Schwarze Sonne von Felix Mennen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Salis.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 2010 - heute.

  • Zürich: Salis, 2012. ISBN: 978-3905801613. 208 Seiten.

'Schwarze Sonne' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Die chilenische Touristin Sofia Morales meldet sich bei Banuscha. Sie glaubt, auf dem in der Zeitung veröffentlichten Phantombild ihre vermisste Freundin Maria Santana wiederzuerkennen. Diese ist während ihres Urlaubs in Berlin verschwunden, nach einem One-Night-Stand mit dem SchriftstellerLuca Rote. Banuscha entdeckt in Rotes Schilderung uber seine Begegnung mit Maria Santana merkwurdige Parallelen zu seiner eigenen Liebesgeschichte mit Anna: Beide Frauen stammen aus Santiago de Chile, waren dort auf der deutschen Schule und sind später zum Schauspielstudium nach Paris gegangen. Auch ein ungelöster, mehrere Jahre alter Mordfall an einer Chilenin gibt Rätsel auf. Wieso hat die Leiche von damals wiederum unheimliche Ähnlichkeit mit der Zeugin Morales? Hat Banuscha es mit einem Serienkiller zu tun, der wieder zugeschlagen hat? Verzweifelt versucht er, Licht in das vermeintliche Komplott zu bringen, das Anna, Morales und Rote um ihn gesponnen haben, und verstrickt sich dabei mehr und mehr in seiner eigenen Vergangenheit.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mäßiges Tatortniveau« 45°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Knappe 187 Seiten hat das Büchlein Schwarze Sonne von Felix Mennen, das vom Schweizer Salis Verlag als sel noir Krimi vertrieben wird. Was so ein schwarzer Salzkrimi wirklich sein soll, konnte mir bislang noch niemand einwandfrei erklären, besonders würzig waren die von mir gelesenen schwarzen Salzgeschichten bislang allerdings noch nicht, zumindest fehlte ihnen bislang auch ein wenig Pfeffer …

Pfeffrig los geht es allerdings bei Schwarze Sonne gleich auf der ersten Seite, wo zwei Frisbee spielende Jugendliche eine Leiche im Park finden, die allerdings bis zum Eintreffen der Polizei unerklärlicher Weise das Weite sucht. Und so muss der Kommissar Carl Banuscha sich damit begnügen, die Leute im monbijoupark in Berlin-Mitte zu befragen, wer zur Zeit des Fundes etwas Wichtiges gesehen oder gehört hätte.

Dabei geht es ihm gerade so richtig dreckig, denn seine chilenische Frau Anna und er haben sich getrennt und außerdem hat er auch noch das Rauchen aufgegeben. Angeblich hatte seine Frau eine Affäre mit einem Gitarrenspieler und genau so ein Musikus wurde auch in der Nähe des Fundortes gesehen. Phantomzeichnungen der verschollenen Leiche weisen deutliche Übereinstimmung mit seiner Frau auf, aber Banuscha ist blind und will nicht wahrhaben, dass alles darauf hinweist, dass die abhanden gekommene Tote ihm nahegestanden haben könnte. Und auch sämtliche Kolleginnen und Kollegen sind offensichtlich von der »Schwarzen Sonne« geblendet, denn keine(r) kommt auf das Naheliegende.

Viel mehr darf man als Vorgeschichte zu diesem Kurzkrimi nicht erzählen, sonst raubt man dem Leser das letzte Quäntchen der ohnehin nur mäßigen Spannung. Wenn bei diesem kriminellen Erguss des Tatort-erprobten Autors nach Positivem gesucht werden muss, dann hält man sich wohl am Ehesten an die Figur des Kriminalisten Carl Banuscha, dessen Verzweiflung und angeknackste Psyche so tiefschürfend beschrieben werden, dass Hobbypsychologen ihre helle Freude daran haben werden. Ein Mann, der eigentlich auf Grund seines Berufes nüchtern und sachlich denken können müsste, greift hier mit beiden Händen ungebremst in die tödliche Kacke, weil er vor verzehrender Liebe keines klaren Gedankens fähig ist.

Randfiguren, wie der Gitarre spielende Don Juan, sein Kollege Kiesling oder die Chefin Zora, bleiben schlichtweg farblos und werden nur verwendet, um die Handlung mehr schlecht als recht im Dialog fortzuführen. Auch die chilenische Telenovela-Connection bringt kaum Farbe und Aktion ins Spiel und so findet der Leser zwar brauchbare Ansätze zu einem verzwickten Verwirrspiel, aber der Autor vernebelt alle ansatzweisen Spannungselemente, weil sein Kommissar anders handelt, als es jeder halbwegs vernunftbegabte Polizist machen würde.

Kurzum, diesem Roman fehlen Salz und Pfeffer. Die Lösung ist um viele Ecken herum gedacht und selbst die erfahrende Polizeichefin Zora, kann nicht glauben, was in dieser Geschichte passiert und sich scheinbar endlos zu wiederholen scheint. Es reicht einfach nicht, wenn man wortgewaltig Bilder entstehen lässt, wie das Felix Mennen durchaus beherrscht, aber dann die Bilder nur für Situationsbeschreibung verwendet und dabei die Handlung fast lieblos und abgehackt verpackt, als wären es unterschiedliche Episoden. Da bleibt dann vom Tatort-Autor auch nur eine Geschichte, die über mäßiges Tatortniveau nicht hinaus kommt.

Wolfgang Weninger, Juni 2012

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André Gstettenhofer zu »Felix Mennen: Schwarze Sonne« 16.08.2012
Sehr geehrter Herr Weninger

Ich kritisiere nicht Ihre Kritik, sondern korrigiere zum einen ein leicht überprüfbares, falsches Fakt und schliesse eine von Ihnen bemängelte Informationslücke, die Sie im Vorfeld durch Rücksprache mit uns hätten klären können. Diese beiden Dinge haben durchaus auch mit Niveau und Seriosität eines Kritikers zu tun.

Mit freundlichen Grüßen
André Gstettenhofer
baerwurz zu »Felix Mennen: Schwarze Sonne« 15.08.2012
Sehr geehrter Herr Gstettenhofer!

Herzlichen Dank für die Erläuterung zur Namensgebung dieser Krimireihe.

Für die Verwechslung von "Tatort" und "Polizeiruf 110" bitte ich um Entschuldigung, aber im Endeffekt ändert sich an der Kritik zum Buch und dem angesprochenen Niveau dadurch nichts.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Weninger
André Gstettenhofer zu »Felix Mennen: Schwarze Sonne« 15.08.2012
Als Verleger von "Schwarze Sonne": sel noir ist schwarzes Salz. Der Name unserer Krimireihe bezieht sich zum einen auf den Verlagsnamen "salis" (lat. Genitiv für Salz), zum anderen auf "noir" als Genre. Felix Mennen ist nicht Tatort-Autor, sondern hat für "Polizeiruf 110" ein Drehbuch geschrieben. Wir bitten um etwas mehr Sorgfalt und ansonsten können Sie uns jederzeit ansprechen.
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