Prosciutto di Parma von Franca Permezza

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

deutsche Ausgabe erstmals 2005 .
Ort & Zeit der Handlung: Venedig, 1990 - 2009.

  • Hamburg; Leipzig; Wien: Europa, 2005. Übersetzt von Wolfgang Körner . ISBN: 3203810077. 317 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. Übersetzt von Wolfgang Körner . ISBN: 978-3-499-24259-5. 286 Seiten.

'Prosciutto di Parma' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Der Rechtsanwalt Brambilla ist tot. Der Polizeichef vermutet, dass er nur das Falsche gegessen hat, aber Commissario Trattoni glaubt an Mord. Als auch die Frau eines Glaswarenhändlers umkommt, dessen Ehemann den Glasmachern auf Murano unbequem geworden ist, muss Trattoni seine Ermittlungen intensivieren, wenn nicht noch mehr passieren soll.

Ein wenig hilflos, aber dann doch mit erstaunlichem psychologischem Einfühlungsvermögen und Instinkt, bewegt Trattoni sich zwischen den Palazzi der Patrizier Venedigs und den Arbeitersiedlungen in Mestre, zwischen der Kunstgalerie seiner Frau Giulia, die mit unsignierten Gemälden handelt, und der Pathologie, die plötzlich erstaunlich viel zu tun hat. Haarsträubende Methoden und der Sinn für gutes Essen oder einen guten Rotwein kennzeichnen den ebenso sympathischen wie übergewichtigen Ermittler. Mit genauen Kenntnissen der Topographie und Atmosphäre Venedigs schafft dieser Kriminalroman ein fesselndes Leseerlebnis. Bis zur letzten Seite wird der Leser durch die eigenwilligen Charaktere und zahlreiche unerwartete Wendungen spannend unterhalten.

Das meint Krimi-Couch.de: »Fälschung kommt dem Original qualitativ nahe« 70°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Der Untertitel »Commissario Trattonis tiefster Fall« und die Aufschrift »Ein Kriminalroman aus Venedig«, das weckt sofort Assoziationen. Daß diese nicht unbeabsichtigt sind, wird einem spätestens nach den ersten Seiten klar.

Hochwasser in Venedig. Commissario Antonio Trattoni macht sich auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz, der Questura. Im Vorzimmer des Vize-Questore trifft er auf dessen Sekretärin Singorina Elektra. Nun dürfte auch der Letzte begriffen haben, dass der Roman der Autorin Franca Permezza auf die Commissario Brunetti-Reihe von Donna Leon zielt. Auch hier hat der Commissario eine liebende Gattin, Giulia, die für ihn mittags und abends kocht, sowie einen Sohn und eine Tochter. Bereits bei Brunetti habe ich übrigens schon nicht verstanden, wie eine berufstätige Frau die Zeit findet, für ihre Familie zweimal täglich ein mehrgängiges Menü zuzubereiten. Und wie man dann die Rolle des Commissario, der außer den beiden Mahlzeiten zwischendurch auch noch die ein oder andere Süßspeise zu sich nimmt, mit einem schmächtigen Kerl wie Joachim Krol besetzen kann. Aber dies nur nebenbei.

Contessa Brambilla sucht den Commissario auf, weil sie davon überzeugt ist, dass ihr Bruder, der Rechtsanwalt Davide Brambilla, von seiner Frau vergiftet worden ist. Trattoni hatte den Totenschein bereits auf dem Tisch gehabt. Darin war eine Lebensmittelvergiftung als Todesursache angegeben. Trattoni ordnet eine Obduktion an, die jedoch keine neuen Erkenntnisse bringt. Trotz allem zweifelt der Commissario daran, dass beim Tod des Anwalts niemand nachgeholfen hat. Der Fall ist kein offizieller Fall, doch trotz allem beginnt Trattoni mit Ermittlungen. Erst als es einen zweiten Todesfall mit der Diagnose Lebensmittelvergiftung gibt, darf er nun auch mit Genehmigung des Vize-Questore offiziell daran arbeiten. Aber nur deshalb, weil Trattonis ausländerfeindlicher Chef davon überzeugt ist, dass ein türkischer Glaswarenhändler seine Frau umgebracht hat.

Trattoni sucht nach Verbindungen zwischen den beiden Verstorbenen, und der Fall nimmt ihn derart in Anspruch, dass er sogar mehrmals hintereinander das heimische Mittagessen ausfallen lassen muß.

Auf der Suche nach der Intention für dieses Buch stellt man sich zunächst die Frage, ob die (fiktive?) Autorin ein Parodie erstellen wollte. Dafür jedoch müssten die Charaktere stärker überzeichnet sein. Leicht überzeichnet wirkt hier jedoch allenfalls der Commissario selber, der immer vergesslicher wird und ständig Namen verwechselt und Hüte vertauscht. Die weiteren aus der Brunetti-Reihe übernommenen Figuren dagegen wirken fast originär. Selbst die Eigenschaften einer Satire auf Donna Leons Romane muß man ihm absprechen. Nicht etwa deshalb, weil die venezianischen Gepflogenheiten nicht genügend pointiert wären, sondern weil man Leons Bücher selbst bereits als satirisch ansehen darf, ob gewollt oder ungewollt, sei dahingestellt.

Daß die Autorin auch kein Hehl daraus macht, dass sie hier fremdes Gedankengut verarbeitet, wird schnell dadurch klar, dass in diesem Buch überall von Fälschungen die Rede ist.

»Wie immer boten auf dem Uferplatz Markthändler Obst und Gemüse feil. Vor einem Jahr noch hatte man hier auch gefälschte Rolex-Uhren, gefälschte T-Shirts mit dem Medusenhaupt Versaces – ja sogar gefälschte Romane von Donna Leon kaufen können...«

Gefäschte Bilder tauchen ebenso auf wie gefälschtes Murano-Glas und sogar gefälschter Parmaschinken, der titelgebend ist und dem für die Lösung des Falles eine entscheidende Rolle zukommt.

So bleibt ein netter literarischer Spaß, der von der Qualität des Kriminalfalls her absolut mit dem Original mithalten kann.

Zweifelsfrei ist »Prosciutto di Parma« eine sehr gute und absolut gelungene Fälschung. Doch als solche halte ich das Werk jedoch für überflüssig. Fälschungen haben gegenüber Originalen meist den Vorteil eines niedrigeren Preises, was jedoch in diesem Fall nicht gegeben ist.

Schriftstellerisch ist es nicht unbedingt eine Glanzleistung, von anderen erdachte Figuren zu übernehmen, um darum herum eine Geschichte zu erfinden, die den Originalen ähnelt. Erzähltechnisch dagegen braucht sich die Autorin absolut nicht hinter großen Namen zu verstecken. Auf jeden Fall verkürzt Franca Permezza den Fans von Brunetti die Wartezeit bis zum Erscheinen seines nächsten Falles, sofern ihnen nicht diese nett gemachte Fälschung sauer aufstösst.

Was nun die Identität der Autorin angeht, so darf gerätselt werden, wer hinter der Sache steckt. Informationen über eine Originalausgabe sucht man ebenso vergeblich wie Informationen über die Autorin, die über die Angabe auf dem Klappentext hinausgehen. Daß sie ausgerechnet mit einer Arbeit über einen Kunstfälscher dissertiert haben soll, spricht für sich. Einzig als Übersetzer taucht der Name eines bekannten Autoren auf.

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Beate Müller zu »Franca Permezza: Prosciutto di Parma« 04.10.2007
Tja, wahrscheinlich werde ich auch ein Buch schreiben. Ich suche mir ein schönes, bereits bestens verkauftes, aus und kupfere ab. Wenn das so gut klappt, wenn man sogar die Figuren gleich benennen kann, dann wird das ja nicht wo schwer sein.
Trotzdem muss ich sagen, habe ich es mit Vergnügen gelesen, manchmal gedacht, dass kann doch nicht sein, dass die Figuren sich so ähnlich sind, aber gegen Donna Leon kommt es meines Erachtens natürlich nicht an.
rena thiele-neff zu »Franca Permezza: Prosciutto di Parma« 28.04.2007
Ich glaube, die ganze Aufregung ist umsonst. Die Krimis sind gefakt und von
einem gewissen Wolfgang Körner geschrieben! Wird jedenfalls bei Google
behauptet!!
Hans Jürgen Möller zu »Franca Permezza: Prosciutto di Parma« 07.03.2007
Mich haben die Kommentare wesentlich mehr fasziniert als der "Roman" selbst. Alles ist bereits gesagt: Die merkwürdige Figur des Ermittlers, dessen Bandscheibenbeschwerden wenig interessieren, die langweilige Sprache, die unglaublichen Banalitäten usw. Am lustigsten ist noch, dass jedesmal beim Auftauchen einer neuen Figur der "Commissario" schreit: Der war es.
Wirklich interessieren würde mich aber, warum ein Verlag, der mal ein sehr anständiges Programm verlegt hat, solchen unerträglichen Scheiß bringen muss.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
frank permesso zu »Franca Permezza: Prosciutto di Parma« 29.09.2006
Wenn dieses Buch Satire sein soll, dann eine sehr schlechte. Ein Kommissar, der unsympatisch, besserwisserisch, schlecht gelaunt und inkompetent sich durch's Buch quält und dabei versucht einen Fall aufzuklären. Ähnlichkeiten mit Brunetti? Ja: Familienstand, Namen der Mitarbeiter. Sonst nichts. Satire? Wenn damit gemeint ist, daß "eine Krimiautorin ins Wasser fällt oder gefälschte Donna Leon Romane verkauft werden, dann tut es mir leid. Es amüsiert einen nicht, es schockiert einen nicht. Was allerdings stört ist die sehr stockende Erzählweise. Nette Idee, was ich zugeben muß, ist die Sache mit dem "Duce". Ein treffender Name auch für Patta.Fazit: Wartet auf den neuen von Leon oder von Remin.... oder geht in eine andere Stadt, z.B. ULM mit Kommissar Berndorf (--> Ulrich Ritzel). Viel besser als die 8 Euro für das Taschenbuch der Franca Permezza.
Giovanni Montereggio zu »Franca Permezza: Prosciutto di Parma« 26.09.2006
Beim Lesen habe ich mich immer wieder dabei ertappt, dass ich die Personen- und örtlichen Vorstellungen der Brunetti-Romane hatte. Allein bei der Person des Kommissars hatte ich fremde Eindrücke: so ist Trattoni anders als Brunetti alles andere als sympatisch. Er ist unhöflich, behandelt seine Untergebenen schroff und ungerecht. Darüberhinaus sind seine investigativen Gedankengänge oft nicht nachvollziehbar. Trotz der erzählerischen Qualität und der unbestreitbaren kriminalistischen Spannung ist die Abkupferung vorherrschend, lästig, allzu bemüht und letztlich völlig überflüssig. Ausserdem wimmelt die Übersetzung von italienischen Grammatikfehlern und die sehr zahlreichen und unnötigen Kursiv-Hervorhebungen gängiger Ausdrücke nerven ausserordentlich.
Markus Mayer zu »Franca Permezza: Prosciutto di Parma« 07.09.2006
Postmodern? Travestie? Parodie oder gar Plagiat? Ich bin keine Literaturwissenschaftlerin und kenne mich mit solchen Schubladen nicht besonders gut aus. Ich habe diesen querköpfigen Roman lediglich gelesen und mich dabei amüsiert. Viele Bestandteile des Italienkrimis, von Donna Leons Ortsbeschreibungen bis hin zu Camilleris Beschwörungen der Culinaria Italia, werden maßlos übertreibend veralbert. Commissario Trattoni hat viele Krimis gelesen und orientiert sich am Verhalten ihrer Helden. Das Motiv Fälschung, das sich durch das ganze Buch zieht, gibt ihm wie das ungewöhnliche Verbrechen eine unverwechselbare Note. Für mich ist dieser "Schinken" ein gut gemachtes Stück intelligente Unterhal-tung, bei dem ich mich nicht gelangweilt habe.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Heike Zöller zu »Franca Permezza: Prosciutto di Parma« 28.08.2006
Vielleicht hätte ich das Buch mit Vergnügen gelesen - wären da nicht diese penetranten Ähnlichkeiten mit Donna Leons Commissario Brunetti und seinen Mitstreitern. Wer es nötig hat, so abzukupfern, sollte das Schreiben besser sein lassen.
Wolfgang Reuter zu »Franca Permezza: Prosciutto di Parma« 13.08.2006
Die beiden ersten Kommentare haben mich dazu verleitet, dieses Buch zu lesen. Was ist da nicht alles zitiert oder erwähnt worden, von Fellini bis - tatsächlich! - Borges!
Eine Läuterung von der kopflastigen postmodernen Literatur stand zu erwarten, und endlich auch der Fall der Mauer zwischen "Hochliteratur" und "Trivialliteratur"!

(Ein Hoch der Literatur!)

Also, dann aber die gewaltige Ernüchterung. Was für ein Buch ist das eigentlich? Die Motivation für diesen peinlichen Brunetti - Verschnitt ist mir völlig unklar. Die Autorin stolpert durch die Zeilen, macht aus ihrer Antipathie durch plumpe Erwähnungen Donna
Leons (Die "Amerikanerin") kein Hehl.

Die Äußerungen Trattonis strotzen vor Banalitäten ("Was versprechen sich eigentlich manche Menschen, einen anderen um sein Leben zu bringen?"). Viele der beabsichtigten witzigen Passagen haben das Niveau einer Provinzstegreifbühne.

Was ist das alles? Eine Satire auf Brunetti? Nie im Leben! Ein Plagiat einer Trittbrettfahrerin? Wo ist aber dann der literarische Benefit für den/die LeserIn? Ich persönlich kann ihn nirgens erkennen.

Fazit: Banal, unerheblich, einfach ärgerlich
Permezzas tiefster Fall.


wolfgang reuter
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
C. Peveing zu »Franca Permezza: Prosciutto di Parma« 12.03.2005
Tja, die Druckfehler in der ersten Auflage waren ärgerlich. In der zweiten sind sie sämtlich korrigiert und stören nicht mehr. Was "tags" betrifft, stimme ich Goerlitz zu. Das Ersetzen des schönen "sagte" durch "erwiderte", "gab zu bedenken", "entgegnete" usw. ist ein veraltetes Stilmittel. Mit dem servilen "Come desidera" (etwa: "Wie Sie wünschen") haben tags überhaupt nichts zu tun. Daß Trattoni wie Brunetti einen Sohn und eine Tochter hat, störte mich nicht. Das dürfte in Italien, trotz niedriger Geburtenzahlen, bei unzähligen Italienern der Fall sein. Permezza veralbert zwar manchmal liebevoll die Donna, aber nicht nur sie. Der Plot, der Kriminalfall in diesem Roman, ist eigenwillig. Das ist bei einem Krimi für mich das wichtigste. Die Methoden dieses Täters waren mir bislang völlig unbekannt, und ich mag den kauzigen Querkopf Trattoni.
Inzwischen gibt es hier in Canada die englische Ausgabe der neuen Leon. Mit Verlaub, und so schwer es mir fällt, das zu schreiben: Ich habe "Blood from a Stone" inzwischen gelesen, und, sorry, mir erscheint Permezzas Roman eindeutig besser, stilistisch um Längen und dazu noch moderner.
Vielleicht empfinden manche das als Permezzas größtes Verbrechen: sie beweist, wie verbraucht mittlerweile das Milieu, die Figuren und die Plots der Königin des Italienkrimis sind und wirbelt sie wie ein erfrischender Sturm durcheinander. Das schmälert die Leistungen der Leone nicht im geringsten. Es erweist ihr Respekt - und einen Platz im Altenteil zu.
Wenn Franca Permezza das gewollt hätte - ich glaube, nichts wäre für sie einfacher gewesen, als Trattoni z.B. mit zwei Töchtern leben und in der Kantine essen zu lassen.
edith prantl zu »Franca Permezza: Prosciutto di Parma« 11.03.2005
Schon lange habe ich kein so ärgerliches Buch wie dieses gelesen. Die "Anlehnung" an berühmtere Autoren(innen) ist derart, dass man sich fragt, ob es die Autorin wirklich notwendig hat mit offensichtlichen Namensähnlichkeiten, deckungsgleichen Tagesabläufen, identischen Familienkonstellationen und dergleichen zu agieren. Nichts gegen eine Krimipersiflage - auf wen auch immer, aber diese ist doch zu vordergründig und ohne Subtilität. Das Fehlen von "tags vor oder hinter Dialogzeilen" (s.o.) wird durch oftmalige Wiederholung der Redewendung "come desidera" wettgemacht. Auch sind die Gespräche zwischen Trattoni und "seinem" Vizequestore so, dass man sicht fragt, warum der Kerl nicht schon längst entlassen oder degradiert wurde. Und selbst für italienische Begriffe scheint mir das mutwillige Zerstören eines polizeilichen Schnellbootes, nur um dem Vorgesetzten eins auszuwischen, etwas übertrieben.

Nun kann man sagen, ich hätte den Witz nicht verstanden oder es entspräche nicht meinem Geschmack - in Ordnung. Dass in Büchern Druckfehler sind, kann vorkommen, deutet aber nicht gerade auf sorgsame Arbeit hin und ist in Zeiten von Rechtschreibprogrammen nicht unbedingt nötig . Es überrascht aber, wenn Personen, deren Namen immer in italienischer "Schreibweise" vorkamen, plötzlich eingedeutscht werden.

Und so rufe ich trotz einiger Bedenken wegen erheblicher Qualitätsschwankungen "Lang schreibe Donna Leon".

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