Der Tod des Samurai von Frank Göhre

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1989 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1970 - 1989.
Folge 2 der St.-Pauli-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1989. ISBN: 3-499-42832-6. 179 Seiten.

'Der Tod des Samurai' ist erschienen als Taschenbuch

Das meint Krimi-Couch.de: »Leidet an zu vielen angerissenen Geschichten« 45°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Franz »Samurai« Auer belieferte vor vielen Jahren Schülerinnen in Rosenheim mit Stoff und vermittelte sie auch schon mal an die Männer des örtlichen Tennisclubs, später dann über seinen Spannmann Ludwig an einschlägige Clubs auf dem Hamburger Kiez. Genauer gesagt an die Organisation LUNA, wie sich die Zuhälter und Kleindealer Ludwig, Uli, Norbert und Andi nennen. Nun ist der Samurai tot, obwohl er sich schon lange aus dem Geschäft zurückgezogen hatte und zuletzt Lehrer im japanischen Bogenschießen war; daher sein Spitzname. Während die Ermittler Jörg Fedder und Peter Gottschalk sich auf die Suche nach dem Mörder machen, vermuten die restlichen LUNA-Leute, dass Ludwig den Samurai umgebracht habe. Doch Ludwig lässt sich von seinen ehemaligen Kumpeln nicht drohen, sondern beauftragt einen »Bekannten« mit der Ermordung Andis um ein Zeichen zu setzen. Somit droht ein Krieg auf dem Kiez, in dem auch der Hauptkonkurrent der LUNA, Werner Stobbe, genannt »Emma«, heftig mitmischt, für den der Samurai damals zuletzt arbeitete; trotz der »dicken« Beziehung zu Ludwig.

Anfangs scheint nur »Mitch«, ein ehemaliger Ermittler der Abteilung »Organisierte Kriminalität« (interne Bezeichnung »65«), die Zusammenhänge zu sehen, aber der zwischenzeitlich zum Alkoholiker mutierte Mitch wird von den Ermittlern nicht ernst genommen, zumal er seine ganz eigenen Interessen verfolgt. Der damalige Kripochef Dr. Garrelt wollte Jan Broszinski als Führungsbeamten der »65er« einsetzen und damit Mitch kalt stellen. Dieser kündigte und spielte die Erkenntnisse seiner Ermittlungen in einem damals aktuellen Fall der Presse zu. Garrelt soll demnach gemeinsam mit »Emma« Stobbe als Akteur in einem Pornofilm mitgewirkt haben. Aufgrund des Drucks in der Öffentlichkeit musste Garrelt gehen, doch halten sich hartnäckig Gerüchte über dessen Comeback.

Damit nicht genug geschehen zudem zwei äußerst brutale Morde. Der Pilot Reimer Peters und der NDR-Mitarbeiter Gerlach Weiniger werden getötet, nachdem sie den Abend zuvor mit der Herausgeberin der »Metropolitan Lady«, Jutta Wolf, verbracht hatten. Fedder und Gottschalk ermitteln an allen Fronten und haben dabei unnötige zusätzliche Arbeit, da sie intern immer wieder mit ihrem Kollegen Broszinski aneinander geraten, der in einem anderen Zusammenhang ebenfalls an LUNA interessiert ist …

Wie der grobe Inhaltsüberblick schon vermuten lässt, packt Frank Göhre reichlich viel Stoff in die gerade einmal 180 Seiten. Die Beziehung zwischen zwei konkurrierenden »Gesellschaften« des Drogen- und Zuhältermilieus, ein umherlaufender Psychopath, gegeneinander arbeitende Cops, ein Ex-Bulle der einen persönlichen Rachefeldzug führen will und, und, und. Leider verzettelt sich der Autor zu sehr in seinen zahlreichen Nebenkriegsschauplätzen und führt nur selten eine Side-Story (vernünftig) zu Ende. Das angesprochene Comeback des Polizisten Garrelt zum Beispiel wird in der Mitte des Romans vorübergehend zu einem »Hauptthema« um dann plötzlich von einer Buchseite auf die andere gänzlich zu verschwinden. Soll sich der Leser selber denken wie es weiter geht. Ähnliches gilt für die ab und an auftauchende Figur des Mitch und andere mehr. Hierzu passt auch, dass die Morde eher beiläufig »aufgeklärt« werden. Wie die Polizei die entscheidenden Hinweise erhält und daraus ihre Schlüsse zieht entzieht sich jedenfalls dem Betrachter weitestgehend, nur grob werden die Ermittlungsarbeiten skizziert.

Bereits der Einstieg in diesen »Wirtschafts-Thriller« fällt schwer, da man zunächst bemüht ist, die zahlreichen parallel verlaufenden und aus verschiedenen Sichtweisen dargestellten Handlungsstränge auseinander zu halten bzw. besser gesagt zusammen zu führen. Was hat beispielsweise der Tod des Samurai mit den Morden von Jutta Wolfs One-Night-Stand-Lovern zu tun? Welche Rolle spielen die eingestreuten Geschichten mit Regina und Monika?? Ist dieses Problem gelöst (sofern überhaupt möglich), so findet man einen kurzweiligen Plot, welcher seine Pluspunkte in den (natürlich ebenfalls nur angerissenen) Auseinandersetzungen zwischen Mord- und Drogenpolizei sowie den Differenzen zwischen Stobbe und LUNA findet. Die Auflösung des Hauptplots »Samurai / LUNA« bietet den eigentlichen Höhepunkt eines Buches, das an seinem geringen Umfang bzw. der zu vielen angerissenen Storys leidet. Enttäuschend auch wie wenig Milieustudie das Buch (nicht zuletzt aus Platzgründen) enthält. Wenn ein Roman auf dem Kiez spielt, dann darf man sicher mehr diesbezügliche Atmosphäre erwarten, als sie in diesem Buch vorkommt. Ein Bandenkrieg auf der Reeperbahn, das wäre doch eigentlich ein Stoff für mehrere hundert Seiten. Eigentlich …

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Alexander zu »Frank Göhre: Der Tod des Samurai« 27.10.2006
Es ist nun schon eine Weile her, dass ich "Den Tod des Samurei" gelesen habe. Ich fand es eigentlich recht gut. Man muß nur wissen, dass es der zweite Band von Göhres Kiez-Trilogie ist
und diese sollte man streng chronologisch lesen und gleich hintereinander weg lesen. So erschließt sich dann das ganze Reeperbahnuniversum des Herrn Göhre. Vor allem in dem letzten Band "Der Tanz des Skorpion", in welchem der Autor zu stilistischer Hochform aufläuft und anhand von fiktiven Rundfunk- und Fernsehsendungen ein beindruckendes Portrait der Reeperbahn und ihrer Parrallelwelt der organisierten Kriminalität
vom Ende des 2.Weltkriegs bis Anfang der 1990er Jahre zeichnet.
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