Adieu, Bienzle von Felix Huby

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.

  • Frankfurt am Main: Fischer, 2011. ISBN: 978-3-596-19142-0. 208 Seiten.

'Adieu, Bienzle' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In Felsenbronn hat Kommissar Bienzle schon einmal ermittelt. Vor fünf Jahren. Damals deckte er eine mysteriöse Mordserie auf (»Bienzle und die letzte Beichte«). Auch diesmal hat der Fall eine lange Geschichte, die Bienzle zurückverfolgen muss, ehe er erste Anhaltspunkte findet. Dabei stößt er auf Ereignisse, die offenbar so brisant sind, dass seine unsichtbaren Gegner nicht vor einem Mordanschlag auf ihn selbst zurückschrecken. Die Bürger der Kleinstadt sind durch den Kommissar nicht nur in ihrer Ruhe gestört, sie haben Angst vor dem, was ans Licht kommen kann. So wird der letzte Fall des scheidenden Hauptkommissars zu einer gefährlichen Mission.

Das meint Krimi-Couch.de: »Gewohnt behäbig – aber gar nicht schlimm!« 55°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Ernst Bienzle, Erster Kriminalhauptkommissar in Stuttgart, ist natürlich jedem deutschen Krimifreund ein Begriff, und speziell seit ihm Dietz-Werner Steck in 25 Tatort-Folgen ein Gesicht gegeben hat, ist man mit dem mittlerweile vor der Pensionierung stehenden Beamten vertraut. Das Fernsehen raubt einem damit zwar die Vorstellung, wie so ein schwäbischer, behäbiger alter Kriminalist auszusehen hätte, aber das schadet dem vielleicht letzten Roman Adieu Bienzle absolut nicht.

In dem Krimi aus dem Fischer Taschenbuch Verlag bemüht sich Bienzle auf 220 Seiten, um die Ungereimtheiten rund um den Tod seiner geliebten Patentante Gerlinde, die ihn um 02 Uhr 24 angerufen hatte, weil sie um ihr Leben fürchtete. Und die nächste Nachricht am Morgen war bereits die Verständigung einer Nachbarin, dass Gerlinde Bienzle in ihrem Hexenhäusle in Felsenbronn verschieden war. Aber ihr Hausarzt bescheinigt einen natürlichen Tod: Angina pectoris.

Es wäre nicht Bienzle, der hier in Felsenbronn schon fünf Jahre zuvor in Bienzle und die letzte Beichte ermittelt hatte, wenn er diesem ärztlichen Urteil trauen könnte. Da man ihm ohnehin nahegelegt hatte, dass er vor seinem endgültigen Ausscheiden aus dem Kriminaldienst deutlich kürzer treten sollte, übergibt er wohl oder übel den vermeintlichen Fall an einen seiner Nachfolger, aber nicht ohne Hintergedanken, denn nur er als praktisch Einheimischer, kann mit den Menschen im Dorf reden und was dabei an alten Leichen ans Tageslicht kommt, ist auch für Bienzle nicht alltäglich …

Ernst Bienzle ermittelt auch in Adieu Bienzle gewohnt behäbig. Seine Art mit den Menschen zu kommunizieren und ihnen die Würmer aus der Nase zu ziehen, ist gerade in diesem Buch besonders gelungen, weil der Autor mit der örtlichen und menschlichen Nähe zur Jugend und den Jugendsünden des Kommissars spielen kann. Was man bislang aus Bienzles Leben nicht wusste, wird hier aufgeklärt. Dass dabei keine wilden Eskapaden ans Tageslicht kommen, darf nicht verwundern, aber selbst die Jugendsünden und ersten Liebschaften sind so harmlos geschildert, dass sich die Spannung nur knapp vor dem Einschlafen bewegt.

Felix Huby hat in gewohnter Manier einen fast schon zu ruhigen Schlusspunkt unter das Ermittlerleben gesetzt. Auch wenn der Kriminalhauptkommissar noch einmal in Gefahr gerät, so gerät die Handlung doch nicht in ein Fahrwasser, dass man atemlos die betreffenden Seiten liest. Bienzle hört zu, spricht mit den Bekannten und trinkt zwischendurch ein paar Gläser Wein, verzehrt seine Leibspeisen, obwohl er doch an die Figur denken sollte und ist insgesamt genau so, wie man sich die Vorurteile gegenüber einem Schwaben vorstellt. Und daran ist überhaupt nichts Negatives, denn so wird Bienzle von seiner Fangemeinde gemocht und der Erfolg, den der Autor mit dieser Figur seit 1977 hat, gibt ihm absolut Recht.

Adieu Bienzle erfüllt die Kriterien, die seine Anhängerschaft erwartet. Mit dem aktuellen Trend zu immer blutigeren, brutaleren und reißerischen Serienmorden hat dieser Krimi absolut nichts zu tun. Und genau deshalb war er mir eine willkommene Abwechslung, die für leichte Unterhaltung gesorgt hat.

Wolfgang Weninger, Mai 2012

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