Ungewöhnliche Gefahr von Eric Ambler

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1937 unter dem Titel Uncommon Danger, deutsche Ausgabe erstmals 1979 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland, 1930 - 1949.

  • London: Hodder & Stoughton, 1937 unter dem Titel Uncommon Danger. 314 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1979. Übersetzt von Walter Hertenstein & Werner Morlang . ISBN: 3-257-20603-8. 319 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1999. Übersetzt von Matthias Fienbork . ISBN: 3-257-23132-6. 319 Seiten.

'Ungewöhnliche Gefahr' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Journalist Kenton ist mal wieder blank, doch das verängstigt ihn wenig, hatte sich doch noch immer eine Gelegenheit ergeben, schnell zu Geld zu kommen. Diesmal hat er beim Pokern alles verspielt. Und tatsächlich begegnet er im Zug von Nürnberg nach Linz einem Fremden, der ihm ein lukratives, aber nicht ungefährliches Angebot macht.

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Stefan83 zu »Eric Ambler: Ungewöhnliche Gefahr« 23.06.2009
Nachdem mich Eric Amblers Debütwerk "Der dunkle Grenzbezirk" durchaus überzeugt hatte, war es für einen Serientäter in Punkto Lesen wie mich natürlich selbstverständlich, sich auch den zweiten Roman anzuschaffen.

"Ungewöhnliche Gefahr" ist 1937 und damit in der langsam heiß werdenden Phase der Vorkriegsjahre erschienen. Adolf Hitlers Ambitionen sind nun auch für den Rest Europas kein Geheimnis mehr und ein allerorten stattfindendes Wettrüsten lässt die Hoffnung auf einen länger währenden Frieden dahin schmelzen.

Diese Situation erkennt auch Ambler, der als thematischen Hintergrund seines Werks die Zusammenarbeit multinationaler Konzerne mit faschistischen Gruppen wählt, und dabei, wenn auch wohldosiert, Giftpfeile Richtung Drittes Reich schickt. Die Fassade der Olympischen Spiele hat keinen Bestand mehr, Deutschland ist mit seiner Ideologie zum Feind vieler Völker und gleichzeitig zum wichtigen Verbündeten nach Macht strebender Länder geworden. Eines davon ist Rumänien, ein Vielvölkerstaat, der von politischer Instabilität gezeichnet ist und sich auf der Suche nach einer neuen Schutzmacht dem nationalsozialistischen Deutschland zuwendet. Was wäre gewesen, wenn Hitler dieses Land als persönlichen Spielball und zum Auslöser des von ihm lang ersehnten Krieges gewählt hätte?

Eric Ambler gibt in "Ungewöhnliche Gefahr" die Antwort darauf und lässt uns an der Seite des jungen Journalisten Kenton von Nürnberg nach Linz reisen. Aufgrund seiner Freude am Glücksspiel in Geldnot, soll er gegen Bezahlung die finanziellen Rücklagen eines Juden in Sicherheit bringen. Eine nur scheinbar einfache Aufgabe, denn Kenton hat so seine Zweifel an der Echtheit des Juden, die sich noch verstärken als er die Grenze zu Österreich überquert. Ohne es zu wollen begibt er sich nämlich damit zwischen die Fronten von Spionageringen und Geheimdiensten, und wird schon bald von der österreichischen Polizei als Mörder gesucht und von zwielichtigen Gangstern gejagt. Wem kann er in diesem gefährlichen Spiel trauen? Was für Dokumente hat ihm der "Jude" wirklich übergeben?

Spannende Fragen, die Ambler auf meisterhafte Art und Weise lange unbeantwortet lässt. Stattdessen hetzt er den Leser durch Österreich und die Tschechoslowakei, um den eigentlich abenteuerunwilligen Kenton bangend, der sich im Verlauf der Story aber recht bald zu einem ungewöhnlich sturen Gegenspieler für die ihn verfolgenden Agenten mausert. Überragend wie Ambler die Charaktere treffend und bildlich beschreibt, die Landschaften Zentraleuropas dem Leser gemäldegleich vor Augen zeichnet. Wie in einem guten James Bond-Film gerät man ständig vom Regen in die Traufe, werden gefährliche Situationen mit Coolness und flotten Sprüchen gemeistert. Schnell hat man vergessen, wie alt das Buch eigentlich ist, derart fesselnd liest sich der kurzweilige Plot, der mit kurzen, knappen Sätzen stets hohes Tempo hält und keine Zeit zum Verschnaufen lässt. Auch an Action in Form von Verfolgungsjagden und Schießereien wird nicht gespart. Wofür die heutigen Autoren heut tonnenweise Blut und Gedärme brauchen, das vermochte Ambler ohne viel Schnickschnack: Actionreich, spannend und hintergründig zu schreiben.

Insgesamt ist "Ungewöhnliche Gefahr" ein durchgängig packendes und durch seinen besonderen historischen Hintergrund interessantes Thriller-Frühwerk aus der Karriere Amblers, das nicht nur die überragende Klasse des Autors offenbart, sondern in vielerlei Hinsicht aufgrund der Anspielungen schon als prophetisch bezeichnet werden muss. Echte Empfehlung für alle diejenigen, die nach einem Ken Follett jetzt eine gute, alte (!) Alternative suchen.
6 von 7 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Pela zu »Eric Ambler: Ungewöhnliche Gefahr« 20.12.2007
Ein typischer Ambler - und somit hervorragend! Das Gefühl des ständigen Verfolgtseins, von dem Kenton getrieben wird, packt auch den Leser und lässt ihn nicht los. Schon gar nicht nach Löschen des Lichts auf dem Nachttisch!
morus64 zu »Eric Ambler: Ungewöhnliche Gefahr« 26.03.2005
"Ungewöhnliche Gefahr" als Frühwerk von Ambler offenbart schon seine uberragende Klasse, Charaktere so treffend zu beschreiben, dass sie bildlich wahrnehmbar sind. Und zum Schluß jedes Kapitels ein kurzer, knackiger Satz, der dem Leser ohne das ganze "action & blood" - Bimbamborium bis zur letzten Seite keine Pause läßt.
HERVORRAGEND: Kapitel 18: "Die Smedoff"!!. Auf knapp 12 Seiten eine Frau so anschaulich & nachhaltig darzustellen sucht im Genre der Krimiliteratur schon seinesgleichen.
FAZIT: 81 GRAD, verläßliche Leseempfehlung.
P.S.: Auf zu neuen Ufern: Keith Ablow's "Psychpath". Da Ablow von Hause aus Psychater ist, scheint das (für diesen in der Presse hoch bejubelten Psycho-Thriller) recht vielversprechend in Sachen möglicher Glaubhaftigkeit. Schaun wir mal!
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