Schützenfest von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2003 bei berlin.krimi.verlag.
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Berlin: berlin.krimi.verlag, 2003.
ISBN:
3898090248. 249 Seiten.
'Schützenfest' ist erschienen als
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In Kürze:
Sommer 1923. Das Schützenfest im märkischen Krähwinkel nahe bei Potsdam findet ein jähes Ende, als der Klavierspieler Heinrich Steinbrück vor den Augen seiner jungen Geliebten Dora Anger erschossen wird. Der Fall scheint schnell gelöst, denn Doras Ex-Liebhaber, der Berliner Chauffeur Willi Pollanz, hat ein überzeugendes Tatmotiv : Eifersucht. Kriminalrat Eugen Ruben jedoch, der alte Fuchs des Berliner Polizeipräsidiums, hegt nach dem Indizienurteil gegen Pollanz Zweifel an der Sorgfalt der Ermittlungen. Bei seinen Nachforschungen vor Ort stößt er auf eine eherne Wand aus Furcht, Hass und Schweigen. Ruben tritt auf der Stelle, bis eine Teestunde im Schloss des Rittergutsbesitzers von Roelke in ihm eine düstere Ahnung keimen lässt: Auf dem idyllischen Flecken zwischen Wellenschlag und Wipfelrauschen lastet ein mörderisches Geheimnis. Ist die Verurteilung des Pianistenmörders ein verhängnisvoller Justizirrtum oder vorsätzlicher Rechtsbruch? Der bis dato gesetzesgläubige Anhänger der Weim arer Justiz, Kriminalrat Eugen Ruben, stürzt in einen tiefen Gewissenskonflikt.
Das meint Krimi-Couch.de: »Atmosphärische Dichte vom Feinsten«
Krimi-Rezension von Jörg Kijanski überspringen
Berlin, Potsdam – 1923: Ein Jahr nach dem Tod seiner Frau Dorothea hat Kriminalrat Eugen Ruben eigentlich mit seinem Berufsleben abgeschlossen, zumal seine Pensionierung alsbald bevorsteht und sein Nachfolger bereits auf die freiwerdende Stelle wartet. Recht lustlos versieht er seinen Dienst bis eines Tages ein Amtshilfeersuchen aus Potsdam sein Interesse weckt. Ein letztes Mal will Ruben es den Kollegen zeigen, er der einstige Held des »Alex«.
Bei dem alljährlichen Schützenfest in Rhunow wird in einem kleinen Waldstück der Pianist Johannes Steinbrück vor den Augen seiner Freundin Dora Anger erschossen. Während man zunächst von einem Querschläger vom nahegelegenen Schießplatz ausgeht, kommen Kriminalrat Ruben erhebliche Zweifel an dieser Version. Offenbar wurde Steinbrück gezielt ermordet und ein Verdächtiger ist auch schnell gefunden. Willi Pollanz war lange Zeit mit Dora Anger liiert und Heiratspläne gab es ebenfalls. Kurz vor Steinbrücks Tod kam es in einer Gaststätte in Rhunow zu einer Szene zwischen Willi und Dora, als dieser versuchte sie zu einer Rückkehr zu bewegen. Ruben bringt Pollanz vor Gericht, wo dieser in einem Indizienprozeß zu lebenslanger Haft wegen Mordes aus Eifersucht verurteilt wird.
Als Ruben wenig später von einem weiteren Todesfall in Rhunow erfährt kommen ihm zunehmend Zweifel und er beschließt vor Ort nochmals zu recherchieren. Dabei stößt er auf eine Mauer des Schweigens bei den Dorfbewohnern und auf einen Gutsbesitzer, der gedanklich noch in dem militärisch-wilhelminischen Preußen lebt …
Berlin zwischen den Weltkriegen
Mittenrein in das Berlin der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts entführt Schützenfest seine Leser, die sich erst einmal an denkwürdige Preise gewöhnen müssen. So kostet ein Pfund Butter neunzigtausend, ein US-Dollar gar achtundneunzig Millionen Mark. Kein Wunder, dass die Menschen in jener Zeit nichts Eiligeres zu tun haben als ihr soeben verdientes Papiergeld schnellstens in Naturalien umzusetzen, denn alle denken tagtäglich nur an den Index. Der Inflationsfaktor erhöht sich leicht um 50% und mehr – pro Woche. Zudem leben bereits über 250.000 Berliner von der Stütze.
Hervorragend führt uns Gabriele Stave das Leben in Berlin vor Augen, ohne dabei die eigentliche Geschichte aus den Augen zu verlieren. Kriminalrat Ruben (gut gezeichnet) verschlägt es wiederholt in das provinzielle Rhunow, wo die Einheimischen Fremde allenfalls als Tagesgäste willkommen heißen.
»Schlimme Zeiten? Hier in Rhunow? Hier läuft doch alles seinen Kreis. Der See liegt still, Vögel ziehn und kehren wieder. Und ab und an wird eine Leiche gefunden! Idyllisch.«
Das berühmt-berüchtigte bürgerliche Spießertum wirkt äußerst real, kombiniert mit einem Zeitgeist, der sich noch auf dem Sprung zwischen wilhelminischen Untertatengeist und aufkeimender Demokratie befindet.
So ist es denn auch nicht weiter erstaunlich, dass der Großgrundbesitzer Friedrich Wilhelm von Roelcke eine recht eigene Auffassung von Recht und Ordnung hat und stets ein Waffe bei sich trägt:
»Es wurde mir zwar auf Weisung des Innenministers verboten. Ich räume aber selbst einem Minister nicht das Recht zu einem solchen strikten Verbot ein.«
Das Obrigkeitsdenken wird ebenfalls in einer späteren Gerichtsverhandlung bestens dargestellt, bevor dann abschließend der Fall aufgelöst wird. Einige Verdächtige gibt es und Kriminalrat Ruben läuft Gefahr, den gleichen Fehler zwei Mal zu machen. Denn bei allem neu entstandenen Ehrgeiz vor seiner Pensionierung nochmal den Meistermittler herauszukehren, gibt er sich doch zu schnell den naheliegenden Lösungen hin. Ein Journalist des Berliner Mittagsblattes bringt ihn durch eigene Recherchen aber doch noch auf die richtige Spur.
Ausreichende Spannung und atmosphärische Dichte vom Feinsten sorgen nicht nur für eine kleine Zeitreise, sondern zusätzlich für gelungenen Krimilesespaß.
Jörg Kijanski, Februar 2007
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