Und der Herr sei ihnen gnädig von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2003
unter dem Titel Street Dreams,
deutsche Ausgabe erstmals 2005
bei Bertelsmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalifornien / Los Angeles, 1990 - 2009.
Folge 15 der Peter-Decker-&-Rina-Lazarus-Serie.
- New York: Warner, 2003 unter dem Titel Street Dreams. 420 Seiten.
-
München: Bertelsmann, 2005.
Übersetzt von Birgit Moosmüller.
ISBN:
3-570-00872-X. 448 Seiten. -
München: btb, 2006.
Übersetzt von Birgit Moosmüller.
ISBN:
978-3-442-73597-6. 447 Seiten.
'Und der Herr sei ihnen gnädig' ist erschienen als
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In Kürze:
Routinemäßiger Streifendienst der jungen Polizistin Cindy Decker – bis ein wild gestikulierender Mann ihr Auto stoppt. In den Müllsäcken an der Straße schreit ein Baby. Cindy kann das neugeborene Mädchen retten und begegnet in der Klinik dem äthiopischen Pfleger Koby, der ihre Gefühle in Aufruhr versetzt. Bei der Suche nach der Mutter des Findelkindes gerät sie in einen Strudel von Gewalt. Im Zentrum scheint ein Internat für geistig Behinderte zu stehen. Eine junge Frau, die dort lebt, wurde mehrfach vergewaltigt, ihr Freund ist seither verschwunden. Cindy hält sich bei den Ermittlungen eher widerwillig an die Anweisungen ihres Vorgesetzten, der sich nur mäßig für den Fall interessiert. Sie zieht immer wieder ihren Vater Peter Decker, Kommissar bei der Polizei von Los Angeles, zu Rate. Der sorgt sich aber nicht nur um seine Tochter, sondern auch um seine Frau Rina Lazarus, die sich auf eine folgenschwere Reise in die Vergangenheit begeben hat. Als es Cindy gelingt, den Anführer einer Jugendbande, die sie mit der Vergewaltigung in Verbindung bringt, festzunehmen, geraten sie und Koby in eine lebensgefährliche Falle.
Der Kriminalfall im neuesten Roman von Faye Kellerman ist – isoliert betrachtet – mal wieder alles andere als überragend. Die Aufklärung von Verbrechen schien zwar immer nur das Beiwerk der Geschichte zu bilden und schwankte in der Komplexität von Buch zu Buch, aber hier hätte man das Ganze gut und gerne auf 200 Seiten abhandeln können, statt auf 450. Kein Grund jedoch, das Buch vernichtend zu beurteilen, denn wer die Romane der orthodoxen Jüdin kennt und mag, der weiß, dass die übrigen 250 Seiten unter anderem angefüllt sind mit Details über das Leben der Deckers, einer jüdischen Familie, die in Los Angeles lebt, was ganz und gar nicht uninteressant ist. Vielleicht sollte man »Und der Herr sein ihnen gnädig« eher als Roman denn als Krimi lesen.
Perspektivenwechsel
Die Geschichte wird dieses Mal aus der Sicht von zwei Personen erzählt: Cynthia Decker, Officer beim LAPD, und ihrem Vater Peter Decker, Detective beim Morddezernat. Merkwürdig ist dabei, dass Faye Kellerman mit der Perspektive zugleich die Erzählform wechselt. Cynthias Part ist in Ich-Form geschrieben, während sie für den Rest (den geringeren Part) die herkömmliche Weise gewählt hat. Man muss sich leider immer wieder neu darauf einstimmen.
Cindy rettet ein Neugeborenes aus einem Müllcontainer, das von seiner Mutter gleich nach der Geburt ausgesetzt wurde. Im Krankenhaus, in dem das Kleine versorgt wird, lernt sie den äthiopischen Juden Koby kennen. Sie nimmt sich die Geschichte mit dem Baby sehr zu Herzen und obwohl es nicht ihr Fall ist, sondern dieser in den Zuständigkeitsbereich der Detectives fällt, ringt sie dem zuständigen Ermittler die Erlaubnis ab, auf eigene Faust nach der Mutter zu suchen. Da das Neugeborene das Mosaik-Gen aufweist, einer schwächere Form des Down-Syndroms, beginnt sie mit den Befragungen in einer Berufsschule für Behinderte, wo sie auch gleich fündig wird. Nach und nach erfährt sie, dass der Vater des Kindes Sarahs Freund David ist, die junge Frau aber auch im Park Opfer einer Vergewaltigung durch eine Bande wurde, die David verprügelte und in eine Mülltonne steckte. Seit diesem Zeitpunkt ist David verschwunden. Als Cindy kurz darauf bei einem Date mit Koby Augenzeugin eines Unfalls wird, der einer jungen Frau aus besagter Schule das Leben kostet, vermutet sie einen Zusammenhang mit ihren Ermittlungen und dann wird auch noch auf sie geschossen …
Die Nebenhandlung steht fast im Mittelpunkt
Wie gesagt, obwohl der Fall spannender sein könnte, ist die Nebengeschichte, z.B. wie sich Cindys Beziehung zu Koby entwickelt, recht gut zu lesen. Ein wenig überflüssig ist allerdings die vermeintliche Untersuchung des Todes von Rina Deckers Großmutter, die im frühen Nazideutschland unter mysteriösen Umständen im Englischen Garten tot aufgefunden wurde. Peter Decker hilft hier eigentlich nur seiner Frau, die Unterlagen zu sichten. Dieser Handlungsstrang dient sicherlich dazu, einen Blick zurück auf das Schicksal vieler Juden zu werfen, da er aber ins Leere läuft, hätte ich auch darauf verzichten können. Dieser Part ist typisch amerikanisch. Dabei hat sich sogar noch ein kleiner Fehler eingeschlichen, denn Deutschland wurde nach dem Krieg nicht nur in drei Besatzungszonen unterteilt, die Franzosen hat Frau Kellerman eindeutig unterschlagen. Dem amerikanischen Leser mag das egal sein, aber ich stamme schließlich aus good old Germany.
Man gewinnt insgesamt einen guten Einblick in die Charaktere der Serienfiguren, wobei sich mit diesem Buch zum ersten Mal das Gewicht von Peter Decker zu seiner Tochter hin verlagert hat. Normalerweise ist es kein Problem, die Bücher dieser Reihe als stand-alone zu lesen, doch hier fehlte mir der Vorgängerroman. Immer wieder wurde Bezug genommen auf das Trauma, das sowohl Cindy als auch ihr Vater mit sich herumtragen, doch eine Erklärung wurde nicht geliefert. So fand ich den Einstieg in den Krimi nicht allzu leicht, obwohl mir die Figuren und deren Hintergrund bereits bekannt waren. Nichtsdestotrotz habe ich die 450 Seiten in Eilgeschwindigkeit gelesen. Die Bewertungen fällt mir wie erwartet schwer. Plot des Krimis im Mittelfeld, Unterhaltungswert gut.
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| Fritz Maier zu »Faye Kellerman: Und der Herr sei ihnen gnädig« | 07.07.2011 |
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| Alien zu »Faye Kellerman: Und der Herr sei ihnen gnädig« | 07.03.2008 |
| Jutta Pirzer zu »Faye Kellerman: Und der Herr sei ihnen gnädig« | 05.05.2007 |
| Klapauzius zu »Faye Kellerman: Und der Herr sei ihnen gnädig« | 03.03.2007 |

