Anlass zur Unruhe von Eric Ambler

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1938 unter dem Titel Cause for Alarm, deutsche Ausgabe erstmals 1948 bei Schönbrunn.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Mailand, 1930 - 1949.

  • London: Hodder & Stoughton, 1938 unter dem Titel Cause for Alarm. 320 Seiten.
  • Wien: Schönbrunn, 1948 Grund zur Besorgnis. Übersetzt von Heinrich Diez. 283 Seiten.
  • Berlin: Verlag der Nation, 1956 Alarm in Mailand. Übersetzt von Heinrich Diez. Lizenzausgabe für die DDR und andere sozialistische Länder. 253 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1979. Übersetzt von Franz Cavigelli . ISBN: 3-257-20604-6. 331 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1999. Übersetzt von Dirk van Gunsteren. ISBN: 3-257-23108-3. 397 Seiten.
  • Hamburg: Zeitverlag Bucerius, 2012. Übersetzt von Dirk van Gunsteren. ISBN: 978-3841901705. 304 Seiten.

'Anlass zur Unruhe' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Mailand 1937/38. Der arbeitslose Ingenieur Marlow übernimmt die Zweigstelle einer englischen Maschinenfabrik in Mailand. Der Haken daran: Der vorherige Leiter wurde ermordet, denn die Maschinen sind wichtig für die Rüstung.

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Jossele zu »Eric Ambler: Anlass zur Unruhe« 29.09.2013
Ziemlich brillante Analyse der damaligen Zeit kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs, den Ambler praktisch voraussah. Was ich mir gewünscht hätte, ist eine Verkürzung des letzten Drittels des Romans (die Flucht aus Italien) und dafür eine ausführlichere Beschreibung der Folgen von Marlows Handeln. Dies war mein erstes Buch von Ambler, aber es werden sicher noch weitere folgen.
Stefan83 zu »Eric Ambler: Anlass zur Unruhe« 17.12.2009
Beim Namen Eric Ambler werden heute selbst in Buchhändlerkreisen wohl einige unwissend mit den Achseln zucken. Der englische Autor, der den britischen Thriller eigentlich neu erfand, ist in Deutschland in Vergessenheit geraten. Bei Diogenes, wo er verlegt wird, gehören seine Bücher gar zu denjenigen, welche sich am wenigsten verkaufen. Gerade mal drei bis vier Exemplare eines Titels pro Jahr. Eine traurige Ausbeute. Nun hab ich mittlerweile vier seiner Werke gelesen und kann mir immer noch nur kopfschüttelnd die Frage stellen: Warum? Allein seine fünf Vorkriegsromane, die in einem zeitlichen Abstand von gerade mal drei Jahren (1936 - 1939) erschienen sind, gehören zum Besten, was ich in diesem Genre lesen durfte. Und auch wenn "Die Maske des Dimitrios" der bekannteste dieser fünf Romane ist, wirkt wohl keiner anderer so nach wie "Anlass zur Unruhe".

Ambler, der selbst Maschinenbau studierte und als Ingenieur abschloss, wählt hier erneut die Zusammenarbeit multinationaler Konzerne mit faschistischen Gruppierungen als thematischen Hintergrund für sein Buch, das wie kein anderer Vertreter dieses Genres die politisch angespannte Stimmung dieser Zeit treffend und erschreckend wiederzugeben vermag. Diesmal konzentriert sich Ambler auf Italien, das sich, seit 1926 unter der Führung von Mussolini stehend, zu einer militärischen Großmacht aufgerüstet hat und an der Seite von Hitlers Deutschen Reich eine zunehmend aggressivere Außenpolitik verfolgt. Möglich ist dies kurioserweise vor allem durch ausländisches Kapital, das in großen Mengen ins Land fließt und die staatlich geförderte Produktion von Kriegsmaterial zusätzlich ankurbelt. Und hier setzt Amblers Story an:

Nicholas Marlow, wie Ambler selbst Ingenieur, verliert seine Arbeit just an dem Tag, an dem er seiner Freundin einen Heiratsantrag machen will. Aufgrund der landesweiten Rezession verläuft die Suche nach einer neuen Anstellung für ihn lange Zeit erfolglos, bis ihm schließlich ein ungewöhnliches Angebot gemacht wird. Die englische Werkzeugmaschinenfabrik Spartacus bietet ihm einen Job in ihrer Mailänder Dependance an und Marlow, verzweifelt und ziemlich pleite, nimmt an, zumal seine Aufgaben relativ einfach klingen. Als Repräsentant der Firma, soll er die Nachfolge seines Vorgängers Fernside antreten, der bei einem Autounfall im dichten Nebel der Stadt ums Leben kam. Was er nicht weiß: Der Unfall war keineswegs einer und mit dem Antritt seiner Stelle heften sich gleich mehrere nicht eindeutig zuzuordnende Spione an seine Fersen, die mehr über die Bewaffnung des faschistischen Staates in Erfahrung bringen wollen. Marlow verstrickt sich schnell in einem Gewirr aus Spionage und Gegenspionage, und muss schließlich um sein Leben rennen...

Dass Eric Ambler ein Meister darin ist, den lautlosen Krieg feindlicher Agenten im Europa der Zwischenkriegszeit zu beschreiben, beweist er in "Anlass zur Unruhe" einmal mehr. Mit viel dramaturgischen Geschick und einer schon beängstigenden Weitsicht führt er den Leser in ein Italien, das zu diesem Zeitpunkt bereits einen Krieg mit Äthiopien hinter sich hatte und mit begehrlichen Blicken Richtung Albanien schielte. Das Volk wird an der kurzen Leine gehalten, Überwachung ist oberstes Gebot. Ambler weckt eine Epoche mit all ihrer Düsternis zum Leben und analysiert nebenbei das nur auf den ersten Blick so eng wirkende Verhältnis vom Hitler-Deutschland zu Mussolini-Italien. Unwillkürlich macht sich Gänsehaut breit, wenn der Autor den Protagonisten Zaleshoff, der hier gemeinsam mit seiner Schwester Tamara seinen zweiten Auftritt nach "Ungewöhnliche Gefahr" hat, vom bevorstehenden Krieg reden lässt: "Die vier apokalyptischen Reiter sind zum Start bereit, und, Marlow, wenn die wieder durch Europa reiten, können Sie allen Ihren Träumen adieu sagen. Das wird ein Krieg sein, nach dem auf der Welt alles mögliche gedeihen wird, nur nicht die Menschen (...)" Es sind solche Zeilen, die Ambler zum visionärsten seiner Zunft machten und welche nachhaltig beeindrucken. Und erneut steht dabei ein Jedermann im Mittelpunkt, ein Unbeteiligter und Unschuldiger, der feststellen muss, dass gerade seine Unschuld ihn zum Schuldigen macht. Es ist die Geschichte über einen Mann, der gezwungen wird, seine Loyalität gegenüber seinen Arbeitgebern, seinem Land, der Wissenschaft und der Welt zu hinterfragen.

Insgesamt ist "Anlass zur Unruhe" ein Meisterwerk des Spionage-Thriller-Genres, dessen Tiefgang im Verbund mit der stets spannender werdenden Handlung, die schließlich bis in verschneite Norditalien führt, auch heute noch über Stunden fesselt. Ohne Zweifel eines seiner besten Bücher, das viel mehr Leser verdient hätte. Möge diese Rezension dazu beitragen.
17 von 21 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
RolfWamers zu »Eric Ambler: Anlass zur Unruhe« 18.07.2007
In diesem Buch wird eine sehr spannende Geschichte erzählt. Und ganz nebenbei erfährt man mehr über das Wesen des Faschismus als aus 3 dicken Wälzern.
Gehört zu Amblers Top 3 .
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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