Georgia von Doris Gercke

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Hoffmann & Campe.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1990 - 2009.
Folge 14 der Bella-Block-Serie.

  • --: Hoffmann & Campe, 2006. ISBN: 978-3-455-40013-7. 224 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2008. ISBN: 978-3-596-18005-9. 224 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hoffmann & Campe, 2006. Gesprochen von Hannelore Hoger. ISBN: 3-455-30469-9. 3 CDs.

'Georgia' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Eigentlich lebt Bella zwischen Büchern, Wodka mit Orangensaft und ein paar eher skurrilen Mitbewohnern in der Hamburger Pension Rosengarten, wie es ihr gefällt. Dann aber wird sie von Susanne Behrendt, Verteidigerin in einem Prozess, in dem es um Folter geht, um Personenschutz gebeten. Schon ist es mit ihrem beschaulichen Leben wieder vorbei. Bella hat mit Verstrickungen zu tun, die bis in die Berliner Politik reichen, und auf ein paar Tote mehr oder weniger kommt es dabei offenbar nicht an. Sie ermittelt in einem Fall, in dem es um Staatsraison geht und um Liebe, und sie erfährt eine Geschichte, die so phantastisch ist, dass sie wahr sein könnte.

Das meint krimi-couch.de: »Eloquent erzählt, wenig Spannung, zu viele Belanglosigkeiten« 50°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

1965: Georgia und Paul studieren beide Jura und gelten zu den besten Studenten ihres Faches. Auf der Suche nach einem geeigneten Thema für seine Doktorarbeit stößt Paul auf den US-Wissenschaftler Milgram, der durch Versuche mit vorgetäuschten Stromstößen für Aufsehen sorgte. Demnach sei jeder Mensch dazu zu bringen, andere Menschen zu foltern, vorausgesetzt man fordere ihn dazu mit der notwendigen Autorität auf. Paul gibt vor, Milgram widerlegen zu wollen und bittet Georgia an seinem Versuch teilzunehmen. Doch dieser misslingt, denn statt einer Attrappe wird eine funktionierende Anlage eingesetzt …

2005: Bella Block, einst als Kommissarin und später als Privatdetektivin tätig, hat sich auf ihr Altenteil in einer luxuriösen Pension zurückgezogen. Eigentlich will sie keine Arbeiten mehr annehmen, doch der Auftrag der Rechtsanwältin Susanne Behrendt weckt ihre Neugier. Diese will einen unmittelbar bevorstehenden Prozess nutzen, um den hoch angesehenen Oberstaatsanwalt Dr. Paul Frings in der Öffentlichkeit bloß zu stellen. Ihrem Mandanten, einem hohen Polizeibeamten, wird vorgeworfen, in einem Entführungsfall dem vermeintlichen Täter mit Folter gedroht zu haben, wenn dieser nicht das Versteck des entführten Kindes preisgäbe. Behrendt behauptet, der anklagende Dr. Frings sei selber ein (begeisterter) Folterer. Da sie sich von ihm verfolgt und bedroht fühlt, bittet sie Bella Block um eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung während des Prozesses. Bella ist zunächst skeptisch, willigt dann jedoch ein, um ihren Job nach wenigen Tagen wider zu kündigen. Sie hat Behrendt nachts heimlich beobachtet, wie sie alleine in eine Bar ging. Aber wer nachts keinen Schutz benötigt, braucht tagsüber erst recht keinen, nicht wahr? Kurz darauf wird Behrendt in ihrem Hotel ermordet...

Doris Gercke nimmt sich in ihrem neuen Bella-Block-Roman dem Thema »Folter« an bis hin zu der Frage, ob vor dem Hintergrund der Bedrohungen durch den internationalen Terrorismus, ein solches Instrument erlaubt sein darf. Da diese Fragestellung vor einem anderen Hintergrund in ähnlicher Form im Fall der Entführung des Jakob von Metzler bereits intensiv diskutiert wurde, gewinnt das Thema zusätzlich an Bedeutung. Wer jetzt aber eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit dem Thema erwartet wird enttäuscht, da lediglich auf den Schlussseiten verstärkt auf die »mögliche aktuelle Lage« hierzulande eingegangen wird.

Zunächst einmal werden Paul und Georgia vorgestellt bis hin zu der schon angesprochenen Folter durch Paul an Georgia, welcher Milgrams vorgetäuschte Versuche real nachstellt. 40 Jahre später hat nun die Rechtsanwältin Susanne Behrendt genug belastendes Material über Paul (mittlerweile Oberstaatsanwalt) gesammelt, um diesen öffentlich anzugreifen. So stellt sich dem Leser die Frage, welche Beziehung zwischen Georgia und Susanne besteht und erfährt bereits auf Seite 81, dass die beiden Personen identisch sind. Welch eine Überraschung (Achtung: Ironie!), für die man allerdings dankbar ist, denn bis dahin wurde überwiegend das Leben der Menschen in jener Pension beschrieben, in die sich Bella Block zurückgezogen hat. Dies gelingt Doris Gercke zwar sehr eloquent, hat aber zum überwiegenden Teil mit dem (Krimi-)Plot nichts zu tun und wird zudem arg überstrapaziert.

Nachdem sich Susanne in besagter Bar eines Abends mit Paul wieder trifft, um diesen dazu zu bewegen, den Prozess aufgrund seiner Vergangenheit nicht zu führen, kommt es zu einem verbalen Schlagabtausch der beiden. Am nächsten Tag ist Susanne tot und kurz darauf wird der Barkeeper, der das Rededuell der Beiden am Vorabend verfolgt hat, als vermeintlicher Täter festgenommen. Und was passiert danach? Genau so viel wie vorher, nämlich leider fast gar nichts.

In dieser an sich nett erzählten Geschichte hat die Autorin leider etwas ganz wesentliches vergessen, nämlich ansatzweise so etwas wie Spannung aufzubauen. Dass Susanne mit Georgia identisch ist, wird zu einem frühen Zeitpunkt »verraten« (obwohl man sich dies natürlich denken kann) und der Fall aus Sicht der Polizei schneller »aufgeklärt«, als man die Seiten umblättern kann. Was wohl mit dem armen Barkeeper passieren mag? Ich kann zwar Ihre Gedanken nicht lesen, aber vermutlich liegen Sie richtig. Danach folgt das Finale dergestalt, dass Bella Block herausfindet, ob und in welchem Umfang die von Susanne erhobenen Vorwürfe gegen Paul berechtigt waren und wie es mit der Praxis der »staatlichen Folter« vor allem (natürlich!) in den USA aussieht.

Wer die Bella-Block-Serie mag wird zugreifen und sich an der Figur der Protagonistin sowie an zahlreichen zitierten Gedichten (in einem Krimi immer gerne gelesen (oder auch nicht)) erfreuen können. Ansonsten wird der Plot vielfach durch zahlreiche Belanglosigkeiten in die Länge gezogen und Spannung kommt allenfalls rudimentär auf. Schade, denn – wie erwähnt – nett zu lesen war der Roman. Kategorie: ganz leichte Kost.

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