Das Auge des Raben von Eliot Pattison

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Eye of the raven, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Rütten & Loening.

  • Berkeley: Counterpoint, 2010 unter dem Titel Eye of the raven. 399 Seiten.
  • Berlin: Rütten & Loening, 2010. Übersetzt von Thomas Haufschild. ISBN: 978-3352007880. 544 Seiten.

'Das Auge des Raben' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Die Neue Welt im Jahr 1760 – Franzosen kämpfen gegen Engländer um die Vorherrschaft in den Kolonien Amerikas. Mit Hilfe des Schamanen Conawago hat der Schotte Duncan McCallum das Massaker an seinem Clan überlebt, das von den Engländern verübt wurde. Nun ist er zusammen mit Conawago in den Wäldern unterwegs. Doch als sie einen sterbenden englischen Offizier finden, der an einen Baum genagelt worden ist, geraten sie erneut in Schwierigkeiten. Conawago wird verhaftet, weil man ihn für den Mörder hält. Um ihn zu retten, macht Duncan sich daran, die Wahrheit dieses Mordfalls herauszufinden. Bald erkennt er, dass es noch mehr Ritualmorde gegeben hat.

Das meint Krimi-Couch.de: »Highlander und Irokese jagen einen Ritualmörder in der Neuen Welt« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Die neue Welt im Jahr 1760. Der junge Schotte Duncan McCallum zieht mit seinem Freund Conawago, einem Irokesen vom Stamm der Nipmuc, durch die Wälder der neuen Welt. Als sie dabei auf den sterbenden Winston Burke treffen, Captain einer englischen Miliztruppe im Fort Ligonier, versuchen sie diesem zu helfen. Doch es ist bereits zu spät und als kurz darauf dessen Soldaten eintreffen, verdächtigen sie Conawago des Mordes. Er stand mit einem Messer in der Hand über den toten Captain gebeugt, doch wollte er nicht wie vermutet dessen Skalp, sondern einen Verband in Streifen schneiden. Conawago landet im Gefängnis und erst kurz vor dessen sicherem Tod bekennt sich unerwartet Skanawati, einflussreicher Häuptling vom Stamm der Onondaga, zu dem Mord.

Entgegen dem Wunsch der Virginier wird Skanawati jedoch nicht direkt hingerichtet, sondern soll zu einem Prozess nach Lancaster verlegt werden. Wichtige Verhandlungen zwischen Virginia, Pennsylvania und der Irokesischen Liga stehen unmittelbar vor Vertragsabschluss. Es geht um Gebietsabtretungen sowie um die Unterstützung der Indianer zugunsten der Engländer im Kampf gegen die Franzosen, schließlich tritt der Krieg in eine entscheidende Phase. Da will es gut abgewogen sein, ob man nur schnell Rache übt oder einen Prozess abhält, damit nicht die Indianer sofort aus den Verhandlungen aussteigen.

Duncan und Conawago sind von Skanawatis Unschuld überzeugt und versuchen, diesen vor dem Tod durch den Strang zu bewahren. Entlang eines alten Kriegerpfades entdecken die beiden Freunde, dass dort an mehreren Grenzbäumen offenbar Ritualmorde verübt wurden. Werden gezielt Landvermesser ermordet, um die Gebietsverhandlungen zu torpedieren? Stecken hinter den blutigen Taten die Franzosen oder die Huronen, um einen Keil zwischen die Engländer und die Irokesen zu treiben? Und was hatte Captain Burke mit all dem zu tun? Viel Zeit bleibt nicht, denn weitere Morde geschehen. Der Hochlandschotte Duncan und der altersweise Conawago, letzter Dämmerungsläufer der Nipmuc, müssen tief in indianisches Gebiet vordringen, um die Wahrheit herauszufinden…

Ist Das Auge des Raben ein Roman der auf die Krimi-Couch gehört oder ist es nicht vielmehr ein Abenteuerroman, irgendwo zwischen einer schottischen Highlander-Geschichte und Der letzte Mohikaner? Die Antwort ist eindeutig: Ja, der neue Roman von Eliot Pattison, nicht zu verwechseln mit dem Autor Patterson, gehört auf diese Couch, wenngleich Das Auge des Raben natürlich alles andere ist als ein gewöhnlicher Krimi. Der Plot spielt in der neuen Welt, also Amerika, wo sich Engländer und Franzosen einen erbitterten Krieg liefern. Dieser steht kurz vor der entscheidenden Wende, da die Überlegenheit der Engländer immer deutlicher wird. Ein neuer Vertrag soll die zunehmend benötigten Gebiete mit den Irokesen regeln. Die Virginier fordern zügig Rache für den ermordeten Captain, doch die Quäker aus Pennsylvania haben es nicht ganz so eilig, zumal es ohnehin ein großes Misstrauen zwischen den beiden Gebieten gibt.

»Ich habe gehört, es werden noch Landvermesser für das von den Virginiern beanspruchte Gebiet im Westen benötigt.«
»Und ich habe gehört, dass man dort für jeden Landvermesser einen Totengräber braucht.«

Duncan und Conawago ermitteln unter Einsatz ihres Lebens. Vor allem für Duncan, ein gebundener Leibeigener von Lord Ramsey aus New York, spitzt sich die Lage immer mehr zu, denn der überaus mächtige Ramsey residiert inzwischen in Philadelphia und sinnt auf Rache.

»Du bist ein verdammter Narr, Duncan McCallum. Frag Skawanati. Er wird dir sagen, du sollst dich nicht einmischen, sondern dich in Sicherheit bringen, solange du noch kannst.«
»In dem Punkt sind wir uns einig. Ich bin ein verdammter Narr.«

Geschickt legt Eliot Pattison zahlreiche Spuren und erzählt ganz beiläufig noch ein überaus interessantes Kapitel von der Besiedelung Amerikas. So spannend kann ein »Krimi«, so kurzweilig kann Geschichte sein. Allerdings mag bei den zahlreich mitwirkenden Gruppierungen von Engländern, Deutschen, Schotten, diversen Indianerstämmen der Irokesen sowie den im Hintergrund schwirrenden Franzosen und Huronen schon mal der Überblick verloren gehen. Ebenfalls interessant sind die ersten Erfahrungen mit der neuartigen Elektrizität, ausgehend von den Arbeiten eines gewissen Benjamin Franklin. Natürlich kommen die Lebensgewohnheiten der Indianer und deren spirituelle Gepflogenheiten – die Geisterwelt lässt grüßen – ebenfalls nicht zu kurz. Großer Spannungsbogen, großes Kino. Anspruchsvolle Kost fernab des Mainstream.

Jörg Kijanski, Januar 2011

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tassieteufel zu »Eliot Pattison: Das Auge des Raben« 29.08.2016
Nach den hochdramatischen Ereignissen in "Das Ritual" ist Hochlandschotte Duncan McDugall mit seinem Freund und Mentor, dem alten Nipmuc Indianer in den tiefen Wäldern unterwegs. An einer Wegkreuzung finden sie einen sterbenden, an einen Baum genagelten englischen Offizier. Als Conawago dem Strebenden helfen will, taucht dessen Kompanie auf und verhaftet den Indianer als Mörder. Verzweifelt versucht Duncan seinem Freund zu helfen und dessen Unschuld zu beweisen. Da behauptet plötzlich Skanawati, ein einflußreicher Onandaga Häuptling, für den Mord verantwortlich zu sein. Doch dieses angebliche Geständnis birgt große Brisanz, denn es stehen wichtige Landabtretungsgespräche zwischen der irokesischen Liga, Virginia und Pennsylvania an und sowohl die Indianer als auch die Engländer sind untereinander uneins, ein Mordprozess gegen einen hohen Häuptling käme da nicht gelegen. Duncan und Conawago sind aber von Skanawatis Unschuld überzeugt und als weitere Ritualmorde geschehen, ist für Duncan klar, dass er das Rätsel lösen muß, auch um dem Preis, seinem alten Erzfeind Lord Ramsey in die Hände zu fallen.

„Das Auge des Raben“ ist der zweite Roman von Eliot Pattison mit dem Schotten Duncan McCallum und seinem Freund, dem indianischen Schamanen Conawago. Die Handlung setzt inhaltlich und auch recht zeitnah an den Vorgänger an, den man zum besseren Verständnis auch unbedingt gelesen haben sollte.
Die Handlung ist gewohnt sehr komplex und vielschichtig, die Hintergründe für die Morde erschließen sich erst ganz am Ende und durch viele Wendungen und unerwartete Ereignisse wird die Spannung bis zum Schluß hochgehalten. Viele kleine Puzzlestücke setzten sich nach und nach zusammen und ergeben erst am Ende ein sinnvolles Ganzes, bis dahin kann man als Leser mitraten und mitfiebern und möchte das Buch kaum aus der Hand legen.
Wie kein zweiter versteht es der Autor meisterhaft, seine fiktive Krimigeschichte mit realen Ereignissen und Charakteren zu verknüpfen und zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden. Dazu gibt es auch am Ende des Romas eine Zeittafel und Anmerkungen des Autors.
Neben eindrucksvollen Landschaftbeschreibungen gelingt es dem Autor auch ganz wunderbar, die Kultur und Spiritualität der Waldindianer zu schildern, ihre sich schnell verändernde Welt und den Aufprall der Kulturen bildhaft zu erzählen. Hier wird ein plastisches und trauriges Bild der damaligen Zeit skizziert, dass den Landhunger der Weißen, deren Traum von einer neuen, besseren Welt mit der Zerstörung der indianischen Kultur und Lebensweise einhergeht, ebenso gelungen schildert, wie dem Kampf der Indianer um ihre Identität und Kultur.
Als ebenfalls sehr interessant und teilweise auch sehr amüsant, empfand ich die Schilderungen mit der damals neuartigen Elektrizität, die zu einigen doch recht skurrilen Szenen führt, bei der man sich das Schmunzeln nicht verkneifen kann.
Neben Duncan und Conawago hat der Autor auch alle anderen Charaktere lebendig, detailliert und mit Stärken und Schwächen gezeichnet. Ein paar richtige Bösewichte gibt es zwar auch, aber die finden sich ja auch im richtigen Leben.

FaziT: Wie auch der Vorgänger nicht ganz einfach zu lesen, da die Handlung sehr komplex ist und aus vielen kleinen Puzzlestückchen besteht, also nichts zum einfach weglesen! Dafür besticht der Autor mit einer dichten und spannenden Erzählweise, die die damalige Zeit bildhaft zum Leben erweckt, so dass man hier wirklich sagen kann, so könnte es gewesen sein! Eine gelungene Kombination aus Krimi und gut recherchiertem historischen Hintergrund mit lebendigen Charakteren ergeben hier eine ganz tolle Mischung. Schade dass es bisher keinen weiteren Teil mit Duncan und Conawago gibt, aber man soll ja die Hoffnung nie aufgeben.
Krimitante zu »Eliot Pattison: Das Auge des Raben« 27.05.2012
vorab: das ist kein krimi. das ist karl may "in modern". was nicht heisst, dass das ein schlechtes buch ist. wer sich für amerikanische geschichte und indianer interessiert und abenteuergeschichten mag, wird hier voll auf seine kosten kommen. im vergleich zu der tibet-reihe (ich bin ein grosser fan dieser serie), fällt dieses buch allerdings ab. obwohl genauso angelegt wie die shan bücher( indigener weiser und ein, von der westlichen welt, ausgestossener lösen rätselhafte mordfälle, um ein unglück zu verhindern) fehlt es diesem buch an tiefgang, der die tibet bücher ausmacht. liegt vielleicht an der thematik. was pattison aber auch bei dieser reihe wieder auszeichnet ist seine akribische recherche zum thema. man lernt einiges in seinen büchern. fazit: nett zu lesen, wenn man wild-west bücher mag und sich nicht von der mangenden krimihandlung enttäuschen lässt (spannung gibt es trotzdem!). ich allerdings werde kein buch mehr aus dieser reihe lesen, falls es denn noch welche geben wird.
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