Kalter Grund von Eva Almstädt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Pia-Korittki-Serie.

  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2004. ISBN: 3-404-15239-5. 268 Seiten.

'Kalter Grund' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Drei Leichen auf einem abgelegenen Hof und ein tödliches Geheimnis. Ein mysteriöser Dreifachmord auf einem Bauernhof versetzt die Bewohner eines holsteinischen Dorfes in Angst. Für Pia Korittki, neue Kommissarin bei der Lübecker Mordkommission, soll dieser Fall zur Bewährungsprobe werden. Als während der Ermittlungen ein sechzehnjähriges Mädchen spurlos verschwindet, wird die Zeit knapp. Und Pia erkennt, dass sich hinter der Fassade ländlicher Wohlanständigkeit abgrundtiefer Hass und verbotene Leidenschaften verbergen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Schönes, ruhiges Landleben. Wer’s glaubt ...« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Auf Hof »Grund« in einem kleinen Dorf in Ostholstein werden die Leichen der Familie Bennecke gefunden. Rainer, Ruth und Sohn Malte wurden gezielt mit mehreren Gewehrschüssen geradezu hingerichtet. Da in der zuständigen Mordkommission der Kripo Lübeck aktuell Personalmangel herrscht, kommt die neue Kommissarin Pia Korittki zu ihrem ersten großen Fall, nachdem sie zuvor eher belanglose Schreibtischarbeiten erledigen musste. Ihr Kollege Marten Unruh ist nur mäßig begeistert ausgerechnet bei einem Dreifachmord mit einer »Anfängerin« gemeinsam ermitteln zu müssen.

In dem verschlafenen Nest stellen Unruh und Korittki schnell fest, dass die Ermordeten alles andere als beliebt waren. Rainer Bennecke galt als Alkoholiker, seine Frau als die gehässige Tratschtante des Dorfes und Sohn Malte als kriminell. An Motiven fehlt es zahlreichen Dorfbewohnern nicht. Ihre Nachbarn beispielsweise, die Familie Rohwer, musste erst letztes Jahr den Verlust ihrer gerade einjährigen Tochter verschmerzen, die beim Spielen auf die Straße geriet und von Malte mit dem Motorrad überfahren wurde. Auf dem nahe gelegenen Gut Rothenweide soll es besonders an Wochenenden hoch her gegangen sein, sogar von einem Bordellbetrieb ist die Rede. Auf dem Gut arbeitet auch Verena Lange, die zeitweise ein Verhältnis mit dem zehn Jahre jüngeren Malte hatte, bevor dieser in aller Heimlichkeit mit der erst sechzehnjährigen Nachbarstochter Agnes Kontos eine Beziehung einging, die nicht folgenlos blieb. Auch die ungeliebte Tochter, Katrin Bennecke, dürfte ein beachtliches Motiv haben. Die in Frankfurt lebende Bankerin ist nämlich hoch verschuldet und gleichzeitig Alleinerbin von Hof »Grund«…

Eva Almstädt gelingt mit Kalter Grund ein vorzüglicher Debütroman. Die Stimmung bei der Bezirkskriminalinspektion Lübeck könnte schlechter nicht sein. Neid und Missgunst beherrschen den Alltag und zu allem Unglück will sich mit Pia Korittki auch noch ausgerechnet eine Frau in der Männerdomäne Mordkommission behaupten. Ärger ist vorprogrammiert und so starten Korittki und Unruh (der Name spricht für sich) denkbar schlecht in die gemeinsamen Ermittlungen.

Den Provinzmief, hier in Ostholstein, fängt die Autorin wunderbar ein und entzaubert den Mythos vom schönen Landleben, wo jeder jeden kennt und dennoch jeder (angeblich) nur seine Ruhe haben will. Von wegen. Hinter einer bürgerlich-spießigen Langweiligkeit eröffnen sich tiefe Abgründe. Nicht wenige Nachbarn der Benneckes haben erhebliche Probleme mit ihrem Privatleben, besser gesagt mit der Befriedigung ihrer sexuellen Bedürfnisse. Mitunter konnte diese ausgerechnet der im Dorf angeblich so unbeliebte Malte erfüllen. Bei aller Landidylle wird zudem getratscht, dass einem die Ohren klingeln. Jede/r hat eine Anekdote über seine Nachbarn zu erzählen (»Eigentlich haben wir zu denen gar keinen Kontakt.«), bei denen diese selbstredend grundsätzlich schlecht davon kommen.

Als sich die Ermittlungen zunehmend im Kreis drehen bekommt die Story rechtzeitig neuen Schwung, da plötzlich die junge Agnes Kontos verschwindet. Auch hier zeigt sich der schwelende Konflikt zwischen Korittki und Unruh. Während Korittki der Sache höchste Priorität einräumt, winkt Unruh ab, glaubt, dass das junge Mädchen heimlich bei einem Freund untergetaucht sei. Teamwork sieht anders aus und so verwundert es ein bisschen, dass sich die beiden am Ende dann doch noch etwas näher kommen und tatsächlich »gemeinsam« den Fall lösen.

Ob es tatsächlich so ist, dass Frauen bei der Kripo mit offener Feindseligkeit von ihren Kollegen aufgenommen werden, darf bezweifelt werden. Im vorliegenden Fall gehört es zum Plot dazu – dies setzt sich übrigens in den Folgeromanen fort – und sollte einen somit nicht stören. Alles in allem betritt mit Pia Korittki eine interessante Ermittlerin die Bühne, die mit ihrem (Privat-)Leben selber offenbar noch im Unreinen ist. Dies macht sie keineswegs unsympathisch und lässt für ihre folgenden Fälle hoffen, wenngleich im vorliegenden Fall die Art der Auflösung zu einem kleinen Punktabzug führt. Der »heimliche Star« des Romans ist aber ohnehin die ländliche Idylle mit ihrer aufgesetzten Fassade und ihren zahllosen moralischen Abgründen.

Jörg Kijanski, August 2010

Ihre Meinung zu »Eva Almstädt: Kalter Grund«

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Klaus Schlüter zu »Eva Almstädt: Kalter Grund« 05.08.2017
Das Buch ist nicht sonderlich anspruchsvoll geschrieben, einfach mal was für zwischendurch zum schnell weglesen. Die Figuren sind recht interessant gestaltet und der Fall ist auch spannend erzählt und hat die Auflösung am Ende ist auch gut gelungen, was man ja auch nicht von allen Büchern behaupten kann. Ich werde mir die nachfolgenden Bände sicher auch vornehmen.
mikez75 zu »Eva Almstädt: Kalter Grund« 24.06.2017
Grundsätzlich ganz gut geschrieben aber mir kommt das Ende dann irgendwie unpassend vor. Als hätte jemand anderes die letzten 20 Seiten geschrieben und brauchte schnell ein Ende. Zumal das Ende dann auch nicht wirklich spannend ist.
Dafür das so viel von den Ostsee-Krimis geschwärmt wird eher schwach.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
walli007 zu »Eva Almstädt: Kalter Grund« 26.10.2015
Auf´m Dorf

In einem kleinen Dorf in Holstein geschieht ein Dreifachmord. Die Dorfgemeinschaft ist entsetzt und kann sich nicht erklären, wie es in ihrem kleinen Örtchen zu so einer Tat kommen kann. Die Mordkommission aus Lübeck wird herbei gerufen. Kommissarin Pia Korittki ist noch neu bei der Truppe und noch scheint es so als seien ihre Kollegen nicht sehr von ihr angetan. Doch Pia will sich durchbeißen. Und auch wenn der Kollege Marten Unruh nicht so sehr einverstanden ist, mit ihr zusammenarbeiten zu müssen, macht er sich mit ihr gemeinsam auf den Weg aufs Land.

Sehr unterhaltsam lässt sich dieses Hörbuch an. Pia Korittkis erster Fall. Man lernt die junge Frau kennen, die bei der Mordkommission noch einen schweren Stand hat. Sie setzt sich gegen das teilweise eher unschöne Verhalten der alteingesessenen Kollegen zur Wehr. Und nun bekommt sie ihre Nagelprobe. Ohne viel Hilfe von dem erfahreneren Unruh zu erhalten, findet Pia durch geschicktes und hartnäckiges Nachfragen so einige Hinweise. Sie entdeckt, dass in dem Dorf längst nicht alles so friedlich ist wie es nach dem ersten Anschein zu sein schien. Die Opfer waren nicht sonderlich beliebt in dem Ort.

Ruhig und doch sehr fesselnd kann man diesem Hörbuch folgen. Vorgetragen von Anne Moll, die es wunderbar versteht, den unterschiedlichen Charakteren ihre eigene Stimme zu geben. Besonders der norddeutsche Einschlag gelingt ihr ausgesprochen gut. Dabei bleibt sie dennoch beim Hochdeutschen, so dass es keine Verständnisprobleme gibt. Auch in die Kommissare kann man sich gut hinein versetzen. Man empfindet Wiederwillen gegenüber den anderen Polizisten, die Pia schlecht behandeln. Gut kann man auch verstehen, wieso sich Pia zu einer Dummheit hinreißen lässt, wie sie sich fühlt, wenn sie doch nicht ganz richtig liegt. Vier CDs, die eine herausragende und kurzweilige Unterhaltung für eine längere Autofahrt bieten. Es erster Fall, der neugierig macht, welche Ermittlungen Pia Korittki noch weiter führen wird.
Christine Tanner zu »Eva Almstädt: Kalter Grund« 11.10.2015
Habe mit dem Buch blaues Gift begonnen, (war auf dem E-Book schon drauf) und ich war total begeistert. Habe somit Eva Almstädt kennengelernt. Nun habe ich die beiden ersten Krimis runtergeladen und das erste mit Pia "Kalter Grund" in einem Schnutz gelesen. Auch dies hat mich begeistert, flüssig und spannend geschrieben. Bei vielen Krimis ist es natürlich so, dass eine Kommissarin sich in der Männerwelt durchkämpfen muss. Aber Pia hat das super gemacht und hat ihren Mann gestellt. Freue mich schon auf das zweite Buch.
Bintang zu »Eva Almstädt: Kalter Grund« 03.07.2015
Diese Provinzkrimis -egal ob Eifel, Friesland oder Bayern sind größtenteils einfach nur dilettantisch. Gefüllt mit Klischees ( machohafte kollegen, unfähige Vorgesetzte, trauriges Privatleben der Hauptprotagonisten) Alles schon Xmal dagewesen. Und besser. Kurzweilig sollte nicht gleichbedeutend mit langweilig sein.
lesemaus zu »Eva Almstädt: Kalter Grund« 23.11.2014
Im Urlaub an einem Tag durchgelesen und am nächsten Tag das zweite Buch in der Hand gehabt... Innerhalb von 3 Monaten hatte ich alle 9 Bücher mit Pia Korittki durch.

Kalter Grund ist ein wunderbarer, leicht zu lesender Krimi - ein toller Auftakt für die super Krimireihe.

Pia ist mir sofort sympathisch gewesen und ihr Privatleben ist genauso interessant zu lesen, wie auch der Fall an dem sie arbeitet.

Empfehlenswert! 100 °
fluffi zu »Eva Almstädt: Kalter Grund« 07.06.2014
Ja was soll ich sagen, ein Provinzkrimi eben.Ich kenne die Umgebung nicht, wie einige meiner Vorredner, denoch kann man sich anhand der Schilderungen die Umgebung recht gut vorstellen. An Spannung hat es fast gänzlich gefehlt. Ich weiß noch nicht, ob ich mir wirklich noch ein Buch der Aztorin antun will, aber irgendwie hat ja doch jeder eine zweite Chance verdient. Diese Werk konnte mich jedenfalls nur sehr mäßig überzeugen. Von mir 55 Grad.
Till zu »Eva Almstädt: Kalter Grund« 30.03.2013
Für mich als Lübecker war es einfach an der Zeit, einen der Almstädt - Krimis zu lesen. Dazu die dritte Erkältung dieses endlosen Winters, die mich ins Bett haut. Also in einem Rutsch durch und ganz gut unterhalten gefühlt. Jetzt kein Leseerlebnis der dritten Art, aber solide Handwerkskunst mit wohltuend wenig Lokalkolorit in Form geographischer Hinweise. Die Charaktere der Ostholsteiner allerdings sehr gut getroffen. Das Mordmotiv und der show down waren mir ein bisschen viel Groschenheft. Besorg mir mal den zweiten Band.
kianan zu »Eva Almstädt: Kalter Grund« 23.10.2012
Aus meiner Sicht ein gelungener Serienauftakt mit sympathischen Protagonisten und deren privaten Verstrickungen, Lokalkolorit und einem guten und angenehmen Schreibstil. Leider wusste ich jedoch aufgrund einer einzelnen Personenbeschreibung recht früh, wer hinter den Morden steckt. Das war zu offensichtlich und nahm ein Stückchen die Spannung. Dennoch ein guter und kurzweiliger Krimi. Ich werde weitere Bücher der Autorin lesen, mal sehen, ob sie die Qualität halten oder sogar noch steigern kann.
BernieBaer zu »Eva Almstädt: Kalter Grund« 24.01.2012
Ich fand das Buch jetzt nicht so schlecht wie meine Vorredner.
Ich wurde auf die Schriftstellerin aufmerksam durch ein Sammelwerk aus dem ich dann den 3. Roman (Blaues Gift) gelesen hatte.
Da mir dieser Roman gut gefiel, habe ich mir die ersten beiden Bücher zugelegt.
Interessant war es nun zu erfahren wie alles mit Pia begann.
Der Stil der Schriftstellerin gefällt mir einfach, akkribische Ermittlungsarbeit gepaart mit einem Bauchgefühl der Hauptdarstellerin und auch ein Privatleben, das gefällt mir halt.

Ich werde also wieder mal die 80 ziehen.

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