Der Clan der Giovese von Eva Maaser

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Aufbau.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin & Italien / Rom, 1990 - 2009.

  • Berlin: Aufbau, 2006. ISBN: 978-3-7466-2260-6. 390 Seiten.

'Der Clan der Giovese' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ausgerechnet der Nofretete galt der brutale Einbruch in Berlin. Die Ermittler wollen einen zwielichtigen Kunsthändler als V-Mann auf die Bande ansetzen. Eine junge Kunsthistorikerin übernimmt den Kontakt zu ihm. Erst als sie den Tod zweier Informanten verschuldet, ahnt sie, wie skrupellos die Verbrecher agieren. In Rom laufen die Fäden des »Opus divus« zusammen. Ein Fall, der mit Raub und Fälschung beginnt und sich zu ungeheuren Dimensionen ausweitet.

Das meint Krimi-Couch.de: »Gedankenloses Herunterlesen von Fakten« 54°

Krimi-Rezension von Sylvia Rucker

Zwei Einbrecher werden bei dem Versuch, die Büste der Nofretete aus einem Berliner Museum zu stehlen vom Wachmann Mathis Kress überrascht, der seine Entdeckung teuer mit dem Leben bezahlen muss. Kress war erst kürzlich auf Vermittlung von Nilla Mellon, einer jungen Kunsthistorikerin, in dem Museum eingestellt worden. Als Nilla am Abend der Entdeckung des Mordes zu einer geschäftlichen Verabredung zum Museum kommt, trifft sie dort auf ihren väterlichen Freund, den ermittelnden Polizeibeamten Peter Wittich.

Wittich verfolgt bei der Mordermittlung seine eigenen Gedanken zu dem Kunstraub und sieht aufgrund der europaweit und zunehmend gewalttätig verübten spektakulären Kunstdiebstählen eine Verbindung zu einer Kunstmafia.

Daher hat er Kontakt zu dem zwielichtigen Kunsthändler Carlo Meier aufgenommen, der im Verdacht steht, auch als Hehler tätig zu sein, um ihn als Verbindungsmann in die Kunstmafia einzuschleusen. Leider lässt es Wittichs schlechter Gesundheitszustand infolge eines Herzinfarktes nicht zu, diesen Kontakt selber aktiv auszubauen. Nilla, die nicht nur ein berufliches Interesse an der Aufklärung des Raubes hat, sondern sich auch am Tod von Kress mitschuldig fühlt, springt daher für ihn ein.

Gemeinsam mit Carlo, der sich zunächst gegen eine Zusammenarbeit sträubt, nimmt sie die Spur der geheimnisvollen Kunstmafia auf. Ihr erster Weg führt sie nach Polen, wo sie den Restaurator Jerzy Parkow treffen. Schnell wird ihnen klar, dass er sich nicht nur mit Restaurationen, sondern auch mit Fälschungen beschäftigt und erhoffen sich von ihm wertvolle Hinweise. Doch schon bei ihrem zweiten Besuch ist diese Fährte erkaltet, denn sie finden Parkow ermordet auf.

Da sie nun offensichtlich selbst ins Visier der Mafia geraten sind, gleichen ihre Recherchen eher einer Flucht, die sie über Wien nach Rom zu einer mächtigen Organsisation namens »Opus divus« bringt.

Das Buch nimmt, auch dank seines sehr leichten und flüssigen Sprachstils, einen recht vielversprechenden Anfang, so dass man schnell durch die ersten Kapitel kommt. Auch wenn sich diese Leichtigkeit weiter fortsetzt, gibt es inhaltlich doch bald erste Schwächen. Denn leider ist es der Autorin nicht gelungen, auf Dauer eine gute Spannungskurve aufrecht zu erhalten, obwohl das Thema dies auf jeden Fall hergeben würde. Spätestens ab der Flucht von Nilla und Carlo aus Polen ist der größte Schwung jedoch schon verbraucht.

Dies liegt sicher zum Teil daran, dass wenig Hintergründiges erzählt wird, das zum Mitdenken animiert. Das soll heißen, echte Hinweise, über die der Leser stolpern und grübeln kann, werden nicht wirklich gegeben.

Carlo ist eine sehr geheimnisumwitterte Figur, die offensichtlich mehr weiß, als zu erkennen gegeben wird. Und ausgerechnet dieses für den Leser verborgen gehaltene Wissen ist wohl der größte Schlüssel zu der Geschichte. Häufig ergeben sich Zusammenhänge und Spuren nicht daraus, dass sie logisch und nachvollziehbar aufgebaut sind, sondern weil sie Carlo einfach zugeschrieben werden, sprich Carlo macht dieses und jenes und schon hat man einen neuen Ansatz im Fall. Man hat als Leser daher kaum die Möglichkeit, sich selbst Gedanken über eine mögliche Lösung zu machen.

Letztendlich bringt das zu wenig Spannung und Neugier und verleitet eher zum gedankenlosen Herunterlesen der Fakten.

Neben der Krimihandlung wird von der Familiengeschichte des Giovese-Clans erzählt, die bis zu den Zeiten von Kaiser Augustus zurück reicht, was für die Familie auch heute noch von großer Bedeutung ist. Auch die wachsende Beziehung zwischen Nilla und Carlo und dessen Verbindung zu den Gioveses wird dargestellt.

Das alles ist ganz nett zu lesen und bietet die Möglichkeit, speziell beim Aufenthalt in Rom einiges an Atmosphäre durch die Nennung zahlreicher Plätze und Orte unterzubringen. Und wer sich im übrigen in der Kunstgeschichte und vielleicht auch im Bereich gängiger Fälschungsmethoden ein bisschen weiter bilden möchte, kommt auch auf seine Kosten, da hierzu zahlreiche Erklärungen geliefert werden.

So geht es dann auch nett weiter bis zum großen Finale mit einer Auflösung, bei der man sich dann doch wundert, ob man nicht aus Versehen plötzlich ein wenig in der Science-Ffiction-Abteilung gelandet ist. Des Rätsels Lösung ist dann doch reichlich übertrieben.

Auch wenn sich letztlich das »Warum« der ganzen Aktion klärt und im Grunde auch das »Wer«, bleiben noch etliche Fragen insbesondere um Nilla und Carlo unbeantwortet. Aber vielleicht war das ja auch Absicht und es »droht« eine Fortsetzung?

 

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