Süden und das heimliche Leben von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2012
bei Droemer Knaur.
Folge 18 der Tabor-Süden-Serie.
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München: Droemer Knaur, 2012.
ISBN:
978-3-426-50937-1. 190 Seiten.
'Süden und das heimliche Leben' ist erschienen als
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In Kürze:
Als die fleißige, zuverlässige Kellnerin Ilka Senner verschwindet, glaubt jeder an ein Gewaltverbrechen. Bei seinen Ermittlungen stellt Tabor Süden fest, dass keiner wirklich etwas über sie weiß. Auch ihre Familie nicht, die auf das Verschwinden mit Desinteresse und Herzlosigkeit reagiert. Erst ein Gespräch mit der Schwester lässt Süden erahnen, was Ilka aus Scham vor aller Welt verbirgt …
Das meint Krimi-Couch.de: »Südens nächste Vermissung«
Krimi-Rezension von Jörg Kijanski überspringen
Vor rund fünf Wochen verschwand die 46-jährige und bei allen Gästen von »Charly’s Tante« beliebte Ilka Senner. Zudem wünschen sich die Betreiber der Gaststätte, dass Ilka den Laden übernehmen soll. Gastwirte wie Gäste legen tausend Euro zusammen und bitten Tabor Süden um Hilfe. Er soll die vermisste Ilka finden und zurückbringen, zumal sich die Polizei nicht so recht für den Fall zu interessieren scheint. Dies stimmt nicht ganz, denn Hauptkommissarin Birgit Hesse ermittelt durchaus, allerdings kommt es eben auch vor, das erwachsene Menschen untertauchen, ohne dass gleich ein Verbrechen zugrunde liegt. Süden ermittelt und findet schnell heraus, dass weder die Wirtsleute, noch die Gäste, noch die Schwester die verschwundene Ilka näher kannten. Diese lebte in der Anonymität der Großstadt, so dass Süden zunächst kaum Ansatzpunkte findet. Nach und nach gelingt es ihm, eine Spur aufzunehmen und eine Frau zu finden, die nicht gefunden werden will …
Dreimal Deutscher Krimi Preis, Süden ist für viele Kult.
Tabor Süden ist ein eigenwilliger Ermittler, der nach einer längeren Tätigkeit bei der Polizei inzwischen als Privatdetektiv arbeitet. Spezialisiert auf Vermissungen arbeitet er auf eigene Faust und mit ebensolchen Methoden, nimmt aber auch gerne die Hilfe von Hauptkommissarin Birgit Hesse an, mit der er eine kleine Liaison eingeht.
»Das kapier ich einfach nicht: Du warst bei der Polizei, Kripo, Superverdienst, und dann hörst du da auf? Haben sie dich rausgeschmissen, oder was ist passiert? Kein Mensch hört freiwillig bei der Kripo auf, niemand. Das ist doch so, als wär ich wie der Johann beim Finanzamt und sag eines Tages, jetzt schmeiß ich alles in und werd Gaukler. So was macht doch kein Mensch.«
»Ich bin Detektiv, kein Gaukler.«
Friedrich Ani schreibt unkonventionelle Romane, will keineswegs zum genreüblichen Mainstream gehören und ist gerade deswegen enorm erfolgreich. Dabei gilt es zunächst sich an seine Sprache zu gewöhnen, was im vorliegenden Fall nicht ganz so schwer fällt. Wo andere Figuren »stark angetrunken« sind, ist Anis Protagonist »gewissenhaft bebiert« und der kleine Kater am folgenden Morgen liegt daran, dass Süden noch nicht ausreichend »entbiert« ist. Überhaupt neigt der gewichtige Süden zu alkoholhaltigen Getränken und hält sich zu Befragungen deshalb auch gerne in Gaststätten auf.
»Ich war bei der Kripo.«
»Zu viele Tote gesehen, zu viele Opfer?«
»Zu viele Vermisste, die ich zurückbrachte und die ihr altes, totes Leben dann weiterführen mussten.«
»Besser, Sie hätten sie nicht gefunden.«
»Ich erfülle meinen Dienst.«
Süden und das heimliche Leben als Krimi zu bezeichnen ist mitunter eine gewagte Behauptung, denn zunächst verschwindet ja »nur« eine erwachsene Frau, die – Achtung fetter Spoiler – später wieder auftaucht. Dabei geht es Ani darum, das Leben der vermissten Ilka Senner und gleichzeitig soziale wie gesellschaftliche Themen zu beleuchten. Wie kann es sein, dass eine Frau mitten unter uns lebt und selbst Menschen, die ihr täglich am Arbeitsplatz begegnen, nichts von ihr wissen? Welche Folgen hat das Leben in der anonymen Großstadt, in der ein Mensch einfach verschwinden kann, ohne dass es selbst der unmittelbaren Nachbarin auffällt? Interessante Fragen, die Ani mit bildgewaltigen Schreibstil aufbereitet, ohne sie jedoch abschließend zu beantworten. Hier konzentriert sich der Autor nur auf den Einzelfall und so erfahren wir, trotz des geringen Buchumfanges, viel über Ilka Senner, deren schwere Kindheit und die daraus resultierenden Folgen, die nun – mit jahrzehntelanger Verzögerung – zu ihrem Ausstieg aus der Gesellschaft geführt haben. Ob dies unter das Genre Krimi zu fassen ist, mag jeder selber beurteilen, ein spannender, kurzweiliger und unterhaltsamer Roman ist Süden und das heimliche Leben aber alle Mal und erklärt somit ein stückweit den Erfolg des Autors.
Jörg Kijanski, August 2015
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| PopIzzo zu »Friedrich Ani: Süden und das heimliche Leben« | 10.01.2013 |
|---|---|
| Eglfinger zu »Friedrich Ani: Süden und das heimliche Leben« | 05.11.2012 |
