Letzte Show von Dominique Sylvain

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel La fille du samouraï, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei List.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Paris, 1990 - 2009.
Folge 2 der Lola-Jost-und-Ingrid-Diesel-Serie.

  • Paris: Viviane Hamy, 2005 unter dem Titel La fille du samouraï. 328 Seiten.
  • Berlin: List, 2008. Übersetzt von Brigitte Lindecke. ISBN: 978-3-548-60807-5. 328 Seiten.

'Letzte Show' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Es sollte ein glanzvoller Auftritt werden und endete mit einem Sturz aus dem 34. Stock. Die junge Alice, Tänzerin und Stardouble von Britney Spears, liegt tot vor einem Pariser Nobelhotel. Ihr Vater, der vom Tod seiner Tochter aus dem Fernsehen erfährt, glaubt nicht an Selbstmord. Er bittet zwei alte Bekannte um Hilfe: Lola Jost und Ingrid Diesel. Die scharfsinnige Exkommissarin und die athletische amerikanische Stripperin ahnen, dass Alice in einige hässliche Affären verwickelt war – die zu mehr tiefen Stürzen aus hohen Etagen führen könnten.

Das meint Krimi-Couch.de: »Putzig, pussierlich – und zu viel des Guten« 70°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Mit ihrem Deutschland-Debüt Schöne der Nacht begeisterte die Französin Dominique Sylvain mit einem erfrischend unaufregeten Ermittlerduo, das an die teils durchaus skurrilen Charaktere einer Fred Vargas erinnerte: Lola Jost, pensionierte Kommissarin mit einer Vorliebe fürs Puzzeln, und Ingrid Diesel, Amerikanerin, Stripperin und Inhaberin eines Pariser Massage-Salons, brachten Schwung in den sonst oft so arg überpolitischen französischen Krimi – beziehungsweise in das, was davon ins Deutsche übersetzt worden ist. Letzte Show heißt der zweite Fall für die beiden Damen. Und kann leider nicht ganz das halten, was der Vorgänger erwarten ließ.

Der Tatort: wie im ersten Fall Paris. Das Opfer: Alice, Tänzerin und Amateurdouble von Britney Spears. Die Tat: vielleicht gar keine? Aber von vorne: Alice wird zu einem Gig in ein Pariser Nobelhotel bestellt, in ihrem Zimmer erwartet sie bereits ein Schaumbad und ein edles Fläschchen Champagner. Doch dann stürzt sie sich aus dem 34. Stock – Selbstmord? Oder hat da vielleicht jemand nachgeholfen? Das vermuten sowohl Stripperin Ingrid als auch Rentnerin Lola und begeben sich in ein Milieu, in dem es für die beiden richtig gefährlich wird: Alices Agentur ist nämlich in prekäre Machenschaften verwickelt, die ihre Kreise gar bis an die Spitze der französischen Regierung ziehen …

Wie schon in Schöne der Nacht lebt auch Dominique Sylvains zweiter Jost-&-Diesel-Fall von den beiden weiblichen Hauptfiguren, hier in letzte Show aber auch vom Rest ihres putzigen bis pussierlichen Personals. Unvergesslich wird die Szene bleiben, in der Lolas Freund Maurice, schicksalhafterweise der Großvater der Toten, quasi Amok läuft: In einem Kaufhaus sieht er das Video von Alice, wie sie aus dem Fenster stürzt und schlägt dann TFT- nach Plasmafernseher in seine Einzelteile. Herrlich!

Was aber diesmal irritiert: Letzte Show wirkt gerade zum Ende hin sehr chaotisch. Dominique Sylvain hat in ihre sonst humorvoll-getünchte, Pariser-Atmosphäre, ziemlich harte Thriller-Elemente einfließen lassen, mit Folterszenen und Showdown in der Bretragne. Damit hat sie leider viel kaputt gemacht und den Erzählfaden vielleicht ein wenig überdreht, einen Stilbruch begangen. Verfolgungsjagden, Schießereien und besagtes Foltern wollen nun gar nicht zu Ingrid Diesel und Lola Jost passen. Hier wäre weniger weitaus mehr gewesen. Thriller sind nicht Madames Ding und sollten es auch nicht werden.

Dennoch: Dominique Sylvain ist eine absolute Bereicherung für den Krimimarkt, das Übertriebene in Letzte Show sollte man mit französischer Nonchalance nehmen. Letzte Show ist ein kleiner Ausrutscher, wie so oft kann Numéro deux nicht ganz an den Erstling anknüpfen. Deswegen überwiegt eine leichte Enttäuschung – wenngleich auf hohem Niveau. Wer Ingrid Diesel und Lola Jost jedoch noch nicht kennt, kann und darf hier zugreifen. Empfohlen sei jedoch für Einsteiger Schöne der Nacht.

Lars Schafft, Oktober 2008

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JacMo zu »Dominique Sylvain: Letzte Show« 04.01.2011
Ausschließlich das Ermittler-Duo überzeugt nach wie vor, sowohl durch seinen Wortwitz, Charme, Charakterstärke als auch seine Eigenwilligkeit.
Leider hat der Plot mich häufig sehr verwirrt; viele verschiedene Personen/Namen, unterschiedliche Orte und unwillkürliche Zeitsprünge, wodurch ich manchmal Schwierigkeiten hatte zu folgen und sogar ein paar mal zurück blättern musste, um den Namen zu ordnen zu können oder mich zu versichern, dass ich auf der vorherigen Seite nicht den Übergang verschlafen hatte.
Viele Handlungsstränge fand ich übertrieben und vor allem unnötig oder unnötig lang, wie u.a. die Folterszene.

Leider konnte Sylvain die typische französische Atmosphäre, welche bei "Die Schöne der Nacht" aufkam, nur in kleinen Ansätzen wieder aufbauen, die Handlung ist ihr dies mal leider auch ziemlich entglitten, daher gibt´s von mir auch nur 64°.
- Schade! Hoffe, dass der nächste Band wieder deutlich mehr an den ersten anknüpfen kann, da ich sowohl Lola als auch Ingrid wieder begegnen möchte!
mase zu »Dominique Sylvain: Letzte Show« 04.07.2008
In die „Schöne der Nacht“ hat Sylvain Großes geleistet und ich hegte die Hoffnung adäquaten Ersatz für Fred Vargas gefunden zu haben.

Hier will Sylvain anfänglich aber zu viel des Guten. Beim Versuch skurril zu sein wird es wirr. Die neue Übersetzerin machte dieses Durcheinander auch nicht besser. Teilweise war mir z.B. nicht klar, wer sich alles in einem Raum aufhält und wer welchen Satz
spricht.

Zum Glück gelingt es der Autorin aber, diese Wellen zu glätten und die Geschichte lässt sich bald flüssig lesen. Jedoch versucht Sylvain immer noch zuviel. Ein Krimi wie Vargas ihn schreibt und ich gehe davon aus, dass diese das Vorbild von Sylvain ist, braucht nicht zwingend einen komplizierten Plot. Wolken schaufeln genügt. Hier ist mir der Plot einfach zu konstruiert und teilweise völlig überzogen. Folterknechte gehören definitiv nicht in eine solche Geschichte und sind völlig deplaziert.

Schade, denn die Dialoge sind klasse und auch die Personen liebenswert. Nur die Autorin war übermotiviert.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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