Der irische Inspektor von Gemma O´Connor

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Following the Wake, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / Oxford u.a., 1990 - 2009.

  • London: Bantam, 2002 unter dem Titel Following the Wake. 236 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2003. Übersetzt von Inge Leipold. ISBN: 3-492-27055-7. 302 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2004. Übersetzt von Inge Leipold. ISBN: 3-492-24187-5. 302 Seiten.

'Der irische Inspektor' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Noch immer liegt ein Schatten des Verdachts auf Cressida Sweeney. Ihr Kamm lag damals neben der toten Amerikanerin, als die Polizei eintraf. Der Fall wurde niemals wirklich aufgeklärt. Doch Cressida ahnt nicht, dass ihr kleiner Sohn Gil ihr in jener Nacht in den Garten der Amerikanerin gefolgt ist. Verzweifelt versucht Gil sich nun zu erinnern, was vor zehn Jahren geschah. Endlich möchte er die Wahrheit über seine Mutter in Erfahrung bringen, die inzwischen mit Frank Recaldo, dem untersuchenden Inspektor von damals, verheiratet ist. Aber Gil ist nicht der einzige, der ein Interesse an Cressidas Vergangenheit hat …Psychologisches Feingefühl und abgründige Spannung machen das neue Buch der irischen Erfolgsautorin zu einem besonderen Lesevergnügen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Vermag mit detaillierterSchilderung aus allen Blickwinkeln zu fesseln« 71°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Auf der Beerdigung seines Großvaters kommt ihm einiges wieder zurück ins Gedächtnis, was er seit seiner Kindheit vergessen hatte. Was war in jener Nacht passiert? Eine Amerikanerin wurde ermordet, seine Mutter Cressida war in der Mordnacht auf ihrem Grundstück, sein Vater starb kurz danach und sein Freund Tarr ist ebenfalls in den folgenden Tagen gestorben. Das war besonders bitter, denn er war derjenige, der ihm half, mit seiner Schwerhörigkeit zurechtzukommen. Und dann ist er mit Frank und seiner Mutter weggezogen. Frank Recaldo war einer der ermittelnden Beamten in dieser Mordsache und er hatte ein Verhältnis mit Cressida. Bald darauf haben die beiden geheiratet. Gil Recaldo macht sich auf den Weg, seine Vergangenheit und die Geschichte seiner Eltern zu erforschen. Waren die beiden in den Mord an der Amerikanerin verwickelt und wenn ja wie? Was für eine Rolle spielten Tarr und Frank dabei?

»Der irische Inspektor«, der Titel, der so gut oder schlecht passt wie viele andere auch, ist wenig aussagekräftig. Der Roman, der sich dahinter verbirgt, ist schwer einzuordnen, wenn man eine bestimmte Schublade im großen Krimi-Genre sucht. Ein Psychothriller? Nein, auch wenn der Verlag die Bücher von Gemma O’Connor dort vielleicht gerne sähe. Whodunit – wer hat die Amerikanerin umgebracht? Die Zahl der Verdächtigen hält sich allerdings in Grenzen. Wir haben hier keinen typischen Krimi, bei dem man die Ermittlungen verfolgt. Frank, der einzige Polizeibeamte, der dabei eine größere Rolle spielt, übt seinen Beruf nicht mehr aus. Gil will einfach nur wissen, was damals passiert ist. Dabei erfährt man auch nach und nach, was für Auswirkungen der Todesfall auf die Familie hatte. Von drei Seiten nähert man sich als Leser dem Mittelpunkt. Jedes Kapitel beginnt mit einer E-mail-Korrespondenz zwischen zwei Journalisten, die eine Serie über ungeklärte Mordfälle herausbringen wollen. Einige Kapitel werden dann fortgeführt unter der Überschrift »Gil«. Hier wird aus Sicht des Jungen geschildert, was er alles in Erfahrung bringt bzw. woran er sich erinnert. Und der Großteil der Geschichte wird wie in den meisten Fällen üblich aus Sicht eines Dritten erzählt. Das bringt Abwechslung, auch wenn es immer wieder ein wenig Umstellung erfordert.

»Der irische Inspektor« ist eine lose Fortführung eines anderen Krimis von Gemma O’Connor (Die Frau auf dem Wasser), den man laut Aussage des Klappentextes nicht gelesen haben muss, da die Handlung der beiden Romane in sich geschlossen und selbständig ist. An manchen Stellen kann man jedoch den Eindruck gewinnen, es wäre besser, wenn man den Vorgängerroman gelesen hätte. Bei einigen Passagen (drei oder vier Mal) vermisst man den Hintergrund, es ist nur ein vages Gefühl, dass hier etwas nicht komplett ist, aber es ist da. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass es Sinn macht, beide Bücher zu lesen, denn beide beleuchten den gleichen Fall, allerdings aus zwei verschiedenen Blickpunkten. Auch wenn der vorliegende Roman am Ende doch ein wenig hastig zu Ende gebracht wird – vorher ging alles in recht gemächlichem Tempo zu – mag man wahrscheinlich nicht alles noch ein zweites Mal aufwärmen. Wie gesagt, dies ist nur eine Vermutung …

Dass die Inhaltsangabe so knapp ausfällt, liegt daran, dass wirklich nicht mehr passiert. Eine ausführlichere Darstellung ist nicht möglich, da die Geschichte nicht mehr hergibt, sonst würde man zuviel verraten. Dennoch, die Lektüre ist nicht uninteressant, recht spannend und auch gut zu lesen. Gemma O’Connor vermag mit ihrer detaillierten Schilderung aus allen Blickwinkeln durchaus zu fesseln und zudem kann man sich gut in die Personen hineinversetzen. »Der irische Inspektor« ist kein Knaller, den man unbedingt gelesen haben muss, aber trotzdem ganz entspannende Unterhaltung.

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K. Susanne zu »Gemma O´Connor: Der irische Inspektor« 07.01.2005
Dieses Buch ist so überflüssig wie ein Kropf, um nicht zu sagen grottenschlecht! Ich habe mich hindurchgelangweilt, mußte mich wirklich zwingen, es wieder zur Hand zu nehmen und am Schluss habe ich mich nicht nur über das rausgeschmissene Geld, sondern auch noch über die verplemperte Zeit, die ich mit diesem Buch verbracht habe, geärgert. Letztlich hat mir dieser völlig überflüssige "Erklärungsversuch" im Nachhinein das Lesevergnügen an "Die Frau auf dem Wasser" auch noch verleidet. Dieses Buch fand ich ursprünglich wirklich gut, aber nach diesem lauwarmen Aufguss der Geschichte werde ich es sicherlich kein zweites Mal lesen! Ich finde es einfach ärgerlich, wie die Autorin hier - offensichtlich in Ermangelung neuer kreativer Ideen - diese Geschichte aus der Sicht "10 Jahre danach" nocheinmal hochkocht, ohne dass wirklich etwas Neues passiert oder ans Tageslicht kommt. Die Protagonisten wirken hölzern und festgefahren, insbesondere die aufopferungsvolle Cressie, die einem mit ihrem altruistischem Gehabe wirklich auf den Geist gehen kann. Auch was für Gil, der die Geschichte ja eigentlich die ganze Zeit wissentlich mit sich herumgeschleppt hat, so schrecklich an der Aufklärung der letzten Einzelheiten sein soll, erhellt sich einem nicht wirklich.
Zunehmend ärgerlich empfinde ich auch, dass dieselben Personen (z.B. Grace und Murray) in jedem Roman wieder auftauchen, am Anfang war das ja ganz witzig, mittlerweile nervt es mich nur noch - sollte das ganze Werk der Autorin ein einziger kitschiger Fortsetzungsroman sein??? Ich werde sicherlich von dieser Autorin kein weiteres Buch lesen!
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