Partitura di Praga von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
deutsche Ausgabe erstmals 2006
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Ort & Zeit der Handlung: Venedig, 1990 - 2009.
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Hamburg: Rotbuch, 2006.
Übersetzt von Wolfgang Körner.
ISBN:
978-3-434-53152-4. 291 Seiten. -
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008.
Übersetzt von Wolfgang Körner.
ISBN:
978-3-499-24583-1. 270 Seiten.
'Partitura di Praga' ist erschienen als
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In Kürze:
Zwei Morde, eine Entführung und eine rätselhafte Mozart-Partitur Commissario Trattoni ermittelt wieder, nicht nur in Venedig, sondern diesmal auch in Prag. Unter einer der unzähligen Brücken in Venedig hängt die Leiche eines unbekannten Mannes, der ineiner Badewanne ertränkt wurde. Bei der Obduktion entdeckt Pathologe Dottore Martucci in dessen Haut tätowierte Freimaurersymbole. Auch der Vice Questore hat Dan Brown gelesen und vermutet den Mörder unter den Jesuiten. Nachdemder Tote als tschechischer Pianist identifiziert ist, ermittelt Trattoni notgedrungen auch in der Goldenen Stadt. In Prag unterstützt ihn der tschechische Kommisar Odranek bei der Vernehmung der Witwe des Pianisten, doch bei den Freimaurern, in der Villa Bertramka und im Kloster Strahov sieht sich Commissario Trattoni aus guten Gründen lieber allein um: Unter den Sachen des Toten wurde eine unbekannte Mozart-Handschrift aus dem 18. Jahrhundert entdeckt. Ein Antiquitätenhändler, der in Venedig Barock aus Bangkok verkauft, erscheint dem Commissario ebenso verdächtig wie dessen rätselhafte schöne Frau, aber jedes Mal, wenn er den Fall für abgeschlossen hält, bringen neue Ereignisse ihn aus dem Konzept. Und als auch noch sein Hauptverdächtiger erschossen und Trattonis Tochter entführt wird, gerät sogar die Ehe des übergewichtigen Ermittlers in Gefahr.
Recht schnell fällt bei Franca Permezzas Krimi »Partitura di Praga« ins Auge, dass die Autorin ungerührt Anleihen bei bekannten Kriminalautoren nimmt. Nicht nur durch die bekannte Konstellation: Commissario mit Frau, Tochter und Sohn, ermittelt in Venedig, legt Wert aufs Essen, hat einen Vice Questore mit Allüren zum Chef und einen Assistenten namens Vitello (=Vianello), auch durch direkte Anspielungen z.B. auf Agatha Christie, Raymond Chandler und andere. Zu erwähnen wäre interessehalber noch, dass der Vice Questore den Namen Berlusco trägt, von seinen Mitarbeitern auch Duce genannte, und der Sekretärin zu allem Überfluss der Name Elektra verpasst wurde.
» …halten Sie sich etwas für die Sekretärin von Donna Leons Vice Questore Patta?« (S. 71)
Ein Schelm der Böses dabei denkt. Die Liste ließe sich leicht beliebig fortsetzen, doch beenden wir dieses Kapitel und wenden uns der Geschichte zu, die ich so noch bei keinem anderen Krimiautoren gelesen habe und folglich – hoffentlich – ein Eigenprodukt ist.
Die Leiche eines Mannes wird mit einem Seil um den Hals, dreißig Euromünzen und Steinen in der Tasche an einem Canale gefunden. Die Identifizierung fällt nicht leicht, da er keine Papiere bei sich trägt und alle Etiketten sorgfältig aus der Kleidung herausgetrennt wurden. Die Obduktion ergibt, dass der Mann nicht an seinem Fundort ertrunken ist, sondern in der Badewanne, aufgehängt wurde er erst nach seinem Tod. Auf die Veröffentlichung seines Fotos in der Zeitung meldet sich eine Dame und erkennt in ihm den Mann, an den sie ein Zimmer vermietet hatte. Dort findet sich die Kopie einer Mozartpartitur, die den Titel ´Freimaureroratorium’ trägt und eindeutig Teile Mozarts Requiem enthält. Sollte tatsächlich ein unbekanntes Original aus Mozarts Federn existieren? Da die Tätowierungen auf dem toten Körper Hinweise auf die Zugehörigkeit zu einer Loge geben, lässt der Vice Questore seine Beziehungen spielen. Der Meister der Loge Venedigs identifiziert ihn als Jiri Tomaschek, Klavierlehrer aus Prag, der vor Jahren schon einmal in Venedig lebte. Berlusco vermutet (ganz im Sinne Dan Browns), dass der Mörder unter den Jesuiten zu suchen ist. Trattoni fliegt jedoch zunächst nach Prag, um dort seinen alten Kollegen Milan Ondraschek um Unterstützung zu bitten.
Wir sind hier in keinem Roman von Kathy Reichs
Franca Permezzas ach so kurzer Lebenslauf könnte einerseits darauf hindeuten, dass sie nichts von sich preisgeben möchte, andererseits vermutet die Leserschaft bei solch einer Geheimnistuerei gern, dass der Autor gar nicht der ist, der er zu sein vorgibt. Lässt man sich einmal den Titel ihrer – wie heißt es immer so schön – »mutmaßlichen« Dissertation »Ein Leben zwischen Fälschung und Kunst« auf der Zunge zergehen, so sind ihre Anleihen bei bekannten Kriminalautoren mit einem Augenzwinkern zu verdauen, ansonsten müsste man diese leider als Einfallslosigkeit werten. Es gibt zwar einen Übersetzer, aber keinen Hinweis auf die Veröffentlichung des Originals. Seine recht zahlreichen Verweise auf den letzten Seiten erscheinen in einem anderen Licht, wo nochmals Bezug auf geschilderte Begebenheiten genommen wird, um diese mit der Realität zu verknüpfen bzw. diese zu untermauern.
Kein ´Muss', aber ein ´Kann’
Sind wir denn nun in einer Kopie gelandet? Diese Frage kann weder eindeutig mit ja noch mit nein beantwortet werden. Wie gesagt, die Story selbst nimmt keine Anleihen bei Kollegen und so kann man die Ähnlichkeiten bei den Figuren überlesen oder sogar darüber schmunzeln. Trotz aller Eigenständigkeit wünscht man sich jedoch ein spritzigeres Vorantreiben des Handlungsverlaufs und weniger Beschreibungen des Essens. Zwischendurch blinken zwar richtig gute Ideen auf, aber auch mit wessen Hilfe und wie Trattoni den Mörder letztendlich ermittelt, stellt mich als Leser nicht wirklich zufrieden.
Sagen wir es doch so: »Partitura di Praga« übertrifft zwar die schwächeren Romane Donna Leons, aber das Original spielt auch einige Male auch seine Stärken aus. Man kann dem verschrobenen Adriano Trattoni den Vorzug geben, man muss es aber nicht. Krimileser, die die härtere Gangart bevorzugen, werden weder den einen noch den anderen Commissario in Buchform auf ihren Lesestapel legen, da mag Frau Permezza noch so gewandt daherkommen.
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| rena thiele-neff zu »Franca Permezza: Partitura di Praga« | 08.02.2007 |
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