Die siebte Stunde von Elisabeth Herrmann

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei List.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1990 - 2009.
Folge 2 der Joachim-Vernau-Serie.

  • Berlin: List, 2007. ISBN: 978-3-471-79553-8. 416 Seiten.
  • München: Goldman, 2015. ISBN: 978-3-442-48470-6. 448 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Audiobuch, 2007. Gesprochen von Boris Aljinovic. ISBN: 389964266X. 6 CDs.

'Die siebte Stunde' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Ein mörderisches Spiel, ein rätselhafter Selbstmord und ein quälendes Geheimnis: Als Anwalt Joachim Vernau an einer Privatschule eine Jura AG übernimmt, begegnen ihm die Schüler voller Vorbehalte. Als er herausfindet, was hinter ihrem Schweigen steckt, ist es fast zu spät. Ein eindringlicher Kriminalroman um Schuld und Verantwortung und die Hilflosigkeit aller angesichts dessen, was nicht sein darf. 

Das meint Krimi-Couch.de: »Vampire in Berlin« 70°

Krimi-Rezension von Thorsten Sauer

Wenn eine »Schwarze Königin«, mehrere Vampire und andere düstere Gestalten eine Rolle spielen, muss es sich nicht zwangsläufig um einen Fantasy-Roman handeln. Für Elisabeth Herrmann, die mit Die 7. Stunde ihren zweiten Roman nach einem viel gelobten Debüt vorlegt, sind es Zutaten zu einem ganz und gar weltlichen Krimi, der im Berlin der Gegenwart spielt.

Hinter der Fassade

Joachim Vernau und seine alte Freundin Marie-Luise kämpfen mit ihrer gerade gegründeten Anwaltskanzlei Monat für Monat ums Überleben und gegen unbezahlte Rechnungen. Da kommt der Auftrag einer Privatschule, die Jura AG – den so genannten »Teen Court« – zu leiten gerade recht, um den uralten, firmeneigenen Volvo vor dem Schrottplatz zu retten.

Der 2Teen Court» ist eine Schülergruppe, die kleinere Verstöße gegen die Hausordnung der Privatschule diskutiert und selbstständig Maßnahmen gegen die Verantwortlichen festlegen kann. Damit das Ganze unter fachmännischer Leitung steht, wird – in Ermangelung einer entsprechenden Lehrkraft – Vernau die Aufgabe des Tutors der Gruppe zuteil. Ein einfacher Job wie es scheint. Im Gegensatz zur in Sichtweite liegenden Hauptschule, sind dem Gymnasium für die Söhne und Töchter betuchter Eltern, echte Probleme oder gar Kriminalität scheinbar völlig fremd.

Doch es brodelt hinter der exklusiven Fassade der Schule. Der Selbstmord einer Mitschülerin scheint die Jugendlichen zutiefst zu verstören. Der vermeintlich leichte erste Gehversuch Vernaus als Pädagoge entpuppt sich angesichts der ablehnenden Haltung seiner Schüler als echte Herausforderung und auch die Hausordnung der ehrgeizigen stellvertretenden Schulleiterin Oettinger hat es in sich. Vernau stellt Fragen und entdeckt, dass einige Schüler einem Live-Rollenspiel verfallen sind, das nicht nur mit Fantasie und Gummiwaffen gespielt wird, sondern sich in der Realität blutig fortsetzt. Als er ahnt wohin das führen kann, ist es fast zu spät.

Out time oder In-Time?

Wer in den Achtzigern aufgewachsen ist, kennt Rollenspiele womöglich nicht nur unter dem Kürzel MMORPG und versteht darunter 2World of Warcraft« im Internet mit Teilnehmern rund um den Globus, sondern als »Das schwarze Auge«, das als Pen-and-Paper Rollenspiel ohne Computer auskam, weil in der Phantasie und mit dem berühmten zwanzig seitigen Würfel gespielt wurde. Echte Fans haben sich schon damals nicht nur mit dem Brettspiel zufrieden gegeben, sondern das Erlebnis durch entsprechende Kostüme und Schauplätze verstärkt. Es mag überraschen, aber auch im 21. Jahrhundert gibt es noch eine ebenso verschworene wie aktive Gemeinschaft von Live-Rollenspielern. Die Berliner Vampire sind so eine Gruppe. Die Autorin hat selbst einige Erfahrungen als Ghul (wer das Buch liest, wird dieses Geschöpf näher kennen lernen) bei dieser Gruppe und einiges, was Vernau widerfährt, dürfte sich direkt aus den Erfahrungen der Autorin ableiten.

Der Hintergrund der Geschichte, die Gemeinschaft der Rollenspieler, fesselt und bildet eine interessante Grundidee für den Roman. Herrmann gelingt es – zumindest phasenweise – die Faszination, denen Rollenspieler erliegen, zu vermitteln. Auch wenn einiges etwas zu skurril anmutet. Wohl deshalb stellt sie an das Ende des Romans ein ausführliches Nachwort, in dem sie einige Einblicke in ihre Recherchen gibt.

Insgesamt kränkelt der Roman ein wenig an der fehlenden Glaubwürdigkeit. Die Berliner Luxus-Privatschule ist mit ihren weltfremden Schülern aus der Oberschicht nur schwer in der Berliner Realität vorstellbar. Die stellvertretende Schulleiterin wirkt mit ihrer Engstirnigkeit und dem zerfressenden Ehrgeiz mehr wie eine Gouvernante aus dem 19. Jahrhundert, denn als moderne Schulmanagerin, die sie darstellen soll.

Die Geschichte selbst dagegen ist eigentlich reizvoll. Rollenspiele leben von charismatischen Spielleitern, die den Fortgang des Spiels lenken, die Einhaltung der Regeln überwachen und letztlich die Mitspieler ein wesentliches Stück manipulieren können. Was passiert, wenn die wichtigste Regel des Rollenspiels, das »Out-Time« gehen, also das Verlassen des Spiels, plötzlich nicht mehr möglich ist. Verbunden mit einem geheimnisvollen Selbstmord und kleinen unheimlichen Begebenheiten in der Schule, sind damit fast alle Bestandteile für einen guten Krimi gegeben. Aber eben nur fast. Es fehlen die interessanten, glaubwürdigen Figuren, die den Leser an die Geschichte binden.

Doch trotzdem, auch wenn Die 7. Stunde einige Schwächen hat, ist der neue Roman von Elisabeth Herrmann ein spannender unverbrauchter Plot um skurrile Rollenspiele, Klassenverbände, Außenseiter und die Katastrophe, die sich aus dieser Mischung entwickeln kann. Man kann den Roman denen ans Herz legen kann, die selbst einmal als Elf, Zwerg, Magier oder Waldmensch Aventurien unsicher gemacht haben aber nie über das gute alte »Das schwarze Auge« hinausgekommen sind.

Thorsten Sauer, September 2007

Ihre Meinung zu »Elisabeth Herrmann: Die siebte Stunde«

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mg11 zu »Elisabeth Herrmann: Die siebte Stunde« 01.04.2017
Leider fand ich das Buch nicht ganz so toll. Positiv fand ich besonders den Humor und die Beschreibungen der Stadt. Die Protagonisten wurde auch sehr schön beschrieben.
Den Fall an sich fand ich dann doch schon arg konstruiert, obwohl die Grundidee relativ vielversprechend aussah.
Ich werde dennoch beizeiten der Autorin noch mal eine Chance geben.
Margot zu »Elisabeth Herrmann: Die siebte Stunde« 12.08.2015
Dieses Buch ist nichts weiter als gnadenloser Unsinn. Hat Frau Hermann eine pubertierende Tochter die ihr das Leben auf einer elitären Schule erklärt? Nein wirklich, ich habe es bei oxfam gekauft und nach 200 Seiten landet es dort auch wieder. Zur Spende taugt es ja.es ist wirklich erstaunlich, dass es so wenig gute deutsche Krimi-Schriftsteller gibt.
Margot zu »Elisabeth Herrmann: Die siebte Stunde« 12.08.2015
Dieses Buch ist nichts weiter als gnadenloser Unsinn. Hat Frau Hermann eine pubertierende Tochter die ihr das Leben auf einer elitären Schule erklärt? Nein wirklich, ich habe es bei oxfam gekauft und nach 200 Seiten landet es dort auch wieder. Zur Spende taugt es ja.es ist wirklich erstaunlich, dass es so wenig gute deutsche Krimi-Schriftsteller gibt.
Philipp zu »Elisabeth Herrmann: Die siebte Stunde« 13.03.2015
Mein erster Vernau und mein erster Herrmann.

Wow! Was für ein Buch!

Es ist ein wenig schwer sich am Anfang in alles hineinzudenken und die Figuren die darin agieren alle im Blick zu behalten. Doch die Story ist so genial dass man das Ding nicht mehr aus der Hand legen will. Ich hab es fast in einem Rutsch durchgelesen.

Sofort hegt man absolute Sympathie mit dem Protagonisten und seiner Kollegin. Überaus menschlich gezeichnete Charaktere dominieren das Buch.

Teilweise wird mit der Rektorin schonungslos eine Person gezeigt der Ihr eigenes Ansehen und das Ihrer Schule wichtiger ist als das Leben Ihrer Schutzbefohlenen. Es zeigt wie charakterlos und Schwach Menschen sein können die sich nur über ihre Macht und Ihr ansehen definieren können.

Selten so ein geniales Buch gelesen wie dieses hier. Man kann sich regelrecht in die Situationen hineinfühlen und kämpft Seite an Seite mit Joachim Vernau.

Der Blick auf die Live Action Role Play (LARP) Szene war interessant und informativ.

Der Plot und dessen Auflösung waren bis zum Schluss fast undurchschaubar und überaus intelligent gestrickt. Auf den letzten Seiten konnte man mit dem Lesen nicht mehr aufhören.

Ich bin sehr gespannt auf mehr von dieser Autorin.
kianan zu »Elisabeth Herrmann: Die siebte Stunde« 23.10.2012
Das Buch hat mich begeistert. Auch wenn ich persönlich mit dem Hintergrund der Rollenspiele wenig anfangen kann, geschweige denn mit Vampir-Rollenspielen, habe ich den Einblick in diese heutzutage beliebten Kreise als sehr interessant empfunden. Damit hebt sich das Buch von vielen anderen ab. Zum anderen wurde das heutige Schulsystem zeitkritisch behandelt, ein Thema, das bewegt und gut eingebaut wurde. Kleinere Ungereimtheiten haben mich bei diesem Stoff und bei der sehr hohen Spannung nicht gestört. Die Protagonisten Vernau, seine Mutter, Hütchen sowie Marie-Louise mit ihrem Volvo sind herrlich sympathisch beschrieben und mit einer gehörigen Portion Humor ausgestattet und sind mir daher schon nach diesem zweitem Buch der Serie ans Herz gewachsen. Ich hoffe, es gibt noch viel, viel mehr von dieser Autorin!!!
mabu zu »Elisabeth Herrmann: Die siebte Stunde« 19.08.2009
Elisabeth Herrmann hat einen wunderbaren Humor, ich musste an einigen Stellen richtig lachen. Wie der Vorgänger, "Das Kindermädchen", machen die Akteure Spaß und sind allesamt interessant. Man möchte die Protagonisten gerne persönlich kennen lernen.
Grundsätzlich kann auch ich nicht viel mit Rollenspielen anfangen und finde Merkwürdigkeiten wie Conventions eher albern. Aber gerade deswegen fand ich die Lektüre über die Berliner Vampire sehr fesselnd. Nicht nur, dass ich einen guten Einblick in diese Szene bekommen habe, es stimmte mich auch nachdenklich.
Wie im wahren Leben gibt es auch bei solchen Spielen Außenseiter. Was macht sie dazu? Wie kommen sie mit dieser "Rolle" klar? Wie viele Menschen sind unter uns, von denen wir nicht einmal ahnen, dass sich kleine oder größere Abgründe auftun? Was macht man, wenn man es merkt? Schreitet man ein? Guckt man weg? Ist man peinlich berührt?
Am meisten hat mir gefallen, dass das Ende nicht unglaubwürdig war, es hätte einfach nicht gepasst.
Hier gibt es keine Helden bzw Bösen, die einfach schwarz und weiß sind, sie haben alle einen Charakter und irgendwie, irgendwo und irgendwann auch immer ihre Gründe, so zu sein, wie sie sind.
Ja, das finde ich glaubwürdig und wichtig in einem Roman.
Ich hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung von Joachim und Marie-Luise gibt, ich würde mich mehr als freuen. :-)
Bewertung: 95°
Keera zu »Elisabeth Herrmann: Die siebte Stunde« 08.03.2009
Ich freue mich, dass ich die Romane von Elisabeth Herrmann entdeckt habe. Im Hintergrund eine faszinierende Stadt, noch dazu in Deutschland, im Vordergrund mit Joachim Vernau eine zwar wirtschaftlich erfolglose, aber nicht gebrochene oder gestörte Persönlichkeit, wie man sie in so vielen Krimis findet. Vernau hat zwar eine beträchtliche Skepsis gegenüber "dem Guten im Menschen", glaubt aber an persönliche Verantwortung besonders gegenüber jungen Menschen.
Die Story ist interessant und originell. Ich habe noch nie an einem Rollenspiel teilgenommen, fand aber die Schilderung gut nachvollziehbar und sehr informativ.
Und die Glaubwürdigkeit der Geschichte - wieso sind die Schüler weltfremd? Irgendwas ist mir da entgangen.
Aber egal, ich fand den Krimi gut und spannend und freu mich auf den nächsten.
E. Wolter zu »Elisabeth Herrmann: Die siebte Stunde« 27.02.2009
Ich habe das Buch gelesen, verschlungen und verstanden!
Der vielleicht bessere Einblick bot sich mir, da ich bereits an der Berliner Vampirrunde teilgenommen und Frau Herrmann selbst erlebt habe, wie sie ihren Ghul darstellte.
Ich freue mich auf ihr demnächst erscheinendes Buch und wünsche ihr weiterhin so viel Erfolg!
clare1512 zu »Elisabeth Herrmann: Die siebte Stunde« 28.01.2009
Schade, hatte mich so auf das Buch gefreut. Habe das Kindermädchen nicht gelesen sondern gefressen.
Leider konnte mich dieses Buch nicht fesseln. Die Spannung fehlt . Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, daß ich mich mit dem Thema Rollenspiele nicht anfreunden kann.
Frau Hermann: Bitte wieder die Richtung Kindermädchen.
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Anja S. zu »Elisabeth Herrmann: Die siebte Stunde« 02.01.2009
Auch der 2. Band um Joachim Vernau ist locker vom Hocker (schnoddrig) geschrieben, gut zu lesen und recht spannend. Das Thema ist originell gewählt und gut recherchiert, allerdings ziemlich ungewöhnlich, um nicht zu sagen unglaubwürdig. Mir hat der Erstling "Das Kindermädchen" bedeutend besser gefallen, ich hoff sehr, dass Frau Hermann in dieser Tradition weiter macht.

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