Der Berg der toten Tibeter von Eliot Pattison

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Prayer of the Dragon, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Rütten & Loening.
Ort & Zeit der Handlung: Tibet, 1990 - 2009.
Folge 5 der Shan-Serie.

  • New York: Soho, 2007 unter dem Titel Prayer of the Dragon. ISBN: 978-1569474792. 362 Seiten.
  • Berlin: Rütten & Loening, 2007. Übersetzt von Thomas Haufschild. ISBN: 978-3352007347. 459 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2008. Übersetzt von Thomas Haufschild. ISBN: 978-3-7466-2480-8. 459 Seiten.
  • [Hörbuch] Schwäbisch Hall: steinbach sprechende bücher, 2007. Gesprochen von Wolfgang Rüter. 7 CDs.

'Der Berg der toten Tibeter' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Der Ermittler Shan wird in ein abgelegenes Bergdorf gerufen. Ein Fremder, der schwer verletzt im Koma liegt, hat angeblich zwei Tibeter getötet. Doch Shan stößt auf Ungereimtheiten: Die Leichen wurden bereits abtransportiert, in der Nähe befindet sich eine illegale Goldmine, und ein seltsamer Deutscher hat in einem verlassenen Turm sein Lager aufgeschlagen. Als der Fremde aus dem Koma erwacht, wollen die Dorfbewohner ihn gleich töten, doch Shan erwirkt einen Aufschub – und erlebt die größte Überraschung seines Lebens: Der Fremde ist gar kein Tibeter, sondern ein Navajo-Indianer aus den USA …

Das meint Krimi-Couch.de: »Goldrausch im kargen Tibet« 84°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Die fünfte Reise durch den Tibet führt den ehemaligen Sonderermittler Shan Tao Yun abermals in eine entlegene Region. Pattison setzt somit seine Serie um den Chinesen, der zwischen zwei Welten lebt und der sich in einem Kampf David gegen Goliath auf die Seite des für jeden erkennbar Schwächeren stellt, genau dort fort, wo er sie in den vorangegangenen Bänden so einfühlsam und lebendig aufgebaut hat. Wohl nur der Tibet erlaubt eine so spannende Erzählung, in der kulturelle Schätze, Mystik und Weisheiten einen solch immensen Einfluss auf die Handlung ausüben dürfen.

Seine Freunde und treuen Begleiter, der Mönch Lokesh und Lama Gendun sind bereits einige Tage vor ihm aufgebrochen in das Dorf Drango. In der Nähe des Dorfes sollen zwei Männer ermordet worden sein, ein Dritter liegt bewusstlos in einer der Hütten des Dorfes und wird als Täter verdächtigt. Doch bevor der Dorfvorsteher, ein Tibeter, der die Chinesische Bürokratie in das abgelegene Bergdorf trägt, den alten Mann lynchen lassen kann, verhandelt Shan einen Aufschub. Bei der Erkundung der Umgebung fällt ihm auf, dass sich in dem nahen Bergmassiv sehr viele zwielichtige Gestalten aufhalten, die offensichtlich auf der Suche nach Gold sind. Außerdem entdeckt er ein altes Dzong, eine Festung, in der ein bekannter chinesischer Physiker, sein deutscher Freund und Forschungskollege und sein Neffe aus Peking leben. Jener Neffe hat ein hohes Interesse für Spurensicherung und hat den Tatort untersucht, bevor von unbekannter Hand die Leichen entfernt wurden.

Die Suche nach den Ursprüngen

Als Shan ins Dorf zurückkehrt, erlangt der alten, vermeintliche Mörder sein Bewusstsein wieder. Wie sich herausstellt ist jener Mann namens Hostene gar kein Tibeter, sondern ein Navarro-Indianer. Er war mit seiner Nichte Abigail auf dem Berg unterwegs, um einen alten Pilgerpfad aus der Zeit, bevor der Buddhismus in den Tibet einzog, zu erforschen. Abigail wollte daran die gemeinsame kulturelle Herkunft von Tibetern und Indianern belegen. An den Überfall hat er keine Erinnerungen mehr, aber die Sorge um seine Nichte treibt ihn an, Shan bei seiner weiteren Suche zu begleiten. Während immer mehr Menschen sterben müssen, entdecken sie eine Einsiedelei mit einem offenbar verrückten Mönch, eine Goldschürferstadt, in der Unfrieden herrscht, Unregelmäßigkeiten in den Geschäften des Dorfvorstehers von Drango und schließlich den Startpunkt des alten Pilgerpfades. Auf dem Gipfel des Berges des schlafenden Drachen werden sie das Geheimnis lüften.

Um es kurz zu machen, Der Berg der Toten Tibeter ist das stärkste, was Eliot Pattison nach seinem Debüt um den Fremden Tibeter geschrieben hat. Politische Verstrickungen hat er auf ein Mindestmaß reduziert. Themen wie die chinesische Kulturrevolution und die systematische Vernichtung von Schätzen und Heiligtümern treten nur als kritische Randbemerkung auf. Insbesondere der unterschwellige Vergleich mit dem Umgang der Amerikaner mit den Indianern ist bravourös gelungen. Im Vordergrund steht diesmal eine wirklich mysteriöse Reihe von Morden und deren Aufklärung. Während der Roman wieder einmal etwas schwerfällig seinen Anfang nimmt – Shan betritt die Szenerie und muss sich erst mal mit den Begebenheiten vor Ort vertraut machen – bietet insbesondere die zweite Hälfte des Romans, als sich Shan mit seinen Begleitern auf den alten Pilgerweg aufmacht, uralte Rätsel löst und langsam auch den Motiven für die Morde auf die Schliche kommt, einfach nur fesselnde Unterhaltung.

Und die alten Stärken …wie gewohnt

Was bei bislang jedem der Shan-Romane als absolute Stärke anzumerken war, ist die lebhafte und liebevolle Schilderung der tibetischen Gebirgslandschaft und die eindrucksvollen Kenntnisse der buddhistischen Kultur, die Pattison immer wieder anbringen kann. Der Berg der Toten Tibeter steht darin seinen Vorgängern um nichts nach. Pattison hat sich zum Glück wieder ein wenig mehr auf diese Stärken besonnen und sie mit einer spannenden Handlung kombiniert. So ist dieser Roman wieder frisches Futter für die vielen Fans dieser Serie in Deutschland, nachdem die Wege Shans in den letzten beiden Abenteuern doch ein wenig zu abenteuerlich sogar bis nach Amerika führten. Der besondere Erfolg der Serie hierzulande macht sich auch insofern bemerkbar, dass der Roman zuerst in deutscher Übersetzung erscheint. Bei Veröffentlichung des Romans in Deutschland ist das englischsprachige Originalskript Prayer of the Dragon bislang noch nicht in Buchform erschienen.

Thomas Kürten, März 2007

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Barbara zu »Eliot Pattison: Der Berg der toten Tibeter« 24.02.2009
Ein wunderbares Buch - geradezu perfekt!!
Ein trauriges, hoffnungsvolles,nachdenkliches Buch! Ich freue mich auf einen weiteren Shan-Band (obwohl nach dem Ende dieses Buches nicht sicher ist, ob es ein weiteres geben kann).
Ich kann den negativen Kritiken nicht beipflichten! Ein Buch, das ich noch mehrere Male lesen werde.
klio zu »Eliot Pattison: Der Berg der toten Tibeter« 20.01.2008
Die Entwicklung der Handlung ist vorhersehbar, der Haupttäter im Rückblick auf die anderen Bände (zu) leicht zu ermitteln. Die vorhergehenden Bände haben mir wesentlich besser gefallen.
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Anja S. zu »Eliot Pattison: Der Berg der toten Tibeter« 14.09.2007
Ich liebe die Shan-Reihe und habe daher alle Baende gelesen. Der Erstling "Der fremde Tibeter" war am besten, dieser hier war jedoch genauso gut oder schlecht wie alle anderen aus der Reihe. Anfangs etwas muehselig zu lesen entwickelt dieses Buch einen Sog, der mich am Ende nicht aufhoeren liess.
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Christiane zu »Eliot Pattison: Der Berg der toten Tibeter« 05.04.2007
P.S. Der erste Shan-Band, den ich eine Woche nach dem Lesen ohne zu Zögern bei einem bekannten Online-Auktionshaus verhökere - das Zweitlesen würde sich nicht lohnen.
Christiane zu »Eliot Pattison: Der Berg der toten Tibeter« 05.04.2007
Meiner Meinung nach der bislang schwächste Shan-Krimi, gerade weil er etwas platt entlang der Krimiregeln entlang geschrieben ist. Tibet ist nurmehr Kulisse. Pattison nimmt sich kaum Zeit, jagt sein Personal durch die tibetische Gebirgslandschaft. Kurzatmig geschrieben, verliert dadurch den besonderen Reiz, den die letzten beiden Bände hatten. Der bestand genau darin, dass sowohl die chinesische (westliche) Sicht der Dinge wie die tibetische Sicht mehr oder weniger gleichberechtigt nebeneinander standen, sich aber doch ergänzten. Hier überwiegt eher die westliche Sicht. Die Sache mit den Navajos ist zwar eine glänzende Idee, aber unzufrieden durchgeführt bzw. verspielt.
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