Port Vila Blues / Vergeltung von Garry Disher

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1995 unter dem Titel Port Vila Blues, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Maas.
Folge 5 der Wyatt-Serie.

  • St. Leonards: Allen & Unwin, 1995 unter dem Titel Port Vila Blues. 228 Seiten.
  • Berlin: Maas, 2006 Port Vila Blues. Übersetzt von Ango Laina & Angelika Müller. ISBN: 978-3927734340. 280 Seiten.
  • München: Knaur, 2007 Vergeltung. Übersetzt von Ango Laina & Angelika Müller. ISBN: 978-3-426-62304-6. 298 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2007 Port Vila Blues. Gesprochen von Peter Tabatt. MP3. ISBN: 3866677561. 1 CDs.

'Port Vila Blues / Vergeltung' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Wyatt erbeutet bei einem Einbruch in das Haus einer Politikerin $ 50.000 Cash und ein goldenes, mit Diamanten besetztes Schmuckstück. Bei dem Versuch, das gute Stück an eine Hehlerin zu verticken, stellt sich jedoch heraus, das es seit einem Überfall der berüchtigten Magnetbohrergang auf der Fahndungsliste steht. Nicht nur die Polizei will Wyatt jetzt ans Leder, plötzlich versuchen auch brutale, dubiose Typen ihn und das Schmuckstück aus dem Verkehr zu ziehen. Doch in diesem Spiel bestimmt Wyatt nun mal die Regeln und Angriff ist die beste Verteidigung. Fernab der Heimat, auf einem malerischen Anwesen an den Klippen der tropischen Südseeinsel Port Vila, macht er den Drahtzieher ausfindig und fordert Revanche …

Das meint Krimi-Couch.de: »Fachlektüre für Berufsverbrecher« 73°

Krimi-Rezension von Bernd Neumann

Disher geht’s gut. Er lebt mit seiner Familie im Zuwanderungsmagneten Australien, nicht auf dem Festland, sondern auf der ruhigen Mornington-Halbinsel. Ideal zum relaxen, ideal zum Arbeiten. Den medialen und finanziellen Starterfolg hat der Schriftsteller Garry Disher seinem Protagonisten Wyatt zu verdanken. Wyatt ist der so ganz andere Krimiheld im internationalen Geschäft. Die »Wyatt-Saga« umfasst sechs Bücher, weltweit in Mehrfachauflagen verlegt, hierzulande mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet (2000 1. Platz für den Erstling Gier).

Was ist das Faszinierende an Wyatt, das ihm eine große Leserschar selbst nach seiner Verabschiedung im Jahre 1997 treu und verzaubert nachtrottet wie dem Rattenfänger von Hameln? Wyatt ist ein Verbrecher, er klaut. Kein Handtaschenformat, nur große Fischzüge. Und wenn er ernsthaft bedroht wird, tötet er. Reiner, zutiefst Freudscher Selbsterhaltungstrieb. Seine Kenntnisse im Kampf Mann gegen Mann hat er im Vietnamkrieg erlangt, dem er ohne physische und vor allem psychische Schäden entkam.

»Wenn er ein Objekt ausspionierte, achtete er auf alles, mochte es auch noch so banal sein, wohl wissend, dass etwas, was heute unbedeutend war, morgen bereits entscheidend sein konnte.« Der unberechenbare Guerillakrieg im Bunkerlabyrinth der »Vietkong« hat ihm Vieles beigebracht, was er nun in seiner kriminellen Alltagswelt clever einsetzen kann. Zum Beispiel die Fähigkeit, abzuschalten, »als wolle er verhindern, dass die, die ihn jagten, etwas empfinden, was er ausstrahlte. Es war nichts Antrainiertes, es war Instinkt und es hatte ihm geholfen, dieses grauenhafte Land lebend zu verlassen.«

Ebenso typisch ist seine Methode des peniblen Beobachtens: Solche Dinge machen uns ehrbaren Bürgern das Lesen zum Spaß, wir werden Wyatts Verbündeter. Erstaunlich, welche durchdachten Tricks er uns aus der Kiste zaubert! Und dabei müssen uns nicht einmal unmoralisch vorkommen, denn unser Protagonist beklaut die Schönen und Reichen, die Korrupten und Skrupellosen, und das in möglichst großem Format. Von dem gestohlenen Geld lässt er es sich möglichst lange gut gehen, wenn es klamm wird im Portemonnaie, startet der nächste Fischzug – und uns (als seine Lese-Ratten) erwartet ein neuer Disher.

Kleiner Schmetterling mit großer Spannweite

Wyatt hat wieder verlässliche Insiderinformationen für einen lohnenden Einbruch zugesteckt bekommen: 50.000 Dollar, deponiert im Schlafzimmersafe einer korrupten Politikerin, Schmiergeld eines protegierten Bauunternehmers.

Aber der Safe enthält für Wyatt noch eine unerwartete und deshalb verlockende Beigabe: eine Art-deco-Brosche aus den dreißiger Jahren, versehen mit einem Prägestempel von Tiffany & Co. Diesen kleinen Schmetterling hätte Wyatt lieber unberührt lassen sollen, denn beim Vertickern stellt sich schnell heraus, dass das gute Stück als registriertes Diebesgut auf der Polizeifahndungsliste steht. Aber nicht nur von der Polizei wird das Stück heißbegehrlich gesucht. Es dauert nicht lange, da lockt Wyatts Tiffany-Schmetterlingsschmuckstück immer häufiger seltsame Typen an, welche scharf darauf sind, es ihm abzujagen.

Wyatt, der professionell und akribisch arbeitende Einzelgänger, gerät mehr und mehr in Bedrängnis, so dass er zum selbst erhaltenden Gegenschlag ausholen muss. Wer sind die Leute, die geschützt vom kriminellen und gewalttätigen Fußvolk in der Kommandozentrale die Schalter bedienen?

Die Verfolgung der begehrten Schmetterlingsspur treibt seine Schnüffelnase letztendlich nach Vanuatu, ein idyllisches Inselparadies im Pazifik. In dieser Parlamentarischen Republik, wo sich bei schönstem Klima und Wohlbefinden siebzehn Einwohner auf einen Quadratkilometer tummeln, ist genug Platz und Toleranz für neureiche Hinzuziehende und solche, die sich hier ein Feriendomizil einrichten wollen.

Dass diese neuen Inselpaläste nicht immer nur aus Sparleistungen vom Monatsgehalt stammen können, wird Wyatt schnell klar. Schon bald stößt er bei seiner Flucht nach vorn auf ein nach faulen Eiern stinkendes Nest hoher Persönlichkeiten aus Politik, Polizei und Gerichtsbarkeit. Und Wyatt rechnet ab, auf seine bekannte Art und Weise …

Ein müde gewordener Wyatt, der vom Ruhestand träumt

In Port Vila Blues kämpft der Leser mit einem zähflüssigen Einstieg, was für Disher eher untypisch ist. Dann taucht auch noch ein Knäuel von Namen auf, das sich erst im Verlaufe der fortschreitenden Handlung mühsam entwirrt. Das ist lesen ohne großen Thrill.

Natürlich ist es wieder brillant, Wyatt bei der sorgfältigen Planung und Durchführung seiner Raubzüge als Lesezeuge und heimlicher Komplize begleiten zu dürfen. Aber Wyatt macht einen müden Eindruck, ist offensichtlich in die Jahre gekommen, wo man sich in diesem Job allmählich zur Ruhe setzen sollte. Er träumt mehr denn je vom ganz großen Coup, um endlich aussteigen zu können. Man spürt förmlich, wie hier in der Pazifikidylle seine Sehnsucht wächst, sich ohne die ständigen Sorgen um Leib und Leben bald auf einen ruhigen Alterssitz zurückzuziehen. Zum Beispiel ins herrliche Port Vila, der Hauptstadt des Inselparadieses Vanuatu.

Garry Disher scheint den Abschied seiner einst so erfolgreichen »Wyatt-Saga« prophylaktisch anzudeuten.
Disher wird gehen, Hall Callis kommen …

Unterm Strich muss man konstatieren, dass Port Vila Blues zweifelsfrei das bis dahin Schwächste aus der Wyatt-Reihe ist. Umso verwunderlicher, dass Pulp Master diesen Krimi zehn Jahre nach seiner australischen Erstauflage gerade jetzt verlegt hat. Ist es das Trittbrett vom frisch im Unionsverlag Zürich erschienen und hoch gelobten Schnappschuss um Polizeicop Hall Callis, auf dass man kurzerhand aufspringen wollte?

Wie dem auch sei, Port Vila Blues ist vielleicht ein Krimi für enthusiastische Disher-Komplettsammler; Neueinsteigern seien die früheren Wyatt-Krimis jedoch wärmstens empfohlen.

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V. Beyer zu »Garry Disher: Port Vila Blues / Vergeltung« 12.11.2007
Dieser Krimi erschien nun unter dem Titel "Vergeltung" bei Knaur.

Ich war enttäuscht, als ich nach den ersten Seiten merkte, dass dies Porta Vila Blues in neuer Verpackung ist.

Muss doch sein, solch eine Irreführung.
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