Der verbotene Ort von Fred Vargas

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Un lieu incertain, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Aufbau.

  • Paris: Viviane Hamy, 2008 unter dem Titel Un lieu incertain. 423 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2009. Übersetzt von Waltraud Schwarze. ISBN: 978-3-351-03256-2. 423 Seiten.

'Der verbotene Ort' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Ein internationaler Polizeikongress führt Kommissar Adamsberg und seinen Adlatus Danglard nach London. Bei einer abendlichen Sightseeingtour durch die schillernde Metropole machen die beiden Franzosen einen grausigen Fund: Vor dem ebenso berühmten wie berüchtigten Friedhof Highgate entdecken sie siebzehn fein säuberlich aufgereihte Schuhe, in denen herrenlos gewordene Füße stecken. Und zurück in Paris, wird Adamsberg zum Schauplatz eines fürchterlichen Verbrechens gerufen: Pierre Vaudel, pensionierter Jurist, wurde auf unerklärlich gnadenlose Weise in seinem Haus hingerichtet; als einziges Indiz verweist ein kryptischer Brief auf ein serbisches Dörfchen. So wenig den schaurigen Fund in London und den Mord in Paris verbinden mag, so hellhörig wird Adamsberg, als Danglard behauptet, unter den Schuhen von Highgate die seines serbischen Onkels wiedererkannt zu haben. Adamsberg nimmt die Fährte auf und reist in das einstige Transsilvanien, das Ursprungsland des Vampirglaubens, wo Wagemut und Unbedachtheit ihn an die Grenze von Leben und Tod bringen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Von Schrankessern und Vampiren« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Fred Vargas, die französische Krimiautorin unserer Zeit, verlässt in ihrem neuen Roman Der verbotene Ort gewohntes Terrain und führt ihren Serienkommissar Adamsberg von London über Paris bis tief in den Balkan. Frankophile und Vargas-Fans mag dies enttäuschen, denn trotz eines ihr typisch phantastisch angehauchtem Plots ist Der verbotene Ort einer ihrer konventionellsten Krimis geworden. Wobei der Begriff »konventionell« bei einer Autorin wie Fred Vargas nicht viel heißen will.

Kommissar Adamsberg und seinen Kompagnon Danglard hat es auf einen internationalen Kriminologenkongress in die britische Hauptstadt verschlagen. Danglard als großer Fan der Insel und ihrer Kultur frohlockt, Adamsberg – des Englischen überhaupt nicht mächtig – hadert mit der vertanenen Zeit. Doch kein Trip der beiden ohne Verbrechen: Vor dem Friedhof Highgate wird eine Reihe Schuhe entdeckt. Keine große Sache? Doch, wenn sich darin wie in diesem Fall abgehackte menschliche Füße befinden.

Zurück in Paris, wartet auf die beiden gleich ein Massaker: Pierre Vaudel, pensionierter Jurist, wurde in seinem Haus auf krankhafteste Weise zerstückelt, von einer Leiche kann gar keine Rede sein, so verstreut sind die Körperteile. Was so erst nicht viel miteinander zu tun hat, wird zu einer aberwitzigen Story, als Danglard unter den englischen Schuhen welche seines serbischen Onkels erkennt. Der wohnte in einem Ort auf dem Balkan, wo vor Jahrhunderten Vampire aufgetaucht sein sollen. Die erstaunliche Parallele zu den Vorfällen in Good Old England: Auch in Highgate erzählt man sich von Vampiren. Da der gute Adamsberg eh von höchster Stelle gemobbt wird, besteigt er kurzum den nächsten Zug gen Serbien, wo er schon sehr bald zum Untoten zu mutieren droht …

Nicht schwer zu erkennen: Französisches Flair ergibt sich aufgrund der Schauplätze quer über Europa gar nicht. Der Plot in Serbien nimmt einen Großteil des Romans ein, dazu ist dieser von Anfang an so schnell, dass Adamsberg nur seltenst zum »Schaufeln von Wolken« kommt. Fred Vargas bürdet ihm viel zu viel auf, als dass er Muße zu seinen großartig-verqueren Gedankenspielen haben könnte.

Wer nun aber meint, alles, warum man Fred Vargas lesen müsse (die sprachliche Finesse, ihre orignellen, liebevoll gezeichneten Charaktere, ihre schrägen, dennoch treffsicheren Bilder), in Der verbotene Ort fehle, täuscht sich. Von Schrank- und Flugzeugessern (!) ist durchaus ernst gemeint die Rede, von Ärzten mit nahezu übernatürlichen Fähigkeiten, davon, dass Danglard mit einer Britin anbändelt (die Adamsberg mangels Sprachkenntnis nur »Abstract« nennt, weil sie ein Schildchen mit dieser Aufschrift auf dem Kongress trug) und und und. Running-Gags, die sich durch den ganzen Roman ziehen und immer wieder für einen Lacher gut sind. Lediglich die Tatsache, dass Adamsberg Highgate »Higgegatte« ausspricht, will nicht ganz einleuchten, dürfte er das Wort in geschriebener Weise eigentlich nie gelesen, sondern nur in korrekter Aussprache Danglards oder des britischen Kollegen Rodstock (qua Adamsberg schlicht »Stock«) gehört haben.

Last but not least versteht es Fred Vargas auch in ihrem neuesten Werk, den Leser vollends an der Nase herumzuführen. Das Auftauchen mystischer, phantastischer Elemente lockt konsequent auf eine falsche Fährte und lässt Krimi-Veteranen oftmals mit dem Kopf schütteln. Diese bleiben aber nicht im Regen stehen, denn genau diese Verwebung aus scheinbar Übernatürlichem und mehr oder weniger gewöhnlicher Verbrechen hat sie zu ihrem Markenzeichen ausgebaut. Vampire oder nicht – das ist eigentlich zweitrangig.

In Der verbotene Ort bleibt Fred Vargas so ihrem Stil einerseits treu, andererseits weicht sie ihn durch mehr Action und neue Schauplätze ein wenig auf. Was absolut kein Nachteil sein muss – glühende Vargas-Anhänger müssen sich mit dieser neuen Konstellation vielleicht erst anfreunden. Für alle anderen ist Der verbotene Ort ein wunderbarer Einstieg in die Welt von Fred Vargas, in der es aber eben mehr gibt als Wolkenschaufler, Schrankesser und Vampire.

Lars Schafft, Juli 2009

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Mall3 zu »Fred Vargas: Der verbotene Ort« 17.11.2009
Ich fand das Buch echt genial!
Es hat Spaß gemacht es zu lesen :)
Ich warte schon sehnsüchtig auf das nächste? (kommt es? :) )

Wenn das der FAll sein wird, bin ich die erste, die es in ihren Händen hält!

Diese verzickte Geschichte ist meiner Meinung nach echt spannend und lustig zugleich verfasst.

Was ich mir am Anfang nicht vorstellen konnte ist realität geworden: Alles passt irgendwie zusammen!

Auch die Sprachliche Gestaltung ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen!

RESPEKT!
Bridged zu »Fred Vargas: Der verbotene Ort« 29.08.2009
Plog!!!
Die allgegenwärtigen Wortschöpfungen würde ich sehr gerne im Original lesen und verstehen können, doch dazu reicht mein Schulfranzösisch leider nicht aus.
Alles in allem hat mir dieser "Vargas" sehr gut gefallen, aber nicht durchgängig. Die Geschichte mit den Vampiren fand ich dann doch zu abstrus! Aber geliebt habe ich wieder mal die liebevolle Darstellung des Danglard, der "verfressenen" Kollegin und des trotteligen Anfängers...die Liste könnte endlos fortgesetzt werden.Ich freue mich schon auf das nächste Kunstwerk!
Für mich 90°
Brengel zu »Fred Vargas: Der verbotene Ort« 04.08.2009
Offenbar bin ich weniger feinsinnig als viele meiner Vorredner: Ich konnte keinen Qualitätsverlust durch den neuen Übersetzer feststellen, mir scheint diese Diskussion daher überbewertet. Ich kann auch nicht mit einstimmen, wenn beklagt wird, das "Wolken schaufeln" käme zu kurz, meiner Ansicht nach, hat Vargas vielmehr in diesem Roman ein gutes Maß gefunden. Für mich ist der Tiefpunkt der Adamsberg-Reihe auch nicht dieses Buch, sondern "Der vierzehnte Stein".

Mir hat "Der verbotene Ort" gut gefallen, ich wünsche mir allerdings, dass Mme. Vargas anstelle von Adamsberg mal wieder ein Werk mit Kehlweiler oder den drei Historikern vorlegt!
Maureen zu »Fred Vargas: Der verbotene Ort« 02.08.2009
Ich habe dieses Buch wie alle ihre anderen in einem zug gelesen!
Ich fand es trotz der neuen Übersetzerin gut! Der Vorgänger war eine Spur besser aber ich liebe es trotzdem ! Ich möchte zu gerne mal die Leute dieser Brigade kennenlernen! Für einen Vargas Fan ein muss. Einem Neueinsteiger würde ich raten mit den Ersten anzufangen!
Plog!
Herta zu »Fred Vargas: Der verbotene Ort« 31.07.2009
Auch ich - absoluter Vargas Fan - hatte zu Beginn die grössten Schwierigkeiten mit dem Stil der neuen Übersetzung. Ich fand, würde ich nicht die anderen Bücher kennen, könnte ich mit diesem Stil der Übersetzung nichts anfangen. Aber: man gewöhnt sich an alles. Und so las ich mich immer weiter ein. .. In dieser Geschicht kommen die Charaktere der verschieden Mitarbeiter sehr viel besser heraus und es entstehen wirkliche Personen hinter den diversen Namen und Eigenschaften der Brigardemenschen.
Letztendlich dann doch sehr gelungen!
Emir K. zu »Fred Vargas: Der verbotene Ort« 30.07.2009
Die Rezension, wie gewohnt in bewährtem Schafft-Deutsch verfasst, erfüllt schon den Tatbestand des Inhaltsverrats. Da sie ansonsten aber am Roman völlig vorbeiredet, lohnt sich das Lesen trotzdem noch!
Wer glaubt, es gäbe nicht genug 'französisches Flair', sei beruhigt. Es gibt ersatzweise genug ländlich-serbisches, das ist genauso gut wie Cevennen-Flair.
Johannes Hachmann zu »Fred Vargas: Der verbotene Ort« 09.07.2009
Wer sonst als der Wolkenschaufler Adamsberg könnte sich ohne Albernheiten und/oder permanente Reproduktion von Klischees mit einem solchen Kriminalfall angemessen beschäftigen?Fällt den Lesern nicht auf, dass Adamsberg nachgerade dazu prädestiniert ist, die Ursprungsgeschichte des Falles in einem kleinen Dorf zu erfahren, dessen Bevölkerung und ihre Verhaltensweisen
Ähnlichkeiten zu seiner eigenen Heimat in Frankreichs Provinz aufweisen?Wem sonst hätte der Dörfler A. nicht nur die delikaten Einzelheiten des Verhängnisses erzählt, sondern darüber hinaus eine ebenso delikate Mahlzeit gekocht?
Übrigens:
Ein ständig lachender Begleiter mit extremer Behaarung ist die ideale Kommentierung der Geschichte mit demBären, den man ja angeblich manchmal aufgebunden bekommt.
PS.:
Ich fühlte mich an Zafons Das Spiel des Engels erinnert.
Schildhorn Gabi zu »Fred Vargas: Der verbotene Ort« 28.06.2009
Liebe VARGAS-FANS, mit Ihrem letzen Roman Der verbotene Ort-hat Fred Vargas in meinen Augen einen Flop gelandet. Als grösster Fan von ihr-ich habe alle Bücher von ihr verschlungen, bin ich total enttäuscht! Nun hoffe ich auf einen Adamsberg, der wieder in seiner alten Marnier ermittelt. Also freuen wir uns auf ein NEUES.
Benediktpaul zu »Fred Vargas: Der verbotene Ort« 16.06.2009
Ja, wie auch meine "Vorschreiber", so muss auch ich diese Übersetzung bemängeln. Recht gestelzt und gewollt kommt die sonst lockere, melancholische und französische Schreibe daher. Aber auch Vargas selbst ist schuld. Der Plot mag anderen Kommissaren gut zu Gesicht stehen - einem Adamsberg aber nicht. Das Wechseln der Orte und Länder nimmt der Geschichte den gerade sonst so angenehmen französischen Flair, den ich bisher am meisten bei Vargas geliebt habe. Überhaupt wirkt es, als wollte Vargas möglichst Vieles in diese Geschichte hineinpacken, das wäre nicht nötig gewesen. Hoffentlich findet Sie zu ihrer alt bewährten Machart und der deutsche Verlag zum bisherigen Übersetzer zurück
violetta zu »Fred Vargas: Der verbotene Ort« 08.06.2009
Trotz der neuen Übersetzerin, die niemals an Tobias Scheffel herankommen wird, hat mir das Lesen wieder großes Vergnügen bereitet.
Aber eigentlich sollte man die eigenen Französischkenntnisse auffrischen und Vargas` Romane nur noch im Original lesen.
Davon mal abgesehen, sorgt der Roman wieder mal für Verwirrung und bringt ungewöhnliche und skurrile Wendungen.
Wunderbar zu lesen

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