Null Chance von Felix Huby

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Scherz.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1990 - 2009.
Folge 4 der Peter-Heiland-Serie.

  • Frankfurt/Main: Scherz, 2009. Peter Heilands vierter Fall. ISBN: 978-3-502-10203-8. 301 Seiten.

'Null Chance' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Erst zocken sie Gleichaltrige ab, dann einen wehrlosen alten Mann. Sie liefern sich Schlachten mit feindlichen Banden und bezeichnen sich als Original-Gangster und Megachecker – Jungen ohne Chance, zumeist aus der Türkei und den arabischen Ländern. Osman Özal, Chef einer neuen Jugendbande in Berlin-Neukölln, glaubt zu wissen, wie man ein OG, ein Original-Gangster, wird. Man muss wilder, rücksichtsloser und brutaler sein als alle anderen. Er und seine Gang verlangen Respekt und fordern ihn mit ihren Fäusten und ihren Messern ein. Aber dann wird Osman Özal überraschend ermordet. Hauptkommissar Peter Heiland muss den Mörder finden, bevor die Rächer aus Osmans Bande oder aus dessen Familie ihn stellen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Solider Krimi ohne Überraschungen« 60°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

»Wo sind wir da nur reingeraten?«, sagte Hanna.
»In eine Welt, die uns fremd ist«, antwortete Peter.

Die »fremde Welt«, das ist die Welt von fremden Kulturen in Berlin, aber auch die Welt von kriminellen Jugendlichen – Kinder, die nie eine Chance hatten, sich in das soziale Gefüge einzupassen, für die das Leben nur aus Gewalt besteht. Der Stärkere gewinnt, die Ehre ist wichtig und Rache eine Pflicht.

Osman Özal, siebzehnjähriger Kurde, hatte nie eine Chance. Vom Vater mißhandelt war die Brutalität von kleinauf seine Welt, kriminelle Delikte und Gefängnisstrafen die zwangsläufige Folge. Resozialisierung unmöglich, meint sein Bewährungshelfer, der Streetworker Mirko Brandstetter. Nach seiner Haftentlassung wollte Osman nur noch zum Original-Gangster aufsteigen. Seine Gefolgsleute, der Syrer Malik und der Deutsche Jo waren ihm treu ergeben. Brutalität war an der Tagesordnung. Der Jugendliche Marc wurde niedergestochen, weil er Osman gedemütigt hatte. Doch nun ist Osman tot. Vor der Wohnungstür seiner Freundin Leila wurde er erschossen.

Verdächtige gibt es zur Genüge. Osmans Kontrahent, der Libanese Didi, der war schon ein Original-Gangster. Und Osmans Bande versuchte, sich in Didis Revier zu drängen. Für Malik ist klar, dass Didis Bande für die Tat verantwortlich ist. Doch auch Leilas Familie war nicht gut auf den jungen Kurden zu sprechen. Leilas Vater dankt Allah dafür, dass Osman tot ist. Hat die Familie die Sache selber in die Hand genommen? Genügend Söhne sind da, die die Tat hätten begehen können. Oder hat etwa der geheimnisvolle Penner, der von den Jungen bedroht wurde, nun aber eine Waffe bei sich trägt, etwas mit dem Mord zu tun? Und welche Rolle spielt der Lehrer von Beuten?

Für Wischnewskis Team mit Peter Heiland und Hanna Iglau ist Eile angesagt. Denn sie müssen den Täter finden, bevor ihn der Özal-Clan findet, dessen ältere Söhne bereits aus der Türkei eingeflogen werden. Rache für die schändliche Tat wird von Allah erwartet.

Alles ist voraussehbar

Felix Huby ist ein alter Hase im Geschäft. Mit gewohnter Routine macht er aus einem brisanten und immer aktueller werdenden Thema einen soliden Krimi. Er bringt ein paar auffällige, aber klischeebehaftete Charaktere ins Spiel und strickt drum herum einen ordentlichen Plot mit genügend Verdächtigen, um dem Leser die Handlung schmackhaft zu machen. Doch dieser durchschaut das Spiel recht schnell, kann sich entspannt zurücklehnen und beobachten, wie Heiland und Konsorten den Fall lösen.

In Heilands viertem Fall fehlen jedoch eindeutig die Überraschungen. Die Figuren handeln wie Maschinen, alles ist voraussehbar: der eine Familien-Clan hölt seine Söhne aus der Türkei, auch im zweiten Clan lauern Söhne im Hintergrund. Die Bandenführer sind vor allem mächtige Schaumschläger und der Streetworker steht resigniert aber niemals aufgebend mittendrin. Der Showdown verpufft, ehe er richtig los geht und der Täter fällt den Ermittlern eher nebenbei in die Hände.

Enttäuscht wird auch der, der die Serienfiguren lieb gewonnen hat und wissen will, wie es weiter geht mit Peter und Hanna, mit Wischnewski und seiner Friederike. Doch da tut sich herzlich wenig und Heiland senior, der Nebenrollen-Star der ersten Bände, hat dieses Mal überhaupt keinen Auftritt.

Der vierte Heiland-Fall bleibt also eher ein laues Lüftchen. Hoffen wir für Nummer Fünf auf etwas mehr Pep, sonst lockt der Schwabe in Berlin bald keinen mehr hinter dem Ofen hervor.

Peter Kümmel, September 2009

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hapesu zu »Felix Huby: Null Chance« 17.05.2011
Ich bin durchaus nicht immer derselben Ansicht wie die Rezensenten der Krimi-Couch, aber in diesem Fall kann ich das Urteil von Herrn Peter Kümmel nur unterstreichen: man hätte aus dem ganz bestimmt hervorragenden Thema mehr machen können - nein: müssen. Bisher hat's doch auch bestens hingehauen, ob Nanotechnologie oder Organhandel - warum dieses Mal nichr beim Thema Migrantenproblematik? Gegenüber den drei Vorgängern ist dieses Buch einfach etwas zu platt, zu plakativ, zu seicht - schade drum!
Hoffen wir, dass der nächste "Heiland" wieder mehr an Tiefgang gewinnt!
Diese Zeilen schreibt ein ansonsten absoluter Fan der Huby-Krimis...
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