Bakschisch von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2003
unter dem Titel Kelepir Ev,
deutsche Ausgabe erstmals 2004
bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Türkei / Istanbul, 1990 - 2009.
- -: ?, 2003 unter dem Titel Kelepir Ev. 331 Seiten.
-
Zürich: Diogenes, 2004.
Übersetzt von Antje Bauer.
ISBN:
3-257-06443-8. 331 Seiten. -
Zürich: Diogenes, 2006.
Übersetzt von Antje Bauer.
ISBN:
978-3-257-23520-3. 331 Seiten.
'Bakschisch' ist erschienen als
![]()
![]()
In Kürze:
Chaos in der Stadt, Chaos im Herzen. Kati Hirschel ist gestresst. Nach einem Streit mit ihrem Liebsten stürzt sie sich in die Suche nach einer neuen Wohnung. Kein einfaches Unterfangen in der Millionenstadt Istanbul. Doch Kati erhält ein umwerfendes Angebot: eine Wohnung mit Blick auf den Bosporus. Nur dumm, dass es Zoff mit dem Bewohner gibt …
Das meint Krimi-Couch.de: »Wenn man von der Schwermut genug hat, kommt eine Autorin wie Esmahan Aykol genau richtig«
Krimi-Rezension von Jörg Kijanski überspringen
Kati Hirschel betreibt die einzige Krimibuchhandlung in Istanbul und durchlebt momentan turbulente Zeiten. Nach einem Streit trennt sie sich von ihrem Freund Selim in Erwartung, dass dieser wieder zu ihr zurückkehren wird. Die Wartezeit will sie sich mit der Suche nach einer neuen Wohnung zerstreuen, da sie eine bevorstehende Mieterhöhung nicht mittragen will. So erhält Kati über eine Freundin Kontakt zu Kasim Arslan, einem Mitarbeiter des Nationalen Katasteramtes, der ihr nach Zahlung einer kleinen Gebühr mehrere zum Verkauf anstehende Objekte vorschlägt. Als Kati in einem der Häuser die fragliche Wohnung besichtigen will, stellt sich ihr der Mieter entgegen. Es kommt zu einem kurzen Handgemenge und bereits am nächsten Tag taucht der Mann unerwartet in Katis Buchhandlung auf. Diese greift zu einem massiven Aschenbecher und trifft den Fremden am Kopf, der daraufhin stark blutend das Feld räumt.
Am nächsten Morgen erhält Kati Besuch von einem alten Bekannten: Batuhan Ercirpan, Hauptkommissar der Mordkommission, bittet sie zu einem Verhör aufs Präsidium, da sie verdächtigt wird, Osman Karakas ermordet zu haben. Karakas, jener Mann, mit dem sie tags zuvor Streit hatte, gehört der örtlichen Parkplatzmafia an und seine Brüder setzen Kati auf der Wache unter Druck. Kati bleibt also nichts anderes übrig als selber der Sache nachzugehen und recht bald stellt sich heraus, dass offenbar der Onkel von Karakas diesen wegen Geldstreitigkeiten erschossen hat. Während Kati sich langsam darüber freuen kann, nicht mehr länger verdächtigt zu werden, geschieht ein zweiter Mord...
»Wer von der Schwermut skandinavischer Krimiautoren genug hat, ist bei Esmahan Aykol an der richtigen Adresse«, schrieb einst die Deutsche Presseagentur und dieser Satz sagt fast schon alles. Erfrischend-frech erzählt die Ich-Erzählerin Kati nicht nur die aktuellen Geschehnisse aus ihrem Privatleben (Krise mit Selim, Probleme bei der Wohnungssuche), wobei sie bevorzugt auf den gängigen Vorurteilen zwischen Deutschen und Türken herumreitet, sondern löst auch noch nebenbei als passionierte Krimileserin die Geheimnisse zweier Mordfälle, bei deren Untersuchung die Polizei nicht gerade zu überzeugen vermag.
Dass die Autorin sich bevorzugt an eine weibliche Leserschaft wendet, bezeugen Kleinigkeiten wie Katis zunehmende Probleme mit ihrer steigenden Zellulitis, doch soll dies hier keineswegs abwertend gemeint sein. Vielmehr schafft es Esmahan Aykol auf diese Art eine sympathische Heldin zu schaffen, die ein hohes Identifikationspotential bietet. Eine sehr moderne Miss Marple könnte man sagen, die es einfach nicht lassen kann, sich in das Leben ihrer Mitmenschen ungefragt einzumischen. Das Ganze wird mit viel Wortwitz dargeboten, so dass auch männliche (Krimi-)Leser bei dieser sehr kurzweiligen Geschichte ebenfalls auf ihre Kosten kommen.
»Ich will mir lieber nicht vorstellen, wie viele Glas Tee ich noch dort hätte trinken müssen, wenn mich nicht Pelin auf meinem Mobiltelefon angerufen hätte. Wie Sie sehen, werde ich so langsam zu einer echten Anhängerin des Mobiltelefons. Bald werde ich anfangen, das Ding \'Handy’ zu nennen. Ich sehe mich sogar schon sagen: \'Meld dich doch mal per Handy.\' Ätzend!«
»Bakschisch« ist aber nicht nur ein nett erzählter Krimi (mit leichten Anlaufschwierigkeiten), sondern ebenso eine Liebeserklärung der Autorin an ihre Heimatstadt Istanbul. Hierbei geht sie aber bisweilen mit der Mentalität ihrer Landsleute recht hart ins Gericht.
»In einem plötzlichen Wutanfall hatte (...) seine Waffe gezogen. Und nachdem er sie einmal gezogen hatte, konnte er sie ohnehin nicht wieder ins Halfter stecken, ohne geschossen zu haben. Er war schließlich ein Mann. Und zwar ein richtiger. Ein türkischer Mann.«
Kenntnisreich und interessant geschildert sind zudem die Passagen über die bereits erwähnte Parkplatzmafia und deren Arbeitsmethoden sowie ein ausführlicher Einblick in die gängige Praxis der örtlichen Verwaltung bei der Vergabe von Baugrundstücken.
Zu erwähnen wäre noch, dass man keine Angst haben muss, dass einem die zahlreichen türkischen Namen von Personen, Istanbuls Vororten, Sehenswürdigkeiten etc. größere Schwierigkeiten beim Lesen bereiten. Die Autorin begrenzt die Zahl der mitwirkenden Personen auf ein überschaubares Maß, so dass man der Handlung jederzeit problemlos folgen kann.
Gleich zweimal (!) verweist die Protagonistin Kati in der Story auf ihre detektivischen Fähigkeiten, die ihr bereits in ihrem ersten Fall Hotel Bosporus geholfen haben, diesen zu lösen. Eine »Schleichwerbung«, die wir der Autorin ausnahmsweise gerne nachsehen wollen, denn wie eingangs erwähnt, wenn man von der Schwermut genug hat, kommt eine Autorin wie Esmahan Aykol genau richtig.
Ihre Meinung zu »Esmahan Aykol: Bakschisch«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!
| ingrida zu »Esmahan Aykol: Bakschisch« | 17.04.2006 |
|---|---|
| Barbara Samstag zu »Esmahan Aykol: Bakschisch« | 16.02.2005 |

