Ostseesühne von Eva Almstädt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 bei Bastei Lübbe.
Folge 9 der Pia-Korittki-Serie.

  • Köln: Bastei Lübbe, 2014. ISBN: 978-3-404-16928-3. 368 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Bastei Lübbe, 2014. Gesprochen von Anne Moll. ISBN: 3-7857-4941-4. 4 CDs.

'Ostseesühne' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Im Feuerlöschteich auf einem Bauernhof entdeckt ein Postbote eine halb verweste männliche Leiche. Von den Bewohnern des Hofes, einem Ehepaar und ihrem 16-jährigen als zurückgeblieben geltenden Sohn, fehlt jede Spur. Pia Korittki übernimmt die Ermittlungen – und findet heraus, dass vor Jahren ein merkwürdiges Gerücht im Dorf kursierte, dem jedoch nie jemand nachgegangen ist: Auf dem Hof soll damals ein Mädchen gefangen gehalten worden sein …

Das meint Krimi-Couch.de: »Dünne Glanzschicht und viel Luft schätzt man nur bei Christbaumkugeln« 59°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Es gibt Zutaten in Krimis die sind Garanten für die gespannte Aufmerksamkeit der Leser: Familien, die plötzlich und spurlos verschwinden, abgelegene gefängnisgleiche Verstecke, in denen Entführungsopfer gefangen gehalten werden oder Kinder, die niemals in der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das ist die klassische Klaviatur einer Gänsehaut. In ihrem Krimi Ostseesühne führte Eva Almstädt diese Gruselfaktoren ausgiebig ins Feld. Woran liegt es dennoch, dass die Geschichte trotz »garantierter Schocker« nicht in Fahrt kommt?

In ihrem nunmehr neunten Fall wird die alleinerziehende Pia Korritke mit einem ganzen Bündel an Lügen und Geheimnissen konfrontiert, die sich an um den Mord an dem Lehrer Ulf Nielsen gruppieren. Dieser Einzelgänger und Eigenbrötler war nach einer frühmorgendlichen Exkursion und bei Suche nach neuen Fotomotiven für einen Bildband in einem Teich treibend aufgefunden worden. Wer aber könnte ein Interesse an dem Tod dieses farblosen Menschen haben, der generell nicht als Sympathieträger galt? Anders formuliert – welcher Leser würde sich für dieses Schicksal interessieren?

Offensichtlich konnte auch Eva Almstädt diese Frage nicht zufriedenstellen beantworten und besann sich daher auf das gute alte Stilmittel des Nebenschauplatzes, um grundsätzlich nicht vorhandene Spannung zu gerieren. So gilt es ein Geheimnis um die Familie zu lösen, auf deren Boden der Ermordete aufgefunden wurden. Blumig formuliert, verschwand diese bei Nacht und Nebel und kein Auge hat sie mehr erblickt. Da sich aber vermutlich auch niemand um eine normale Familie aus Vater-Mutter-Kind scheren würde, die ja möglicherweise auch nur einen verlängerten Urlaub antrat und vergaß die Nachbarschaft zu informieren, muss natürlich auch noch ein Rätsel um die Familie her. Zum einen – wo steckt sie denn überhaupt? Warum schwadronierte der geistig behinderte Sohn immer wieder von einem weiteren Kind, das angeblich auf dem Hof der Eltern lebte – das aber niemals jemand sah? War seine behinderte Schwester wirklich so behindert, dass sie in einem Pflegeheim leben musste, oder wurde sie auf dem Hof versteckt? Oder wurden andere Kinder regelrecht »weggefangen« und hier eingekerkert?

Kurz und gut, der Leser sieht sich immer wieder mit ein paar Häppchen um dunkle Geheimnisse geködert, schnappt gierig danach, da sich die Spannung um das Dorfleben ansonsten eher im Rahmen hält und muss dann doch mehrfach erfahren, dass er offensichtlich in einen Luftballon biss, der sang und klanglos in sich zusammenfällt. Da hilft es auch nicht, das Liebesleben der ermittelnden Beamtin Pia Korritki als weiteren Nebenschauplatz zu ins Feld zu führen. Alleinerziehend, Doppelbelastung, schwierige Beziehungen, nichtehelicher Vater will Sorgerecht – keine Überraschungen an dieser Front. Als überraschend kann nur die besonders eigenwillige Auffassung der Autorin zum Kindschaftsrecht gelten: Eine alleinerziehende Kriminalbeamtin ist aufgrund ihres Berufes – der sie mit dem Verbrechen und dem Tod in Verbindung bringt – möglicherweise nicht für die Erziehung eines Kindes geeignet. Gott bewahre – lässt man die Polizisten außen vor, was ist mit Prostituierten oder Zuhältern, Ärzten, Krankenschwester oder gar Angestellten von Beerdigungsinstituten? Die erste Gruppe wäre wegen krimineller Kontakte, die zweite wegen Berührungen mit Tod und Krankheit wohl kaum zur Erziehung von Kindern geeignet. Man stelle sich vor, wie die Heime geflutet wären!

Die Ostseesühne kommt immerhin doch noch halbwegs in Fahrt, als sich die Autorin endlich der Verbrechen annimmt, die sie tatsächlich erzählen und denen sie die Hauptbühne in ihrem Buch widmen will. Diese sind dann verhältnismäßig flott abgearbeitet, besinnt sich die Polizei doch endlich auf seriöse Ermittlungsarbeit als dass sie hysterisch jedem noch so eigenartigen Hinweis hinterherflattert. Hier fühlt sich der Leser endlich in einem seriösen Krimi aufgefangen, der bisher zwischen Mysterienspiel und »Babysprech« versteckt blieb. Da stört es dann auch nicht – allzu sehr – dass der Mörder dann doch wieder der »Gärtner« ist und die Heldin bis zu dessen Verhaftung einen dornenreichen Weg zurücklegen muss. Ein bisschen Lametta auf der Krimihandlung soll auch hier geschuldet werden.

Wenngleich der großartige Loriot beklagte, dass »früher mehr Lametta« war und die entsprechende Zugabe am Ende auch ihren Grund hat, wünschte man zu Anfang der Ostseesühne doch manchmal, dass die Autorin mit demselben gespart hätte. Noch mehr Mysterien, noch mehr Glitzer und Geheimnisse locker drapiert auf einem recht dürren Weihnachtsbäumchen. Anders formuliert könnte man sagen: Dünne Glanzschicht und viel Luft schätzt man nur bei Christbaumkugeln – nicht aber bei Krimis.

Sabine Bongenberg, Dezember 2014

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Thrillerfan zu »Eva Almstädt: Ostseesühne« 04.07.2016
Zur Beschreibung des Inhaltes ist hier der Klappentext eigentlich gut, um den Einstieg zu erhalten.
Im Feuerlöschteich auf einem Bauernhof entdeckt ein Postbote eine halb verweste männliche Leiche. Von den Bewohnern des Hofes, einem Ehepaar und seinem 16-jährigen als zurückgebliebenen Sohn, fehlt jede Spur. Pia Korittki übernimmt die Ermittlungen - und findet heraus, dass vor Jahren ein metrkwürdiges Gerücht im Dorf kursierte, dem jedoch nie jemand nachgegangen ist: Auf dem Hof soll damals ein Mädchen gehalten worden sein..

Die Leiche im Feuerlöschteich bleibt nicht die einzige und Verdächtige gibt es einige. Denn es haben viele auch Geheimnisse und kommen der Polizei und damit auch Pia Korittki nicht zur Hilfe.
Das Buch ist in mehrere Stränge gegliedert. Einmal die Vorkommnisse und die Ermittlungen dazu. Und dann sind noch die privaten Probleme, die die alleinerziehende Pia Korittki für sich und ihren Sohn sieht.

Das Buch ist so geschrieben, dass man sowohl Spannung mit den Ermittlungen und Täuschungen bekommen soll und versucht mit den privaten Angelegenheiten von Pia Korittki aufzulockern.

Für mich gesehen sind die immer wieder auftretenden privaten Probleme zu vordergründig eingebaut. Und dies empfand ich nervig. Die Ermittlungen und die dazu gehördenden Tätigkeiten sind zwar dargestellt, aber für mich nicht so, dass man mitfiebert. Ich gebe es zu, das Buch habe ich nicht Seite für Seite zu Ende gelesen.

Das erste Buch -Kalter Grund- war für mich viel viel besser.
Kasia zu »Eva Almstädt: Ostseesühne« 25.11.2014
Ich habe dieses Buch im Laden gesehen und gekauft, weil mich das Cover angesprochen hat. Als Ostsee-Fan wollte ich mal lesen, was es darüber zu schreiben gibt ... :-)
Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich habe es sogar ein wenig bedauert, dass ich noch nie an Eva Almstädt gestoßen bin.
Zum Glück ist "Ostseesühne" ein in sich abgeschlossener Roman. Alles, was man aus den vorherigen Büchern wissen müsste, wird in diesem Buch "erläutert", so dass man als Leser nicht im Regen steht :-)
Ich fand das Buch sehr interessant und lesenswert. Die Charaktere haben mir gut gefallen und ebenfalls die Geschichte.
Es kam bei mir zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf oder das Gefühl, dass ich diese Geschichte schon irgendwoher kenne.
Ich denke, dass ich mich ein wenig mehr unter den deutschsprachigen Autoren umsehen werde. Eva Almstädt hat mich auf jeden Fall auf den Geschmack gebracht.
Ich kann "Ostseesühne" guten Gewissens weiterempfehlen :-)
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
ChrisKun zu »Eva Almstädt: Ostseesühne« 24.04.2014
Der neue Roman von Eva Almstädt "Ostseesühne" ist ein vom 1. bis zum Schlußsatz auf Überraschungen und Spannungen aufgebauter Krimi. 5 von 5 Punkten!

Die Protagonistin Pia Korittki ist eine alleinerziehende Mutter und engagierte Polizistin. Der Mord an einem eigenbrötlerischen Lehrer und Sachbuchautor wird durch die Entdeckung einer weiblichen Leiche in einem Eiskeller auf dem Anwesen, in dessen Löschteich auch der Lehrer vom Dorfpostboten gefunden wurde, immer rätselhafter. Die verschwundenen Hofbesitzer geraten immer mehr unter Verdacht, als auch ein 2. Mädchen unauffindbar ist. Ein altes Familiengerücht schürrt zusätzlich die Verdachtsmomente.

Der Krimi ist durchweg spannend geschrieben. Sobald der Leser überzeugt davon war, das nur diese eine Person der Mörder sein konnte, wurde ein neuer Verdächtiger mit genauso stichhaltigen Beweisen präsentiert.
Dieses Buch hat meiner Meinung nach Suchtcharakter! Der Nebenschauplatz Pia Korittkis Leben fügte sich gekonnt in die Gesamthandlung ein und sorgte bis zum Schluß dafür, das man schon mit Ungeduld auf das neue Buch von Eva Almstädt wartet!
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