Im Schatten des Palazzo Farnese von Fred Vargas

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel Ceux qui vont mourir te saluent, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Aufbau.
Ort & Zeit der Handlung: Paris, 1990 - 2009.

  • Paris: Viviane Hamy, 1994 unter dem Titel Ceux qui vont mourir te saluent. 240 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2003. Übersetzt von Tobias Scheffel. ISBN: 3-7466-1515-1. 240 Seiten.

'Im Schatten des Palazzo Farnese' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Drei exzentrische Studenten, eine wundervolle Femme fatale und ein Bischof, den Genüssen des Lebens zugetan, haben alles, was eine echte Vargas ausmacht. Auf dem europäischen Kunstmarkt tauchen unbekannte Zeichnungen von Michelangelo auf. Sind sie aus der Vatikan-Bibliothek gestohlen? Als ein Pariser Kunsthistoriker daraufhin eilends nach Rom reist, wird er mit einem Becher Schierling umgebracht.

Das meint Krimi-Couch.de: »Drei Kaiser und ein Monsignore« 56°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Auch eine Fred Vargas, inzwischen eine der meistgefeierten Vertreterinnen der französischen Kriminalliteratur, hat mal klein angefangen. 1994 hat sie mit Im Schatten des Palazzo Farnese ihren dritten Roman vorgelegt, der jedoch nur in Ansätzen erahnen lässt, zu was die Schriftstellerin fähig sein kann

Drei französische Studenten, die sich die Namen antiker römischer Kaiser gegeben haben, leben zusammen in Rom. Die Stiefmutter des einen ist gebürtige Italienerin und kommt regelmäßig zu Besuch. Ihre Schönheit und ihr Selbstbewusstsein bringt alle in diesem Roman vorkommenden Männer um den Verstand. Als aber eines Tages ihr Mann aus Frankreich angereist kommt, wird er noch am gleichen Abend durch einen Schierlingstrunk umgebracht.

Warum reiste der Ermordete nach Rom?

Da der Bruder des Toten in hohen politischen Kreisen verkehrt, soll ein Gesandter verhindern, dass Details an die Öffentlichkeit gelangen und zusammen mit der italienischen Polizei den Fall in aller Stille klären. Schnell wird der offenbare Grund für den Italienbesuch entdeckt: eine Zeichnung aus den Beständen der vatikanischen Bibliothek ist in Paris zum Verkauf angeboten worden. Leiter der Bibliothek ist ein Bischof, der irrsinniger weise ein Jugendfreund der Frau des Toten ist. Somit schließt sich ein Kreis, denn auch die drei kaiserlichen Studenten haben täglich Zugang zu der Bibliothek gehabt. Vielleicht könnte der Mann aber auch nur nach Rom gereist sein, um sich die Ausgaben und Studienfortschritte seines werten Herren Sohnes mal unter die Lupe zu nehmen, was ganz andere Schlussfolgerungen nach sich zöge. Oder aber vielleicht wollte er sich vergewissern, mit wem sich seine Frau immer in Rom traf, eventuell hatte sie hier eine Affäre …

Hölzern und gestelzt sind die Dialoge, die diesen Roman ausmachen. Unmittelbare Lesefreude oder gar Feuer der Begeisterung kann der Erzählstil von Fred Vargas in diesem frühen Werk nicht entfachen. Ein schwieriger Auftakt wird gefolgt von dem zu diesem Zeitpunkt überraschenden Mord (was ein deutlicher Pluspunkt an diesem Roman ist) und dem daran anschließenden, relativ unmotivierten Vorgehen zweier uneiniger Ermittler.

Vargas und ihr Hang zu skurrilen Charakteren

Die ungewöhnlichen Charaktere hingegen wissen zu gefallen. Die drei »Kaiser«, die sich mehr Wein, Weib und Gesang als ihren Studien hingeben, sind eine erste originelle Idee. Der Bischof, der in vielerlei Hinsicht allzu weltliche Aufgaben wahrnimmt, ist eine weitere starke Figur. In der Entwicklung anderer Charaktere fehlt Vargas jedoch noch der Feinschliff. Erstaunlich, warum der französische Ermittler plötzlich doch noch Antrieb findet, um weiter zu forschen. Und weswegen die durchweg blasse Laura, Witwe des Ermordeten, allen Männern derart den Kopf verdreht, muss sich wohl in erster Linie auf optischen Reizen begründen, die den Lesern des Romans verborgen bleiben.

Trotz gerade mal knapp 200 Seiten Umfang hat Vargas’ Roman einige Längen aufzubieten. Die unterschiedlichen Mordmotive hätten klarer herausgearbeitet werden können, verlieren sich so mitunter in den betont kunstvoll gestalteten Mono- und Dialogen. Überraschungen und Wendungen bleiben weitgehend im Schatten des Palazzo Farnese verborgen. Hätte die Autorin hier noch ein wenig mehr investiert, wäre eventuell ein besserer Gesamteindruck entstanden. Einzig die skurrilen Figuren machen noch keinen guten Roman.

Ihre Meinung zu »Fred Vargas: Im Schatten des Palazzo Farnese«

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Katarine zu »Fred Vargas: Im Schatten des Palazzo Farnese« 09.08.2015
Ich habe dieses Buch gelesen, weil ich einen Eindruck von Fred Vargas bekommen wollte, und es vom Umfang nicht zu lang war. Das war wohl ein Fehler. Obwohl ich die Dialoge der Kaiser recht amüsant fand, fehlte die Spannung für einen Krimi. Andererseits gab es zwischen den zwei Ermittlern das reinste Frage-Antwort-Spiel, wie zwischen Holmes und Watson, dabei müsste der Polizeiinspektor doch eine gewisse Autorität haben und sich nicht alles gefallen lassen. (keine oder unzureichende Auskünfte vom Anwalt.)
Diese Figuren überzeugten nicht und Fragen über ihre Motivation bleiben im Dunkeln, genauso wie die Beziehung des Anwalts zu einer Verdächtigen. Andeutung und keine Aufklärung. Einige Wendungen, mehrere falsche Fährten, die aber irgendwie doch nicht ganz falsch waren. Das sind die Pluspunkte. Einige Informationen, die aus dem Nichts aufgetaucht sind, nicht logisch erklärbar, sind das Minus. 60°
wampy zu »Fred Vargas: Im Schatten des Palazzo Farnese« 26.07.2015
Buchmeinung zu Fred Vargas – Im Schatten des Palazzo Farnese

„Im Schatten des Palazzo Farnese“ ist ein Kriminalroman von Fred Vargas, der 2003 im Aufbau-Verlag als Taschenbuch erschienen ist. Das Original ist bereits 1994 erschienen. Meine Besprechung bezieht sich auf die gekürzte Hörbuchfassung, die 2010 bei Der Audio Verlag erschienen ist.

Klappentext:
Auf dem europäischen Kunstmarkt taucht eine unbekannte Zeichnung von Michelangelo auf. Wurde sie aus den Archiven des Vatikans gestohlen? In Rom wollen die drei exzentrischen französischen Studenten Claudius, Tiberius und Nero das Rätsel lösen. Als Claudius’ Vater vor dem Palazzo Farnese durch einen Gifttrunk umgebracht wird, entwickelt sich das harmlose Ratespiel zu einer nervenaufreibenden Verbrecherjagd.

Die Sprecherin:
Suzanne von Borsody ist eine bekannte Schauspielerin, die eine einwandfreie Lesung abgeliefert hat.

Meine Meinung:
Bei diesem Frühwerk von Fred Vargas gibt es bereits ein Reihe von Elementen, die für ihre späteren Werke kennzeichnend waren. Es gibt exzentrische Figuren wie die drei „Kaiser“, den Bischof und den unorthodoxen Ermittler. Die Ausgangslage ist vertrackt, wenn nicht gar verworren. Außer dem römischen Kriminalinspektor stecken alle in einem undurchsichtigen Beziehungsgeflecht – Sogar der zweite Ermittler, ein Franzose, der politischen Schaden vermeiden soll, war mit der Femme fatale liiert. Die Dialoge wirken hölzern und irgendwie fehlt der Plan, der der ganzen Geschichte zu Grunde liegen sollte. Fast alle Personen handeln aus schwer nachvollziehbaren Motiven und im Laufe der Ermittlung gerät fast jeder von ihnen unter Verdacht. Mich hat die Geschichte zu keiner Zeit gefangen genommen.

Fazit:
Die Geschichte ist in Form und Inhalt nicht überzeugend. Allein der guten Sprecherin ist es zu verdanken, das es zu zwei von fünf Sternen reicht.
baypfa zu »Fred Vargas: Im Schatten des Palazzo Farnese« 28.05.2015
Die mit römischen Kaisernamen benannten Freunde Tiberius, Nero und Claudius, sind sehr interessante Charaktere und wie so typisch bei Fred Vargas finden sehr skurille Gespräche statt. Ich finde das Buch von Anfang bis zum Schluß einfach nur super!
Wer Vargas versteht findet sie nicht im geringsten verwirrend.
( Der erste baypfa Kommentar ist aus unerklärlichen Gründen daneben gegangen)
baypfa zu »Fred Vargas: Im Schatten des Palazzo Farnese« 27.05.2015
Wer Vargas versteht, versteht erstrecht: Im Schatten des Palazzo Farnese.genial!Frühgenial!...griechische Götter vergleichen sich mit Menschlichem oder umgekehrt.weniger wichtig ist doch wer der Mörder ist, ...stell dir vor du triffst: Tiberius, Nero und Claudius. es gibt sie auf dieser Erde, auch jetzt.nur ist so mancher blind dafür!
stevie1962 zu »Fred Vargas: Im Schatten des Palazzo Farnese« 30.10.2014
Merkwürdiges Ding. Oberflächlich dahingekritzelt, mit absolut nicht nachvollziehbaren Gedankensprüngen und einer dürftigen, vollkommen unplausiblen Handlung. Einzig die gestelzten Dialoge, die wohl um ihrer selbst Willen geschrieben worden sind und so gut wie nichts mit dieser rudimentär bleibenden Pseudokriminalgeschichte zu tun haben, lesen sich nach einiger Eingewöhnung etwas amüsant. Betonung auf etwas. Zu wenig, um sich nach gut 200 Seiten nicht die Frage stellen zu müssen: Was sollte das jetzt? Eine Antwort aber gibt es dennoch: Nie wieder Vargas.
pfiffikus91 zu »Fred Vargas: Im Schatten des Palazzo Farnese« 05.09.2010
fred vargas ist und bleibt meine lieblingsautoin - auch nach diesem buch. aber wäre "im schatten des palazzo farnese" mein erstes buch von vargas gewesen, ich hätte mich sicherlich nicht aufraffen können, auch noch weitere bücher von ihr zu lesen. schon zu beginn hatte ich schwierigkeiten, mich überhaupt in die figuren und die handlung hineinzuversetzten. die charaktere sind zwar interessant und natürlich skurril, wie immer bei vargas, jedoch werden deren handlungs- und sichtweisen nicht ausreichend erklärt. dadurch fiel es mir sehr schwer, die personen zu verstehen und auch zu mögen. am meisten hat mich der sonderermittler verwirrt, weil sein charakter sehr oberflächlich gezeichnet wurde und auch laura war mir zu abgehoben. ganz anders dagegen sind die romane und die darin vorkommenden charaktere, in denen ademsberg im fokus steht. auch er ist sehr eigen und skurril, jedoch war er mir schon von anfang an symphatisch. trotz allem bleibt fred vargas, wie gesagt, meine lieblingsautorin und nicht jedes buch kann gleich gut sein.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Mistie zu »Fred Vargas: Im Schatten des Palazzo Farnese« 24.10.2009
Fred Vargas lese ich im Original ...

Die Geschichten mit und um Kommissar Adamsberg sind spannend und subtil; ausserdem mag ich skurrile Charaktere.

Diese Geschichte jedoch kommt nur sehr schwer in Fahrt und die Dialoge sind "schwer bekömmlich" um nicht zu sagen "hölzern". Einige Wendungen passierten mir zu plötzlich um wirklich überzeugend zu sein ...; aber nur dadurch wurde der Schluss etwas lebendiger.

Schade, ich hatte mir mehr von diesem Buch erwartet und vergebe hier nur eine 55°
fränz zu »Fred Vargas: Im Schatten des Palazzo Farnese« 19.10.2009
Ich mag Vargas.
Obwohl ich die Idee mit dem Triumvirat echt gut fand und die drei auch sehr spannend fand, war mir der Farnese aber allzu durchsichtig... habe das Original gelesen, vielleicht deshalb, hatte mehr Zeit zum Nachdenken. Mein Bruder las ihn etwa zur selben Zeit, er konnte dies nicht bestätigen. Da sieht man, wie verschieden man Romane empfinden kann.
Rolf.P zu »Fred Vargas: Im Schatten des Palazzo Farnese« 16.03.2008
Fred Vargas serviert alles, was ich von einem guten Krimi möchte: Abwechslungsreiche Dialoge, skurrile liebenswerte Personen, philosophische Exkursionen und noch dazu spannend.
Fred Vargas führt einen mit meisterhaften Dialogen zum Täter, nur um das Ganze, kaum wähnt man sich an der Lösung, zu kippen und neu zu beginnen.
Eine von Vargas Stärken: Sie vermag Dialoge zu schreiben, die nicht nur dazu dienen, die Klärung eines Mordfalles herbeizuführen oder einen Leser über das Leben eines Opfers, Helden oder Täters aufzuklären. Sie besaß damals schon Humor, sodass man auch ein schwächeres Buch von ihr zu Ende liest.
Absolut empfehlenswert!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
numerobis zu »Fred Vargas: Im Schatten des Palazzo Farnese« 24.09.2007
Eine skurile Geschichte mit skurilen Figuren.
Noch nicht so gut geschrieben wie die späteren Romane mit Adamsberg, die Figuren noch nicht so herausgearbeitet, die Geschichte noch nicht so flüssig, aber durchaus lesenswert.

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