Liebe Leserinnen und Leser,
Gut acht Jahre nach »Ein amerikanischer Albtraum« ist mit »Blut will fließen« James Ellroys neuer und vielseitiger Roman erschienen. Eine Herausforderung für Übersetzer und Leser. Ellroy, der sich selbst als Autor großer historischer Romane versteht – wie er uns in einem kurzen, knackigen und unter erschwerten Umständen entstandenen Interview verriet -, setzt mit dem in den Jahren 1968-72 spielenden Werk ein kraftvolles, komplexes Ausrufezeichen an das Ende seiner »Underworld«-Trilogie.
Der Februar ist von der Vielfalt unserer vorgestellten Bücher her wesentlich bunter, als das Winterwetter vermuten lässt. Da erscheint der amerikanische Autor Olen Steinhauer mit einem reanimierten Agententhriller eindrucksvoll auf der Bildfläche (die Verfilmung mit George Clooney in der Hauptrolle ist wohl schon beschlossene Sache), Linus Reichlin hält den hohen Standard seines ausgezeichneten Erstlings und Charlie Huston ist ein eloquenter Führer durch zu reinigende Tatorte.
Leider gibt es mit dem Tod Robert B. Parkers ein schwergewichtigen Verlust zu beklagen. Im Alter von 77 Jahren starb der fleißige Autor am 18.01.2010 an einem Herzinfarkt, während er an seinem neuen Buch arbeitete. Das macht die Lektüre des (in Deutschland) aktuellen Spenser-Romans zu einem um so wehmütigeren Vergnügen. Auf die Übersetzung der beiden letzten Abenteuer »Rough Weather« und »The Professional« mit Spenser, Hawk, Susan Silverman und allen lieb gewonnen Charakteren dürfen wir gespannt warten. Oder uns mit Jesse Stone und Sunny Randall trösten.
Erfreulicher ist der Zuwachs auf der Krimi-Couch. Chefredakteur Lars Schafft ist erholt wieder an Bord, und mit Stefan Heidsiek begrüßen wir einen neuen Rezensenten, der gleich zwei Klassikern (James Lee Burkes »Black Cherry Blues« und Agatha Christies »Tod auf dem Nil«) die gebührende Aufmerksamkeit schenkt, und passend zur RUHR.2010, mit Rainer Küsters und Rüdiger Schneiders »Drachentod«, Bochum ins Scheinwerferlicht rückt.
In seiner monatlichen Kolumne schreibt Dieter Paul Rudolph über die Fragwürdigkeit von Subgenres und anderen Schubkästen. Unter dem Titel »Schublade auf, Schublade zu! Wir ordnen uns zu Tode« findet sich eine Eloge auf’s kreative Denken.
Ich wünsche ihnen, während Tief »Daisy« noch über Deutschland herrscht, ein Lese-Hoch und viel Spaß mit unseren Rezensionen, den besprochenen Büchern und aufgeräumten Schubladen.
Ihr
Jochen König

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