Das Blut der Engel von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2001
unter dem Titel La sangre de los ángeles ,
deutsche Ausgabe erstmals 2007
bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien, 1990 - 2009.
Folge 2 der Ricardo-Cupido-Serie.
- Barcelona: Alba, 2001 unter dem Titel La sangre de los ángeles . 380 Seiten.
-
München: Goldmann, 2007.
Übersetzt von Roberto de Hollanda.
ISBN:
978-3-442-46119-6. 450 Seiten.
'Das Blut der Engel' ist erschienen als
![]()
In Kürze:
In der spanischen Provinzstadt Breda kommt dem Computerhändler Julián Monasterio ein Erbstück abhanden – eine Pistole. Wenig später ist ein Lehrer der Schule, auf die auch Monasterios kleine Tochter Alba geht, tot – erschossen. Dann kommt Alba nicht von der Schule nach Hause – und mit einem Mal steht auf der Agenda des melancholischen Privatdetektivs Ricardo Cupido weit mehr als ein unaufgeklärter Mordfall …
Das meint Krimi-Couch.de: »Die Geduld, Dinge wachsen zu lassen«
Krimi-Rezension von Wolfgang Reuter überspringen
Dieses Buch des in Spanien hochgelobten Autors ist im Original 2001 erschienen, unmittelbar nach dem beeindruckenden »Mörderwald«, aber noch vor »Die Hände des Pianisten«. Diese Reihenfolge ist wichtig, denn eigentlich ist der vorliegende Roman eine leichte Enttäuschung, und die nachfolgende, deutliche Steigerung im »Pianisten« lässt uns doch hoffnungsfroh in die weitere schriftstellerische Zukunft von Eugenio Fuentes blicken, den die spanische Presse als den »Erneuerer des spanischen Kriminalromans« feiert.
Die Geschichte spielt wieder in der spanischen Kleinstadt Breda. Der Computerhändler Julián Monasterio findet im Nachlass seiner Mutter eine Pistole, die offensichtlich nicht registriert ist. Doch statt diese der Polizei zu übergeben, deponiert er sie in einem Bankschließfach, welches jedoch durch einen Irrtum des Bankangestellten nicht abgeschlossen wird. So kann ein Unbekannter die Waffe entwenden und damit einen allseits beliebten Lehrer an der lokalen Schule ermorden. Monasterio wird sich seiner schwierigen Lage bewusst und engagiert den Privatdetektiven Ricardo Cupido zur Lösung des Falles …
Auf den Buchumschlag gedruckt findet man folgendes Zitat: »Der Nachfolger von Manuel Vasquez Montalban ist Eugenio Fuentes«. Solche Vergleiche sind meist eher ärgerlich, aber diesmal steckt ein kleines Körnchen Wahrheit darinnen: Montalban war als Avantgardist nicht zwingend an einem Ende der Handlung interessiert, sein Ziel war es in erster Linie, die Wahrheit herauszufinden. Die Bestrafung der Täter überließ er der Polizei, dem Leser oder irgendwem anderen. Fuentes überwindet in diesem Buch den Kriminalroman, indem er eigentlich gar keinen schreibt. Der Detektiv kommt nur marginal vor und löst sich zunehmend auf, eine den Mord betreffende Handlung findet gerade einmal am Anfang und auf den letzten Seiten des vierhundertzehn Seiten langen Romans statt. Das Ende der Geschichte erfährt man beiläufig und indirekt.
Was aber schreibt Fuentes? Unglaublich vielschichtige, psychologisch und menschlich tiefgehende Portraits der beteiligten Personen, welche abwechselnd, Kapitel für Kapitel, quasi in Rotation, zu Wort kommen. Aus deren Perspektive entwickelt sich langsam und stetig ein Bild der persönlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse an der Schule und in der Provinzstadt Breda. Diese Menschenzeichnungen und die Geduld, Dinge »wachsen« zu lassen, sind die große Stärke des Eugenio Fuentes, dafür lässt er sich Zeit. Der Text ist sowohl literarisch als auch sprachlich hochwertig, da muss auch einmal der Übersetzer gelobt werden, dem es gelingt, die ganze Klarheit und Poesie der Sprache Fuentes´ auf Deutsch zu formulieren: In diesem Falle Roberto de Hollanda.
Gegen Ende spricht der Detektiv Ricardo Cupido selbst aus, dass er erst im letzten Kapitel des Romans eine untergeordnete Rolle spielt. Die Hauptpersonen wären die Opfer und Täter, welche immer interessanter und menschlicher als die eigentlichen Helden wären. Seine Klienten sind wichtiger als er, ein »unscheinbarer und einsamer« Privatdetektiv, Gefühle, Empfindungen und Seelenängste bedeutsamer als eine mehr oder weniger routinierte Polizeiermittlung. Doch genau das ist das Problem, denn in diesem Buch gelingt es Fuentes nicht, die ausführlichen Beobachtungen und Darstellungen der einzelnen Personen in einen ausreichenden, plausiblen Zusammenhang mit dem eigentlichen Verbrechen zu bringen, außer vielleicht in der etwas banalen Bemerkung, dass das Böse sich oft aus »verletzten Gefühlen« entwickle.
»Das Blut der Engel« lässt einen also trotz seiner hohen literarischen und sprachlichen Qualitäten etwas unbefriedigt zurück. Wie gut, dass Fuentes im »Pianisten« wieder deutlich mehr fokussiert ist.
Wolfgang Reuter, April 2007
Ihre Meinung zu »Eugenio Fuentes: Das Blut der Engel«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!
| Patricia Garcia Huertas zu »Eugenio Fuentes: Das Blut der Engel« | 08.05.2007 |
|---|---|
| Bernd frommelt zu »Eugenio Fuentes: Das Blut der Engel« | 06.02.2007 |
