Zappas letzter Hit von Frank Göhre

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Pendragon.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1990 - 2009.
Folge 4 der St.-Pauli-Serie.

  • Bielefeld: Pendragon, 2006. ISBN: 978-3865320506. 232 Seiten.

'Zappas letzter Hit' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Der St. Pauli Killer »Zappa” hat seine Frau und sich in der Haftzelle getötet. Die spektakuläre Tat ist längst Geschichte. Doch Zappas Tochter kann das damalige Geschehen nicht vergessen. Sie glaubt, dass ihr Vater Opfer eines Verrats geworden ist. Sie will ihn rächen. Ihr Vorhaben aber überkreuzt sich mit den Aktivitäten der seinerzeit mit den Fall betreuten Beamten. Der eine fahndet nach dem flüchtigen Fahrer, der seine Tochter lebensgefährlich verletzt hat. Der andere stößt auf eine für ihn noch undurchsichtige Verbindung zwischen seiner Geliebten und dem Hamburger Innensenator. Bei dem Dritten, der inzwischen ein Nobelrestaurant betreibt, verknüpfen sich die Fäden und bringen schließlich die Erkenntnis, dass «Zappa” – ein berüchtigter Auftagskiller (Hitman) – wesentlich mehr wusste, als er ausgesagt hat. Dieses Wissen wird zu seinem letzten Hit – die Spur führt zu den wahren Tätern. Aber sie sind nicht die Einzigen, die im expandierenden Hamburg in die Enge getrieben und ausgeschaltet werden sollen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Das Lied vom Tod hat sieben Strophen« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Karl Weber, der St.-Pauli-Killer, der sich auch »Zappa« nennen ließ, ist bereits seit über zehn Jahren tot. Er erschoss seine Frau und sich selbst, um der von seinen Auftraggebern angedrohten Hinrichtung zuvorzukommen. Doch sein Wissen über die Hintergründe seiner Taten hatte er in einem Tagebuch konserviert. Eine tickende Zeitbombe …

Fedder, Gottschalk und Broszinski ermittelten damals nach Zappas Hintermännern, konnten aber letztendlich keine Beweise finden, die irgendwen in Bedrängnis gebracht hätten. Nur noch Fedder ist heute noch bei der Kripo, Broszinski ist Maler geworden, Gottschalk betreibt ein erfolgreiches Feinschmecker-Restaurant. Als in seiner Küche die junge Julie Tönnes anfängt, hat die Zeit der Abrechnung begonnen. Denn Julie Tönnes ist niemand anderes als Julia Weber, Zappas Tochter. Sie weiß, wo sie nach dem Tagebuch ihres Vaters suchen muss. Doch bevor ihr die ehemalige Anwältin ihres Vaters helfen kann, verunglückt diese tödlich. Fedder beginnt Nachforschungen, Gottschalk interessiert sich nicht nur beruflich für Julie und Broszinski fragt sich, an wen seine Gemälde verkauft werden. Die alten Freunde raufen sich zusammen und machen sich nach Jahren noch einmal gemeinsam auf Spurensuche.

Granatensplitter

In sieben Teile hat Frank Göhre seinen Roman aufgeteilt. Langsam nimmt das Schicksal seinen Lauf, doch sehr schnell zieht die Handlung den Leser in ihren Bann. Der stetige Wechsel zwischen den Perspektiven der drei ehemaligen Kollegen, die sich dann im Rahmen einer Vernissage wieder sehen, sorgt von Beginn an für eine sehr lebendige Erzählung. Sehr intelligent verbindet Göhre das individuelle Schicksal der drei Protagonisten mit dem lang als ungeklärt abgelegten Fall: Unfall der Tochter, Freunde der Geschäftspartnerin, Reize der Angestellten. Der Polizist, der Maler und der Koch haben sich in den vergangenen Jahren voneinander entfremdet, doch gleichzeitig findet jeder von ihnen eine eigene Motivation, den alten Fall noch einmal aufzurollen.

Den sieben »Strophen« sind Zwischenstücke vorangestellt, Leuchtfeuer, die Geschehenes zusammenfassen oder aber Positionen der Akteure neu beleuchten. Hier balanciert der Autor geschickt mit dem Tempo und setzt interessante Impulse, durch die er Ereignisse und Personenkonstellationen fundiert. Schon hier überzeugt Göhre durch moderne Erzähltechnik und harte Schnitte. Was den Roman aber besonders lesenswert macht, sind einzelne Kapitel, in denen der Autor fünf, sechs, sieben parallele Handlungen gleichzeitig erzählt. Hier gibt es gar keine Schnitte mehr, fließende Übergänge lassen die Ereignisse ineinander verschwimmen. Vom Ganoven im Burger King geht es direkt an das Krankenbett von Fedders Tochter und dann in die Verkehrskontrolle, die bei Gottschalk eine Waffe findet. Und das Überraschende: es funktioniert! Durch diesen atemberaubenden Rhythmus schafft es Göhre, in einem kurzen Kapitel mehr Handlung flüssig und genussvoll zu vermitteln als mancher Kollege der schreibenden Kunst auf hundert Seiten.

Spannende Handlung, die Geschichte einer alten Freundschaft, die durch ein Verbrechen auseinander gerissen wurde und nun zumindest späte Genugtuung einfordert, temporeich und modern erzählt. Der Roman macht seinem Titel alle Ehre: ein echter Hit.

Thomas Kürten, März 2008

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Simone Schäfer zu »Frank Göhre: Zappas letzter Hit« 08.04.2008
Immer mal wieder habe ich einen Krimi von Frank Göhre gelesen. Seine drei Bücher, die auf dem Kiez in Hamburg spielen, „Der Schrei des Schmetterlings“, „Der Tod des Samurai“ und „Der Tanz des Skorpions“ stehen zerfledert und zerlesen in meinem Buchregal. Seinen Film „Abwärts“ habe ich damals im Kino gesehen und später noch zweimal als Videofilm.
Ja, der Göhre kann Dialoge schreiben. Das beweist er auch in „Zappas letzter Hit“. Sein collageartiger Stil ist nicht verwirrend, sondern erhellend, was man ja längst nicht von allen Autoren behaupten kann. Manchmal habe ich beim Lesen das Gefühl, sie machen eine Collage, weil sie nicht in der Lage sind, ihre Geschichten einmal chronologisch stramm durch zu erzählen, denn dann wird klar, welche Brüche und Probleme ihr Plot hat und wo es in der Dramaturgie knirscht.
Nicht so bei Frank Göhre. Der beherrscht seinen Stoff!
Manche Stellen lesen sich wie ein Drehbuch, andere wieder wie ein Roman, dann wie ein Zeitungsartikel oder ein Polizeibericht. So entsteht insgesamt ein buntes Puzzle.
Zappa ist der Auftragskiller von St. Pauli. Er hat sich in der Haftzelle getötet und seine Frau, die die Pistole hereingeschmuggelt hat, ebenfalls. Zappas Tochter findet sich damit nicht ab und geht auf die Suche.
Ich mag solche Geschichten, wenn Frauen auf der Suche nach dem Mörder ihres Vaters sind oder die Umstände seines Todes aufklären wollen. Das fasziniert mich auch immer wieder an Ann-Kathrin Klaasen in Klaus-Peter Wolfs „Ostfriesenkiller“ und „Ostfriesenblut“.
Das einzige Problem mit Frank Göhres Krimi ist für mich: ich mag keine Figuren wirklich gut leiden. Auch seine Tochter nicht. Ich weiß nicht warum, aber Sympathie will sich einfach nicht einstellen.
Ganz anders ist es für mich, wenn ich mit Ann-Kathrin Klaasen durch die Kapitel fiebere und jede Verletzung, die ihr zugefügt wird erlebe, als ob mir jemand wehtun würde. Trotzdem: „Zappas letzter Hit“ ist ein großartiger Krimi von einem Autor, der wirklich versteht, seine Leser zu fesseln.
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