Die Maske von Gary Braver

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Skin Deep, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Boston, 1990 - 2009.

  • New York: Forge, 2008 unter dem Titel Skin Deep. ISBN: 978-0765309754. 448 Seiten.
  • München: Heyne, 2009. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 978-3-453-43348-9. 636 Seiten.

'Die Maske' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ein skrupelloser Killer schleicht sin in das Leben der schönsten Frauen Bostons. Sobald er ihr Vertrauen gewonnen hat, tötet er sie beim Liebesakt. Detective Steve Markarian hat Probleme – mit seinem Job im Boston Police Department, mit seiner getrennt von ihm lebenden Frau, und er hat den größten Fall seines Lebens am Hals. Eine attraktive, rothaarige Frau wurde auf eine Weise ermordet, wie sie vor Jahrzehnten der berüchtigte »Würger von Boston« angewendet hatte. Und weitere Opfer folgen. Alles Frauen, die Schönheitsoperationen durchführen wollten. Auch Dana, Markarians Frau, ist mit ihrem Aussehen unzufrieden und will sich operieren lassen. Und auch sie hat rote Haare.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ohne große Ansprüche« 65°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Der Heyne-Verlag hat sich eines amerikanischen Autors angenommen, der bereits drei Buchtitel in den Top Ten von amazon.com vorweisen kann, hierzulande aber erst mit zwei Titeln übersetzt wurde.  »Skin Deep« von Gary Braver, alias Gary Goshgarian, wird dabei in einem über 600 Seiten langen Thriller zu Die Maske.

 Hauptperson ist der psychisch gebeutelte Detective Steve Markarian, den einerseits seine Frau verlassen will, weil er ihrem Wunsch nach einem Kind nicht nachkommt und dem andrerseits sein Beruf kräftig auf den Geist geht, so dass er zu Tabletten und Alkohol greift. So gesehen hätten wir keinen amerikanischen Ermittler in unseren Buchläden gebraucht, denn es wimmelt ohnehin schon von kaputten Kriminalisten auf den Buchseiten von Skandinavien bis in Süden Europas.

 Also Steve zu einer Leiche gerufen wird, erkennt er die mit einem Wolford-Strumpf Ermordete sofort, denn er war am Vortag mit einer Flasche Champagner bei ihr. Aber Alkohol und Medikamente haben bei ihm einen Flashback erzeugt und er weiß nicht, ob er nicht selbst der Täter war. Die einzige Möglichkeit, die Wahrheit heraus zu finden oder zu verschleiern, bedeutet, dass er die Ermittlungen selbst in die Hand nimmt.

 Nun hat aber auch sein Partner Neil die Tote intensiver gekannt, denn er hatte ein kurzes Verhältnis mit ihr und der konservative Mann hatte offensichtlich ein Problem mit der Tatsache, dass die rothaarige Personal Trainerin nach Dienstschluss im Fitness-Center auch als Stripperin gearbeitet hat. Und um seine Beziehung zu vertuschen, wird im Umfeld des Strip-Clubs ein Täter gefunden, den er so lange bearbeitet, bis sich dieser in der Untersuchungshaft erhängt. Womit der Fall eigentlich abgeschlossen wäre, wenn Steve nicht weiterhin nach der Wahrheit suchen würde …

 Dazwischen pfuscht ihm aber seine Frau ins Handwerk, die sich unbedingt ihre griechische Höckernase und einige andere Kleinigkeiten im Gesicht von einer Koryphäe auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie korrigieren lassen will. Und schon nach wenigen Wochen sieht sie den bisherigen rothaarigen Leichen zum Verwechseln ähnlich. Dazu beginnt sie auch noch eine Liaison mit dem Schönheitsarzt und ist plötzlich verschwunden. Zeit für Steve dem Alkohol und den Tabletten abzuschwören …

 Gary Braver lässt seinen Thriller auf zwei Ebenen ablaufen. Die eine Ebene beschäftigt sich mit dem Ermittler und seinem verkorksten Privatleben, die andere Ebene beschreibt den Werdegang des Serienmörders von der Pubertät bis in die Gegenwart. Sonderlich originell ist das nicht, aber der Autor hat genügend Wendungen eingebaut, dass man trotz einer permanenten Vorahnung bis zum letzten Teil nicht sicher sein kann, wer wirklich der Täter ist.

 Dabei bleibt die Spannung kontinuierlich auf einem guten Level und der Schreibstil kann in der Übersetzung von Sepp Leeb als flüssig und nicht besonders anspruchsvoll angesehen werden. Die Maske ist handwerklich brauchbare und leichtfüßige Unterhaltung, bei der über weite Strecken Sex and Crime praktiziert wird, was in diesem Fall aber für die Handlung wichtig ist und in keinem Fall übertrieben explizit ausgebreitet wird. Dazu kommen noch zahlreiche Details über alle chirurgischen Eingriffe an schönheitsgeilen Frauen und leichte Anflüge medizinischer Ethik, die aber hier mehr als Pausenfüller zwischen der Schnitzeljagd nach dem Täter und der Erläuterung seines Werdegangs gesehen werden können.

 Dieses Buch ist besser unterhaltendes Mittelmaß ohne große Ansprüche an den Leser und genau deswegen die richtige entspannende Abendlektüre.

Wolfgang Weninger, Dezember 2009

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Bio-Fan zu »Gary Braver: Die Maske« 02.01.2010
"Schuster bleib bei deinen Leisten" so sagt der Volksmund. Da ist der Autor schon Professor für ich-weiss-nicht-was-alles, muss er uns denn auch noch mit Thrillern der einfachsten Machart traktieren ?
Man nehme: ein wohlfeiles Thema (Schönheitschirurgie), einen Serienkiller, zwei traumatisierte Ermittler, eine simple und vorhersehbare Handlung und ein abstruses Finale - fertig ist der Bestseller. In Amerika vielleicht, hier gottlob noch nicht! 20 Grad

PS: Auch einem geschenkten Gaul muss man unweigerlich mal ins Maul schauen ;-)
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Schrodo zu »Gary Braver: Die Maske« 23.12.2009
Ein skrupelloser Killer schleicht sich in das Leben der schönsten Frauen Bostons. Sobald er ihr Vertrauen gewonnen hat, tötet er sie beim Liebesakt. Detective Steve Markarian steht unter großem öffentlichen Druck, den Mörder zu finden, bevor ein neues Opfer auftaucht. Er weiß noch gar nicht, wie nahe ihm – und vor allem seiner Frau – der Täter bereits ist….so steht´s auf dem Umschlag des Buches. Außerdem hat Douglas Preston seinen Kommentar: „Ein hochaktueller Medizinthriller mit atemberaubendem Plot“ abgegeben.
Ich frage mich ob Herr Preston, sicher ein angesehener Thrillerautor, sich dafür hat bezahlen lassen, denn gelesen hat er dieses Buch bestimmt nicht! Sonst hätte er sich diesen Kommentar wohl verkniffen.
Die Story dümpelt auf 637 Seiten mehr oder weniger so dahin. Einzig das Ende ist teilweise überraschend, da es sich von der Idee her vom Krimieinheitsbrei, das dieses Buch zweifellos ist, abhebt. Der Ermittler Steve Markarian (was für ein Name) hat ein Tabletten und Alkohol Problem. Sein Partner Neil hat ein Problem mit seiner traumatischen Tochter und Steves Frau hat ein Problem mit ihrem Mann. Gary Braver hat dies in seinem Buch einfach zu sehr ausgetreten, da wird der Mord an der attraktiven Gym Trainerin und Teilzeit Stripperin Terry Farina fast schon zur Nebensache. Als nach und nach mehrere bereits verübte und als Suizid getarnte Morde ans Licht kommen strengt sich Steve, der Held der Story (sie erinnern sich, der mit dem coolen Namen), besonders an und fasst den Täter. Für mich ist die Story etwas zu durchsichtig, da ich den Täter schon nach wenigen Seiten erkennen konnte.
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