Denn verschwiegen ist die Nacht von Faye Kellerman

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Moon Music, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Nevada / Las Vegas, 1990 - 2009.

  • New York: William Morrow, 1998 unter dem Titel Moon Music. 541 Seiten.
  • München: btb, 2002. Übersetzt von Antje Althans. ISBN: 3-442-72559-3. 541 Seiten.

'Denn verschwiegen ist die Nacht' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Sie war vielleicht einmal eine Schönheit. Jetzt liegt der verstümmelte Körper des Showgirls irgendwo in der Nähe von Las Vegas in der Wüste. Es war ein äusserst brutaler Mord, der selbst einen langjährigen Polizisten wie Detective Sergeant Romulus Poe erschreckt, der die Schattenseiten der glitzernden Neonwelt von Las Vegas nur allzu gut kennt. Noch erschreckender aber ist die Tatsache, dass die ersten Hinweise zu einem anderen, ungelösten Fall führen, der 25 Jahre zurückliegt: Der Verdächtige damals tötete sich selbst. Zusammen mit seinem Team, dem lebenslustigen Detective Steve Jensen, der Polizeianfängerin Patricia Deluca und der medizinischen Pathologin Rukmani Kali ermittelt Poe in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Bald geschieht noch ein Mord und plötzlich wird aus der Suche nach dem Mörder eine grosse Fahndung nach einem seit Jahrzehnten aktiven Serienkiller. Die Spur führt in die Wüste: zu den alten Atombomben-Testgebieten, in eine kleine verlassene Stadt, zu den Navajo-Indianern – und zu einer guten alten Freundin Poes …

Das meint Krimi-Couch.de: »Nein danke!« 30°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

In der Wüste nahe Las Vegas wird die Leiche einer Frau gefunden, deren Körper stark in Mitleidenschaft gezogen ist. Von einem Tier oder von Menschenhand? Die Tote war eine Prostituierte, in guten Zeiten soll sie die Gespielin einer bekannten Größe aus der Casino-Welt gewesen sein, doch der Mann leugnet, sie gekannt zu haben. Pikanterweise hatte auch einer der zum Tatort gerufenen Polizisten ein kurzes Verhältnis mit ihr. Vor ihrem Tod war sie cracksüchtig und abgemagert. Die Ermittlungen laufen schleppend, die Zuhälter sind nicht gerade auskunftsfreudig, doch einer von ihnen plaudert ein wenig und hat bald darauf einen Autounfall. Detective Sergeant Romulus Poe steckt bei den Ermittlungen in einer Sackgasse. Dazu kommt noch, dass er sich um den Geisteszustand von Alison sorgt, Frau seines Kollegen und seine Freundin aus Jugendtagen. Als diese aus einer psychiatrischen Klinik verschwindet und beide nicht aufzufinden sind, schrillen nicht nur bei ihm die Alarmglocken …Und was haben die Atombombenversuche in der Wüste von Las Vegas Anfang der 50er Jahre mit all diesen Vorfällen zu tun?

Das Schwierige bei der Zusammenfassung des Inhalts ist in diesem Fall, nicht zuviel zu verraten, daher klingt dies alles vielleicht ein wenig abstrakt. Der Klappentext ist meines Erachtens schon zu ausführlich und weist den Weg in eine bestimmte Richtung. Beim Lesen der ersten Seiten wurde ich zwar direkt in den Bann der Geschichte gezogen, da Faye Kellermann mit dem Ermittler eine recht außergewöhnliche Figur geschaffen hat, doch ich wartete bereits auf erste Hinweise. Und tatsächlich, nach weniger als einem Viertel bin ich auf der richtigen Spur, was nicht schwer war – ich hätte es ja schon auf Seite 20 erkennen können, aber da erschien mir die Auflösung noch zu unwahrscheinlich. Da ich wahrscheinlich eine typische Anhängerin des Whodunit-Krimis bin, war ich etwas enttäuscht. Ich leide trotzdem weiter mit der Hauptfigur, die mir ganz gut gefällt.

Romulus Poe ist Detective Sergeant beim Las Vegas Police Department. Er ist indianischer Herkunft, ein Spieler, unkonventionell in seinen Methoden, lebt in einem Haus, pardon eher einer Lehmhütte ohne Strom und fließend Wasser. Und wenn Rom und sein Zwillingsbruder Remus nebeneinander stehen, dann könnte man sie für Pat und Patachon halten. Bei den Geschwistern wurde Zwergwüchsigkeit festgestellt, als sie Kinder waren und Remus unterzog sich der Behandlung als erster, was zur Folge hatte, dass er nun über 2m groß ist. Daraufhin wurde Romulus sehr zurückhaltend behandelt und er blieb recht klein. Neben den Ermittlungen beschäftigt ihn noch die Krankheit seiner Mutter, seine Liebe zu Rukmani Kalil, der Gerichtsmedizinerin, und seine Abhängigkeit von einer Prostituierten, von der er sich immerzu einen blasen lässt.

Sex spielt sowieso eine recht große Rolle in diesem Krimi. Dies hat mich bei Faye Kellermann doch etwas verwundert, da sie mir von den Büchern der Decker-Lazarus-Serie her eher ein bisschen prüde erschien. Dies ist vielleicht der Tatsache zu verdanken, dass dort die Hauptpersonen am Anfang ihrer Beziehung ihre sexuellen Wünsche unterdrücken. Was Decker-Lazarus ausmacht, nämlich die Beschreibung jüdischer Rituale und des jüdischen Lebens, ist im vorliegenden Krimi kaum ein Thema, allenfalls wird an einigen Stellen koscheres Essen angeboten.

Wenn man bereits mehrere Bücher einer Autorin gelesen hat, so zieht man unvermeidlich Vergleiche und in diesem Fall schneidet »Denn verschwiegen ist die Nacht« eindeutig schlechter ab. Romulus Poe ist ungewöhnlich und sympathisch, doch das reicht meines Erachtens nicht aus, um eine Leseempfehlung für dieses Buch auszusprechen. Die zu frühe Erkenntnis, wer verantwortlich ist, die Langatmigkeit bis zur Auflösung und zu guter Letzt die Fantasy-Elemente, die am Ende noch eingesponnen werden (überflüssig!), zeigen ein absolut schwaches Bild, auch wenn man das Ganze nicht als Krimi liest, sondern als Psychoroman. Nein danke!

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Nadir36 zu »Faye Kellerman: Denn verschwiegen ist die Nacht« 27.01.2010
Ein Geständnis vorne weg: Moon Music ist mein erster Kellermann, ich habe also keinen Decker/Lazarus erwartet.
Dank Krimi-Couch haben gewisse Besonderheiten gegen Ende mein Lesevergnügen auch nicht getrübt. Ich konnte das Buch bis zuletzt kaum aus der Hand legen.
Naütrlich wäre es mir lieber, wenn Frau Kellermann gewisse Ausflüge ins Tierreich im Kopf der betreffenden Person belassen hätte, aber die paar Seiten mit dem Einbruch des Mythologischen/Unmenschlichen rechtfertigen sicher keine 30 Grad.
Das Buch ist sicher nichts für Whodunnit-Fanatiker, die bis zum letzten Absatz im Ungewissen blieben wollen, aber ehrlich gesagt, beim ersten Mord (Klappentext) herrscht zwar früh Gewisseit (S.173), auch wenn Ermittler Poe erst auf Seite 302 so weit wie der Leser ist, dafür entschädigen die anderen Morde und ihre sich bis über den finalen Showdown hinziehende Aufklärung.
Bei den Konsequenzen der so weit erfolgreichen Mordermittlungen erweist sich Frau Kellermann durchaus als Realistin, dafür als rigorose Moralistin bei der Auswahl der Opfer: alles Nutten, bis auf einen Zuhälter. Diese Einseitigkeit hinterlässt bei mir eher einen bitteren Nachgeschmack als diese vergleichsweise mickrige Werwolfs- oder Metempsyche-Phantasie, die sie sich natürlich hätte sparen können. Poes Liebesgeschichte mit der Pathologin Rukmani erweist sich auch als Ballast, jedenfalls für einen Leser, der noch keine 10 Bände Decker/Lazarus auf dem Kerbholz hat. Für 95% spannende Lektüre und ein paar Fragwürdigkeiten im Rückblick gebe ich 85 Grad.
Wilfried zu »Faye Kellerman: Denn verschwiegen ist die Nacht« 22.07.2009
Eigentlich fand ich das Buch sehr spannend und habe mich um so mehr sehr über das blödsinnige, billige Ende geärgert. Nichts gegen Fantasy / Mysterie Romane, aber in diesem Fall ist die Auflösung einfach nur enttäuschend. Ich habe mich regelrecht um meine Zeit betrogen gefühlt! Krimifans Finger weg!
Wilfried zu »Faye Kellerman: Denn verschwiegen ist die Nacht« 16.04.2008
Zunächst schien das Buch recht spannend zu sein. Spätestens bei der hahnebüchenen Mysterie Auflösung ärgert man sich dann aber über die vergeudete Zeit.
M.S. zu »Faye Kellerman: Denn verschwiegen ist die Nacht« 17.06.2006
Dieser Roman hebt sich ganz extrem von den anderen ab. Mir persönlich sind die Decker/Lazarus -Romane wesentlich lieber. Doch psychologisch sind die Figuren in diesem Roman wirklich interessant. Hier wird nämlich einmal sehr deutlich gezeigt, dass die Ermittler auch Schwächen haben , und wie sie mit eben jenen umgehen.
Hier sind es eben nicht gerade die Vorzeige-Ermittler.
Aber auch das Milieu, in dem sie sich bewegen ist kompliziert. Alles in allem ist dieser Roman auch sehr gelungen.
Dietmar Moritz zu »Faye Kellerman: Denn verschwiegen ist die Nacht« 05.06.2006
Hi!
Ein ganz toller, spannender und fesselnder Krimi. Ich warte schon lange auf eine Fortsetzung mit dieser Romanfigur! Die verarbeitete Indianermystik ist wirklich einmalig.
g.k. zu »Faye Kellerman: Denn verschwiegen ist die Nacht« 29.03.2004
zunächst: die story hat mich von anfang an in den bann gezogen. die figuren sind psychologisch interessant und der plot verspricht einiges an rätselhaftem. doch dann geschieht etwas seltsames: die nebenstränge der story beginnen zu langweilen; die story verliert an drive und frau kellerman bricht mit sämtlichen gesetzen des krimigenres.
sie fährt die story für ein paar pupsige mysterie-effekte mit anbiedernder gesellschaftskritik gegen die wand - schade.
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Jochen Schmidtmann zu »Faye Kellerman: Denn verschwiegen ist die Nacht« 30.04.2003
Eigentlich sehr spannend und professionell, wie die übrigen bisher von mir gelesenen Krimis von Faye Kellerman. Aber ich habe bei diesem Buch (Denn verschwiegen ...) den Eindruck, der Autorin geht langsam der Stoff aus, so dass sie sich nun in unappetitliche und unglaubhafte Fantasy?-Gefilde begibt, so dass ich am Schluss ein schales Gefühl hatte: Habe ich das Buch wegen der Spannung bis zu Ende gelesen, oder war es Voyeurismus? Wie gesagt, spannend ist es, aber unangenehm "abgedreht".
Mir reichts; noch ein Buch von F. K. werde ich mir nicht anschaffen.
P.S. Die albernen gespreizten deutschen Titel der Krimis (wohl im Fahrwasser von Elizabeth George) ärgern mich zusätzlich - obwohl sie dafür wahrscheinlich nix kann.
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