Der Bastard vom Berg von Edgar Noske

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 bei Emons.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Köln/Bonn, 700 - 1500 (Mittelalter).

  • Köln: Emons, 1998. ISBN: 3897051230. 340 Seiten.
  • München: Goldmann, 2003. ISBN: 3-442-45631-2. 413 Seiten.
  • Köln: Emons, 2004. ISBN: 3897053314. 335 Seiten.
  • München: Goldmann, 2006. ISBN: 978-3-442-46357-2. 413 Seiten.
  • München: Goldmann, 2008. ISBN: 978-3-442-46891-1. 413 Seiten.
  • [Hörbuch] Frechen: Delta Music, 2005. Gesprochen von Vittorio Alfieri. ISBN: 3865381200. 5 CDs.

'Der Bastard vom Berg' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Schloss Burg, im Jahr 1225: Das Leben des siebzehnjährigen Martin nimmt eine unerwartete Wendung, als er vom armen Müllerssohn zum Knappen des Grafen Engelbert, des Erzbischofs von Köln, avanciert. Vor Martin tut sich eine neue Welt auf. Doch das Leben am Hof ist keineswegs nur angenehm, denn Graf Engelbert hat unzählige Feinde, die ihm seine Macht neiden. Schließlich kommt Martin einer Verschwörung auf die Spur, bei der es um nichts Geringeres als die Ermordung Engelberts geht …

Das meint krimi-couch.de: »Locker und beschwingt« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Engelbert II., Graf von Berg, und als Engelbert I. gleichzeitig Erzbischof von Köln und zudem Vormund von Kaiser Friedrichs Sohn Heinrich gilt im Jahr 1225 als mächtigster Mann nördlich der Alpen. Dieser wird in das Kloster Dünnwald gerufen, wo Schwester Maria im Sterben liegt. Beide hatten bevor sie sich für ein kirchliches Leben entschieden eine kurze Liaison vor mittlerweile 17 Jahren. Unmittelbar vor ihrem Tod eröffnet Maria Engelbert, dass sie einen gemeinsamen Sohn haben, den sie im Alter von zwei Jahren in die Obhut eines Müllers gegeben hat. Engelbert begibt sich sogleich zu der Mühle, um den jungen Martin als seinen Knappen bei sich aufzunehmen. Da Engelbert zahlreiche Feinde hat, gibt er Martin als den Sohn eines seiner Männer aus. Kurz nach Martins Ankunft auf Schloß Burg, seinem neuen zu Hause, wird er unfreiwillig Zeuge eines Gespräches zwischen Heinrich von Limburg, dem Hausherren von Schloss Burg, und Dietrich, Graf von Klewe, in dem es um die Beseitigung Engelberts geht. Dieser ist beiden ein Dorn im Auge, da er ihre Erbansprüche missachtet. Während Engelbert von all dem nichts wissen will, findet Martin heraus, dass der Kreis der Verschwörer noch viel größer ist als erwartet. Zu ihnen gehört auch der Neffe Engelberts, in dem Martin den Mörder des Müllers erkennt …

Hunderte Meilen entfernt in der Heiligen Stadt sorgt derweil eine alte Schriftrolle aus dem Jahr 55 nach Christus für großes Aufsehen. Dabei geht es um ein Schreiben von Lukas an eine Person, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Kardinal Hugolinus erkennt sofort die drohende Gefahr, denn wenn es diese Person tatsächlich gegeben hat und diese bis heute männliche Nachfahren hätte, wäre seine angestrebte Wahl als Nachfolger von Papst Honorius III. fast aussichtslos. So beauftragt er Adrian mit den Ermittlungen:

»Die Kirche wird von einem Unbekannten bedroht. Eure Aufgabe wird es sein, ihn zu finden und unschädlich zu machen.«
»Gibt es Anhaltspunkte zu seiner Person?«
»Gewiß doch. Die sind allerdings fast zwölfhundert Jahre alt.«

Edgar Noske würzt seinen Mittelalterroman mit der ihm eigenen ordentlichen Prise trockenen Humors,

»Tierfett, Holzasche und Soda – zu deutsch Seife. Wie habt Ihr Euch denn bisher gewaschen?«

welche an mancher Stelle allerdings ein bisschen zu dick aufgetragen wirkt. Gleichwohl tragen die mitunter treffsicheren Pointen aber auch zu einem vergnüglichen und durchweg kurzweiligem Lesegenuss bei.

»Außerdem empfahl er mir, meinen Stuhl einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen. Täglich sollte ich Beschaffenheit, Farbe und Geruch prüfen und ihm davon berichten. Da habe ich ihm klar gemacht, dass der Mensch seinen Kot nicht grundlos hinterrücks ausscheide. Denn wäre es im Sinne des Herrn, dass wir unsere Exkremente begutachten, hätte er uns zweifelsfrei mit einem Paar Augen am Hinterteil versehen.«

Sehr anschaulich wird zudem das Leben im Mittelalter dargstellt, insbesondere zu Beginn des Buches wo Martin sich von seinem ländlich zurückgezogenen Leben verabschieden muss, um sich in den Trubel auf Schloss Burg sowie der nahe gelegenen Stadt Köln zu stürzen. Dabei lernt Martin von seinem Lehrer, dem Mönch Eberhard, viele Dinge, um sich auf seinen Dienst als Knappen vorzubereiten.

»Geistige Betätigung kann erfrischend sein.«
»Lesen und schreiben, wie? Das ist doch was für Weiber.«
»Ihr solltet ein wenig darauf acht geben, was Ihr sagt. Sehe ich aus wie ein Weib?«
»Natürlich nicht. Also für Weiber und Mönche.«

 

Ferner lernt Martin den Kampf mit den Waffen, welche er alsbald benötigen wird. Denn auch wenn Engelbert jede Gefahr von sich weist, so findet Martin bald heraus, wer sich an den Intrigen zum Sturz des Erzbischofs beteiligt. So entwickelt sich ein prächtiges Sittengemälde des Mittelalters mit allem was dazu gehört: Ordentliche Gelage, Intrigen und Verschwörungen, kirchliche und politische Verstrickungen, grausame Kämpfe, eine ergreifende Hinrichtung und – natürlich – eine Liebesgeschichte.

Locker und beschwingt schreibt Edgar Noske seine nicht unspannende Geschichte und führt zu guter Letzt die beiden oben geschilderten Handlungsstränge durchaus akzeptabel zusammen. Fast möchte man meinen, kein Geringerer als Dan Brown hätte sein Buch für gut befunden.

Ihre Meinung zu »Edgar Noske: Der Bastard vom Berg«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Bubu zu »Edgar Noske: Der Bastard vom Berg« 11.11.2008
Der Bastard vom Berg war auch mein erstes Buch von Noske. Es wurde flüssig und ohne großartige Ausschweifungen geschrieben. Das es mir so gut gefallen hat, wird wohl auch daran liegen, das das Bergische meine Heimat ist und ich hier auch gleichzeitig etwas Geschichtliches aus meiner Region erfahren konnte. Ich werde wohl als nächstes Noske Buch "Bitte ein Mord" lesen.
Medico zu »Edgar Noske: Der Bastard vom Berg« 23.05.2008
Nachdem ich die 2. hälfte des Buches gelesen hatte, mußte ich leider feststellen das die historischen Tatsachen total verdreht worden sind, Erzbischof Engelbert wird als der große Heilige dargestellt und Friedrich von Isenberg wird in diesem Buch als Schlächter und jähzorniger Mensch dargestellt, dem ist aber nicht so, denn Friedrich gat in der Historie als großer Diplomat und Vermittler zwischen dem Kaiser und den übrigen Adeligen.
Meines erachtens hat der Autor bewußt die historischen Tatsachen ignoriert, außerdem habe ich auch den ganz starken eindruck dabei gewonnen, das der Autor sich aber auch sehr stark an Dan Browns Buch Sakrileg angehehnt hat.
Ich halte das Buch nicht gerade für emfehlenswert.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
silke zu »Edgar Noske: Der Bastard vom Berg« 08.09.2007
Dies war mein erstes Buch von ihm.Ein Krimi im Mittelalter.Mir hat es sehr gut gefallen,es war spannend,ein bißchen Liebesgeschichte(erträglich) und auch informativ.
Mittlerweile habe ich auch zwei Krimis aus heutiger Zeit von ihm gelesen(Die Eifel ist kälter als der Tod) und die haben mir auch sehr gut gefallen.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Der Bastard vom Berg

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: