenschlichen Beziehungen gehalten. So konnte ich mir wenigstens vorstellen, dass ich irgendeinen Romen lese oder vielleicht die Fernsehzeitung.
Im Endeffekt wird man mit Infos gefüttert die alle absolut unwichtig sind und man sich echt stellenweise zusammenreißen muss, damit man nicht einschläft. Aber die Krone wurde diesem Buch definitiv mit seinem Ende aufgesetzt. Ich hatte echt das Bedürfnis dieses Buch quer durch den Raum zu schmeißen. OK. Ich habe es tatsächlich aus Frust gemacht!.
Insgesamt echt schwach.
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Georgia zu »George P. Pelecanos: Der Totengarten« 18.10.2008
Oh mein Gott. Ich bin mittlerweile, nach über eine Woche (!!) auf Seite 229 angekommen und es ist bislang prinzipiell noch nichts passiert, was einem auch nur im Ansatz dazu verleiten könnte, anzunehmen, dass man unbedingt wissen muss, wie diese ganze Chose nun ausgeht.Meine Güte. Da wird sich seitenweise ausgelassen über die Einrichtung und den chaotischen Zustand im Zimmer des Sohnes des hauptagierenden (?) Polizisten, es wird ebenso viel Raum dafür hergenommen zu beschreiben, wie die Familie zu Abend isst, was der Sohn für Probleme in der Schule hat (für die er natürlich gar nichts kann), wie rassistisch die Stadt, in der das ganze Desaster angesiedelt ist, doch daherkommt usw.Es nervt einfach nur und sonst nichts. Ausserdem wirft der Autor mit Markennamen nur so um sich. Hat er dafür wohl Geld bekommen, frage ich mich? Turnschuhe sind keine Turnschuhe, es sind Nikes, eine Jacke ist eine North Face, Hosen sind Dickies, etc. pp.Echt ein ganz furchtbares Buch und ich hatte so hohe Erwartungen. Immer wenn man meint, jetzt geht es mit der eigentlichen Geschichte (die bis jetzt, ich habs ja noch nicht zu Ende gelesen, nicht mehr als einer von diversen Handlungssträngen ist) voran, wird wieder zu Nebenhandlungen und absolut uninteressanten Nichtigkeiten übergegangen.Weiss nicht, ob ich das bis zum Ende durchhalte. Einfach nur nervtötend dieser "Thriller", schade um das schöne Geld.
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Dana zu »George P. Pelecanos: Der Totengarten« 22.09.2008
Das Buch fängt auf jeden Fall gut an - es kommt wie ein gutgemachter Polizeithriller daher, mit Rahmenhandlung (1985) und zahlreichen Personen, auf die man gespannt sein darf. Aber dann...verliert es sich in Klischees und Nebenhandlungen, die ich einfach nur schnell überlesen habe, um doch noch des Rätsels Lösung zu erfahren: wer ist der Palindrom-Mörder? und: hat er wieder zugeschlagen?
Am Ende war ich ziemlich enttäuscht - da wäre soviel mehr drin gewesen.
Magellan zu »George P. Pelecanos: Der Totengarten« 27.08.2008
Über Umwege hab ich dieses Buch als Leseexemplar bekommen. Der Klappentext hörte sich gut an, nichts Neues, aber es suggerierte solide Spannung . .

Erstmal zum Inhalt:

Wie oben bereits beschrieben, spielt "Der Totengarten" auf den ersten paar Seiten im Jahr 1985. Es wird geschildert, wie der sogenannte "Palindrom-Mörder" umgeht und seine Opfer aus der Gruppe von Menschen aussucht, deren Vornamen vorwärts wie rückwärts gleich gelesen werden. "Aha", sagt der geübte Krimileser, "ein Serienmörder mit einer nicht ganz alltäglichen Pathologie, anscheinend kein Missbrauch im Kindesalter oder keine in der Pubertät gequälten Kleintiere. Mal schauen, wie Herr Pelecanos die Story entwickelt."
Zeitsprung ins Jahr 2005: Wieder wird ein Jugendlicher mit einem "Palindrom"- Vornamen aus nächster Nähe erschossen aufgefunden. Und es begibt sich, dass der Streifenpolizist aus dem Jahr 1985 nun Inspektor ist und mit den Ermittlungen betraut wird.

Um eins gleich vorweg zu sagen:
In meinen Augen ist das Papier, auf dem es gedruckt wurde, verschwendet. "Der Totengarten" ist so ziemlich das ödeste Buch, das ich (zugegeben nicht komplett!) gelesen habe. Langweilige, stereotype Charaktere, gemischt mit den typischen Vorurteilen, stilistisch auf einem nicht gerade herausragenden Niveau (gewollt schnoddriger Polizisten-Jargon, der mit sooo vielen Stereotypen gespickt ist, dass man schon Bauchweh bekommt und Kojak vor dem geistigen Auge erscheint) haben mich nach knapp 150 Seiten in die Knie gezwungen: Ich habe es weggelegt. Das waren die Etappen: Nach 50 Seiten war ich noch interessiert dabei, nach 100 Seiten hab' ich geschaut, wie viele Seiten mir noch fehlen, nach 120 Seiten war ich gelangweilt und nach 150 Seiten wollte ich den Autor mit seinem Machwerk erschlagen.
Meiner rein subjektiven Meinung nach ist der deutsche Titel auch dermaßen irreführend ( im Original "The Night Gardener", in etwa mit "Der nächtliche Gärtner" zu übersetzen), dass sich einige Leser in Kombination mit dem ebenso unpassenden Klappentext etwas ganz Anderes vorstellen als tatsächlich geboten wird.
Ich kann nur sagen: Nicht lesen, es lohnt sich nicht. Da gibt es zweifellos sehr, sehr viel bessere Bücher!
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