Sine Culpa von Elizabeth Corley

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Innocent Blood, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Scherz.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 4 der Inspector-Fenwwick-Serie.

  • London: Allison & Busby, 2008 unter dem Titel Innocent Blood. 541 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Scherz, 2007. Übersetzt von Ulrike Wasel & Klaus Timmermann. 500 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2009. Übersetzt von Ulrike Wasel & Klaus Timmermann. 479 Seiten.

'Sine Culpa' ist erschienen als

In Kürze:

Ein neuer Fall für Inspector Fenwick und die junge Polizistin Louise Nightingale: In einem Waldstück wird die Leiche eines Jungen gefunden, der vor über zwanzig Jahren verschwunden ist. Zur gleichen Zeit wird im nahe gelegenen Harlden nach einer Schießerei ein ehemaliger Major festgenommen. Zunächst scheint kein Zusammenhang zu bestehen. Doch dann tauchen weitere Figuren auf dem Schachbrett der Schuld auf – und Fenwick steht plötzlich mitten in einem grausamen Spiel von Schande und Sühne, das gerade in eine neue Runde geht.

Das meint krimi-couch.de: »Mord verjährt nicht« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Mit ihrem vierten Band Sine Culpa hat sich Elizabeth Corley nun endgültig in die Liga der ganz großen Schriftstellerinnen und Schriftsteller britischer Krimitradition geschrieben. Sie zeigt hier, dass sie das Genre par excellence beherrscht. Ihre Figur Chief Inspector Andrew Fenwick ist zwar keine Neuerfindung, doch er bringt alles mit, was ein sympathischer Ermittler benötigt: Er ist mitfühlend, setzt bei seinen Ermittlungen auf Intuition, spielt sich nicht in den Vordergrund und seine bevorstehende Beförderung ist ihm weniger wichtig, als die Ermittlungen zu einem befriedigenden Ausgang zu führen. Und doch ist er alles andere als perfekt, was sich insbesondere in seinem Familienleben zeigt, da er viel zu wenig Zeit mit seinen Kindern verbringt. Nachdem seine Frau nach längerer Zeit im Koma vor einem Jahr verstorben ist, wäre er eigentlich frei für eine neue Liebe, doch er hat die Avancen von seiner Kollegin Louise Nightingale abgeblockt, was er zwischenzeitlich zu bereuen scheint. Dennoch ist es den beiden gelungen, ihre kollegiale Freundschaft zu bewahren.

Ermittlungen im Fall »Chorknabe«

Inzwischen wurde Fenwick von der Kripo Harlden, seinem früheren Einsatzort, zu einer Sondereinheit, dem Major Crimes Squad von West-Sussex, versetzt, bei der er in Warteposition für die anstehende Beförderung zum Superintendent die Leitung übernommen hat. Die Ermittlung »Chorknabe« befasst sich mit einem Tipp des FBI, dass in Sussex ein Pädophilenring in ganz großem Stil operieren soll. Parallel hierzu bleibt Fenwick in Verbindung mit seiner alten Einheit, die das Verschwinden des elfjährigen Sam Bowyer ebenso untersucht wie den Tod von Malcolm Eagleton, der vor über 25 Jahren verschwunden ist und dessen Leiche vor kurzem gefunden wurde. Fenwick sieht hier eine Verbindung zu »Chorknabe«, auch wenn seine Meinung von seinem Vorgesetzten, Assistant Chief Constable Harper-Brown, nicht geteilt wird, da er einen anderen Kollegen mit der Leitung der Ermittlungen betraut. Fenwick hätte sich zumindest gewünscht, dass Detective Inspector Louise Nightingale sich in diesem Fall beweisen könnte.

Als die Terrasse des angesehenen Golf-Clubs Harlden bei einem Unwetter unterspült wird, sieht der Chief Inspector seine Chance kommen, da ihm zuvor eine Untersuchung des Geländes verwehrt wurde. Und in der Tat findet er in der abgerutschten Erde einen Sack mit blutbefleckter Kleidung, die dem vor 25 Jahre verschwundenen Paul Hill gehörte, dessen Leiche bis heute noch nicht aufgetaucht ist. Fingerabdrücke im Sack führen zu Major Jeremy Maidment, der jedoch steif und fest und seine Unschuld beteuert.

Intensives Leseerlebnis

Geschickt lässt Elizabeth Corley in einigen Rückblenden durchblicken, was wirklich vor 25 Jahren geschehen ist. Der Leser ahnt es schon etwas früher als die Polizei und doch kommt keinerlei Langeweile auf. Sie baut die Handlung Schritt für Schritt auf und lässt auch der Routinearbeit bei den Ermittlungen ihren Raum, ohne damit zu ermüden. Die menschlich dargestellten Figuren, deren Charaktere sehr gut herausgearbeitet sind und bei denen die Teamkollegen nicht nur am Rande mitlaufen, sondern ihren Platz vollständig einnehmen, tun ihr übriges dazu. Der Plot gewinnt durch die Verknüpfung lange zurückliegender Ereignisse mit der Gegenwart eine Intensität, der man sich schwer entziehen kann. Corley zeigt auf, welche Schuld man mit beharrlichem Schweigen auf sich laden kann und dass Bußfertigkeit alleine nicht genügt, um Frieden mit sich selbst zu schließen.

Die Autorin sorgt mit Sine Culpa für ein absolut intensives Leseerlebnis mit Spannung auf hohem Niveau, ohne diese mit müden Thrillelementen aufpeppen zu müssen. Hier wird die britische Whodunit-Tradition in einer Weise fortgeführt, die ihresgleichen sucht und Vergleiche mit anderen großen Autoren wie Peter Robinson oder Ruth Rendell nicht zu scheuen braucht. Ein Buch, das man gut und gerne in einem Rutsch lesen möchte.

Sabine Reiss, Juli 2007

Ihre Meinung zu »Elizabeth Corley: Sine Culpa«

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Thorsten H. zu »Elizabeth Corley: Sine Culpa« 30.06.2010
Ich kenne die Vorgängerbücher nicht, finde das Buch ist aber doch lesenswert.
Den Hintermann der Missbräuche erahnt der Leser zwar schnell, aber wer der eigentliche "Mörder" ist, wird erst ganz am Schluss aufgedeckt.
Meine größten Kritikpunkte sind die angesprochene Bürokratisierung und das Hierarchiegeplänkel und die Einfachheit, wie der Inspektor an seine Beweise kommt. Das sind eine Menge Zufälle. Maidment bringt sich in die Schussbahn, gerade wo ein jahrelang liegengebliebener Fall aufgewärmt wird, mit dem er zu tun hat. "Zufällig" hinterlässt er die meisten Spuren an einem Sack, obwohl er am wenigsten bei den Misstaten eingebunden war. Zufällig sind Fenwicks Kinder genauso alt wie die Opfer,... Dafür, dass Fenwick für seine Eigeninitiative bekannt sein soll, deligiert er eine ganz schöne Menge weiter.
Witzig finde ich den Stil, in dem die Autorin "dumme" Menschen sprechen lässt. Sie schreibt in der indirekten Rede, dass sie dumm sind, aber wenn sie reden, dann hört es sich trotzdem irgendwie schlau an :)
Ein paar weniger Kripo-Randpersonen hätten der Übersichtlichkeit auch nicht geschadet.
rolandreis zu »Elizabeth Corley: Sine Culpa« 21.05.2010
Das Buch handelt von einem Thema das derzeit nicht aktueller sein kann. Die Rückblenden in den Handlungsstrang vor 25 Jahren wurden gut in die Ermittlungen eingebaut und dem Leser erschliesst sich dadurch auch immer mehr die Gesamtheit der Story. Obwohl mir dieses Buch gefallen hat, sehe ich in Summe aber Crescendo als den stärksten Band der Fenwick-Reihe an.
Alexandra zu »Elizabeth Corley: Sine Culpa« 02.02.2010
Ja, ich stimme zu: Ein guter Roman, inzwischen kennt man Fenwick und Nightingale ganz gut und weiß, daß alles gut ausgehen wird ...
Aber im letzten Drittel herrscht doch große Verwirrung beim Leser darüber, wer nun wen wann und warum ermordet hat.
Eine Person erscheint gleich mit 3 Namen, ein allzu "billiger" Trick, um Spannung aufzubauen.Daß der totgeglaubte XY tatsächlich noch am Leben ist, kommt nicht überraschend, man hat es längst geahnt ...
Alles in allem, ich werde auch den nächsten Roman von E. C. lesen.
sabrina13582 zu »Elizabeth Corley: Sine Culpa« 09.05.2009
Ein absolut geniales Buch. Da ich die Vorgänger auch alle gelesen und ziemlich gut fand, musste ich "Sine Culpa" natürlich auch haben. Und meiner Meinung nach ist dies das beste Elizabeth-Corley Buch aller Zeiten. Absolut spannend geschrieben, flüssig zu lesen und kaum aus der Hand zu legen. Inspector Fenwick gibt wieder sein bestes, und seine Kollegin Nightingale ist natürlich auch wieder dabei. In diesem Buch versuchen die zwei gleich zwei Fälle zu lösen, die sich nach und nach zu einem gemeinsamen Entwickeln. Was ich auch hier wieder besonders mag, ist, dass man die Lösung nicht von Anfang an gesagt bekommt, sondern die ganze Zeit rätselt wer denn jetzt, der Mörder ist. Man hat schon seinen Verdacht, aber wer es im Endeffekt ist, wird erst ganz zum Schluss verraten. Ich freu mich auf jeden Fall schon auf den nächsten Fall von Fenwick und Nightingale und kann zu "Sine Culpa" nur sagen: ABSOLUT EMPFEHLENSWERT
Krimi-Tina zu »Elizabeth Corley: Sine Culpa« 02.05.2009
Raubein Fenwick, mittlerweile versetzt und für eine Beförderung anstehend, bekommt einen cold case auf den Tisch. Die Leiche eines Jungen der vor 20 Jahren verschwunden ist, wird gefunden. Gleichzeitig ermittelt er in eine aktuellen Fall eines Pädophilenrings. Nightingale hingegen hat einen pensionierten Major an der Backe, der einen Trickbetrüger und Einbrecher angeschossen und fast umgebracht hat. Und da gibt es noch einen kürzlich verschwundenen Jungen.
Natürlich, wie der der Leser von Anbeginn vermutet hängen die Fälle alle irgendwie zusammen, denn so wollen es die Gesetze des Kriminalromans.
Aber damit wären wir auch schon bei meinem größten Kritikpunkt an diesem Buch: dieses Zuständigkeitswirrwarr der Behörden, wer nun eigentlich was gegen wen ermitteln darf , nimmt mir zu viel Raum ein.Das mag im wirklichen Leben tatsächlich so oder schlimmer sein, aber es nimmt stellenweise etwas sehr die Spannung.
Wie bei Corley üblich, ist das auch wieder kein klassischer whodunit sondern ab ca. der Mitte des Buches ahnt der Leser wer der Übeltäter ist und darf beobachten wie sich die Schlinge zu zieht.
Fenwicks mehr oder weniger chaotisches Privatleben integriert sich wieder wohltuend unauffällig in die Geschichte. Etwas nervig ist allerdings auch das ewige Kollegen- und Vorgesetzten-Hickhack, da gibt es leider keine Weiterentwicklung, das wirkt langsam etwas stereotyp. Zum Glück hört das auch etwa in der Mitte des Buches auf, bevor es einem wirklich auf die Nerven geht und die Story konzentriert sich auf die Jagd.
Insgesamt wieder glaubwürdiger und daher besser als der Vorgänger. 85°
Und ja „Sine Culpa“ heißt ohne Schuld.
Rolf.P zu »Elizabeth Corley: Sine Culpa« 16.04.2009
Auch der vierte Fall für Inspector Fenwick und seine Kollegin Louise Nightingale ist gewohnt gut aufgebaut und ungemein spannend.
Die Story um den Pädophilenring ist gut konstruiert und nicht nur den Ermittlern kommt die Galle hoch, sondern auch jedem Leser. Anders als bei den klassischen und leicht behäbigen britischen Krimis in Miss-Marple-Stil mischt sich bei Elizabeth Corley noch ein Hauch von amerikanischem Thriller. Aber nicht zu viel sondern genau so wohl dosiert, dass es spannend wird und man das Buch nicht mehr loslassen möchte.
Neben den Aufklärungen der Fälle beschreibt sie auch eindrücklich die Machtstrukturen innerhalb des englischen Polizeiapparates, wie es wahrscheinlich wirklich zu und her geht. Mit welchen Mitteln gekämpft wird, um befördert zu werden oder wer für was zuständig ist (fast ein interner Krimi).
Die Autorin Elizabeth Corley beschreibt im Detail ohne einen jedoch zu langweilen und die Hauptpersonen wachsen einem mit jeder Seite mehr ans Herz. Das nicht zustande kommen Ihrer Liebesbeziehung sowie die unterschiedlichen Charaktere der beiden Ermittler werden gut erläutert. Die Figuren haben noch genug Tiefe, noch genug Charakter, die Handlung noch genug psychologischen Spielraum, um eben nicht nur "Thriller" zu sein.

Die Reihe um das Polizistenpaar Inspector Fenwick und Louise Nightingale ist für alle Fans der britischen Kriminalliteratur ein Leckerbissen.
snoozer zu »Elizabeth Corley: Sine Culpa« 01.04.2009
Sine Culpa dürfte sowas wie "ohne Schuld heissen" Googel mal nach nulla poena sine culpa, das ist ein Rechtsgrundsatz (Julia ist gemeint)

Ich habe ebenfalls vorher Crescendo gelesen und war davon sehr begeistert. Sine Culpa kann damit nicht ganz mithalten, da das Buch nicht so eine grosse Spannung und ein hohes Lesetempo erzeugt, ist aber trotzdem ein sehr gut geschriebenes Buch.
Mit der KC-Rezensio ist eigentlich schon alles gesagt, lest am besten oben ^^
julia s zu »Elizabeth Corley: Sine Culpa« 15.02.2009
Ich finde das Buch ausgesprochen gut- zumindest bis jetzt. Ich bin gerade erst am Lesen. Was mich stört und weswegen ich schon die ganze Zeit im Internet suche ist, dass ich nicht dahinter komme was "sine Culpa" bedeutet. Ich kann kein Latein und glaube das es lateinisch ist. Vielleicht könnte mir da jemand helfen!
benchen02 zu »Elizabeth Corley: Sine Culpa« 20.01.2009
Supertolles Buch, keine Frage!!! Überraschendes Ende!!! Spannend geschrieben!! Wäre nicht immer diese "Kompetenzrangelei" einzelner Dienststellen bzw.Personen, hätte ich diesem Buch von E.C. glatt 100% gegeben, so sind es nur 95!! Dieses Thema wird etwas sehr ausgeprägt dargestellt!!! Leider in jedem Buch!!! Trotzdem freue ich mich schon auf das Nächste!!!
Heinz zu »Elizabeth Corley: Sine Culpa« 12.01.2009
Ja war wieder recht spannend, die zweite Hälfte auf einmal durchgelesen.
Einzig störend für mich war ein Dejavue-Erlebnis, obwohl ich weiß dieses Buch noch nie in meinem Leben gelesen zu haben, kam es mir über weite Strecken bekannt vor. Ich habe nur keine Ahnung woher. Von Hill, Rankin oder sonst wem.

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