Das Puppenkind von Eva Maaser

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 bei Aufbau.

  • Berlin: Aufbau, 2000. ISBN: 3-7466-1636-0. 304 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2002. ISBN: 3-7466-1846-0. 303 Seiten.

'Das Puppenkind' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In der Fußgängerzone von Steinfurt wird in einem abgestellten Kinderwagen eine Babyleiche gefunden, die einer Puppe täuschend ähnelt. Wie sich herausstellt, ist das Kind fachgerecht präpariert worden. Zeugen haben eine Frau am Wagen gesehen. Zusätzliche Brisanz erhält der Fall, als ein Baby entführt wird und die Ermittler davon ausgehen müssen, dass sich die Täterin eine neue Puppe schaffen will. Kommissar Rohleff und sein Team ermitteln fieberhaft, um das Leben dieses Kindes zu retten.

Das meint krimi.couch.de: »Die exotischen Bräuche der Eingeborenen«

Krimi-Rezension von ij

Vor einem Kaufhaus im westfälischen Steinfurt rammt Anna Krechting, eine rüstige ältere Radlerin, versehentlich einen Kinderwagen. Völlig verschreckt untersucht sie den mit einem Regenschutz abgedeckten Wagen. Doch weder Geräusche noch Bewegungen sind festzustellen. Hilflos und verzweifelt rennt sie in das Kaufhaus, um schließlich den Geschäftsführer und einige Verkäuferinnen zu überzeugen, nach dem Baby zu schauen. Ist es tot? Ist es nur eine Puppe?

Mit diesem Aufruhr beginnt für Kommissar Rohleff (52 Jahre, verheirat, kinderlos) und sein Team auf dem sonst ruhigen Pflaster Steinfurt eine nervenaufreibende Ermittlung. Das pathologische Gutachten gibt eindeutig Aufschluss: Die Babyleiche wurde professionell präpariert oder einbalsamiert und in einem 15 Jahre alten Kinderwagen spazierengefahren. Neben dieser Perversion wird im Mülleimer der Fam. Hielscher in derselben Gegend ein Säugling aufgefunden. Hier handelt es sich jedoch um keine puppenhafte Schönheit, sondern um ein totes Kind, vollkommen menschlich, korrekt entsorgt in einer Bioabfalltonne. Fieberhaft beginnen nun Befragungen der Familie und der Nachbarn. War die zweite Kinderleiche zufällig oder absichtlich in der Tonne gelandet? Für Kommissar Rohleff stellt sich die Frage, ob sich die Suche auf einen grausamen Serienkiller konzentriert.

Zu allem Überdruß melden die Großeltern Gertrud und Hubert Hürter, als Babysitter eingesprungen, die Entführung ihres 6 Monate alten Enkels Sebastian. Die Eltern Silvia und Jürgen Bauer haben seit der Geburt Ihres Sohnes erstmalig ein gemeinsames Verwöhn-Wochenende – gewonnen. Nach dieser Katastrofe bricht währen der Verhöre ein ausgewachsener Familienstreit mit Entsetzen, Anschuldigungen und Rechtfertigungen auf beiden Seiten aus, der mit einem Nasenbeinbruch des Opas und einer Herzattacke der Oma oberflächlich begelegt wird. Rohleff bemüht sich jedoch um Distanz, indem er sich auf Routinearbeiten besinnt. Er bezieht die Presseabteilung stärker ein.

Dabei ist der Hinweis auf die Nahrungsmittelallergie des entführten Sebastian ein deutliches Hoffen, dass die Täterin diesen Artikel in den Lokalausgaben auch liest und besonders sorgfältig mit dem Baby umgeht. Die Entführerin müsste tatsächlich an dem Kind interessiert sein, sonst wäre damit zu rechnen, dass sie wieder eine ausgestopfte Kinderleiche spazierenfährt.

Rohleff und sein Team verfolgen jetzt gezielt eine Fährte, die von den Niederlanden bis Oberbayern führt. Die Täterin, von Zeugen beobachtet, jedoch nicht identifiziert, könnte ein neues Opfer gesucht haben. Dennoch wird auch die Frage nach der Herkunft des »Kaufhausbabys« weiterverfolgt. In diesen stressigen Ermittlungszeiten hat Kommissar Rohleff beim morgendlichen Joggen nebenbei einen Sittenstrolch verhaftet und einemittelschwere Ehekrise überlebt. Er handelt streng nach der Chaostheorie:»Es ist so, als wenn am Nachmittag über Ochtrup eine Wolke am Himmel segelt, und um Mitternacht kracht Dir hier im Sturm ein Baum ins Dach«.

Eva Maaser zeigt in diesem Krimi anschaulich mit feiner Ironie die westfälischen Bauernweisheiten und Nationalspeisen auf, wie das Eiserkuchenessen. Da hat jede Familie ein eigenes Waffel-»Eisen«, das kein Fremder benutzen darf. Ein paar Tage nach Neujahr treffen sich traditionell Nachbarn des Teamkollegen Knolle auf dem Hof seines Opas und halten so ein Eisen mit dem angerührten Teig ins Feuer. Die Kuchen nehmen sie allerdings mit nach Hause, sie trinken dazu lieber Korn.

Das Schöne an dieser ländlichen Sitte sind jedesmal die Streitigkeiten, die manchmal auch bis zum nächstenmal andauern. Für Kommissar Rohleff sind das exotische Bräuche der Eingeborenen, die er neben dem Schnapstrinken vom Zinnlöffel besonders bevorzugt. Solche und weitere Geschichten zum präparierten »Wolpertinger«, eine Fantasiekreatur, wirken eher ermüdend. Die Suche nach dem vermissten Baby und der Täterin werden so zur reinen Nebensache. Eva Maaser überfordert den Leser auch mit zuvielen Kriminalfällen in einem Monat, vom 13. bis 30. November. Sollten damit die antiquierten und langatmigen Arbeitsmethoden des leitenden Kommissars untermauert wrden? Rohleff verabscheut sämtliche Computertechnik, hatte sich aber streng vorgenommen, sich nicht von seinen jungen Kollegen mit ihrem technischen Wissen abhängen zu lassen.

Ebenso wird das Thema Kinder und Familie sehr ausführlich begutachtet, fast schon strapaziert, sodass prickelnde Spannunseffekte selten sind. Vom Gesamteindruck des Kommissars, der heraushebend als Oberleithammel, sowohl dienstlich als auch privat, in seiner Ehe, seiner Familie und seinem Freundeskreis, charakterisiert wird, bleibt sein melancholischer Schluss, einen Hund zu kaufen. Das Profil der Täterin wird durch langweilige Ablenkungen nicht beachtet.

Das meinen andere:

»Lokalkolorit der besonderen Art …was Brunetti in Venedig kann, das ist für Rohleff Ehrensache.« (Münstersche Zeitung)

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Marko zu »Eva Maaser: Das Puppenkind« 22.12.2011
Selten einen solch schlechten Krimi gelesen, vieles passt einfach schlecht zusammen und es fällt einen schwer bis zum Schluss dabei zu bleiben. Ich lese oft, vorallem Krimis, aber dieses Buch ist schon eine " gewisse Herausforderung " ...
Spannung kann bei diesem Buch erst zum Ende erwartet werden und Kommisar Rohleff wirkt nicht besonders authentisch, ich bin der Meinung, die Autorin sollte nicht versuchen von anderen Krimis zu "kopieren" sondern einen eigenen Kommisar zu kreiren.
L. aus P. zu »Eva Maaser: Das Puppenkind« 22.02.2006
Also ich finde das Buch teilweise ziemlich langweilig. außerdem finde ich rohleff einfach viel zu deprimierend. er nervt einfach mit seinen verdammten komplexen und hat an allem etwas auszusetzen... aber zum schluss wird es an manchen stellen spannend und man möchte doch endlich herausfinden wer die täterin ist. wenn ich es nicht für die schule hätte lesen müssen hätte ich es bestimmt nach den ersten seiten schon weggelegt und nicht zuende gelesen.... L. aus P.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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