Trents letzter Fall von E.C. Bentley

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1913 unter dem Titel Trent´s last case, deutsche Ausgabe erstmals 1928 bei Ullstein.

  • London: Nelson, 1913 unter dem Titel Trent´s last case. 375 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 1928 Der Sprung durchs Fenster. Übersetzt von Rudolf Friedman. 248 Seiten.
  • Olten: Otto Walter, 1944. Übersetzt von Robert Sulliger. 255 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Ullstein, 1959. Übersetzt von Robert Sulliger. 170 Seiten.
  • München: Heyne, 1970. Übersetzt von Christiane Nogly. ISBN: 3-453-10407-2. 142 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1988. Übersetzt von Monika Elwenspoek. ISBN: 3-257-21628-9. 252 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2009. Übersetzt von Monika Elwenspoek. ISBN: 978-3-596-18247-3. 256 Seiten.

'Trents letzter Fall' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Detektiv Philip Trent ist davon überzeugt, den Mörder eines Geschäftstycoons überführt zu haben. Doch dann klärt ihn der wirkliche Täter beim Dinner über den wahren Sachverhalt auf und führt ihm die Fehler, die er in seiner Analyse gemacht hat, vor Augen.

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Stefan83 zu »E.C. Bentley: Trents letzter Fall« 29.07.2009
Im Zuge der "Fischer Crime Classics"-Reihe sind nun bereits schon einige Titel veröffentlicht worden, dessen Autorennamen bei heutigen Krimilesern wohl meistens nur ein Stirnrunzeln hervorrufen dürfte. E.C. Bentley ist da keine Ausnahme. Selbst im englischsprachigen Raum völlig in Vergessenheit geraten, wird seine Reihe um den Hobbyermittler Philip Trent auch bei Kennern des Genres auf Unkenntnis stoßen. Und das völlig zu unrecht.

Bereits 1941 titulierte Howard Haycraft den ersten Band, der ironischerweise "Trent's letzter Fall" heißt, als "Eckpfeiler der Detektivgeschichte", und in der Tat stellt dieses Buch den Beginn einer neuen Ära da. Bekannt als das "Golden Age" des Kriminalromans. Als Prototyp des Cosys, des beschaulichen, lauschigen Landhauskrimis, ebnet dieser Titel den Weg für eine Vielzahl bekannter Autoren wie Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und John Dickson Carr. Die Geschichte sei nur kurz angerissen:

Genannter Philip Trent wird von seinem Chefredakteur kontaktiert, der einen neuen Auftrag für ihn hat. Sigsbee Manderson, Multimillionär, Geschäftstycoon und Börsenspekulant, ist tot im Obstgarten vor seinem Landhaus aufgefunden worden. Die Wall Street tobt, der Scotland Yard tappt bei seinen Ermittlungen im Dunkeln. Trent bietet seine Unterstützung an und wird in einen Fall involviert, der sich nicht nur als schwierigster seiner Karriere herausstellen soll, sondern auch einige Überraschungen für ihn bereithält...

Als Gegenentwurf zu dem Meisterdetektiv Sherlock Holmes kreiert Bentley die Figur Philip Trent, einen freundlichen, lebensfrohen Maler und Journalisten, dessen Vorliebe die Kriminalistik ist. Und im Gegensatz zu Doyles Werken schüttelt der Autor hier das steife britische Getue ab, reagiert er auf die modernen Zeiten und den Wunsch der Leser, intelligent unterhalten zu werden und ein Amüsement zu bieten, dass nicht nur auf einem intellektuellen Miträtseln fußt, sondern ein heimeliges Gefühl bei ihm erwecken soll. Die Detektivgeschichte wird zu einem Spiel zwischen zwei Wettkämpfern umgestaltet, das zwar nicht immer realistisch, aber kurzweilig ist. Ein Kritikpunkt, den sich die Vertreter des Genres (Ann Granger, Martha Grimes, P.D. James) noch heute gefallen lassen müssen, der dem Erfolg dieses Genres aber auch knapp hundert Jahre nach dessen Entstehung keinen Abbruch getan hat. Um also dieses Buch in Gänze genießen zu können, sollte man sich auf diese Elemente einlassen können, wenngleich Bentley sogar mit einigen Regeln des "Golden Age" bricht.

Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern legt der Autor nämlich nicht alle Indizien offen, die nötig sind, damit der Leser den Fall selbst lösen kann. Er spielt unfair. In diesem Fall ist das aber dem Plot geschuldet, der knapp in der Mitte eine Wendung erfährt, welche bei mir für Erstaunen gesorgt hat. Ich wäre sogar gänzlich überrumpelt worden, würde der Klappentext nicht traurigerweise hier viel zu viel verraten. Meiner Meinung nach ist das sehr ärgerlich.

Der guten Unterhaltung hat das insgesamt keinen Abbruch getan und der anfangs zäh in Gang kommende Plot, weiß dank der schönen, altertümlich anmutenden Sprache sowie der tollen Umgebung zu begeistern. Einzig und allein Trents Hang zum Zitieren stört etwas den Lesefluss, wird aber im wieder mal äußerst aufschlussreichen Nachwort von Lars Schafft näher erklärt. Überhaupt wäre allein dieser Anhang den Kauf des Buches wert, fasst er doch gekonnt die Entwicklung des Cosy-Romans zusammen und gibt er tiefe Einblicke in Bentleys Gedankenwelt, der dieses Buch seinem Freund G.K. Chesterton (Der Autor der Father Brown-Geschichten) gewidmet hat. Auch wenn die Liebesgeschichte etwas stört, die Affektiertheit Trents mitunter nervt, bleibt am Ende des Tages ein gutes Buch, dessen finale Auflösung mich zufrieden zurückgelassen hat.

Insgesamt ist "Trent's letzter Fall" ein guter, sehr früher Vertreter des "Golden Age", den alle Freunde dieses Zeitalters genießen und mit Adleraugen betrachten sollten. Ein vergessener Schmöker mit geschichtlicher Bedeutung, der zudem noch Spaß macht.
11 von 15 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Krimi-Tina zu »E.C. Bentley: Trents letzter Fall« 25.03.2009
Philip Trent wird zur Klärung eines Mordes hinzugezogen. In der Art der klassischen Detektive nimmt er Spuren auf, analysiert, deduziert und kommt schließlich zu einer Lösung. Die sich als komplett falsch herausstellt.
Laut Nachwort wollte E.C. Bentley mit dem Maler Trent eine Gegenentwurf zu Austin Freeman's Professor Thorndike schaffen. In vieler Hinsicht ist ihm das auch gelungen. Allerdings muss ich zugeben, dass mir Thorndyke wesentlich lieber ist.
Trents affektierte Attidude, sein permanentes sinnloses Zitieren sind mir schon etwas auf den Geist gegangen. Außerdem spielt Bentley nicht nach den klassischen Regeln, Trent weiß mehr als der Leser.
Die plötzliche Wendung in der Mitte des Buches ist, wie schon von anderen erwähnt eher problematisch. Nicht so sehr die Wende an sich, sondern die Tatsache, dass dann einige Zeit gar nichts mehr weitergeht. Außer der Liebesgeschichte Trents, die zwar nicht prinzipiell stört, aber einfach zu viel Raum einnimmt. Dadurch ist das Tempo komplett raus und erst ganz gegen Ende nimmt das Buch wieder ein bisschen an Fahrt auf.
Auch sprachlich fällt die Geschichte im Vergleich ab. Während Freemans Schreibe auf mich erstaunlich modern gewirkt hat, merkt man diesem Buch sein Alter erheblich an.
Kein schlechtes Buch aber es gibt bessere. 68°
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mase zu »E.C. Bentley: Trents letzter Fall« 12.03.2009
Der Hobbyermittler Trent wird um Hilfe bei einem verzwickten Mordfall gebeten. Schnell hat er eine Auflösung zur Hand, ist aber damit nicht wirklich glücklich, weil er sich im Zuge der Ermittlung in die Frau verliebt, die zwar in seinen Augen nicht die Täterin ist, aber entweder Komplizin oder mindestens Nutzniesserin ist.

Doch nichts ist, wie es scheint.

Bei dieser Art Krimi ist es äusserst schwer, mehr zur Handlung zu sagen, ohne zuviel zu verraten. Gerade bei der Fischer-Crime-Classic-Reihe ist mir meist schon zuviel in den wenigen Zeilen Klappentext erläutert. Ich werde es dabei belassen.

Vor beinahe 100 Jahren geschrieben ist „Trents letzter Fall“ wohl einer der ersten Krimis, die mit einer unerwarteten Wendung aufwarten. Jedenfalls ist mir das bei einem klassischen Krimi noch nie untergekommen. Aber eben diese Wendung hat in meinen Augen dem Buch geschadet. Anfänglich dachte ich, dass „Trents letzter Fall“ genau der Lesestoff ist, den ich von der FCC-Reihe erwartet hatte, aber durch diese Wendung wird das Tempo der Ermittlung auf null runtergefahren und dann noch mit der Liebesgeschichte verknüpft. Danach wird der Fall aus verschiedenen Perspektiven erläutert. Nichts langweilt mich mehr als dieses Element.

Die Story nimmt dann zwar wieder etwas an Fahrt auf, erreicht aber nie die Qualität der ersten Hälfte. Sprachlich hat es mir sehr gut gefallen. Nicht zu geschwollen um anstrengend zu werden und doch wie ich es von einem Buch dieses Alters erwartet hatte.

Aus historischer Sicht aber sicher ein aussergewöhnlicher Krimi, wie im höchst interessanten Nachwort zu lesen ist.
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Rolf Wamers zu »E.C. Bentley: Trents letzter Fall« 15.12.2008
Dieses Buch reißt den heutigen Krimi-Leser nicht aus dem Sessel.
Weder der Fall noch der Held noch die Erzählweise erscheinen uns revolutionär. Klar, Trent ist der Gegenentwurf zum damaligen Übervater S.H. (und Dr. Thorndyke!): Aber ihm fehlt die Beständigkeit. Nicht zufällig hat man am Ende des Buches den Eindruck, Trent wirke ausgelaugt. Das haben die bald mit dem Schreiben beginnenden Groß-Autorinnen Christie und Sayers sehr viel besser hinbekommen.
Bentleys Roman ist einer der ersten des Golden Age und zeigt beispielhaft dessen Stärke und dessen Schwäche: spannende Unterhaltung in gepflegtem Stil, die streckenweise in schlichte Langeweile umzukippen droht.

Ich schreibe diese Zeilen kurz vor der Wiederveröffentlichung des Buches in den Fischer Crime Classics. Meine Empfehlung: unbedingt lesen und selbst ein Urteil bilden !
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