Erbsünde von Eva Klingler

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Braun.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Maren-Meinhardt-Serie.

  • Leinfelden-Echterdingen: Braun, 2005. ISBN: 3765083275. 252 Seiten.
  • Karlsruhe: Braun, 2013. ISBN: 978-3765088018. 232 Seiten.

'Erbsünde' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die Karlsruher Ahnenforscherin Maren Mainhardt soll eine Familienchronik schreiben. Doch der harmlose Auftrag einer alten Freundin aus Maulbronn entpuppt sich bald als verwirrende Spurensuche. Sie führt zurück bis in die Maulbronner Schulzeit des jungen Hermann Hesse, und Maren, die immer tiefer in den Sog der dunklen Vergangenheit und ihrer eigenen Gefühle gerät, stößt auf die »Erbsünde« der Familie Urban – mit tödlichen Folgen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Es gibt Badische und Unsymbadische« 72°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Ahnenforschung – ein interessantes Betätigungsfeld. Wer möchte nicht gerne etwas über seine Vorfahren erfahren? Und so wird Maren Mainhardt von ihrer früheren Kommilitonin Vivi gebeten, einen kleinen Stammbaum der Familie Urban, der Familie ihres Mannes, anzufertigen. Die Urbans sind ein fester Bestandteil des kleinen Örtchens Maulbronn im Kraichgau und ihre Geschichte ist eng mit dem Kloster Maulbronn verbunden, Weltkulturerbe der UNESCO und Heimat eines evangelisch-theologischen Seminars mit so berühmten Absolventen wie Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse.

Maren Mainhardt, die in der Karlsruher Südstadt wohnt, macht sich auf den Weg nach Maulbronn und lernt dort Vivis Familie kennen: ihren Mann Thomas, der nun das Familienoberhaupt ist, ihre Schwägerinnen Usch (Single) und Roswitha, deren Mann in die Politik gehen will, ihren Schwager Jean-Franz, der ein Restaurant am Kloster führt, ihren Sohn Moritz, der das Seminar im Kloster besucht, ihre Tochter Katja sowie Tante Johanna, deren Wunsch nach einer Familienchronik der Familie Urban erfüllt werden soll. Maren stellt fest, dass die Unterlagen schon sehr gut geordnet sind. Hier hat schon jemand Vorarbeit geleistet. Auf ihre Nachfrage hin erfährt sie, dass Johannas Bruder Franz die Dokumente gesammelt und geordnet hat. Er hat die Arbeit jedoch nicht zu Ende geführt und sich tragischerweise vor dem Maulbronner Rathaus das Leben genommen. Maren stößt im Laufe ihrer Recherchen auf einige Familiengeheimnisse, aber ernst wird es, als ein Mann, der sie im Klosterhof bedroht hatte, in der Nähe ihrer Wohnung tot aufgefunden wird und die Polizei eine(n) erste(n) Verdächtige(n) hat: Maren …

Geniale Genealogie

Zunächst sucht man verzweifelt den Krimi im pechschwarzen Einband, denn bis zur Hälfte passiert nichts, was die Eingruppierung ins mörderische Genre rechtfertigen würde. Dafür wird man aber von der Autorin vollgepackt mit Information über die schöne Landschaft, über die Geschichte des Klosters Maulbronn und die Absolventen des evangelisch-theologischen Seminars, allen voran Hermann Hesse, der seinen (zugegebenermaßen recht kurzen) Aufenthalt in der Lehranstalt in seinem Werk »Unterm Rad« autobiographisch aufgearbeitet hat. Aber auch die Informationen über die fiktive Familie Urban können fesseln und der Einblick in die Arbeit einer Ahnenforscherin ist recht interessant. Man erkennt die hervorragende Recherche, die dem Roman zugrunde liegt.

Auweia …

...kommt mir aber in den Sinn, wenn ich in der ersten Hälfte immer über diese Anspielungen stolpere, die das Böse unter der Sonne Maulbronns betonen wollen und vor der drohenden Gefahr warnen, zum Beispiel:

»Heute weiß ich: wir wurden damals schon beobachtet. Die ganze Zeit.« (S. 23)
»Die Gefahr lag spürbar im Raum« (S. 35)

Also bei mir haben diese Anmerkung die Spannung nicht gefördert, sondern nur ein kleines Lächeln hervorgelockt, ebenso wie die Hobbydetektivin, die sich an Figuren aus Büchern orientiert, um den Verdacht gegen sich zu entkräften. Auch neigt die Autorin zuweilen zum Dozieren, um das große Wissen an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Egal, trotz der aufgetischten Klischees in der Figurenzeichnung und der wunderlichen Auflösung, die nicht wirklich überrascht, aber auch so von mir nicht erwartet wurde, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Liegt es daran, dass die Geschichte in heimischen Gefilden spielt? Auf jeden Fall ist Erbsünde recht amüsant zu lesen und gehört eindeutig zu den (sym-)badischen Errungenschaften, nicht zu den unsymbadischen …

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Markus Müller zu »Eva Klingler: Erbsünde« 07.08.2007
Eva Klinglers Stärke ist es nicht unbedingt, ihre Figuren mit charakterlicher Tiefe entstehen zu lassen.
Dafür ist sie eine sehr gute Beobachterin, v. a. bei den Dialogen ist man mehrmals versucht, laut auszurufen: "Genau. Genau so ticken die Leute, so äußern sie sich."
Insgesamt dürfte das Buch viel Spaß machen, wenn man einen Krimi mit ein bißchen (nicht zu viel) Tiefgang sucht, der etwas Lokalkolorit bietet.
Biggi zu »Eva Klingler: Erbsünde« 23.09.2005
Hach - als selber "reingeschmeckte" Maulbronnerin mit großstädtischen Wurzeln muß ich sagen: ich habe mich k ö n i g l i c h amüsiert!!! Die Autorin muß eine Kennerin der örtlichen Szene sein, aber ich bin mir sicher, daß auch "ortsfremde" mit dem Krimi etwas anfangen können. Bloß gen Schluß wird es etwas flach.... Ich würde mich aber über weitere "Kraichgau-Krimis" sehr freuen!
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