Der rote Engel von Franck Thilliez

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Train d´enfer pour ange rouge, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Ullstein.

  • Paris: La Vie du Rail, 2003 unter dem Titel Train d´enfer pour ange rouge. 428 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2009. Übersetzt von Brigitte Lindecke & Barbara Ostrop . ISBN: 978-3-548-26917-7. 393 Seiten.

'Der rote Engel' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine grausige Mordserie fordert die ganze Aufmerksamkeit von Kommissar Franck Sharko. Er ist froh um die Ablenkung, denn vor einem halben Jahr ist seine Frau spurlos verschwunden. Die Ermittlungen führen in die düsteren Bereiche des Internets, zu gewaltsamen Sexualpraktiken und mörderischen Snuffvideos. Der Mörder will Sündern die Hölle auf Erden bereiten. Und er hat Sharkos Frau in seiner Gewalt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Brutalität ist Trumpf und einige Schnitzer verärgern zusätzlich« 45°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

In Fourcheret, einer kleinen Nachbarstadt im Nordosten von Paris, wird die grausam entstellte Leiche der 36-jährigen Martine Prieur gefunden. Da die örtliche Polizei kaum Erfahrung mit derartigen Kapitalverbrechen hat, übernimmt die DCPJ, die Direction Centrale de la Police Judicaire, die Oberdirektion der französischen Kriminalpolizei, die Ermittlungen. Polizeikommissar Franck Sharko und sein Team arbeiten fieberhaft, denn ein derart brutales Verbrechen kam selbst ihnen bislang nicht unter. Das Opfer wurde an einer Konstruktion, die an ein komplexes Flaschenzugsystem erinnert, aufgehangen. Zahlreiche Ketten und Haken wurden ihr dabei direkt unter die Haut gejagt, um sie auf diese Weise festzubinden. Der Mörder scheint ein perfides Spiel insbesondere mit Sharko aufziehen zu wollen, denn dieser erhält eine Mail, die an die Mutter des Opfers gerichtet ist. Die Mail enthält auch ein unscheinbares Bild eines Bauern, dass Sharkos Freund, der Computerexperte Thomas Serpetti für verdächtig hält. Er glaubt, dass sich hinter diesem harmlosen Bild eine versteckte Nachricht befindet. Während Serpetti versucht, dem möglichen Geheimnis des Bildes auf die Spur zu kommen ergibt die Obduktion der Leicht, dass deren Mageninhalt mit einer großen Wassermenge versehen war, die einen extrem hohen Anteil an Granit enthält.

Sharko nimmt dies als Hinweis und begibt sich an die Cote d’Armor, eine Gegend, die für ihre Steinbrüche mit hohem Granitvorkommen bekannt ist. Hier erhofft er sich neue Erkenntnisse und stößt auf den vermeintlichen Selbstmord von Rosance Gad, die eine Vorliebe für SM- und Bondage-Sex hatte. Sharko beginnt mit Nachforschungen über die SM-Szene und stößt dabei auf eine Gruppe, die sich BDSM4Y nennt. Eine geheime Verbindung, die die Grenzen zum Tod mit extremen Sexspielen auslotet. In der Zwischenzeit ist das Geheimnis des Bildes der Mail gelöst, welches einen Hinweis auf ein weiteres Opfer enthält. Mehr und mehr findet Sharko über gewaltsame Sexpraktiken im Internet heraus bis hin zu real erscheinenden Vergewaltigungen und Todesspielen. Doch erst nach dem seien Nachbarin Doudou Camélia, die über seherische Fähigkeiten verfügt, ebenfalls brutal ermordet wird, erkennt Sharko, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, um den Mörder zu finden. Denn dieser hat offensichtlich Sharkos Frau Suzanne in seiner Gewalt, die vor knapp sechs Monaten spurlos verschwand…

Der rote Engel zeichnet sich in erster Linie durch ein hohes Maß an Brutalität aus, was sich auch, aber nicht nur, auf die dargestellten Sexpraktiken bezieht. Die Spannbreite reicht vom extremen SM-Sex bis hin zum Bondage, der japanischen Fesselkunst. Neben diesen nicht immer leicht zu lesenden Passagen erfahren wir anfangs recht viel über die Ermittlungsarbeit der Polizei sowie die Arbeit eines Profilers. Lässt man sich auf den Inhalt ein, so ist der Plot mitunter lesenswert, wobei die Handlungsweise des Protagonisten nicht immer nachvollziehbar erscheint. Nur weil der Wasseranteil im Körper eines Opfers einen hohen Granitanteil aufweist, fährt Sharko direkt in die Bretagne und besucht dort sämtliche Steinbrüche in der Hoffnung, weitere Spuren zu finden. Na ja.

Wesentlich störender sind aber offensichtliche inhaltliche Fehler, die kaum zu entschuldigen sind. Allerdings kann hier nicht beurteilt werden, ob der Autor oder die Übersetzung derart geschludert haben. Zwei Beispiele:

Letztes Jahr am 16. Juli ist Rosance Gad … am Boden zerschmettert. [Seite 80]
Mehr als … zweieinhalb Monate lagen zwischen dem Tod von Gad und dem Mord an Prieur. [Seite 85]

Sicher, wenn der Tod von Gad im letzten (!) Jahr im Juli erfolgte, liegt dieser mindestens sechs Monate zurück, also »mehr als zweieinhalb Monate«. Tatsächlich fanden beide Ereignisse im gleichen Jahr statt (im Abstand von – richtig – zweieinhalb Monaten).

…alle fünfzehn Tage, von April angefangen, mit einem Spitzenbetrag von zweihunderttausend Euro Anfang September. Ein kurzes Überschlagen brachte mich auf eine Summe von ungefähr fünf Millionen Euro, in nicht einmal sechs Monaten. [Seite 385]

Ihr Rezensent überschlägt auch mal kurz. Alle fünfzehn Tage heißt zwei Mal im Monat. Zwei Mal den Höchstbetrag (!) von zweihunderttausend ergibt maximal vierhunderttausend im Monat, macht mit sechs multipliziert in einem halben Jahr… richtig, ungefähr fünf Millionen. Oder sagen wir doch besser knapp die Hälfte davon. Autsch! Wie heißt es in der Werbung: »PISA, die Freiheit nehm’ ich mir.« (oder so ähnlich)

Bei solch groben Schnitzern vergeht einem der Lesespaß, zumal diese einer Übersetzerin (im vorliegenden Fall waren gleich zwei am Werk) und einem Lektorat auffallen sollten, um nicht zu sagen auffallen müssen. Wen derartige Pannen nicht sonderlich stören und wer schon immer mal einen Einblick in die dunkle Welt des schmerzhaften SM-Sex und artverwandter Praktiken erhalten wollte, findet hier vielleicht die »richtige« Lektüre. Allerdings sollte man sich auf eine starke blumig-bildgewaltige Ausdrucksweise des Autors gefasst machen. Am Ende wartet nach etlichen Leichen und einem Protagonisten, für den die Regeln üblicher Polizeiarbeit nicht zu gelten scheinen, eine vorhersehbare Auflösung.

Jörg Kijanski, August 2010

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Hans-Peter Eissler zu »Franck Thilliez: Der rote Engel« 11.05.2017
Welchen Kommentar soll man zu solch einer Schundliteratur abgeben? Sowohl der Schreibstil, als auch der extrem abstoßende Inhalt ist unterste Schublade. Wie krank muss das Gehirn eines Menschen sein, der solche Gedanken zu Papier bringt.?
Zum Glück verfüge ich über einen offenen Kamin, der es mir erlaubte, meine ganz private Bücherverbrennung zu zelebrieren.
Marv zu »Franck Thilliez: Der rote Engel« 31.10.2010
Franck Thilliez Roman ‚Der rote Engel‘ ist weniger durch die blutigen und abstossenden Detailbeschreibungen der Mord- Folteropfer als vielmehr durch den unsäglichen Schreibstil ein grausames Buch. Selten habe ich solch schwülstige und blumige Beschreibungen, solch unsägliche Metaphern und eine solch sinnentleerte Bildsprache in einem Buch vorgefunden.
„Ich spürte, wie die Arterien an meinem Hals unter dem steigenden Blutdruck anschwollen, erriet in dem Schweißfilm auf meiner Stirn, die zynische Manifestation der Angst“,
„Nur das Geheul der Stille, die so schwer und drückend wirkte wie geronnener Nebel“, Die Fauna der Schattenwelt, diese Konstrukteure der Verzweiflung, verrichteten in der Anonymität der Nacht und der Einsamkeit fleißig ihr Werk‘ (Thilliez schreibt von Spinnen),
Man bewegt sich nicht in Schlacht- und Kranken- oder verfallende Häusern, sondern man ist in der „Lunge der Hölle“, bewegt sich in “dem perfekt geölten Getriebe einer teuflischen Bestie“, irrt durch „die Eingeweide eines schlafenden Ungeheuers“ oder läuft durch Gänge, „in denen sich die Krankheit wie eine Kruste abgesetzt hat“. So geht es in einem fort.
Aber auch inhaltlich verfolgt Thilliez den Weg grausamer Beschreibungen. Ob sie in dieser detaillierten Form dramaturgisch notwendig oder effekthaschender Natur sind, mag jeder Leser selbst entscheiden. Der Rest ist ein mehr oder minder spannender Plot, mit vorhersehbarem Täter, zu erwartendem Finale und einer Prise Okkultismus
Sonny zu »Franck Thilliez: Der rote Engel« 23.08.2009
Ein Buch, welches ich mir trotz meiner Sammelleidenschaft lediglich geliehen habe. Zum Einen bin ich kein Fan französischer Autoren, zum Anderen gefielen mir die ersten beiden Bücher von Thilliez nicht sonderlich. Aber dieses Buch hat mich überrascht. Sehr flüssig geschrieben und durchgehend spannend. Die Protagonisten sind überwiegend glaubhaft gezeichnet. Der ermittelnde Beamte Sharko verarbeitet das Verschwinden seiner Frau nicht mit seitenlangem Selbstmitleid und chronischen Saufgelagen, er stürzt sich intensiv in seine Arbeit. Das ihm diese durchaus auch auf den Magen schlägt, macht ihn sympathisch. Er ist zwar nicht gerade zimperlich bei Zeugenbefragungen, aber er ist auch nicht der einsame Rächer. Die Auflösung ist letztlich nicht die große Überraschung, aber auch nicht zu offensichtlich.
Wie bereits von meinen Vorschreibern erwähnt, geizt Thilliez nicht mit grausamen Details. Stichworte wie SM, Snuff, Inquisition, Folter usw. werden hier nicht nur am Rande erwähnt.

Spannend, rasant, brutal. 84°
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
koepper zu »Franck Thilliez: Der rote Engel« 19.08.2009
"Der Rote Engel" ist ein grausiges Buch. Thilliez hat einen Thriller verfasst der ohne Zweifel zur ganz harten Kost gehört. Der Autor hat eine Geschichte über Sadismus, Snuff Videos und Serienmorden geschrieben in der er uns ausführliche Darstellungen von Grausamkeiten übelster Art darbietet.
Das Buch hat viel Tempo, ständig wird der Leser mit Gewalt konfrontiert. Auch Kommisar Sharko geht nicht gerade sanft mit Beteiligten und Verdächtigen um.
Die Story an sich ist verzwickt. So werden religiöse Motive für die schrecklichen Geschehnisse bemüht, aber auch die Welt des Internets.
Ich fand das Buch spannend und hart, wobei die Auflösung der Mordserie trotz aller Verwicklungen vorhersahbar war. allerdings ist es nichts für Zartbesaitete.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Schrodo zu »Franck Thilliez: Der rote Engel« 11.08.2009
Kommissar Franck Sharko dessen Frau vor einem halben Jahr spurlos verschwunden ist wird mit der Aufklärung einiger brutaler Frauenmorde betraut. Seine Ermittlungen führen ihn zu mörderischen Snuffvideos und bizarren SM Praktiken. Natürlich hat sich der Mörder auch seine Frau geschnappt.
So ähnlich steht es auf dem Klappentext dieses überaus brutalen und grausamen Thrillers. Herr Thielliez hat nicht mit ausführlichen Beschreibungen über die Folterungen und Quälereien in seinem Buch gespart. Da wird es sogar dem Kommissar, der zu Beginn ein wenig wie ein Weichei wirkt, so übel, dass er sich sein Mittagessen öfters nochmals durch den Kopf gehen lassen muss.
Das Buch ist schon extrem hart, brutal und mit einigen unerwarteten Wendungen versehen. Es ist sehr spannend und interessant, aber nichts für zarte Gemüter. Letztendlich kann man nur hoffen, dass es solch menschliche Abgründe in der realen Welt nicht gibt.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
sue82 zu »Franck Thilliez: Der rote Engel« 05.07.2009
Der Komissar Franck Sharko stürzt sich in die Arbeit nachdem seine Frau verschwand, eine bizarre Mordserie nimmt ihn in Beschlag. Es geht um SM, Folter und Mord. Der Autor beschreibt hier vieles bis ins kleinste Detail.
Bis zum Schluss bleibt das Buch spannend und der Täter wird erst gegen Ende offensichtlich. Der Autor hat sich gesteigert, dieses Buch ist besser als die zwei Vorherigen.
Das einzige was störte, waren die vielen französischen Begriffe, wie Strassennamen etc. die das Lesevergnügen etwas trübte. 80° gibts von mir.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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