Die Kammer der toten Kinder von Franck Thilliez

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel La chambre des morts, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Dunkerque, 1990 - 2009.
Folge 1 der Lucie-Hennebelle-Serie.

  • Paris: Le Passage, 2005 unter dem Titel La chambre des morts. 311 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2007. Übersetzt von Ingrid Kalbhen. ISBN: 978-3-548-26667-1. 329 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2009. Übersetzt von Ingrid Kalbhen. ISBN: 978-3-548-28104-9. 329 Seiten.

'Die Kammer der toten Kinder' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein nächtliches Autorennen endet grausig: Vigo und Sylvain überfahren einen Mann. Neben dem Toten steht ein Koffer mit zwei Millionen Euro. Kurz entschlossen nehmen die beiden das Geld. Doch das Opfer war ein Vater, der seine entführte Tochter freikaufen wollte. Ein psychopathischer Serienmörder hat es auf Kinder abgesehen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Schauermärchen in modernem Gewand« 48°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Taxodermie, das ist die Präparation von toten Tieren. Soviel »Allgemeinwissen« verlangt der Roman »Die Kammer der toten Kinder« von seinen Lesern. Und dieses schöne Fremdwort wird einem mit schöner Regelmäßigkeit über den Weg huschen. Mit einigen Vorschusslorbeeren – laut Verlag war das Buch wochenlang in den französischen Bestsellerlisten – kommt das Werk des Ingenieurs Franck Thilliez auf den deutschen Buchmarkt. Wer aufgrund des reißerischen Titels nun erwartet, es mit einem Roman über einen pädophilen Serienmörder zu tun zu bekommen, der irrt. Eine »Kammer der toten Kinder« kommt in dem Roman nicht vor, wohl aber eine »Totenkammer«. Wieder einmal ein Beispiel dafür, dass ein Verlag lieber ein wenig enger am Originaltitel geblieben wäre und »Le chambre des morts« so übersetzt hätte, wie es Schüler in der 7. Klasse täten.

Die Idee des Autors klingt spannend. Zwei Arbeitslose Informatiker wollen sich an ihrem Ex-Arbeitgeber rächen und sprühen in düsterer Nacht Parolen an die Fabrikwände. Auf der Rückfahrt von ihrer Aktion rasen sie ohne Licht durch ein Industriegebiet und überfahren einen Mann, der mit einem Koffer voller Geld unterwegs zu einer Lösegeldübergabe war. Kurz entschlossen packen die beiden das Geld und den Toten in ihren Wagen und freuen sich ob des unerwarteten Reichtums. Doch nur wenige Meter vom Unfallort beobachtet der Entführer den Unfall und seine Geisel, ein kleines Mädchen, muss in dieser Nacht sterben.

Bei Geld endet die Freundschaft

Lucie Henebelle ist eine junge Polizistin, Mutter von Zwillingen, allein erziehend. Die beiden Mädchen rauben ihr jeglichen Schlaf und daher ist Lucie kurz vor Weihnachten glücklich, dass sich ihre Eltern verstärkt um die Kleinen kümmern können, da auf sie Dank des Urlaubszeit ihrer Kollegen ihr erster Einsatz in einer Mordkommission wartet – der Mord an jenem kleinen Mädchen, dessen Leiche wie eine Puppe hergerichtet wurde. Lucie ist begeistert von True Crime Literatur und Büchern über Profiling. Mit ihren Gedanken nervt sie sehr schnell ihre Kollegen, findet aber auch interessante und richtige Ansätze. Denn ein Wolfshaar im Rachen der Leiche weist den Weg zum Mörder.

Die anderen beiden Protagonisten sind Vigo und Sylvain, die beiden Arbeitslosen mit der fetten Beute. Zunächst ahnen sie nicht, dass der Entführer ihr Auto in der Unfallnacht gesehen hat. Sylvain, der selber Frau und Tochter hat, macht sich jedoch sehr bald Vorwürfe, sich derart skrupellos bereichert zu haben. Für Vigo, der dem Duft des schnellen Reichtums schon verfallen ist, wird er mehr und mehr zu einer Gefahr. Denn auf keinen Fall soll ihn der Freund um die Früchte des Glücks bringen. Und so reift bei Vigo ein tödlicher Plan.

Tiefer Griff in die Gruseltrickkiste

Schon das Buchcover stimmt die Leserschaft richtig ein: die Konturen einer Puppe, zart und zerbrechlich, lassen einen gruseligen Inhalt erwarten. Und tatsächlich, spätestens als Henebelle einen Tierarzt in einem Zoo befragen muss, aus dem nicht nur eine Wölfin geraubt wurde, läuft einem ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Es kommt aber noch besser: finstere Häuser mit unterirdischen Kellerverliesen und reichlich obskure Gestalten findet die jungen Kommissarin bei ihren Ermittlungen. Und natürlich hat es der Mörder längst nicht auf irgendein weiteres Opfer, sondern auf Henebelle abgesehen.

Interessanter Stoff. Und dennoch stellt sich leider keine rechte Begeisterung ein. Die Story mit den beiden arbeitslosen Freunden fängt sehr gut an, lässt aber sehr schnell genauso stark nach. Henebelle selber überrascht mit ihrem profunden Profiling-Wissen; aber kann sie den Leser auch überzeugen? Die Spuren, die sie verfolgt werden zusehends obskurer. Orte, die sie aufsucht und Personen, mit denen sie spricht, werden immer klischeehafter. Agent Starling lässt grüßen. Schade, da hätte mehr draus werden können.

Nach dem wirklich guten Einstieg rutscht »Die Kammer der toten Kinder« immer mehr ab zu einem Remake aus Schweigen der Lämmer und Brigitte Auberts Puppendoktor. Zwar durchaus unterhaltsam und teilweise auch fesselnd, aber eben nicht wirklich originell. Viel Effekthascherei und eine immer dünner werdende Story für einen Psychothriller, der nicht die Qualität besitzt, nachdrückliche Wirkung zu erreichen. 

Thomas Kürten, Juli 2007

Ihre Meinung zu »Franck Thilliez: Die Kammer der toten Kinder«

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Anita Koch zu »Franck Thilliez: Die Kammer der toten Kinder« 16.05.2013
Es ist schon eine Weile her, daß ich dieses Buch gelesen habe.
Hinterher habe ich mich gefragt, wie krank ein Schriftsteller sein muß, der sich so etwas ausdenken kann.
Ich finde das Buch unsagbar grausam, und mein erster Gedanke war, daß dieser Schriftsteller in eine geschlossene Abteilung gehört.
Ich habe in meinem Leben viele Krimis oder Thriller gelesen und lese sie noch. Jede Handlung ist auf eine andere Weise schrecklich.
Aber dieses abscheuliche Buch ist die Krönung der Perversitäten.
anonymous zu »Franck Thilliez: Die Kammer der toten Kinder« 10.05.2012
"Wieder einmal ein Beispiel dafür, dass ein Verlag lieber ein wenig enger am Originaltitel geblieben wäre und »Le chambre des morts« so übersetzt hätte, wie es Schüler in der 7. Klasse täten."

@Thomas Kürten: Süffisant über die Fähigkeiten von Übersetzern und Siebtklässlern schreiben, aber im gleichen Satz den Originaltitel falsch wiedergeben... Der Artikel von "chambre" ist nicht "le", sondern "la"! Kleine Fehler können passieren, in diesem Kontext ist das aber mehr als peinlich...
HeJe zu »Franck Thilliez: Die Kammer der toten Kinder« 21.04.2011
Nette Idee, aber miese Umsetzung.

Ein völlig verworrenes, abgestumpftes und leicht unschlüssiges Buch. Lieder fehlte es mir bei diesem Buch an allem: Spannung, Raffinesse, Einfallsreichtum, Drama, Blut...

Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig und gefiel mir leider auch nicht. (Ich sollte einfach keine französischen Werke mehr lesen ...)

Die Figuren sind schwammig und nicht wirklich greifbar. Es kann meiner Meinung nach überhaupt keine Sympathie hergestellt werden.

Mein Schlussgedanke: Gut, dass das Buch so dünn war!

50 Grad
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
koepper zu »Franck Thilliez: Die Kammer der toten Kinder« 13.02.2011
Der Geschichte liegt eine gute Idee zu Grunde. Leider hat Thilliez zu wenig daraus gemacht. Dabei fängt „Die Kammer der toten Kinder“ gut an und hat ein paar richtig starke Momente. Als einer der beiden Arbeitslosen im Bewerbungsgespräch so richtig aufdreht, und Dampf ablässt, das ist schön dargestellt. Leider wird das Buch dann von Seite zu Seite schlechter. Vor allem die Figur, Lucie Henebelle, eine junge Polizistin, die zum ersten Mal bei einem Mord ermitteln darf, ist unglaubwürdig angelegt. Sie ist natürlich, obwohl unerfahren, diejenige, die die richtigen Schlüsse zieht. Das Ganze ist reichlich konstruiert und nicht überzeugend. Ein Erstling, der mich nicht überzeugt hat. Allerdings hat Thilliez mit „Der rote Engel“ einen guten Thriller nachfolgen lassen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kiki zu »Franck Thilliez: Die Kammer der toten Kinder« 27.10.2009
Also mir hat das Buch "Die Kammer der Toten Kinder" sehr gut gefallen. Es ist sehr spannend geschrieben. Wie ich es angefangen hab zu lesen hab ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen können. Es zwar teil weise verwirrend aber mir hat es wirklich sehr gut gefallen und ich lese es jetzt das 2mal. Ich würde gerne wissen was Lucie in ihrem Schrank hat.
Ich empfehle das Buch auf jeden Fall weiter.
Ramona zu »Franck Thilliez: Die Kammer der toten Kinder« 23.10.2009
Also ich bin noch nicht ganz durch, aber mit gefällt es. Ich finde er hat das Buch gut geschrieben, na gut, das mit den Titel ist nicht ganz so gut gelaufen. Aber der Inhalt ist ja das Wichtigste bei einem Buch, wie ich finde. Der Inhalt hat mich fasziniert, obwohl es manchmal verwirrend war, dass von Kapitel zu Kapitel die Hautperson wechselt.
Frank zu »Franck Thilliez: Die Kammer der toten Kinder« 07.09.2009
Vigo und Sylvain sind arbeitslos, knapp bei Kasse und dementsprechend frustriert.
Nach einer durchzechten, von Frust geprägten Nacht, überfahren sie versehentlich einen Mann auf einem Industriegelände. Neben der Leiche finden sie einen Kofer mit 2 Millionen Euro.
Lösegeld für die entführte Tochter des Mannes.
Zeitgleich übernimmt die junge Polizistin Lucie die Ermittlungen in einem sonderbaren Mordfall - ein Kind wurde wie eine Puppe zurecht gemacht tot aufgefunden.
Die Spuren führen in die Welt der Tierpräparatoren - und zu den beiden Zufallsverbrechern (die die Beute behielten + die Leiche entsorgten - nein, kein Spoiler).
Wobei schnell klar wird, dass Lucie mehr als nur ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich trägt.
Wie in der Couchrezi erwähnt wurde, ist die Story selbst an und für sich nicht die schlechteste. Allerdings wird insbesondere die Figur der Lucie im Laufe der Story immer unglaubwürdiger - während andere interessante Personen nur kurz charakterlich angerissen werden, um direkt wieder in der Versenkung zu verschwinden.
Da es sich bei "Die Kammer der toten Kinder" um den Auftakt einer Reihe handelt, könnte man das durchaus verschmerzen - wäre da nicht das wirklich grottenschlechte Ende. Ich hatte das Gefühl, der Autor hätte schlicht den Gefallen an seiner eigenen Geschichte verloren. Selten ist mir ein derartig "hingerotztes" Finale begegnet. Mal sehen ob ich mir ein weiteres Buch um Lucie zulegen werde.
Für den Auftakt gebe ich 55%.
Malu zu »Franck Thilliez: Die Kammer der toten Kinder« 02.06.2009
Das Buch die Kammer der toten Kinder-von Franck Thilliez ist sehr spannend geschrieben. An manchen Stellen so intensiv- das ich das Buch kurz zur Seite legen musste. Verschnaufen.
Mich würde sehr interessieren was Lucie in dem Schränkchen für ein geheimnis versteckt hält.
Man kann das Buch weiter empfehlen.
vero zu »Franck Thilliez: Die Kammer der toten Kinder« 13.05.2009
Ich habe das buch gelesen, es ist einfach hammer. Ich empfehle es weiter und kann nur eins sagen: Spannung pur!!
Es hat mich auch danach noch sehr beschäftigt, es liess mich auch beim Lesen manchmal erschaudern!
Aber genau das soll ein Autor zustande bringen..toll gemacht!!
Es ist verständlich geschrieben und man möchte es am liebsten gar nicht mehr aus der hand legen. Gelungenes Meisterwerk!
Denise zu »Franck Thilliez: Die Kammer der toten Kinder« 07.02.2009
Mir hat das Buch sehr Gut gefallen. Ich war erstaunt darüber wie sich Freundschaften durch Geld beeinflussen lassen (Vigo & Sylvain). Aufjedenfall werde ich mir noch den Film anschaun. Und das Buch wird von mir natürlich kräftig weiterempfehlt ( ;
Mich hätt ees nur sehr interessiert was sich in dem Schrank von Lucie befindet. :D

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