Der dunkle Grenzbezirk von Eric Ambler

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1936 unter dem Titel The Dark Frontier, deutsche Ausgabe erstmals 1979 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: , 1930 - 1949.

  • London: Hodder & Stoughton, 1936 unter dem Titel The Dark Frontier. 320 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1979. Übersetzt von Walter Hertenstein & Ute Haffmanns. ISBN: 3-257-20602-X. 335 Seiten.

'Der dunkle Grenzbezirk' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Professor Henry Barstow, Atomphysiker auf Erholungsurlaub in Cornwall, weiß nachträglich nur noch, dass er mit einem kleinen Handkoffer um 13.30 Uhr im Royal Crown Hotel abstieg und sich nach dem Essen zu einem Schwätzchen mit dem weißhaarigen Herrn am Nebentisch in die Lounge setzte. Wenige Stunden später betritt ein Herr das Hotel, der äußerlich dem zerstreuten Professor Barstow aufs Haar gleicht …

Ihre Meinung zu »Eric Ambler: Der dunkle Grenzbezirk«

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Norbert-Ullrich Neumann zu »Eric Ambler: Der dunkle Grenzbezirk« 26.07.2017
Die Bücher von Ambler sind natürlich allesamt Klassiker. Was das Genre Spionage- und Agententhriller anbelangt, können nur John le Carre' und vielleicht Ross Thomas mithalten. "Der dunkle Grenzbezirk" ist sicherlich nicht der beste seiner Romane. Aber Ambler war gerade mal 27 Jahre alt als dieses Erstlingswerk entstand. Es ist keines dieser blutrünstigen, hyperrealistischen Machwerke, mit denen die abgebrühte Leserschaft der Jetztzeit wachgerüttelt werden muss. In vielen Abschnitten ist es schon eher eine "Räuberpistole". Aber eine sehr unterhaltsame, humorvolle und auch spannende "Räuberpistole. Höchst bemerkenswert ist auf jeden Fall, wie der 27jährige Ambler den Schrecken der Atombombe und die Gefahren und die Zweischneidigkeit jedweden technischen Fortschritts vorhersieht. Wäre dies einem älteren , "seriösen" Schriftsteller in jener Zeit gelungen, wäre er vermutlich alleine deswegen zu größter Bekanntheit und hohen Ehren gelangt.
Eric72 zu »Eric Ambler: Der dunkle Grenzbezirk« 21.10.2013
Wie der Autor bereits im Vorwort selbst darstellt, ein eher misslungener Thriller.
In der ersten Hälfte kann er noch mit den besten Werken der Frühphase mithalten. Aber nach dem Perspektivwechsel sehnt man sich dem Ende zu. Aber immerhin eines das erste literarische Statement gegen die Atombombe und dass bevor Sie überhaupt erfunden war!
Stefan83 zu »Eric Ambler: Der dunkle Grenzbezirk« 18.03.2009
Jules Verne. Es gibt wohl kaum einen, dem dieser Name nichts sagt oder der nicht zumindest in Form einer Verfilmung in den Genuss eines seiner Werke gekommen ist. Samt und sonders sind seine Bücher Klassiker. Und gleichzeitig ein Paradebeispiel für zukunftsweisende Literatur, behandelte Verne doch technische Innovationen und Erfindungen, die erst Jahre später das Licht der Welt erblickten. Von Raketen, welche zum Mond fliegen bis zu Booten, die sich unter Wasser bewegen. Was der französische Schriftsteller für das Science-Fiction-Genre ist, stellt nun Eric Ambler für die Kriminalliteratur dar.

Mit blutjungen 27 Jahren machte er das erste Mal mit seinem Debüt "Dark Frontier" (dt. "Der dunkle Grenzbezirk") von sich reden und begründete damit eine Gattung des Kriminalromans, der aus den heutigen Buchhandlungen nicht mehr wegzudenken ist: Den Thriller. Man mag darüber streiten, inwiefern sein Erstlingswerk schon den Namensgebenden "Thrill" beinhaltet, aber es besteht kein Zweifel, dass er bereits hier wegweisende Maßstäbe gesetzt hat. Wie Jules Verne beweist er ein großes Maß an Voraussicht, behandelt er in seinem Buch doch in Anspielungen die Entwicklung einer völlig neuartigen Waffe. Der Atombombe. Und das zu einer Zeit (1936), als das Ausmaß noch nicht abzuschätzen war und die Nutzung noch in weiter Ferne lag. Nicht mal eine Kernspaltung war bis dato gelungen. Auch das sollte erst zwei Jahre später geschehen. Umso erstaunlicher, wie Ambler bereits zu diesem Zeitpunkt die Wirkung und das Bedrohungspotenzial einer solchen Waffe erkennt, wenngleich er natürlich nicht annähernd den technischen Aufwand beim Bau einer Atombombe erfassen konnte.

In seiner Geschichte begegnet uns zuerst der überarbeitete Professor Barstow, der auf dem Weg in den entspannenden Urlaub von einem Vertreter des Waffenproduzenten Cator & Bliss namens Groom abgefangen und angeheuert wird, um eine europäische Katastrophe zu verhindern. In dem fiktiven Land Ixanien, einer Republik im Balkan, hat man mit dem Bau eines Laboratoriums begonnen, das die Konstruktion einer Atombombe ermöglichen soll. Die kleine Bananenrepublik, in der Korruption, Armut und Despotie herrschen, will mithilfe dieser neuen Waffe eine bessere Zukunft und eine Veränderung der umliegenden Grenzen erzwingen. Barstow soll nun im Auftrag Grooms die Baupläne der zu erbeutenden revolutionären Erfindung überprüfen und als technischer Berater deren Gefahrenpotenzial abschätzen. Doch der pazifistische Professor lehnt ab und setzt seine Fahrt in den Urlaub fort, die im Graben mitsamt seinem Auto ein jähes Ende findet.

Barstow verliert sein Gedächtnis und bildet nun schizophrene Merkmale aus. Hatte er vorher noch in einem Drei-Groschen-Roman von den Abenteuern des Privatermittlers Conway Carruthers gelesen, schlüpft er nun selbst in diese Rolle. Er reist Groom nach Ixanien nach und setzt alles daran, der Entwicklung der Bombe und den egoistischen Plänen des Waffenfabrikanten ein Ende zu setzen.

Zugegeben: Eine kurze Zeit überforderte mich dieser Wechsel der Identitäten, blieb mir wie seiner Umgebung der Umstand der Schizophrenie verborgen. Als es mir dann dämmerte, konnte ich nicht anders, als die Genialität des Autors loben. Die im weiteren Verlauf folgenden Abenteuer des schlagfertigen, einfallsreichen Carruthers haben mich völlig in den Bann gezogen und auf hohem Spannungsniveau bestens unterhalten. Amblers Idee, ab der Mitte des Romans die Perspektive zu wechseln und die Geschichte aus Sicht des Journalisten Casey zu erzählen, ist schlichtweg brillant und macht die Story umso facettenreicher.

Verfolgungsjagden, Schießereien und "a few bodies along the way" tun ihr übrigens, um den Leser bei der Stange zu halten. Eine zwischendurch immer wieder durchscheinende latente Deutschlandfeindlichkeit sehe ich ihm nach, geben die ab 1933 stattfindenden Ereignisse in meiner Heimat seinen Befürchtungen ja recht. Und wer sich über die unrealistische Überspitzung der Heldentaten des Protagonisten ärgert und dessen bewusst überzeichnete Persönlichkeitsmerkmale anprangert, hat wohl den Sinn und den Auftrag dieses Buches nicht verstanden.

Insgesamt ist "Der dunkle Grenzbezirk" ein äußerst kurzweiliger Ausflug in die Anfänge des Genres, in dem eine anti-patriotische und pazifistische Botschaft mitschwingt, die zum damaligen Zeitpunkt wohl mehr Menschen hätten lesen sollen. Ein gelungenes Debüt, das prophetisch künftige Entwicklungen auf erstaunliche Art und Weise vorweg nimmt.
7 von 8 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kneggie zu »Eric Ambler: Der dunkle Grenzbezirk« 30.03.2005
Ich war auf der Suche nach Urlaubslektüre für meinen Cornwall-Aufenthalt und bin über die Suchoption "Krimis nach Regionen" auf diese Buch gestossen. Leider bin ich diesbezüglich sehr enttäuscht worden, den die Handlung spielt nur auf den ersten 30 Seiten überhaupt in England.
Andererseits hielt ich ein spannenes, humorvolles und kurzweiliges Buch in den Händen, welches den einzigen regnerischen Tag in meinem Urlaub schnell vorübergehen ließ.
Herrlich, die Verwandlung des pedantischen Physikers Prof. Henry Barstow, der eigentlich nicht für Abenteuer geschaffen ist, in den verwegenen Privatdetektiven / Geheimagenten Conway Carruthers der keiner Gefahr aus dem Wege geht.
Dieser Carruthers versucht in den 30er Jahern einer Superwaffe auf die Spur zu kommen die sich in Ixanien (einem fiktiven Staat in Ost-Europa irgendwo an der rumänischen Grenze) befinden soll.
Sehr gut gefiel mir der Wechsel des Erzählstils in der Mitte des Buches vom "Allwissenden Erzähler" zum "Ich-Erzähler" Bill Casey (ein Journalist der Carruthers begleitet), dies steigerte nur noch die Spannung.
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