Engelsgrube von Eva Almstädt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Pia-Korittki-Serie.

  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2006. ISBN: 978-3-404-15465-4. 285 Seiten.

'Engelsgrube' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In den Gassen und Gewölben der historischen Altstadt Lübecks werden zwei Menschen brutal ermordet. Die Mordwaffen, ein antikes Stilett und ein Armeerevolver, wirken wie Requisiten in einem blutig inszenierten Drama. Kommissarin Pia Korittki zieht mit ihren Ermittlungen immer weitere und gefährlichere Kreise – und merkt zu spät, dass sie sich auf ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel eingelassen hat …

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine Frau allein gegen ihre Kollegen« 60°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Neben einer Reihe ominöser Überfälle auf Taxifahrer beschäftigt sich die Lübecker Kriminalpolizei mit dem Mord an Wolfgang Biederstätt, dem Inhaber des Restaurants »Lübecker Kupferhaus«. In seinem Weinkeller wurde Biederstätt mit einem alten Armeerevolver wie bei einer Hinrichtung erschossen, doch die zahlreichen Hinweise aus der Bevölkerung zum Tod des beliebten Küchenchefs führen die Ermittler nicht weiter. Da ereignet sich ein weiterer spektakulärer Mord: Zu Beginn des Altstadtfestes wird direkt neben einem Bierstand eine Frau mit einem Messer niedergestochen. Obwohl es schon recht voll war, will jedoch niemand der Umstehenden irgendetwas bemerkt haben.

Bei der Ermordeten handelt es sich um 41 Jahre alte Geschäftsführerin Birgit Manstein, die bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alles andere als beliebt war, aber ist der Täter wirklich in der eigenen Firma zu finden? Kommissarin Pia Korittki hat da so ihre ganz eigenen Überlegungen, mit denen sie sich auch gerne schon einmal bei den Kollegen in die Nesseln setzt. Beide Mordfälle werden getrennt voneinander bearbeitet, aber könnte nicht ein und derselbe Täter zugeschlagen haben? Bei Morde wurden mit ungewöhnlichen Waffen begangen und beide Taten ereigneten sich an einem Freitagabend. Dazwischen lagen gerade einmal sechs Wochen und so folgt Korittki einer inneren Eingebung und lässt sich die Todesfälle der letzten Monate raussuchen. Dabei geht sie jeweils im Sechs-Wochen-Rhythmus zurück und stellt fest, dass er zwei weitere seltsame Todesfälle gab. Ein als Selbstmord eingestufter Sturz von einem Autoparkhaus und ein Fall von Herzstillstand, bei dem der Alleinerbe sein Vermögen nicht schnell genug zu Geld machen kann. Die Kollegen bezweifeln Korittkis seltsame Theorie. Ein Serienmörder in Lübeck?

Schade, dass die Polizei erst in der zweiten Hälfte »richtig« ermittelt

Das Frauen in Männerberufen noch immer nicht überall anerkannt werden ist das Schicksal, welches die Heldin Pia Korittki (und mit ihr die Leser/innen des Romans) geduldig ertragen muss. Ihre Ansicht, die beiden Morde könnten miteinander zu tun haben, wird von ihren ausschließlich männlichen Kollegen nur mit einem Kopfschütteln gewürdigt und ihre Vermutung, dass sogar die beiden nicht eindeutigen Fälle (Selbstmord, Herzanfall) ebenfalls dem gleichen Täter anzurechnen sein könnten, sorgt gar für leichte Empörung. Wie kann man nur so denken, fragen sich die Ermittler und die Leser/innen fragen sich derweil, ob diese sehr klischeehaft dargestellten Figuren die Bezeichnung Ermittler überhaupt verdienen. Keiner Spur wird erkennbar nachgegangen und wenn, dann häufen sich die Pannen derart, dass man nur hoffen kann, dass sich die Autorin Eva Almstädt bei den echten Lübecker Kripobeamten für deren fiktive Kollegen vorab entschuldigt hat.

Darüber wollte Unruh jetzt nicht nachdenken. Er zweifelte mehr und mehr an seinem Tun in den letzten Tagen. Wieso hatten Gerlach und er sich nicht einmal die Adresse von Kessels Arbeitsstätte notiert?

Eine von vielen berechtigten Fragen. Doch immerhin, nach der Mitte des Buches kehrt der im Urlaub befindliche Chef Gabler zurück und mit ihm auch ein bisschen Niveau bei der Ermittlungsarbeit. Prompt wird eine gemeinsame Sonderkommission, die Soko Altstadt, gebildet und so fügt sich sehr langsam des Rätsels Lösung zusammen, dass dem Publikum in kurzen Einschüben allerdings schon parallel nahe gelegt wird. Gleichwohl bedient sich Eva Almstädt hier eines hübschen Tricks, um die Spannung recht lange aufrechtzuerhalten.

Eine sympathische Ermittlerin verhindert eine schlechtere Bewertung

Überhaupt ist der Roman vom Ansatz her ganz nett zu lesen, denn die gegen ihre widerspenstigen Kollegen ankämpfende Protagonistin besitzt durchaus (jedenfalls bei den LeserInnen) ein hohes Identifikationspotential. Leicht chaotisch, vor allem ihr eigenes Privat- und Liebesleben alles andere als im Griff habend, unterlaufen selbst ihr, die stets auf der richtigen Spur zu sein scheint, immer wieder kleinere bis größere Fehler. Das macht sie sympathisch und verhindert den Nimbus der unfehlbaren Überfrau.

Bliebe die Frage, nach der Bedeutung des Titels Engelsgrube? Hier sammelt die Autorin noch einmal Pluspunkte! Nicht nur, weil der Titel für Krimifans möglicherweise zu falschen Assoziationen führen könnte, sondern weil hier der dezent vorhandene Lokalkolorit positiv auffällt. Wie es der Zufall so wollte, las der Verfasser dieser Rezension, den Roman während seines Urlaubs und wohnte dabei in besagter Engelsgrube. Hierbei handelt es sich um eine der vielen mittelalterlichen Straßen Lübecks, die durch ihre kleinen Nebengassen und deren Ganghäuser bekannt sind. Die Darstellung Lübecks ist der Autorin zwar gelungen, ein wenig mehr Lokalkolorit wäre allerdings wünschenswert gewesen.

Also, weniger eindimensionale Schwarz-Weiß-Klischees (nicht alle Polizisten sind Vollidioten), mehr echte Polizeiarbeit (Spuren darf man nachgehen, drängende Fragen dürfen gestellt werden) und schon könnten die weiteren Romane höhere Bewertungen rechtfertigen.

Jörg Kijanski, November 2008

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Wynentaler zu »Eva Almstädt: Engelsgrube« 10.07.2016
Die Geschichte an und für sich gefällt mir ausnehmend gut. Eva Almstädt scheint aber Schwierigkeiten gehabt zu haben, die Lösung des Falles plausibel zu entwickeln. Warum die Kommissarin plötzlich auf einen Zusammenhang der Morde kommt bleibt ziemlich im Dunkeln. Plötzlich ist diese Eingebung da, die es unbedingt braucht, um den Plot voranzutreiben. Den zweiten Kunstgriff braucht es von der Schwester der Kommissarin, die den entscheidenden Weg aufzeigt. Ohne diese zwei Kunstgriffe würde die Geschichte nicht zum Abschluss kommen. Warum Kollegin Korittki bei den anderen so aneckt und sich wehren muss ist ebenfalls nicht ganz klar und geht einem bisweilen etwas auf den Wecker. Und schliesslich frage ich mich, warum bei so vielen Krimis die Hauptperson am Ende immer selber in Bedrängnis kommen muss. Ich mag das nicht mehr lesen, so oft kommt das vor.
Man darf den Spuren mehr nachgehen, mehr Gedankenspiele betreiben und auch die Hinweise und Spurenauswretungen viel gezielter verfolgen.
So - das war jetzt etwas viel Kritik, was der generellen Bewertung aber nicht abträglich sein soll, denn ich habe den Krimi gerne zu Ende gelesen.
kianan zu »Eva Almstädt: Engelsgrube« 30.06.2014
Der zweite Fall mit der Kommisarin Pia Konttiki ist für mich ein solider, netter und unterhaltsamer Krimi, aber definitiv kein Pageturner. Sehr kurzweilig geschrieben ist es meines Erachtens ein Krimi für zwischendurch und ich werde den nächsten Krimi der Serie lesen, ob sich die Autorin vielleicht noch steigern kann. Für mich also kein Hit, aber auch kein Flop.
Katrin zu »Eva Almstädt: Engelsgrube« 17.02.2012
Ich habe die beiden ersten Bücher von der SChriftstellerin direkt hinter einander gelesen und muss sagen, dass sie mir sehr gefallen haben.

Allerdings kann einem dieses "einzige tapfere Frau gegen all diese bösen bösen Männer" manchmal schon etwas zuviel werden. Gut, sind die Geschichten trotzdem.

Das End war mir persönlich zu abrupt, zu kurz und hat ein paar Fragen offengelassen:
Man hat war den Mörder gefasst, aber zumindest bei 2 der Morden (Werbefrau und Restaurantbesitzer), den Hintergrund nicht aufgedeckt. Konkreter will ich mich für all die, die das Buch noch nicht gelesen haben (und das solltet ihr!), nicht ausdrücken.

Ausserdem wäre es sehr spannend zu sehen den Mörder nochmal im Verhör oder ein De-Briefing mit Kollegen gehabt zu haben.

Trotzdem lesenswert. Ich werde auf jeden Fall weiterlesen.
BernieBaer zu »Eva Almstädt: Engelsgrube« 24.01.2012
Eine ausführliche Kritik zum Schreibstil der Schriftstellerin habe ich bei ihrem 1. und 3. Roman bereits ausgeführt.

Mir gefällt der Schreibstil recht gut.

Der 2. Roman fiel leider gegenüber den beiden anderen etwas ab, da im 1. Teil doch viel Leerlauf war, dafür riss der Schluss einiges wieder heraus.

77 Grad halte ich daher für angemessen.
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