Der Dienstagmann von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1984
bei Rowohlt.
296 Seiten.
ISBN-10: 3865320279, ISBN-13: 978-3865320278.
'Der Dienstagmann' ist erschienen als
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In Kürze:
Abel hat einen Mann namens Hiltsch zu verteidigen, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, am Faschingsdienstag nach einem Betriebsfest eine Kollegin heimlich verfolgt und in einem Park brutal vergewaltigt zu haben. Tilly, das Opfer, hatte Hiltsch zuvor auf der Party eine deftige Abfuhr erteilt. Abel fragt sich, ob sein schüchterner, zurückgezogener Mandant, sich wegen einer Ohrfeige so grausam rächt. Tilly hat den Täter nicht erkannt. Abel hat erhebliche Zweifel, zumal die Tat in ein anderes Schema zu passen scheint, eine Serie von Sexualdelikten, jeweils begangen an einem Dienstag. Ist Hiltsch der berüchtigte Dienstagmann? Tilly zerbricht fast an den Belastungen der Ermittlungen und des Prozesses, auch Hiltsch, der Angeklagte, gerät in eine Lebenskrise. Als Abel bemerkt, dass Hiltsch ihn belügt, legt er das Mandat nieder, den wahren Grund darf er nicht nennen – doch das Gericht benennt ihn als Pflichtverteidiger und Abel muss erneut ins Geschehen eingreifen.
München, Faschingsdienstag: Sigurd Hiltsch, verantwortlich für die Lagerdisposition der Nägler KG, nimmt an der firmeninternen Weihnachtsfeier teil und kommt dabei im Laufe des Abends seiner Kollegin Melly Moslech näher. Doch deren (alkoholbedingte) Ausgelassenheit interpretiert Hiltsch falsch, denn als er sich ihr, ebenfalls stark angetrunken, in grober Weise nähert und sie küssen will, fängt er sich eine Ohrfeige ein. Kurz darauf verlässt Melly die Weihnachtsfeier und nimmt auf dem Heimweg eine Abkürzung durch den Englischen Garten, wo sie von einem Unbekannten überfallen und vergewaltigt wird. Als sie sich wenig später bei der Polizei meldet, verdächtigt sie Hiltsch der Täter zu sein.
Hiltsch ist für den ermittelnden Polizisten Holz der perfekte Täter, ist dieser doch ein einschlägig vorbestrafter Sexualtäter, wenngleich er bisher nur als Spanner aufgefallen ist. Aber Holz wittert eine heiße Spur, denn zumindest statistisch gesehen, steigern sich die Handlungsweisen solcher psychisch gestörten Personen in den meisten Fällen, da sie sich nicht mehr unter Kontrolle haben. Da sich Melly jedoch nicht völlig sicher ist (sie konnte den Täter nicht sehen) und zudem von Firmenprokurist Seidler unter Druck gesetzt wird, die Anschuldigungen gegen den Kollegen fallen zu lassen, solange sie diese nicht beweisen könne, gelingt es Rechtsanwalt Jean Abel, Hiltsch vor einer Untersuchungshaft zu bewahren.
Da Abel die Aussagen seines Mandanten teilweise unschlüssig erscheinen, versucht er selber den Fall zu recherchieren und stößt dabei auf eine Serie von versuchten Vergewaltigungen, die immer in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch stattgefunden haben. Sollte sein Mandant womöglich der berüchtigte »Dienstagmann« sein?
»Der Dienstagmann« erschien bereits 1984, damals noch beim Rowohlt-Verlag, und spielte in Stuttgart. Dann folgte die Umsetzung für’s Fernsehen, aus der letztlich eine mehrteilige Serie um den Protagonisten Jean Abel wurde, und nun (2006) liegt im Pendragon-Verlag die »völlig neu überarbeitete« Fassung vor, wonach u. a. die Story nunmehr in München spielt. Die Bewertung bezieht sich an dieser Stelle ausschließlich auf die Neufassung, was insoweit wichtig zu wissen ist, da das Buch mittlerweile drei verschiedene Finalszenen (1984, im TV und 2006) erlebt hat, wobei die aktuelle Schlussszene meines Erachtens die glücklichste Variante darstellt. Die Begründung hierfür liefert Fred Breinersdorfer in seinem Nachwort selber.
Der Roman könnte den Untertitel »Eine Vergewaltigung und ihre Folgen« tragen, denn das interessanteste an diesem Plot ist neben der Frage, ob Abel der Täter im Fall Moslech oder gar der Dienstagmann ist, die Darstellung, wie sich die Vergewaltigung auf Melly Moslech und den vermeintlichen Täter Sigurd Hiltsch in deren jeweiligen persönlichen und beruflichen Umfeld auswirken. Dies schildert Breinersdorfer durchaus gekonnt und spannend, wobei er sich mitunter einiger Klischees nicht entziehen kann. Ebenso sind insbesondere die übrigen (Neben-)Figuren, Polizist Holz als besonderes drastisches Beispiel, der in seinen Vorurteilen gefangen mit allen Mitteln dem Recht oder dem, was er dafür hält, Nachdruck verschaffen will, recht stereotyp dargestellt. Ein weiteres Beispiel ist die Frauenselbsthilfegruppe, der wohl selber nicht mehr zu helfen ist. Bei soviel Schwarz-Weiß-Malerei verwundert es den Leser dann jedoch umso mehr, wie der Protagonist Abel hier aus dem Rahmen fällt, denn welcher Anwalt würde schon im wahren Leben mitten in der Nacht (?) seinen eigenen Mandanten (?), noch dazu persönlich (?) beschatten.
Der Plot selber ist detailliert aufbereitet und man könnte zumindest anfangs meinen in Echtzeit der Handlung zu folgen. Der Spannungsbogen bleibt trotz der vermeintlich klaren Ausgangssituation erfreulich hoch und wird durch eine gelungene Schlusspointe nochmals positiv unterstrichen. Dennoch muss klar festgehalten werden, dass der Autor hier eine Story bietet, die sich in erster Linie an Freunde deutscher TV-Krimis wie »Derrick« und Co. sowie mancher »Tatort«-Serie wendet, nur dass eben ein Anwalt die Hauptrolle spielt und somit der Inhalt um einige juristische Aspekte bis hin zum Finale vor Gericht (man denkt zurück an Manfred Krugs Paraderolle in »Liebling Kreuzberg«) erweitert wird. Dem Autor kann man dies freilich nicht vorwerfen, denn Breinersdorfer ist nicht nur einer der erfolgreichsten und bekanntesten Krimiautoren hierzulande, sondern selber im Nebenberuf (?) Rechtsanwalt.
Wer Autoren wie Felix Huby mag, kann hier kaum etwas falsch machen, wer Action oder etwas Neues sucht, der greift lieber zu anderen Titeln.
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