Das Skelett vom Bliesgau von Elke Schwab

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Conte.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Saarland, 1990 - 2009.

  • Saarbrücken: Conte, 2010. ISBN: 978-3941657144. 300 Seiten.

'Das Skelett vom Bliesgau' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Von wegen Gras drüber gewachsen. Als Anke Deister in der Nähe von Ormesheim im Bliesgau von ihrem Pferd Rondo abgeworfen wird, landet die Kommissarin prompt auf einem Skelett, das nur oberflächlich im harten Waldboden verscharrt war. Die Knochen stammen nicht etwa aus der Keltenzeit, sondern aus den letzten zehn Jahren. War da was? Kullmanns Erinnerung gräbt einen nicht abgeschlossenen Fall ohne Leiche aus. Zwischen Saarlouis und dem Bliesgau, zwischen Saarbrücken und Zweibrücken entspannt sich ein spannendes Rätsel um Identitäten und Verwandtschaften.

Das meint Krimi-Couch.de: »Solide Arbeit mit Luft nach oben« 52°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Kriminalkommissarin Anke Deister wird bei einem Ausritt von ihrem Pferd abgeworfen – und landet auf einem Skelett. Wie sich schon bald heraus stellt, ist das ein Fall für die Kriminalpolizei, denn Experten finden heraus, dass die Leiche dort erst wenige Jahre liegt. Die Indizien sprechen dafür, dass es sich um die Knochen des Schriftstellers Ingo Landry handelt. Er wurde vor rund fünf Jahren als vermisst gemeldet. Doch der Fall ist komplizierter, als es zunächst den Anschein hatte. Denn es taucht eine weitere Leiche auf, die auch als Ingo Landry identifiziert wird. Bei dem Skelett hat man offenbar versucht, die Polizei mit fremder DNA zu täuschen. Anke Deister, Erik Tenes und Ruheständler Kullmann ermitteln in der saarländischen Schriftsteller-Szene, und stoßen dabei auf etliche Ungereimtheiten, bis es schließlich zum dramatischen Finale kommt.

Elke Schwab hat einen handwerklich soliden und unterhaltsamen Kriminalroman vorgelegt. Ein Skelett, das nur anhand eines einzelnen Zahns identifiziert wird – der Plot deutet früh auf Ungereimtheiten in den Ermittlungsarbeiten hin. Die Dialoge ihrer Protagonisten gestaltet die Autorin zuweilen recht originell, aber dazwischen gibt es leider auch Phasen, bei denen Konversation und Handlung eher vorhersehbar sind. Immerhin, das Techtelmechtel eines Kommissars mit dem Trio der verdächtigen Frauen aus der Literatur-Branche ist ein absolut spannendes und amüsantes Intermezzo. Und es gelingt Elke Schwab durchaus, einen Spannungsbogen aufzubauen, der den Leser neugierig auf den Fortgang der Handlung macht.

Allerdings bleiben die Figuren der beteiligten Polizisten eher blass, die Reitabende mit dem Töchterchen der Kommissarin wirken doch arg gestelzt. Hier wünscht man sich mehr Charakter bei den Hauptdarstellern. Die gestresste, allein erziehende Kommissarin, die ihr Kind glücklicherweise beim pensionierten Ex-Kollegen und seiner Frau abgeben kann, um auf Verbrecher-Jagd zu gehen – ganz nett, aber insgesamt zu schlicht gestrickt. Wirklich gelungen ist dagegen die Beschreibung der Intrigen und wechselseitigen Anfeindungen in der Schriftsteller-Szene im kleinen Saarland. Irgendwie kennt da jeder jeden, und der Ehrgeiz der Möchtegern-Bestseller-Autoren treibt äußerst seltsame Blüten. Ob man deshalb »Das Skelett vom Bliesgau« als typischen Regional-Krimi einstufen möchte, bleibt dem Leser überlassen. Die Handlung könnte auch in Bremen, Worpswede oder Rendsburg spielen – da ist dann doch eine gewisse Beliebigkeit feststellbar.

Immerhin ist das Buch so spannend, dass man es nicht gelangweilt zuklappt. Aber an ihren Figuren und Dialogen muss die Autorin noch kräftig feilen, wenn sie sich ein breiteres Publikum erschließen möchte. Und das Lektorat sollte etwas sorgfältiger arbeiten. Denn dass dem Gerichtsmediziner gleich am Anfang ein Satz über den vermeintlichen Toten herausrutscht, bevor dessen Name überhaupt bei den Ermittlern ins Spiel kommt, ist ein mehr als ärgerlicher Fehler. Und die Identifizierung des Skeletts durch die DNA krankt etwas, es wird nämlich nirgendwo geschildert, wo den die Vergleichsprobe der DNA des vermissten Landry herkommt. Nur zwei kleine, aber durchaus vermeidbare Fehler.

Andreas Kurth, April 2011

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