Zeugin der Toten von Elisabeth Herrmann

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei List.

  • Berlin: List, 2011. ISBN: 978-3-471-35037-9. 432 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: HörbuchHamburg, 2011. Gesprochen von Nina Petri. ISBN: 3899030389. 6 CDs.

'Zeugin der Toten' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Spuren eines quälend langsamen Todes, Blutlachen wie Seen, Hände, die verzweifelt Halt suchen. Judith Kepler hat viel gesehen. Sie wird gerufen, wenn die Spurensicherung geht. Sie macht aus Tatorten wieder bewohnbare Räume. Sie ist ein Cleaner. In der Wohnung einer grausam ermordeten Frau begegnet sie ihrer eigenen Vergangenheit. Die Tote kannte Judiths Geheimnis. Unter mysteriösen Umständen war Judith als Kind in ein Heim gebracht worden. Herkunft unbekannt. Immer im Schatten dabei, die Staatssicherheit. Als Judith Fragen zu stellen beginnt, gerät sie in das Visier mächtiger Gegner.

Das meint Krimi-Couch.de: »Big Brother was watching you.« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Ein Wohnung »entwesen« ist ein harter Job – egal ob ein Mensch eines natürlichen Todes gestorben ist, oder ermordet wurde. Die 33-jährige Judith Kepler arbeitet bei einer Reinigungsfirma, und dort ist sie auch ein »Cleaner«. Sie reinigt Wohnungen, nachdem sie von der Polizei freigegeben wurden. Als Judith eines Tages an einen Tatort gerufen wird, findet sie dort völlig überraschend ihre Heimakte. Zehn Jahre ihres Lebens hat Judith im Kinderheim Juri Gagarin in Sassnitz auf Rügen verbracht. Doch diese Zeit liegt im Dunkeln, und jetzt beginnt sie Nachforschungen anzustellen. Schnell gerät die Cleanerin in das Visier von Polizei und Geheimdiensten. Es geht um alte Stasi-Unterlagen – und ein Verbrechen an Judiths echter Familie, die sie längst vergessen hatte.

Mit der Figur der Judith Kepler hat Elisabeth Hermann eine recht ungewöhnliche Protagonistin geschaffen. Sie weiß nicht, warum sie als Fünfjährige unter mysteriösen Umständen in das Kinderheim gebracht wurde. Aber es brechen immer wieder kleine Erinnerungsfetzen durch, die von der Autorin geschickt als Stilmittel eingesetzt werden. Judith hat eine ziemlich untypische Biographie und verrichtet ihre schwierige Arbeit mit hohem persönlichem Anspruch. Sie will nicht nur den Ort des Sterbens von unschönen Spuren reinigen, sondern auch die Seelen der nicht immer friedlich Entschlafenen von den Qualen, Ängsten und Schrecken ihrer letzten Augenblicke befreien.

Das Buch ist eine überaus gelungene Mischung aus Politthriller und Kriminalroman. Dabei ist der Rückgriff auf die dunklen Seiten der deutsch-deutschen Geschichte entweder hervorragend recherchiert, oder perfekt ausgedacht. Die »Gesellschaft für solidarische und humanitäre Unterstützung« erinnert enorm an die »Stille Hilfe«, die einst Menschen mit brauner Vergangenheit in ihren letzten Lebensjahren in der Bundesrepublik oder wo auch immer auf der Welt half. Aber die Autorin zeichnet kein einfaches Schwarz-Weiß-Muster, wo stets klar ist, wer die Guten und wer die Bösen sind. Es geht vielmehr um Zwischentöne, Selbstzweifel, Kameradschaft, Kumpanei, Ideale, Naivität, Verrat und Freiheitsliebe. Und dann immer wieder diese anrührenden Passagen, wenn Judith kurz vor irgendeinem Abgrund steht und doch wieder gerettet wird.

Als Leser fiebert man bei diesem Roman von Beginn an mit, fühlt Sympathie für die wirklich ungewöhnliche Heldin, ärgert sich über das schreiende Unrecht, das ihr angetan wurde. Und ist am Ende entsetzt über den Abgrund an seelischer Kälte, der sich bei mehr als einem der Täter zeigt. Der Spannungsbogen wird auf geradezu klassische Weise hochgehalten und sogar noch gesteigert. Mehrfach scheint die Lösung auf der Hand zu liegen, und der Leser glaubt den Fortgang der Handlung zu kennen, nur um von der Autorin wieder um eine neue Ecke geschickt zu werden.

Elisabeth Hermann hat einen angenehmen, zügig zu lesenden Stil. Sie verzichtet auf zu viel Drumherum, bleibt stets eng an der eigentlichen Geschichte und gibt Nebensächlichkeiten nicht allzu viel Raum. Die zeitlichen Rückblenden sind geschickt gesetzt, allerdings sind die Übergänge bei den ständigen Wechseln der Perspektive in der Gegenwart nicht immer glücklich geraten. Aber das sind kleine und durchaus verzeihliche Schwächen. Wer diesen brillanten Roman zügig durchliest, wird kaum über derartige Kleinigkeiten stolpert. Vielmehr ist man als Leser schon fast enttäuscht, dass die Geschichte irgendwann zu Ende ist – und man sich auf die nächste aus der gleichen Feder freuen kann.

Andreas Kurth, März 2011

Ihre Meinung zu »Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten«

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Anja S. zu »Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten« 13.11.2011
Mir hat bereits der Erstling "Das Kindermädchen" von Frau Herrmann ausnehmend gut gefallen, daher lese ich alle ihre Bücher. Nachdem die beiden weiteren Bände um Joachim Vernau eher mäßig spannend waren, war ich nun sehr gespannt auf eine neue Protagonistin.
Judith Kepler ist sehr ungewöhnlich, für mich jedoch etwas zu sehr Superfrau. Der Krimi sonst ist sehr spannend zu lesen, allerdings kompliziert aufgebaut mit vielen Verästelungen, so dass manchmal zurückblättern angesagt war. Dennoch hat es mir gut gefallen, habe es an einem einzigen Tag durchgelesen, und ich hoffe auf mehr Bücher dieser Autorin.
Jule zu »Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten« 13.10.2011
Judith Kepler ist eine Cleanerin. Sie räumt dem Tod hinterher. Ihr Privatleben verläuft so regelmäßig und ereignislos ab, wie man sicher sein kann das auf Ebbe Flut folgt. Bis zu diesem Tag, der ihr Leben verändert.Die Leseprobe und auch der Einband versprechen eine gute Story. Das kann ich nur bestätigen, doch auf eine andere Art und Weise. Man geht davon aus, das sich ihr außergewöhnlicher Beruf stärker in dem Buch widerspiegelt. Doch das ist nicht der Fall, was ich persönlich sehr schade finde. Der Hauptinhalt dreht sich um das Thema Stasi. Da ich nach der Wende geboren bin und von Erzählungen wenig über diese Zeit weiß (und ehrlich gesagt, ich finde das nicht unbedingt so interessant) war ich erst einmal nicht so erfreut über das Thema. Doch ich habe gefallen daran gefunden. Doch wie schon gesagt fand ich es schade, dass ihr Beruf keine größere Rolle gespielt hat, da er sehr ausbaufähig gewesen wäre.Gerade in den ersten Kapiteln ist es mir schwer gefallen der Geschichte zu folgen. Es wurden nicht nur sehr viele Informationen vermittelt, sondern es fand auch in den ersten drei Kapiteln ein kompletter Ort-, Zeit- und Personenwechsel statt. Dies war wirklich sehr verwirrend und als Leser fragte man sich wer jetzt was mit wem zu tun hat.In vielen der Dialoge (auch im späteren Handlungsgang) war es schwer heraus zu finden, wer gerade spricht. Oft musste ich einen Abschnitt mehrmals lesen um ihn zu verstehen. Es hat einfach hinter den Sätzen das „ , sagte Judith“ gefehlt (es soll ja nicht hinter jedem Satz stehen aber wenigsten ab und zu).In den Hauptcharakter Judith kann ich persönlich mich sehr gut hineinversetzen. Sie entspricht nicht dem eigentlichen Heldenbild, was ich sehr gut finde. Sie ist nicht die schöne, starke Frau sondern benötig Hilfe um an ihr Ziel zu gelangen.Abgesehen von manchen der Dialoge und der anfänglichen Verwirrung lässt sich das Buch sehr gut lesen. Wenn man einmal hineingefunden hat, dann kommt man auch nicht mehr los und möchte endlich wissen was als nächstes passiert.Die Autorin verwendet oft nur sehr kurze Sätze, die aber die Tatsachen auf den Punkt bringen und gerade bei Judiths Gedankengängen den Inhalt verstärken.Äußerlich ist das Buch sehr ansprechend. Das Titelbild passt gut zum Titel und ein Hardcover-Buch hat immer etwas besonderes, obgleich auch etwas unpraktisches für Menschen wie ich, die oft bei Reisen mit Bahn und Bus lesen.Was mir noch zu bedenken gibt, das Buch scheint mir nicht unbedingt geeignet für eine Übersetzung in andere Sprachen, bzw. nicht geeignet für „Nicht-Deutsche“ Leser. Viele Menschen aus Deutschland, gerade die jüngere Generation, kennst sich schon wenig mit dem Thema der Stasivergangenheit aus. Daher denke ich das es für „Nicht-Deutsche“ noch etwas schwerer wird, obwohl es auch Aufklären und Interesse wecken kann. (Kleine Anmerkung: „Nicht-Deutsche“ ist nicht rassistisch gemeint!)Zusammenfassen kann ich sagen, dass es eine sehr gute Story mit viel Spannung und Überraschung ist, die es sich auf jeden Fall lohnt zu lesen, vor allem wenn man Interesse an der Deutschen Geschichte hat.Ich persönlich hätte mir das Buch nicht gekauft, da ich wie schon erwähnt ein Pendler bin und oft in Bus und Bahn lese. Außerdem wäre mir der Preis zu hoch gewesen, allerdings finde ich ihn nicht unangemessen(ist schließlich ein dickes Buch mit stabilen, schönen Hardcover), sondern meine Büchereinkäufe liegen immer unter der 5-Euro-Grenze.Also: Lesen bildet, gerade in diesem Fall !
Jule zu »Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten« 13.10.2011
Judith Kepler ist eine Cleanerin. Sie räumt dem Tod hinterher. Ihr Privatleben verläuft so regelmäßig und ereignislos ab, wie man sicher sein kann das auf Ebbe Flut folgt. Bis zu diesem Tag, der ihr Leben verändert.Die Leseprobe und auch der Einband versprechen eine gute Story. Das kann ich nur bestätigen, doch auf eine andere Art und Weise. Man geht davon aus, das sich ihr außergewöhnlicher Beruf stärker in dem Buch widerspiegelt. Doch das ist nicht der Fall, was ich persönlich sehr schade finde. Der Hauptinhalt dreht sich um das Thema Stasi. Da ich nach der Wende geboren bin und von Erzählungen wenig über diese Zeit weiß (und ehrlich gesagt, ich finde das nicht unbedingt so interessant) war ich erst einmal nicht so erfreut über das Thema. Doch ich habe gefallen daran gefunden. Doch wie schon gesagt fand ich es schade, dass ihr Beruf keine größere Rolle gespielt hat, da er sehr ausbaufähig gewesen wäre.Gerade in den ersten Kapiteln ist es mir schwer gefallen der Geschichte zu folgen. Es wurden nicht nur sehr viele Informationen vermittelt, sondern es fand auch in den ersten drei Kapiteln ein kompletter Ort-, Zeit- und Personenwechsel statt. Dies war wirklich sehr verwirrend und als Leser fragte man sich wer jetzt was mit wem zu tun hat.In vielen der Dialoge (auch im späteren Handlungsgang) war es schwer heraus zu finden, wer gerade spricht. Oft musste ich einen Abschnitt mehrmals lesen um ihn zu verstehen. Es hat einfach hinter den Sätzen das „ , sagte Judith“ gefehlt (es soll ja nicht hinter jedem Satz stehen aber wenigsten ab und zu).In den Hauptcharakter Judith kann ich persönlich mich sehr gut hineinversetzen. Sie entspricht nicht dem eigentlichen Heldenbild, was ich sehr gut finde. Sie ist nicht die schöne, starke Frau sondern benötig Hilfe um an ihr Ziel zu gelangen.Abgesehen von manchen der Dialoge und der anfänglichen Verwirrung lässt sich das Buch sehr gut lesen. Wenn man einmal hineingefunden hat, dann kommt man auch nicht mehr los und möchte endlich wissen was als nächstes passiert.Die Autorin verwendet oft nur sehr kurze Sätze, die aber die Tatsachen auf den Punkt bringen und gerade bei Judiths Gedankengängen den Inhalt verstärken.Äußerlich ist das Buch sehr ansprechend. Das Titelbild passt gut zum Titel und ein Hardcover-Buch hat immer etwas besonderes, obgleich auch etwas unpraktisches für Menschen wie ich, die oft bei Reisen mit Bahn und Bus lesen.Was mir noch zu bedenken gibt, das Buch scheint mir nicht unbedingt geeignet für eine Übersetzung in andere Sprachen, bzw. nicht geeignet für „Nicht-Deutsche“ Leser. Viele Menschen aus Deutschland, gerade die jüngere Generation, kennst sich schon wenig mit dem Thema der Stasivergangenheit aus. Daher denke ich das es für „Nicht-Deutsche“ noch etwas schwerer wird, obwohl es auch Aufklären und Interesse wecken kann. (Kleine Anmerkung: „Nicht-Deutsche“ ist nicht rassistisch gemeint!)Zusammenfassen kann ich sagen, dass es eine sehr gute Story mit viel Spannung und Überraschung ist, die es sich auf jeden Fall lohnt zu lesen, vor allem wenn man Interesse an der Deutschen Geschichte hat.Ich persönlich hätte mir das Buch nicht gekauft, da ich wie schon erwähnt ein Pendler bin und oft in Bus und Bahn lese. Außerdem wäre mir der Preis zu hoch gewesen, allerdings finde ich ihn nicht unangemessen(ist schließlich ein dickes Buch mit stabilen, schönen Hardcover), sondern meine Büchereinkäufe liegen immer unter der 5-Euro-Grenze.Also: Lesen bildet, gerade in diesem Fall !
€nigma zu »Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten« 12.10.2011
Inhalt

Die "Cleanerin" Judith Kepler stößt in der Wohnung einer Ermordeten auf ihre eigene Akte aus dem DDR-Kinderheim "Juri Gagarin", in dem sie vom 5. bis zum 15.Lebensjahr untergebracht war. Sie ist erschüttert darüber, dass diese Dokumentation ihrer unschönen Kindheit nicht wie erwartet seit der Wiedervereinigung im Reißwolf gelandet ist und sie setzt alles daran, herauszufinden, wie die ermordetete Frau an ihre Akte gekommen ist. Außerdem will sie die verschütteten Erinnerungen an ihre ersten fünf Lebensjahre wachrütteln und etwas über ihre Eltern in Erfahrung bringen.
Im Laufe ihrer Ermittlungen zeigt sich, dass Judiths Familie in die gegenseitige Spionage zwischen DDR und BRD verwickelt war, ihre Untersuchungen bescheren ihr allerhand Aufregung und lebensgefährliche Situationen, da es immer noch Menschen gibt, die bestimmte Vorgänge aus der Zeit des Kalten Krieges nicht aufgedeckt sehen wollen.

Aufbau

Der Prolog ist in den Achtziger Jahren angesiedelt. Die fünfjährige Judith - damals hieß sie noch anders- kommt unter mysteriösen Umständen ins Kinderheim und bekommt eine neue Identität verpasst. Der Hauptteil des Romans spielt in der Gegenwart, Judith ist inzwischen Mitte Dreißig und arbeitet nach einer "abgeschlossenen" Drogenkarriere als Cleanerin. Kürzere Rückblicke in die Vergangenheit sind immer wieder in die laufende Romanhandlung eingeflochten.

Persönliche Beurteilung

Nach dem Klappentext und der Leseprobe erwartete ich einen Krimi/Thriller, der im forensischen Milieu spielt (weitergehende Ermittlungen, die sich aus dem Zustand der zu reinigenden Wohnungen von Toten ergeben). Dies ist überhaupt nicht zutreffend. Es handelt sich hier um einen sehr komplex aufgebauten Spionageroman, den man schon aufgrund der verwickelten Beziehungen der zahlreichen Romanfiguren mit großer Konzentration und angepasstem Tempo lesen muss. Ich tat mich etwas schwer, weil ich bei Spionage- und Gegenspionagethemen nicht immer vollkommen durchblicke.
Trotz gewisser Verständnislücken fand ich den Roman aber recht fesselnd, was nicht zuletzt an der Actionlastigkeit einiger Abschnitte und dem wirklich gelungenen, flüssigen Erzählstil der Autorin lag.

Fazit

Wer sich für Spionage im Allgemeinen und das Verhältnis von DDR und BRD zueinander in den Achtziger Jahren interessiert, hat hier einen sehr ansprechenden, lesenswerten Roman vor sich. In der Erwartung, mehr über den Beruf eines Cleaners zu erfahren und einen gewöhnlichen Krimi schnell weglesen zu können, sollte man jedoch eher nicht an dieses Buch herangehen.
Auch wenn "Zeugin der Toten" nicht ganz meinen Erwartungen entsprach, werde ich die Autorin im Auge behalten.
anyways zu »Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten« 16.05.2011
Im Frühjahr 1985, viereinhalb Jahre vor der Wende, wird aus dem kleinen Mädchen Christel Sonnenberg unter mysteriösen Umständen Judith Kepler- Neuzugang im Kinderheim „Juri-Gagarin“ in Saßnitz. Das Heimleben, die Strafen und die Gewalt der Erzieherinnen gegenüber ihren Schutzbefohlenen zeichnen Judith für ihr späteres leben. Sie kommt auf die schiefe Bahn, nimmt Alkohol und Drogen in gesundheitsschädigender Weise zu sich. Eine Resozialisierung der skurrilen Art durchläuft sie, als sie für „ Dombrowski-Facility-Managment“ anfängt zu arbeiten. Dieses Unternehmen hat sich auf die Säuberung der Wohnung Verstorbener spezialisiert. Eine Arbeit die Judith Halt gibt und die es ihr ermöglicht den Tag durchzustehen. Besonders für „Kaltsteller“ scheint sie geeignet zu sein, bieten diese doch eine besondere Herausforderung. Es sind Wohnungen von Mordopfern und Judith erscheint wenn die Spusi fertig ist um Blut und Fingerabdruckpulver weg zu wischen.

Zwei Jahr arbeitet sie schon für dieses Unternehmen, als ihr Chef sie unweit ihrer eigenen Wohnung zu einem „Kaltsteller“ schickt. Dort hat ein äußerts brutaler Mord an einer jungen Frau stattgefunden. Durch Zufall fällt Judith ein an die Tote adressierter Brief in die Hände. Schon der Absender paralysiert sie, ist es doch das Kinderheim in Saßnitz, als sie aber beim Öffnen ihre eigene Akte in den Händen hält ist sie hellwach und versucht Licht ins Dunkel zu bringen, und sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen, nichts ahnend das sie es von nun an mit dem BND, der CIA und der MfS zu tun bekommt.



Ein hochbrisanter Thriller über die Schachzüge der Geheimdienste zu Zeiten des „Kalten Krieges“, über Republikflucht und Doppelspionage, und das erschreckende daran ist, das die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, das sich so eine Geschichte durchaus zugetragen haben könnte. Die Recherchen über die Fährhafenstadt Saßnitz (ich konnte sogar einigen Straßenzügen folgen und deren Existenz somit bestätigen)sind außerordentlich gut, allerdings war/ ist „mein“ Saßnitz heller, sonniger und voller unbeschwerter Kindheitserinnerungen. Den legendären Malmö-Express gab es wirklich. Ein Zug der von Malmö über Saßnitz, Berlin und Dresden bis nach Prag fuhr. Wobei man die erste und letzte Station als DDR-Bürger entweder gar nicht oder nur unter besonderen Umständen erreichte. Dafür schnupperte man ein wenig freie, weite Welt. Schon die Vorstellung dass dieser Zug in den „Westen“ fuhr beflügelte die Fantasie.

Lenins Waggon hingegen ist kurz nach seiner Ankunft in Saßnitz verschollen, viele Jahre stand eine (ungleich schlechte) Nachbildung desselben auf einem Abstellgleis im Saßnitzer Bahnhof.

Ein Thriller der atemlos in den Strudel dunkelster Geheimdienstaktivitäten zieht und mich sehr lange beschäftigt hat, wenngleich ich ihn innerhalb von wenigen Stunden verschlungen habe.
nutellabrot86 zu »Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten« 15.03.2011
Zunächst muss ich sagen, dass das Buch ganz anders ist, als ich gedacht habe. Ob dieses nun positiv oder negativ ist, kann ich auch nach Ende des Buches nicht sagen. Es ist sicher Geschmackssache.Ich habe einen Krimi/Thriller erwartet, in dem Morde aufgedeckt werden, indem ermittelt wird, in dem es viell auch etwas blutig zugeht.In diesem Buch jedoch geht es um die Lebensgeschichte der Hauptprotagonistin Judith Kepler. Das Buch spielt hauptsächlich in der Vergangenheit. Fängt an, als sie ein kleines Mädchen war, als sie in ein Heim gekommen ist. Nach und nach klären sich in dieser Geschichte die Hintergründe auf, das wieso, warum.Es wird viel über die DDR- Zeit geschrieben, über das nicht immer einfache Leben damals und über die politischen Hintergründe. Ich habe sehr viel erfahren können und habe Informationen erhalten, die ich so noch nicht kannte.Von der Spannung her, war das Buch für mich wie eine Berg und Talfahrt. Es hab Seiten die habe ich in kürzester Zeit verschlungen, dann aber auch wieder Szenen, die nur noch vor sich hingetröpfelt sind. Ich habe insgesamt für das Buch sehr lange gebraucht, weil ich es immer wieder aus der Hand legen musste. Schnell verliert man dadurch bei dieser Geschichte auch den Faden. Vom Inhalt her steckt nämlich sehr viel in der Geschichte, mit vielen sehr interessanten Hintegründen und Fakten der damaligen Zeit.Teilweise kam es mir so vor, als passen die einzelnen Kapitel gar nicht zusammen. Es waren Ort- und auch Zeitsprünge vorhanden, die mich beim lesen irritiert haben und ich manchmal einige Seiten zurückblättern musste, um mich wieder zurecht zu finden.Die Geschichte um die Hauptprotagonistin Kepler wird auch zeitweise etwas langatmig dargestellt. Seitenweise immer wieder dieselben Handlungen, Geschichten und Personen. Nur langsam baut sich die Gesamtgeschichte aus. Mir fehlte der Pepp in den Handlungen, welche die Schriftstellerin sicher mehr herausholen hätte können, wenn sie an meinen Stellen gespart hätte und andere weiter ausgenaut hätte.Insgesamt war das Buch von der Thematik her interessant. Es ist jedoch nur Lesern zu empfehlen, die diese Materie mögen. Es ist kein normaler Krimi/Thriller, wie man es sich vielleicht auf den ersten Blick vorstellt.
subechto zu »Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten« 24.02.2011
Clean Team
Die Grundidee zu Zeugin der Toten ist mir nicht neu, seit ich Das Clean Team von Charlie Huston gelesen habe. Auch Judith, alias Christel, übt zusammen mit ihrem jungen Kollegen Kai diesen makabren "Job" aus. Allerdings bildet es nur die Klammer zu der eigentlichen Geschichte.
Denn Frau Herrmann wäre nicht Frau Herrmann, wenn es nicht - wie schon beim Kindermädchen oder der letzten Instanz - ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit zu lösen gälte. Und so beginnt die Geschichte Mitte der achtziger Jahre in der damaligen DDR, in einem Kinderheim auf Rügen. Inhaltlich geht es um die Machenschaften der Geheimdienste vor und hinter dem Eisernen Vorhang.
Elisabeth Herrmanns Romane zeichnen sich, meiner Meinung nach, durch eine wunderbare Mischung aus wahren, gut recherchierten Begebenheiten (Lenins Salonwagen, Wahl Gorbatschows zum Parteichef der Sowjetunion, Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke...) und einer spannenden, fiktiven Krimihandlung aus. "Zeugin der Toten" ist jedoch kein Krimi aus der Joachim-Vernau-Reihe, sondern ein eigenständiger Roman.
Die Autorin ist in Hessen geboren, genau wie ich, bringt aber das Leben der ehemaligen DDR-Bürger gut rüber, wenn sie u.a. von Florena-Creme und Bückware schreibt... Überhaupt ist Frau Herrmann eine großartige Erzählerin, ähnlich wie Cora Stephan alias Anne Chaplet, mit einer bildgewaltigen und intensiven Sprache, finde ich.
Trotzdem kann ich für die Protagonistin keine große Sympathie empfinden, auch fehlt mir etwas die Glaubwürdigkeit. Judiths plötzliche Wut und Aggression gegen alles und jeden kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Klar, 10 Jahre im Heim waren bestimmt kein Zuckerschlecken, aber das ist inzwischen 15 Jahre her und steht im krassen Widerspruch zu ihrer Arbeit als "Putzfrau", die sie seit Jahren angepasst und emotionslos verrichtet.
Doch auch wenn "Zeugin der Toten" ein paar Schwächen hat, er könnte für meinen Geschmack etwas spannender sein, ist der neue Roman von Elisabeth Herrmann ein Muss für alle, die sich für Spionage und Geheimdienste, aber auch für jüngere deutsche Geschichte, die Stasi und die ewig Gestrigen interessieren.
Ein anspruchsvolles, informatives Lese-Erlebnis, deshalb 4* und meine uneingeschränkte Empfehlung!
Marius zu »Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten« 20.02.2011
Die Verbrechen der Toten

In „Zeugin der Toten“ stellt uns Elisabeth eine ungewöhnliche Heldin vor: die Tatortsäuberungskraft Judith Kepler, im Fachjargon Cleaner genannt. Die Tatorte der Verbrechen sind die Orte, an denen sie ihr Tagewerk verrichtet, nämlich die Wiederherstellung der Bewohnbarkeit der Wohnungen, in denen Verbrechen verübt wurde. Doch bei einem Einsatz ist alles anders: Zufällig fällt ihr bei der Reinigung einer Wohnung ein Briefumschlag aus der ehemaligen DDR in die Hände und beim Öffnen stellt Judith fest, dass der Inhalt des Briefes ihre eigene Heimakte aus einem Erziehungsheim in Sassnitz ist. Für Judith bricht eine Welt zusammen und sie muss erkennen, dass alte Mächte verhindern möchten, dass die Wahrheit über bestimmte Geschehnisse in der DDR ans Tageslicht kommen.
Derweil versucht der Ex-BND-Agent Quirin Kaiserley, die von einer Informantin versprochen Mikroverfilmungen der Rosenholz-Dateien aufzufinden, die die Wahrheit über die ehemaligen DDR-Agenten in der Bundesrepublik Deutschland enthüllen. Auch Kaiserley muss erkennen, dass die Verbrechen der Vergangenheit auch heute noch nachwirken und einige Personen in hohen Positionen am liebsten die Geschichte der DDR-Geheimdienste vergessen machen wollen.
Schon bald kreuzen sich die Wege des Ex-Agenten und der Cleanerin und Judith Kepler muss entdecken, dass sie persönlich wohl viel tiefer in die ehemaligen Geschehnisse eingebunden ist, als ihr lieb ist …
Ich hatte bis dato noch kein Werk der jungen Krimiautorin Elisabeth Herrmann gelesen, was insofern nicht schlimm ist, da es zu „Zeugin der Toten“ kein Vorgängerbuch gibt und man sich einfach ohne Vorwissen auf die Geschichte einlassen kann. Herrmann hat eines der wohl undurchsichtigsten Kapitel deutsch-deutscher Vergangenheit in die Mitte ihres Romans gerückt und zeigt mit ihrem Werk eindrucksvoll, dass auch heute, da wir erst groß 20 Jahre Mauerfall gefeiert haben, noch einiges im Dunklen liegt und dass die Spionagegeheimnisse von BRD und DDR bis heute nachwirken. Mit Judith Kepler hat Herrmann einen außergewöhnlichen Charakter kreiert, der mich auf jeden Fall fasziniert hat. Auch kann die Geschichte nicht nur durch Charaktere sondern auch durch den Inhalt glänzen und hat mich durch die durchgängige Spannung dazu gebracht, dass Buch innerhalb von zwei Tagen auszulesen!
Fazit: Mit „Zeugin der Toten“ hat Elisabeth Herrmann für mich den Beweis erbracht, dass man in Deutschland auch packende Krimis erzählen kann, die sich nicht zwangsweise in die Regio- und Serienkillersparte einordnen brauchen. Für mich ist das Buch bereits jetzt eines meiner Highlights des Jahres 2011!
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