Die Rache der Träumerin von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1986
unter dem Titel La Dama de Cachemira ,
deutsche Ausgabe erstmals 2011
bei Ehrenwirth.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien / Barcelona, 1970 - 1989.
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Barcelona: Planeta, 1986 unter dem Titel La Dama de Cachemira .
ISBN:
8432055867. 235 Seiten.
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Köln: Ehrenwirth, 2011.
Übersetzt von Sabine Giersberg.
ISBN:
978-3-431-03850-7. 288 Seiten.
'Die Rache der Träumerin' ist erschienen als
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In Kürze:
Der arme Paquito war eine wahrhaft gute Seele. Immer hilfsbereit, voller Mitleid für die Benachteiligten, half er einem orientierungslosen Rollstuhlfahrer weiter: erst über die Straße, dann in ein abgelegenes Viertel, schließlich zum Straßenstrich. Dann war Paquito tot. Nur den Ring mit dem großen Rubin hatte der Mörder ihm gelassen. Auch die alte Dame aus der abbruchreifen Stadtvilla war nicht mehr recht am Leben. Eigentlich lag sie schon ein wenig länger da, ganz allein im wunderschönen Erkerzimmer ihrer Villa, und der ehrgeizige Makler war’s, der sie finden musste. Ricardo Méndez, der abgehalfterte Kriminalbeamte auf dem Abstellgleis, gerät nur zufällig in die Ermittlungen – und ist doch wieder mit ganzer Seele dabei, wenn die gebrochenen Herzen eine Spur des Todes hinterlassen.
Das meint Krimi-Couch.de: »Tiefschwarze Milieustudie und ein paar Morde obendrein.«
Krimi-Rezension von Jörg Kijanski überspringen
Als Fransisco Balmes, von allen nur »Paquito« genannt, einen vermeintlich hilflosen Rollstuhlfahrer am Straßenrand entdeckt, hilft er diesem über die Straße und schiebt ihn sogar noch weiter bis zu einer kleinen, abgelegenen Gasse. Ein Fehler wie sich herausstellt, denn der Rollstuhlfahrer ist keineswegs behindert und fordert von Paquito dessen Wertsachen. Alles rückt Paquito heraus nur nicht einen Rubinring und so kommt es wie es kommen muss. Ein schneller Messerstich in die Kehle bedeutet Paquitos Ableben, doch da sich plötzlich zwei Menschen der Gasse nähern muss der Täter ohne den besagten Ring das Weite suchen.
Wenig später besucht der Kriminalbeamte Ricardo Méndez Esther, die Witwe Paquitos, wo er in deren Trauerrunde auf Abel Gimeno trifft, der exakt den gleichen Ring wie der Ermordete trägt. Kurz darauf kommt es zu einem Gespräch zwischen Méndez und Abel und dort erfährt der Ermittler, dass Paquito und er seit langer Zeit befreundet sind. Mehr als nur befreundet, denn beide können mit dem weiblichen Geschlecht nicht wirklich etwas anfangen und so erscheint für Méndez der Fall schnell geklärt. Esther kam dahinter, dass ihr Mann nicht sie, sondern einen anderen Mann liebt und sann auf Rache. Méndez sucht Esther erneut auf, um sie zur Rede zu stellen, doch bevor er überhaupt mit einer Befragung anfangen kann, bricht seine Theorie wie ein Kartenhaus in sich zusammen, denn Abel lebte seit längerer Zeit bei Paquito und Esther, die über deren Verhältnis bestens Bescheid wusste. Folglich muss Méndez wieder von vorne anfangen und macht das, was er am besten kann, er hört auf die Stimmen der Straße …
Nach Der Tod wohnt nebenan (2007) und Gott wartet an der nächsten Ecke (1991) ist nun mit Die Rache der Träumerin ein weiterer Band aus der Ricardo-Méndez-Reihe erschienen, dessen Originalausgabe bereits 1986 erschien. Es geht bei den Veröffentlichungen also munter durcheinander, was recht störend ist, aber seien wir froh, dass wenigstens Teile der vielfach preisgekrönten Reihe überhaupt eine deutsche Übersetzung finden. Der Plot spielt in einem herunter gekommenen Viertel Barcelonas, in dem sich der menschliche Bodensatz der Gesellschaft zusammenfindet. In schummrigen Kinos und Bars treffen allerlei zwielichtige Gestalten aufeinander und dort, wo die Hoffnung schon lange aufgehört hat zu existieren, treiben Kleinkriminelle ihr Geschäft und gehen zahlreiche »Damen« dem ältesten Gewerbe der Welt nach.
In diesem Mikrokosmos bewegen sich die wenigen Figuren des Romans, die aus ihrem Viertel nie herauskommen werden. Sie hängen ihren Tagträumen nach und wissen doch, dass sie für immer gescheitert sind. Aber hatten sie je eine Chance? Méndez fühlt sich in dieser Gegend wohl, denn er selber ist ebenfalls nur noch ein abgehalfterter, an Rheuma leidender Polizist dessen Chef ihn lieber heute als morgen versetzen würde. Eigentlich ist er nur für die kleinen und unbedeutenden Verbrechen auf der Straße zuständig, doch wenn er zufällig schon mal in einen Mordfall hineingerät, kann er sich auch gleich ein wenig umhören.
»Möge Gott mich davor bewahren, mich in diesen Fall einzumischen. Ich werde auf jeden Fall abwarten, bis der Tote mir einen Brief schreibt.«
Natürlich mischt sich Méndez ungefragt ein, jedoch nicht immer mit Erfolg. Im Roman stehen weniger die polizeilichen Ermittlungen (diese finden eher gar nicht statt) als vielmehr die Darstellung der Charaktere und eine eindringliche Milieustudie im Mittelpunkt. Wohin man sieht trifft man auf Enttäuschungen und Hoffnungslosigkeit, da bleibt einem nur gallig-schwarzer Humor und beißender Zynismus.
»Auf Ihre Ansichten kann ich verzichten, Méndez. Ich habe mich nicht für einen Crashkurs >Wie werde ich in zehn Tagen zum Zyniker< eingeschrieben.«
»Ich würde mir nie erlauben, Ihnen Lektionen in Zynismus zu erteilen, Herr Kommissar. Noch gibt es Rangstufen.«
Die Dialoge sind erfrischend unterhaltsam, der Schreibstil des Autors ist wort- und bildgewaltig (»Es waren Brüste für den Wintergarten …«) und bietet eine klassische Mischung aus Sex & Crime, die bei Weitem nicht den heutigen Standards des »political correctness« entspricht. Bisweilen fühlt man sich ein wenig an Charles Bukowski erinnert. Es gibt wahrlich Schlimmeres.
Jörg Kijanski, Januar 2012
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| Torsten zu »Francisco González Ledesma: Die Rache der Träumerin« | 22.02.2012 |
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