Ohnmachtspiele von Georg Haderer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Haymon.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Johannes-Schäfer-Serie.

  • Innsbruck; Wien: Haymon, 2010. ISBN: 978-3-85218-630-6. 316 Seiten.

'Ohnmachtspiele' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Nebel, Kälte, Innenpolitik als ob Major Schäfer nicht schon genug mit seinen Depressionen und Angstzuständen zu kämpfen hätte, treten ihm auch noch der Wiener November und ein reformwütiger Innenminister in die Rippen. Wie soll Schäfer unter diesen Bedingungen arbeiten zumal in der Gerichtsmedizin neben zwei ertrunkenen Frauen auch noch die mumifizierte Leiche eines Drogensüchtigen liegt. Unfall, Unfall, Überdosis, so soll es in den Ermittlungsakten stehen, wenn es nach dem Polizeipräsidenten geht nur keine überflüssigen Ermittlungen. Doch dass nicht nur mit dem toten Junkie etwas faul ist, steht für den sturen Schäfer fest. Bei seinen Untersuchungen entdeckt er Zusammenhänge, die auf einen Serientäter schließen lassen, der sich seine Opfer nach dem Schema eines Kartenspiels aussucht. Mit seiner Theorie steht Schäfer innerhalb der Polizei weitgehend alleine da was ihn aber nicht daran hindert, mit seinen Ermittlungen in die Offensive zu gehen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die große Neuentdeckung aus Österreich.« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Seit fast vier Wochen verbringt Major Schäfer den größten Teil seiner Zeit auf der heimischen Couch, da er an einem Burnout-Syndrom leidet. Seine Depressionen werden zudem von einem neuen Erlass des Innenministers verschärft, der die Kosten des Polizeiapparates und die Fallzahlen der Kriminalstatistik gleichermaßen senken will. Personalabbau auf der einen Seite und Obduktionen nur noch bei Todesfällen, die offensichtlich nicht als natürlich eingestuft werden können.

Als am Ufer des Alberner Hafens die Leiche der ertrunkenen Sonja Ziermann gefunden wird, kehrt Schäfer eher widerwillig in den Dienst zurück und übernimmt die Ermittlungen. Eigentlich ein klarer Fall: Ertrinken als Todesursache und damit ein Fall für die Statistik ohne weitere Ermittlungen. Doch Schäfer ist nicht Polizist geworden, um Sollvorgaben von oben zu erfüllen. So erscheint es ihm doch zumindest seltsam, dass die 32-jährige ein rundum glückliches Familien- und Berufsleben führte und daher keinen Grund hatte, sich umzubringen. Wäre sie nur ausgerutscht, hätte sie sich problemlos aus eigener Kraft an Land ziehen können und daher sprechen die zahlreichen Abschürfungen an ihren Händen dafür, dass genau dies von einer anderen Person verhindert wurde.

Wenige Tage später ertrinkt eine weitere Frau unter mysteriösen Umständen, dieses Mal in der heimischen Badewanne. Doch selbst wenn sie bedingt durch reichlich Alkohol und Beruhigungsmittel versehentlich mit dem Kopf unter Wasser geraten wäre, hätte dabei automatisch ein Hustenreflex einsetzen müssen. Bliebe ihr verdächtiger Ehemann, der ein wenig nachgeholfen haben könnte, wäre da nicht der Umstand, dass die Badezimmertür von innen abgeschlossen war.

Alles sehr verwirrend für den gesundheitlich angeschlagenen Schäfer, aber ausgerechnet er findet heraus, dass es sich um Mordfälle handeln könnte, in deren Reihe womöglich auch die Leiche eines Junkies, die vor längerer Zeit skelettiert in einem Waldstück gefunden wurde, gehört. Nach Schäfers Theorie geht der Täter nach dem Schema eines Kartenspiels vor, so dass mit weiteren Opfern zu rechnen ist. Kaum verwunderlich, dass er sich mit dieser mehr als gewagten Theorie weiteren Ärger mit seinen Vorgesetzten einhandelt…

Georg Haderer hat mit seinem zweiten Roman der Major-Schäfer-Reihe einen vorzüglichen Kriminalroman mit einer erfrischenden Mischung aus Spannung, Humor und einem überraschenden Ende vorgelegt. Wobei der Star der Ohnmachtspiele zweifelsohne die Hauptfigur Schäfer ist. Eigentlich noch im Krankenstand übernimmt er die Ermittlungen in einem denkwürdigen Todesfall. Dabei könnte man diesen auch gleich als Unfall in die Statistik eingehen lassen, was dem Polizeipräsidenten und dem Innenminister am Liebsten wäre. Herrlich, wie der nach wie vor kränkelnde Schäfer mit dem politischen System und dem Rest der Welt hadert. Ständig nörgelnd macht er seinem Unmut über die unfähigen Machthaber mit Brachialgewalt Luft. Das Wort »Arsch« mit zahlreich wechselnden Zusätzen kommt bedenklich oft daher und dennoch kann man sich nur selten ein Schmunzeln verkneifen. Gleiches gilt für die Dialoge und Wortgefechte zwischen Schäfer und seinem Mitarbeiter Bergmann.

»Entschuldige die Verspätung … die haben sich wieder einmal selbst nicht genug loben können …«

»Worum ist es gegangen?«

»Einhaltung des Kyoto-Protokolls … da hinken die so weit hinterher, dass es schon viel Redezeit braucht, das zu beschönigen.«

»Vielleicht sollte der Nationalrat einmal einen ganzen Tag die Luft anhalten … da lösen wir zwei Probleme auf einmal.«"

Dass sich Schäfer mit seinen Vorgesetzten anlegt, liegt aber auch daran, dass seine Theorie, die Morde würden einem Spiel mit doppeldeutschen Karten entsprechend verlaufen, doch recht gewagt erscheint. Selbst der ansonsten folgsame Bergmann will da nicht bedingungslos jede Aktion seines Chefs unterstützen. Spannend ist der Plot bis zur letzten Seite, denn gerade zum Finale überschlagen sich ein wenig die Ereignisse oder besser gesagt die Auflösungen. Nein, da hat kaum ein Leser eine Chance richtig zu liegen, ohne dass dabei das Ergebnis über Gebühr konstruiert wirkt.

Der Haymon-Verlag, in dem Ohnmachtspiele erschienen ist, scheint große Hoffnungen in den jungen Autor zu haben, ziert doch dessen Buchcover zudem die Titelseite des aktuellen Verlagsprospekts. Der Erzählstil kommt zu Beginn der Lektüre allerdings etwas eigenwillig daher. Lange Schachtelsätze machen den Einstieg unnötig schwer, zeugen aber gleichermaßen von der Sprachgewalt des Schriftstellers, der sich wohltuend vom handelsüblichen Durchschnittskrimi abhebt. Ein großer Erfolg wäre dem Autor daher zu gönnen, denn selten erlebt man einen Ermittler mit derart hohem Identifikationspotential. Ja, eindeutig, den wollen wir wiedersehen. Je schneller, desto besser. Gerne gesund, aber bitte genauso launisch wie bisher.

Jörg Kijanski, Februar 2011

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walli007 zu »Georg Haderer: Ohnmachtspiele« 23.10.2016
Schnapsen

Mit der Schwermut ist nicht zu spaßen, erfährt Major Johannes Schäfer. Nach einer Auszeit kämpft er sich in den Job zurück. Mal wieder hat es Tote gegeben und Schäfer und sein Kollege Bergmann begeben sich daran, die Geheimnisse, die die Todesfälle umgeben, zu lüften. Wo ist ein Ansatzpunkt, wo ein Zusammenhang. Noch ringt Schäfer mit den Auswirkungen seiner Krankheit und nichts geht so schnell voran, wie er es gerne hätte. Zwei Frauen, die in kurzem Zeitabstand ertrunken sind, kann das noch ein Zufall sein?
Mit seiner unnachahmlichen Art, einer Mischung aus hintersinnigem Humor und zeitweiliger Schwermütigkeit, macht sich Major Schäfer an die Arbeit. Immer hadernd mit den Vorgaben der Obrigkeit, die einem unsinnigen Sparzwang gehorchend jedwede intensive Ermittlung unmöglich machen. Da kann wegen der Statistik aus einem Mord schonmal ein Unfall werden. Macht sich halt besser. Schließlich ist jede Statistik nur so gut wie man sie selbst hingebogen hat. Aber nicht mit Major Schäfer. Seinem Gespür folgend macht er sich auf die Suche nach dem Zusammenhang und kommt einer ganz unglaublichen Sache auf die Spur.
Sein eigener Weg ist der richtige, meistens jedenfalls. Und in diesem Wissen entführt er den Leser auf den Pfad, auf dem nur mit Schäfer gemeinsam des Rätsels Lösung gefunden werden kann. Da geht es nicht ohne humorige Szenen, die man nicht beschreiben kann, man muss es schon selber lesen, um an dem speziellen Witz teilhaben zu können. Und natürlich muss Schäfer auch so manche gefährliche Situation überstehen. Da ist man genauso froh wie er über seinen treuen Weggefährten Bergmann, der Schäfer nicht von der Seite weicht und dem der Major doch entwischt, wenn es ihm in den Kopf kommt. In diesem zweiten Band um Major Schäfer scheint seine Gemütslage etwas lichter zu werden und so lange ihm sein verschrobener Humor und seine Dickköpfigkeit nicht abhaben kommen, kann man sich seinen weiteren Fällen getrost zuwenden, man wird bestens unterhalten werden.
Bilifix zu »Georg Haderer: Ohnmachtspiele« 17.04.2016
Gut aber auch langatmig...seine Lebensphilosophien in Ehren aber oft musdte ich da weiterblättern. Herrlich finde ich die Beschreibung seines Patenkindes und die Gesprächr mit ihr. Der Fall entwickelt sich um alle Ecken...der Plot ist sehr vieldchichtig. Bald muss er eine Namensliste liefern. Wäre bei jedem Krimi gut!!! Bin gespannt auf den dritten Band.
trafik zu »Georg Haderer: Ohnmachtspiele« 23.01.2016
Auch ich bin der Meinung, daß der erste Fall mit dem Kommissar Schäfer besser war.
Ich finde aber trotzdem dieses Buch nicht so schlecht..
Manche Stellen waren schon wieder sehr genial.
Man muß immer wieder schmunzeln über diesen Kommissar.
Werde die nächsten Fälle auf jeden Fall weiterlesen.
Irgendwie schreibt Georg Haderer sehr lustige Krimis.
juancho zu »Georg Haderer: Ohnmachtspiele« 22.11.2015
nachdem mir schäfers qualen sehr gut gefallen hat, da spritzig, humorvoll und spannend, war der 2. schäfer eher fad, zog sich oft dahin und eine identifizierung mit dem oft soo schwachen schäfer samt des noch schwächeren endes des kriminalfalls lässt mich diesen krimi trotz mancher guten stellen nicht weiterempfehlen
rolandreis zu »Georg Haderer: Ohnmachtspiele« 16.09.2014
Der zweite Krimi von Haderer hat mir genauso gefallen wie der erste. Die Hauptperson Major Schäfer, der mit Depressionen kämpft, ist hier das Genie im Chaos. Mit seiner Verbissenheit schafft er es den Fall zu lösen, auch gegen der Willen der Vorgesetzten. Es macht Spaß beim Lesen alte Bekannte aus dem ersten Buch wieder zu treffen. Auch die Hauptperson ist einem vertraut mit seiner eigentümlichen, schrulligen Art. Wer gesellschaftskritische und verschachtelte Handlungen mit einer kauzigen Hauptperson mag, ist mit diesem atmosphärisch dichten Kriminalroman gut bedient.
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