M von Friedrich Ani

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Droemer.
Folge 19 der Tabor-Süden-Serie.

  • München: Droemer, 2013. ISBN: 978-3-426-19953-4. 368 Seiten.
  • München: Droemer, 2015. ISBN: 978-3-426-30417-4. 368 Seiten.
  • [Hörbuch] München: audio media, 2015. Gesprochen von Hans Jürgen Stockerl. Gekürzte Lesung. ISBN: 386804440X. 5 CDs.

'M' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

»Er war irgendwie anders in letzter Zeit.« Mit diesen Worten beauftragt die Redakteurin Mia Bischof die Detektei Liebergesell, nach ihrem vermissten Freund zu suchen. Süden und seine Kollegen kommt die Frau von Anfang an seltsam vor. Sie sehen sich in ihrem unguten Gefühl bestätigt, als irritierende Hinweise im Arbeitsumfeld des Vermissten auftauchen. Er habe Kontakt zu Neonazis, heißt es. Doch Mia bestreitet das vehement. Süden schiebt seine persönlichen Bedenken beiseite – bis seine Kollegen in höchste Gefahr geraten und er um ihr Leben fürchten muss.

Das meint Krimi-Couch.de: »M wie Meisterwerk« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Bislang waren Friedrich Anis Tabor Süden Romane kleine feingeistige Erzählungen, in denen es um Vermisste aber nicht um das große Verbrechen ging. In M wird Ani politisch. Ohne den Hintergrund NSU/Zschäpe lässt sich sein neuestes Werk nicht lesen. Ein überaus aktueller Kriminalroman, hochaktuell wie -brisant und ein Mal mehr zeigt Ani, warum er in einer anderen Liga spielt als die gar so vielen Provinz-Krimis.

M wie Mia

Mia Bischoff, Redakteurin einer lokalen Zeitung, beauftragt die Detektei Liebergesell ihren vermissten Freund zu finden. Südens Nachforschungen ergeben schnell, dass dieser Kontakte in die rechte Szene aber auch zum LKA hatte. War er ein V-Mann, der untertauchen musste oder gar enttarnt wurde? Dramatisch wird die Geschichte, als auch noch Südens Kollege während der Ermittlung lebensgefährlich verletzt wird.

M wie München

Friedrich Ani schildert ein München abseits jeglicher Schickeria. Seine Metropole ist düster, traurig und bevölkert von Rechtsgesinnten und Aristokraten, deren Einfluss soweit reicht, dass weder Polizei, LKA noch Detektive sie einzuschüchtern vermögen. Nicht ohne lebensgefährliche Folgen für alle Beteiligten. Süden und seine Kollegen führen einen ungleichen Kampf gegen Windmühlen, lange ist nicht klar, wer hier gut oder böse ist.

M wie Martin

Nebenbei zeichnet Ani gewohnt feinsinnig gescheiterte Charaktere, allen voran Tabor selbst, der immer wieder um seinen Jugendfreund Martin trauert, der den Freitod wählte, webt die ungelöste Entführungsgeschichte Ingmars, dem Sohn von Tabors Chefin, ein, die überraschenderweise mit dem aktuellen Vermisstenfall in Zusammenhang zu stehen scheint.

M wie Melancholie

Friedrich Ani und seiner Schreibe wohnt eine große Melancholie inne. Seine Figuren müssen mit Verlusten leben, vermissten Personen, verpassten Chancen. Diese Romantik des Scheiterns, des Selbsterhaltens in Einsamkeit, gipfelt in M in Ausweglosigkeit, und macht aus einer vordergründigen Kriminalgeschichte mit politischem Hintergrund eine zutiefst menschliche Erzählung.

Könnten doch mehr deutschsprachige Autoren schreiben und erzählen wie Friedrich Ani – eine Diskussion über den Provinz- und Regio-Krimi wäre überflüssig. M ist großartige (Kriminal-)Literatur, die auf eine leise Art unscheinbarer daherkommt als sie ist.

Lars Schafft, Dezember 2013

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Summerherekid zu »Friedrich Ani: M« 31.10.2014
Friedrich Anis Stärke lag noch nie im Erzeugen nervenzerreißender Spannung oder der stimmigen Auflösung verzwickter Kriminalfälle. Dafür umso mehr im Zeichnen von grauen Tableaus voller Melancholie und Düsternis.

In „M“ steht diesmal jedoch weniger die Melancholie im Fokus als die Machtlosigkeit des einzelnen, das Ausgeliefertsein gegenüber äußerst brutaler und scheinbar willkürlicher Gewalt. Die noch dazu im unmittelbaren Umfeld von Süden zuschlägt. In diesen Momenten packt Ani den Leser, man will weiterlesen – sei es nur, um die Gewalttäter irgendwann ihrer gerechten Strafe zuzuführen.

Dabei ist die Zeichnung der rechten Szene eher platt. Ärgerlich auch, dass Südens bevorzugte Ermittlungsmethode die schlichte Behauptung ist. Oder dass Geheimnisträger des LKA gegenüber Süden plötzlich gar keine Geheimnisse mehr kennen. Oder dass mancher zentrale Handlungsstrang auf schier unglaublichen Zufällen, bzw. absolut nicht nachvollziehbaren Handlungsweisen basiert.

Und doch: Ani lesen heißt immer schon, sich auf Ani einlassen. Auch wenn solch „handfeste“ Themen wie Rechtsextremismus schonmal auf Kosten der sonst so fein gewebten Schwermut gehen. Was eigentlich schade ist. Trotzdem passt auch dieses Thema hervorragend zu Süden. Denn am Ende sind alle wieder ein Stück trauriger. Und dem Leser bleibt zwar sicher nicht der beste, aber ein (mit Einschränkungen) auf jeden Fall lesenswerter Tabor-Süden-Roman.
hippo zu »Friedrich Ani: M« 28.09.2014
Ich habe alle Bücher von Friedrich Ani gelesen und verehre ihn. M ist meiner Meinung nach eines seiner besten. Hier verbindet sich sein einzigartiger Erzählstil mit einer spannenden, realitätsnahen Geschichte .Es fällt schwer, nach einer solchen Lektüre zu einem anderen Krimi überzugehen. Ani sit simply the best.
Eglfinger zu »Friedrich Ani: M« 07.10.2013
Inhalt:
Die Redakteurin Mia Bischof beauftragt die Detektei Liebergesell, ihren vermissten Freund, den Taxifahrer Siegfried Denning zu suchen. Während die Chefin, Edith Liebergesell, am zehnten Todestag ihres Sohnes trauert, nehmen Süden und seine Kollegen den Auftrag an. Doch sie haben das Gefühl, dass etwas an diesem Auftrag komisch ist. Dieses Gefühl verstärkt sich, als sich Hinweise ergeben, dass der Vermisste im rechten Milieu tätig ist. Daher entschließen sie sich, Mia zu beobachten und geraten dabei in Lebensgefahr. Als sich die Polizei einschaltet, stellt sich heraus, dass der Vermisste als verdeckter Ermittler für das LKA arbeitet. Doch Süden und seine Kollegen können keine Hilfe erwarten. Sie stoßen auf eine Wand des Schweigens und gleichzeitig muss Edith Liebergesell das grausamste Ereignis ihres Lebens noch einmal durchleiden - die Ermordung Ihres Sohnes.

Meine Meinung:
Ani schreibt seine Krimis immer sehr melancholisch. Oftmals sind sie mehr ein Roman als ein Krimi und in diesem hier gelingt es ihm beides zu verbinden. Dieses Buch ist ein bedrückender Roman, der spannungsgeladen endet. Sein Roman ist angelehnt, an die Missstände der Behörden, bei der Aufdeckung des nationalsozialistischen Untergrunds, und auch der verhinderte Bombenanschlag bei der Grundsteinlegung des jüdischen Zentrums in München von vor zehn Jahren spielt eine Rolle. Durch die Vermischung von realen und fiktiven Ereignissen und Personen gelingt es ihm einen sehr zeitgeschichtlichen aktuellen Krimi zu schreiben.
Weniger gut gelungen sind Ani die Beschreibungen seiner Protagonisten und die Szenen. Die Eigenarten von Süden, die seinen Gegenüber immer dazu brachten, endlich aus sich herauszugehen und die Wahrheit zu schildern, werden dieses mal nur selten erwähnt. Daher kamen mir die Monologe, wenn endlich einmal jemand etwas sagt, etwas überraschend und unrealistisch vor. Mir kam es vor, als ob Ani diese Eigenarten bewusst weggelassen hat um das Buch nicht zu umfangreich zu machen. Er hat sich mit seinem Thema und seiner guten Recherche einen umfangreichen Inhalt ausgesucht, welcher an sich schon groß genug ist, um ihn auf nur 368 Seiten unterzubringen. Ich hätte mir hier die gleiche Detailverliebtheit wie in seinen anderen Romanen gewünscht.

Mein Fazit:
Ein sehr aktuelles Buch mit einer tollen melancholischen Stimmung und nur wenigen Schwächen. Ich gebe hierfür 81 Grad.
4 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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